Kormorane

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Erklärbär
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Kormorane

Beitrag von Erklärbär » 16. Mai 2019, 10:09

Ich habe nichts gegen Kormorane (genausowenig wie gegen Wölfe). Es sind tolle Vögel.

Ich verstehe nur nicht, warum man nicht die Populationsdichte verringern darf, weil diese Vögel derart überhand nehmen, dass mittlerweile ganze Fischarten nahezu ausgerottet sind! In ganz Norddeutschland dürfte es mittlerweile keinen sich selbst reproduzierenden Äschenbestand mehr geben, dank Kormoran! In Bayern ist es auch schlimm, immerhin dürfen dort Kormorane geschossen werden.

Falscher Naturschutz, nur weil es dem Profit Weniger nutzt. Der NABU betrachtet Kormoran und Wolf als probates Mittel, um Neumitglieder zu werben. Da geht es um viel Kohle. An die aussterbenden Fische und seit Generationen tätigen Teichwirten denken die kaum. Ich kann das nicht für gut befinden. Ähnlich beim Wolf.

Teichwirte, Freilandnutztierhalter schmeißen reihenweise den Bettel hin. Aber Lammfleisch gibt es ja aus Neuseeland, Pangasiusfilet aus Südostasien. Deswegen kann man sich den fehlgeleiteten Naturschutz hier leisten.

Gruß Erklärbär

Lutra
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Re: Kormorane

Beitrag von Lutra » 16. Mai 2019, 11:57

Erklärbär, ich wohne auch in der Nähe eines ausgeprägten Teichwirtschaftsgebietes, Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, Lausitzer Spiegelkarpfen dürfte ein Begriff sein. Ja, die Teichwirte haben schon Probleme mit dem Kormoran, zumal er im Winter zu Hunderten aus dem Osten einstreicht und die Teiche das gleiche für ihn sind wie eine ungeschützte Schafsherde für den Wolf. Das dürfte allerdings die einzige Paralelllität sein zwischen den Arten. Alle anderen Vergleiche hinken gewaltig.
Vor Jahren war die Entschädigungssumme für Kormoranschäden für die Teichwirte in Sachsen noch sehr hoch, kein Vergleich zu den Wolfsrißentschädigungen. Das Drängen auf Abschuß wurde immer stärker und so kam die Kormoranverordnung, die Vergrämungsabschüsse erlaubt, Entschädigungen fielen dafür weg ( 8-) ). Nun verbringen einige Teichwirte ein Drittel ihrer Arbeitszeit mit der Flinte, um die Kormoranschwärme von einem Teich zum anderen zu jagen, wodurch ihr Hunger nicht abnimmt, im Gegenteil. In Sachsen selbst gibt es wenige Brutpaare des Kormorans.
Ich bin selbst in einem Verein und wir haben einen größeren Teich gepachtet. Bei uns ist der Kormoran kein Problem, weil in der Nähe der Seeadler nistet und regelmäßig patrouilliert. Das mag der nicht...
Was Flüsse und Bäche betrifft, fehlen da nicht durch den fortschreitenden Ausbau zunehmend Laichplätze? Abzweigend von unserem Dorfbach gab es Gräben, die zum Teil sogar "Forellengraben" genannt wurden, weil die Forellen dort zum Laichen reingingen. Die sind so vor 40/50 Jahren alle kanalisiert oder verrohrt worden und heute, nachdem der Bach wieder chemisch sauber ist und Forellen beheimatet, die eingesetzt wurden, wundert man sich, dass die sich nicht vermehren. Kormoran hab ich in dem Bach erst ein mal einen landen sehen oberhalb eines Wehres. Das nur mal als Beispiel.
Mir scheint es so, dass der Kormoran ähnlich wie der Wolf für Fehler herhalten muß, die der Mensch letztlich verursacht hat.

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Re: Kormorane

Beitrag von Erklärbär » 16. Mai 2019, 23:19

Stimmt nicht Lutra. Beispiele gibt es genug, wo alles passen würde mit Wasserqualität, Laichplätze, Angelverbot etc. und nachweislich der Kormoran sämtliche Arterhaltungsversuche zunichte gemacht hat. Wenn Du da mal Literatur brauchst, sag Bescheid.

Das mit dem Seeadler ist schön für Euch, aber das Glück hat kaum jemand. Kormorane haben sonst wie der Wolf keine natürlichen Feinde.

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Re: Kormorane

Beitrag von Lutra » 17. Mai 2019, 07:47

Erklärbär hat geschrieben:
16. Mai 2019, 23:19
Stimmt nicht Lutra. Beispiele gibt es genug, wo alles passen würde mit Wasserqualität, Laichplätze, Angelverbot etc. und nachweislich der Kormoran sämtliche Arterhaltungsversuche zunichte gemacht hat.
Was stimmt nicht?
Wenn alles passt, wieso braucht es da Arterhaltungsversuche?
Wo alles passt, erhalten sich doch die Arten von selbst und kein Mensch muß nachhelfen.

