Neuer Wolfsangriff auf Hund in Brandenburg?

Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern
Nina
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Re: Neuer Wolfsangriff auf Hund in Brandenburg?

Beitrag von Nina » 14. Feb 2018, 01:04

Solange es keine offizielle Bestätigung des Falls gibt, sollte man solche Storys nicht zu leichtfertig für bare Münze nehmen.

Der Autor fällt laut Recherche des "Wolfsmonitors" nicht zum ersten Mal durch entsprechend gefärbte Berichte auf.¹

Am Ende lebt diese Story von den gleichen vorhersehbaren Zutaten wie ähnliche Geschichten:

1. Die Aussage des vermeintlich erwiesenen "Wolfsangriffs" basiert auf einer Vermutung
2. Der Amtsdirektor, der das lokale Leben durch den "Belagerungszustand"³ durch Wölfe eingeschränkt sieht und vor "gefährlichen Mischungen zwischen Wolf und Hund"³ warnt, ist - was für ein Zufall - Jäger: "Sein liebstes Hobby ist die Jagd".²
3. In jeder dieser Geschichten beklagt ein Landwirt einen Wolfsangriff auf seine Weidetiere
4. Obligatorisch folgt der Verweis auf Kinder, die sich nach Aussage des Jägers nun im Dunkeln nicht mehr auf die Straße trauten
5. Alles wird in emotionale Schilderungen verpackt, während auf offizielle Meldungen und sachliche Experteneinschätzungen gänzlich verzichtet wird


1. Der vermeintliche Wolfsangriff basiert lediglich auf einer Vermutung der Hundehalterin ("...was sie bei ihrer Vermutung so sicher macht..."³) - nämlich Wolfsbilder auf einer Wildkamera, die in keinen direkten Zusammenhang zu dem Vorfall stehen - aus welcher der Autor einen quasi bewiesenen Fall konstruiert ("Hündin Angie nach Wolfsangriff eingeschläfert"³ und "Durch einen Stabgitterzaun hindurch hat nun ein Wolf die Terrierhündin Angie angegriffen und schwer verletzt."³). Warum ein kleiner Familienhund offenbar mitten im Winter die Nacht allein auf dem Grundstück verbringen muss und nicht im Haus seines "Rudels" sein darf, treibt sicherlich so manchem Hundefreund ein Runzeln auf die Stirn, zumal Streitereien am Gartenzaun unter Hunden untereinander nicht unüblich sind, da es hier auch um Territorialverhalten geht. Der Autor hält diese Form der Hundehaltung offenbar für normal und üblich, wenn er beschreibt, dass es Nächte gäbe, "in denen die vierbeinigen Alarmanlagen um die Wette winseln, jaulen und kläffen".³ Wer bitte soll da schlafen? Und da gibt es keine Beschwerden wegen nächtlicher Ruhestörung? Hunde bellen ja nicht nur bei Wölfen, sondern auch bei Fußgängern, Artgenossen, Katzen, Igeln etc. Den Nachbar möchte ich haben, der das Nacht für Nacht auf Dauer erträgt. Nicht zuletzt werden Hunde auch aus Gärten gestohlen, wie z. B. in der Nacht zum 31.01.18 in Lüneburg, als ein Jagdhund von Unbekannten aus einem Zwinger entwendet wurde.⁵ Schon deshalb hätten viele Hundefreunde ein ungutes Gefühl, den geliebten Vierbeiner des Nachts im Garten sich selbst zu überlassen.

2. Die Märkische Allgemeine hat am 30.08.2016 ein Portrait über den Amtsdirektor veröffentlicht, nach dem er "einen Landwirtschaftsbetrieb im Nebenerwerb" führt und Jäger ist: "Sein liebstes Hobby ist die Jagd".²
Die Theorie über Hybriden samt derer angeblich besondere Gefährlichkeit wird hauptsächlich aus Kreisen der Jagd- und Bauernlobby und denen diese Klientel bedienenden Poitikern verbreitet, obwohl die Wissenschaft hierfür keine Begründung sieht.⁴

3. Obligatorisch wird immer ein Tierhalter zitiert, der Wölfe gesehen haben will und / oder Risse zu beklagen hat. In diesem Fall kommt noch die Frage hinzu, wer schon 10 ha Weideland mit 5 Litzen einzäunen könne. Als Leser wundere ich mich dann, warum sich der vorhandene Zaun mit ein oder zwei Litzen nicht nachrüsten lassen kann? Die Kühe dürften auch in Brandenburg nicht nach eigenem Belieben frei durch die Landschaft stromern, sondern müssen ja zunächst auch ohne den Wolf hütesicher gegen ein Ausbrechen eingezäunt sein.

4. Von den Rissen auf Nutztiere und den angeblich vom Wolf angegriffenen Hund kommt eine solche Geschichte zwangsläufig auf eine Gefahr für Kinder, selbst wissend, dass es in fast zwei Jahrzehnten Wolfsrückkehr in Deutschland keine gefährlichen Situationen mit Menschen gegeben hat - so wie in vielen Jahren zuvor mit rund 18.000 Wölfen in Europa und einer Bevölkerung von rund 745 Millionen Menschen. Dem jagenden Amtsdirektor zufolge aber trauten sich die Kinder nun im Dunkeln nicht mehr vor die Tür. Ob Kinder nun allein im Dunkeln unterwegs sein sollten, kann man aufgrund vieler Gefahren kritisch sehen - Straßenverkehr, freilaufende Hunde, Menschen mit kriminiellen Absichten usw. - aber die angeblich nun eingschränkten Kinder, die vor der Rückkehr der Wölfe offenbar noch in Scharen allein im Dunkeln in Wald, Feld und Flur unterwegs gewesen sein müssen, kann ich zumindest für unser Wolfsgebiet nicht bestätigen - weder vor noch seit der Rückkehr der Wölfe bin ich jemals so einem einsam umherstreifenden kleinen Kind in der Dunkelheit begegnet.

