Weideprämie für Herdenschutz

Die Beziehung zwischen Mensch und Wolf, Zusammenleben, Herdenschutz, Konflikte und Lösungen.
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TheOnikra
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Weideprämie für Herdenschutz

Beitrag von TheOnikra » 9. Jul 2019, 21:49

Mal seit langem wieder mal ein Artikel der nicht in Hystrie ausartet.
https://www.deutschlandfunk.de/woelfe-i ... _id=453366

Und mal ein weiteres Bsp neben F. Neumann:
Wir hatten 2006 einen Wolfsübergriff. Zu der Zeit hat Brandenburg noch keine Wölfe richtig anerkannt. Wir standen alleine da damit. Wir haben diese Hunde seit fast elf Jahren. Seitdem haben wir null Übergriff.
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Redux
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Re: Weideprämie für Herdenschutz

Beitrag von Redux » 9. Jul 2019, 21:55

Klar wenn die sich als Naturschützer präsentieren wollen um gefördert zu werden machen die immer auf zivilisiert. Aber im Ernst man sollte sich tatsächlich fragen ob man sich diesen ganzen Subventionszirkus noch leisten möchte um einen nicht konkurrenzfähigen Wirtschaftszweig am Leben zu erhalten. Und viele von denen haben auch schon gesagt, das sie nicht schützen würden selbst wenn der Staat sämtliche Kosten trüge. Was den Artikel und die darin beschriebene Politik angeht, der übliche Versuch einen tragfähigen Konsens zu finden (ein Bißchen mehr Geld für den Herdenschutz hier, etwas weniger Wolf dort) : Generell ein gutes altdeutsches Vorgehen. Nur ändert das natürlich nichts am generellen Problem und daran daß das was die da treiben immer noch nicht rentabel ist und da kann kein Wolf der Welt was für.
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zaino
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Re: Weideprämie für Herdenschutz

Beitrag von zaino » 9. Jul 2019, 22:20

Ok, wenn Massentierhaltung nur dazu dient, Dumpingpreis-Ware auf einen überfüllten Markt zu werfen, sind Subventionen eigentlich das Letzte, was man da noch hinterherschmeißen sollte.
Wenn Landschaftspflege + Biofleischproduktion Hand in Hand gehen, ist es evt. eine Frage der optimalen Vermarktung, damit sich das rentiert - und dann, da hast Du recht, trägts vermutlich auch die eine oder andere Herdenschutzmaßnahme.
Ich finds mal positiv, dass jemand sagt, hey, bei uns funzt das und das System. Probiert es auch aus.

Das generelle Problem ist immer noch, siehe oben: Der Markt ist mit Billigheimer-Ware dicht - und viele mögen kein Geld für besseres Fresschen ausgeben. Auch das macht vielen Bio-Bauern zu schaffen. Sind aber alles Herausforderungen, für die der Wolf nix kann. Aber so gar nichts.

Und warum jetzt eine ganze Existenz zusammenbrechen muss daran, dass da mal ein Wolf vorbeischaut, kapiere ich in 100 Jahren nicht. Es sei denn, das wölfchen schnappt sich den Ober-Preis-Schafbock oder -Zuchtbullen. Das wäre dann echt Pech, aber so ein Tier tät ich eh versichern.

Lutra
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Re: Weideprämie für Herdenschutz

Beitrag von Lutra » 10. Jul 2019, 12:07

Um dieses Problem ging es schon im März 2018.
viewtopic.php?f=11&t=2446&p=34064&hilit ... mie#p34064
Die Weidetierprämie wird schon in den meisten EU-Staaten gezahlt, und zwar aus der ersten Fördersäule, was bedeutet, dass von der Flächenprämie etwas abgeknapst wird und pro Weidetier dafür jährlich eine bestimmte Summe ausgezahlt wird, ähnlich der früheren Mutterschafprämie. Damit könnten die Schäfer und anderen Weidetierhalter fest rechnen und wirtschaften. Andernfalls geht diese Wirtschaftsweise unweigerlich den Bach runter. Nachwuchs ist in den Berufen nicht mehr zu finden. Die Anzahl der Betriebe und Schafe nimmt kontinuierlich ab. Und das hat erst mal gar nichts mit dem Wolf zu tun.
Die Folge ist, das naturschutzfachlich wichtige Flächen nicht mehr durch Beweidung gepflegt werden, verbuschen oder anders genutzt werden. Wenn es der Gesellschaft wichtig ist, eine gewisse Artenvielfalt in den entsprechenden Biotopen zu erhalten, muß sie auch notfalls etwas dafür tun, bedeutet Geld ausgeben, und kann nicht erwarten, dass das jemand für einen Hungerlohn erledigt.
Jedenfalls wurde die Petition der Berufsschäfer voriges Jahr durch die CDU/SPD-Koalition abgeschmettert. Ein bloßer Antrag bei der EU hätte damals genügt, dann würde dieses Jahr schon eine Weidetierprämie ausgezahlt. Jetzt verkaufen verschiedene Politiker die Sache als ihre Initiative...