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Re: Kormorane

Beitrag von Erklärbär » 17. Mai 2019, 17:25

Alles passt bis auf Kormorane. Es gibt mittlerweile viel zu viele. Vielleicht, weil es zu wenig Seeadler gibt. Das sind Zugvögel. Die Population von 200.000 oder so auf ca. 2 Mio in ganz Europa hochgeschnellt. Müsste genaue Zahlen nochmal nachschauen. Ursprünglich hatten die ihre Brutkolonien in Küstengebieten, mittlerweile auch im Binnenland. Dort gehören sie nicht hin. Die Äschen haben sie schon fast ausgerottet. Man bekommt auch fast keine Satzfische mehr, ganz Norddeutschland m.W. Fehlanzeige.

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Re: Kormorane

Beitrag von Dr_R.Goatcabin » 17. Mai 2019, 18:36

Lutra hat geschrieben:
17. Mai 2019, 07:47
Was stimmt nicht?
.. Jeder sucht sich seinen persönlich zugeschnittenen Nemesis aus. - Den teuflischen Professor, für den kleinbürgerlichen Spießer der Hippie gegenüber, und für manche ist es dann eben auch schon .... ääh .. ´n Wasservogel. :pleased:

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Re: Kormorane

Beitrag von Lutra » 17. Mai 2019, 19:30

Der Kormoran hat nach seiner jahrhundertelangen Bekämpfung in den letzten Jahrzehnten die gleiche Entwicklung genommen wie jetzt der Wolf in einer logistischen Bestandszunahmekurve. Ich habe 1980 die ersten an der Müritz gesehen. Mittlerweile haben sie alle geeigneten Lebensräume besetzt und ihr Brutvogelbestand bleibt mit Schwankungen annähernd gleich.
Erklärbär, wie kommst Du darauf, das er ins Binnenland "nicht hin gehört"?

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Re: Kormorane

Beitrag von zaino » 17. Mai 2019, 22:25

Warum kapiert das immer keiner: Wenn die nicht mal hier brüten und es werden ein paar abgeknallt (alle erwischt sowieso keiner), dann werden einfach andere, mehr, von woanders her ins Vakuum drängen. Mutter Natur füllt immer ungenutzten Raum aus. Die Einzigen, die das gezielt ausbremsen könnten, wären natürliche Feinde. Die haben wir aber auch längst als "bööööhzes Raubzeug" vor langer Zeit mit Erfolg ausgerottet.
Die einfachen Flintenlösungen klappen nicht. Verstehen das auch Erklärbären irgendwann mal?

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Re: Kormorane

Beitrag von Erklärbär » 17. Mai 2019, 22:42

Lutra, die 2,2 Millionen Kormorane europaweit, Zahlen von 2014. Noch in den 1960er und 1970 Jahren waren die Habitate fast ausschliesslich auf Küstenregionen fokussiert.

https://www.fishlife.at/wp-content/uplo ... 04-27-.pdf

Pro Kormoran im Durchschnitt 500 g Fisch/d.
Rechne mal 2,2 Mio an 365 Tagen. Ca. 400 000 Tonnen Fisch pro Jahr, wenn ich richtig gerechnet habe. Das muss man sich mal vorstellen.

Ein Prädator ohne natürliche Feinde. Euer Seeadler vertreibt sie ja auch nur an den nächstbesten See. So schaut es aus. 8-)

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Re: Kormorane

Beitrag von Lutra » 18. Mai 2019, 08:17

Erklärbär hat geschrieben:
17. Mai 2019, 22:42
Lutra, die 2,2 Millionen Kormorane europaweit, Zahlen von 2014. Noch in den 1960er und 1970 Jahren waren die Habitate fast ausschliesslich auf Küstenregionen fokussiert.
Na klar, weil man sie als Schädlinge bekämpft hat, waren sie im Binnenland weitgehend weg. Das hat zu diesen Zeiten und vorher viele Arten betroffen, Fischotter, Habicht, eigentlich fast alle Greifvögel, Wolf usw. usw...
Im 20. Jahrhundert entwickelte sich dann ein anderes Denken in der Beziehung.
Meiner Meinung nach haben die Fische aber die größeren Probleme durch die Veränderungen ihrer Lebensräume durch menschliches Wirtschaften.
Erklärbär hat geschrieben:
17. Mai 2019, 22:42
Pro Kormoran im Durchschnitt 500 g Fisch/d.
Rechne mal 2,2 Mio an 365 Tagen. Ca. 400 000 Tonnen Fisch pro Jahr, wenn ich richtig gerechnet habe. Das muss man sich mal vorstellen.

Ein Prädator ohne natürliche Feinde. Euer Seeadler vertreibt sie ja auch nur an den nächstbesten See. So schaut es aus. 8-)
Wie man sich beim großen Hunger der Wölfe wundern muß, dass es überhaupt noch Schalenwild gibt, nach vielen Jahrtausenden Koexistenz von Beute und Prädator miteinander, ohne das der Mensch da zum Regulieren da war, muß man sich bei Kormoran und Fischen genau so wundern. ;-)
Der Mensch hat Probleme damit, bei Schafsweiden und Fischteichen, wo klar ist, dass sich eine Schafsweide besser schützen läßt als ein Fischteich. Den Teichwirten geht es insgesamt fast genau so wie den Schäfern: Ohne staatliche Förderung siehts allgemein trübe aus, und das erst mal nicht wegen der Prädatoren. Unsere Teichwirte hier nutzen durchgehend die Förderung "Naturschutzgerechte Teichbewirtschaftung" und auch die Ausgleichzahlungen bei Fischotteranwesendheit. Alleine mit den Erträgen aus dem Verkauf der Fische sähe es trübe aus.

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