5. Der Autor schmückt seine Geschichte mit den bekannten Formulierungen, z. B. "flaues Gefühl im Magen", "verdächtige Bewegungen", "Lage dramatisch", "Belagerungszustand", "gefährliche Mischungen", "die grauen Räuber", "das schaurige Schauspiel" und "hätte auch einem Kind passieren können".³

Der Autor hat übrigens noch einmal nachgelegt und seinen Artikel genutzt, um auch noch die Reaktionen auf diesen zu thematisieren: "Tödlicher Wolfsangriff löst heftige Leserdebatte aus".⁶ Keine Rede mehr davon, dass der "Wolfsangriff" lediglich eine Vermutung der Hundehalterin war. Und als Krönung soll er plötzlich auch noch "tödlich" gewesen sein. Wenn der Autor in dem vorherigen Artikel nicht die Unwahrheit geschrieben hat, hätte der Hund - wie übrigens viele andere gehandicappte Hunde auch - durchaus mit 3 Beinen weiterleben können. Dem Bericht zufolge waren es die Halter, deren Entscheidung tödlich für den Hund endete, da dieser nicht als - wörtlich - "Krüppel" weiterleben sollte.

Als Satz des Tages kröne ich diesen: "Möglicherweise handelt es sich um eine läufige Wölfin, weil sich insbesondere die Schäferhunde in Steinberg auffällig verhalten würden."⁶

Kann mir das bitte jemand erklären? Schäferhunde, diese alten Schwerenöter unter den Hunden, werden also ganz kirre bei läufigen Wölfinnen, während deren Duft den gesitteten Labrador, Beagle, Bobtail, Weimaraner von nebenan natürlich total kalt lässt? Köstlich. :lol:



¹ Wolfsmonitor, 13.02.18: Terrier-Vorderpfote von Wolf abgebissen? http://wolfsmonitor.de/?p=12517
² Märkische Allgemeine, 30.08.2016: Amtsdirektor und Landwirt: Vom Schreibtisch auf den Mähdrescher http://www.maz-online.de/Lokales/Potsda ... ehdrescher
³ Märkische Allgemeine, 13.02.2018 Hündin Angie nach Wolfsangriff eingeschläfert http://www.maz-online.de/Lokales/Brande ... ert-werden
⁴ sz online, 09.02.18: Wissenschaftler widersprechen Jägern http://www.sz-online.de/nachrichten/wis ... 75476.html
https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/59488/3856170
⁶ Märkische Allgemeine, 13.02.18: Tödlicher Wolfsangriff löst heftige Leserdebatte aus http://www.maz-online.de/Lokales/Brande ... -Steinberg

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Old Trapper
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Re: Neuer Wolfsangriff auf Hund in Brandenburg?

Beitrag von Old Trapper » 14. Feb 2018, 10:35

Schattenwolf hat geschrieben:
13. Feb 2018, 19:06
Old Trapper hat geschrieben:
13. Feb 2018, 18:02
Sollte der oder sollten die Wölfe in Steinberg weiter so auffällig auftreten empfielt der Managementplan des Landes Brandenburg nach "besondere Aufmerksamkeit" in der nächsten Stufe: Entfernen
(Managementplan Wolf, Brandenburg S. 43)
Wie schon anderenorts gesagt, das öEntfernen dient hier letztendlich dem Schutz der Wolfspopulation als Ganzes. Und im Kontext einer ganzheitlichen Bewertung ist das gut so. Auch, wenn wir wissen, dass man hier einen Unschuldigen opfert, auch, wenn es uns weh tut.
Da haben die deutschen Wölfe ja Glück, das nicht jeder ach so große Führsprecher der Meinung ist. Ich bezweifle das es ihnen weh tut, ich empfinde ihre ganzen Phrasen als ziemlich heuchlerisch. Der nächste Schritt bei dieser Logik, wäre eine erneute Ausrottung des Wolfes in Deutschland.
Nichts für ungut Old-Trapper.
@ schattenwolf

Sind persönliche Diffamierung und/oder unsachliche Polemik gute Argumente für den Wolfschutz?
Nutzt so etwas der Glaubwürdigkeit derer, denen möglicherweise überzeugende Argumente fehlen?
Hebt so etwas das Niveau dieses Forums?

Nichts für ungut
Old Trapper
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Re: Neuer Wolfsangriff auf Hund in Brandenburg?

Beitrag von zaino » 14. Feb 2018, 12:27

Wo bitte ist Schattenwolf hier persönlich diffamierend oder polemisch? *michsuchendumschau*

Wie Nina ausführlich darlegt, ist viel heisse Luft und üble Stimmungsmache in dem zitierten Artikel enthalten - eigentlich besteht er nur daraus. Soll das nun die Basis werden für eine "vernünftige Entnahme" von Wölfen?? Daran sieht man eher, wie subjektiv, politisch gefärbt und einseitig solche Entscheidungen getroffen werden, wenns ganz schlimm wird.

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