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Redux
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Re: Weideprämie für Herdenschutz

Beitrag von Redux » 10. Jul 2019, 13:58

Hmmm das habe ich auch immer gedacht so von wegen ohne Weidetiere entsteht überall Buchen, bzw. Misch-Nadelwald. Und wie brauchen die Weidewirtschaft um die Artenvielfalt zu erhalten. Aber das könnten wilde Tiere doch auch leisten , was ist denn von sowas zu halten ? https://youtu.be/YdE279e92xc Also in dem Beitrag geht es eher um Pro und Kontra des Gebietes aber es gab auch mal einen der zeigen wollte, daß durch viele verschiedene Pflanzenfresser in großer Zahl eben auch ohne Mensch und Weidehaltung große Wiesenflächen entstehen. Daß Pflanzenfresser also nicht immer nur den durch das Klima und den Standort vorgegebenen Landschaftstypen folgen sondern diese aktiv und nachhaltig mitgestalten ebenso wie die Weidewirtschaft
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Re: Weideprämie für Herdenschutz

Beitrag von zaino » 10. Jul 2019, 16:05

Hm, das trifft auf die pleistozäne Tundra zu, die dieser Russische Professor Sergej Dingdsa.... wiedererstehen lassen will, damit der Permafrost in Sibierien nicht so rasend fix austaut. DER möchte dazu sogar gern geklonte Mammuts haben.

Und es trifft z. T. hier in D auf die Wacholderheiden und andere Landschaften zu, wo eine typische Flora und Fauna vorherrschen.
WIR HIER könnten extrem mehr Wald gebrauchen, da hast Du schon recht. Es hat also schon zwei Seiten, das Gejammer um die Schäferei.

Almen in den Alpen wachsen auch gnadenlos wieder zu ohne Bestoßung im Sommer. Wobei aufkommender Wald ebenso vor Lawinen schützt, wenn nicht besser, wie die Trampelpfad-Rippen der Kühe, die man da immer sehen kann.

Deiche hält man trotzdem lieber mit Schäfchen frei, die kann man besser händeln als Wildtiere, schätze ich.

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Re: Weideprämie für Herdenschutz

Beitrag von Lutra » 10. Jul 2019, 16:22

Ja, diese Annahme gibt es, dass große Pflanzenfresser, Wisent, Auerochse, Rotwild, die Landschaft in Mitteleuropa teilweise parkartig offen gehalten haben in früheren Zeiten. Es gibt auch gegenteilige Meinungen. Im Naturschutzgebiet Königsbrücker Heide z.B. wird nicht gejagt und es ist dort ein Winterbestand von ca. 1800 Stück Rotwild auf 70km² gezählt worden, per hochauflösenden Infrarot- und Normalkameras vom Ultraleichtflugzeug aus. Diese Menge Rotwild schafft es nicht, das Gebiet offen zu halten, obwohl Anfang der neunziger Jahre großflächig keine Bäume standen (ehemaliger Truppenübungsplatz). Die Wissenschaftler sind erstaunt, in welcher Geschwindigkeit sich das Gebiet bewaldet, mit Birke, Kiefer und erstaunlicherweise auch reichlich Eiche.
Andererseits wird ein großer Teil des Bestandes der heute seltenen Wiesenpflanzenarten auf die jahrhundertelange Beweidung, vorrangig mit Schafen, zurückgeführt. Das ist nun eine Ansichtssache, ob man sagt, pfeif auf die paar Blümchen, oder ob man in diesen einen Wert sieht wie z.B. in einem Kunstwerk.

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Re: Weideprämie für Herdenschutz

Beitrag von zaino » 10. Jul 2019, 16:33

Nun ja, die Pflanzen würden ja nicht aussterben, ihre Standorte würden sich halt künftig auf rein natürliche offene Flächen beschränken, denn auch die gibts ja durchaus. Selbst wenn die nach Quadratmetern kleiner ausfielen.

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Re: Weideprämie für Herdenschutz

Beitrag von Lutra » 10. Jul 2019, 18:38

Das stimmt. Da sind die Ansichten halt verschieden. Ich bin aktuell jedenfalls dabei, eine Orchideenwiese mit der Sense zu mähen. Da halten mich manche sicher für verückt. Ich mach das dort jetzt schon über dreißig Jahre und freu mich einfach drüber, so eine Wiese zu erhalten, und andere Leute auch. Andere freun sich an alten Gebäuden, wo auch viel Mühe und Geld aufgewendet wird, diese zu erhalten, obwohl niemand heute mehr wirklich ein Schloß braucht. Genau so ist das, wenn wir letzte Reste der Kulturlandschaft erhalten wollen, die für den großen Artenreichtum in unseren Regionen gesorgt haben, indem Arten der Steppenlandschaften hier Lebensraum fanden. Nichts wert, braucht keiner? Wie der Wolf?

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