Wolfswarnung von CDU

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TheOnikra
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Re: Wolfswarnung von CDU

Beitrag von TheOnikra » 14. Okt 2018, 01:52

Nun wenn man sich so ansieht gibt einiges Menschgemachtes was überflüssig ist, von daher will ich gar nicht damit anfangen. Aber vielleicht kann man ja mal aufzählen was nicht überflüssig ist: ...
Soll ich es noch mal aufzählen?
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maxa67
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Re: Wolfswarnung von CDU

Beitrag von maxa67 » 14. Okt 2018, 07:15

Nee, erklärbärchen, ich denke, hier tut keiner so, als ob er irgendwas ausschließen wollte. Sicher ist ein halbhoher laufender Meter wie jedes Lebewesen für den Wolf erstmal interessant und wirkt weitaus weniger bedrohlich für den Isegrim. Ich lese nirgendwo raus, daß hier irgendeiner die theoretisch logische und praktisch denkbare Möglichkeit negiert.

Das Problem ist die absolut idiotische Konstellationen, daß man ein Kleinkind alleine im Wolfswald läßt, als Problem dermaßen aufbauscht und hochhypt, daß der Eindruck entsteht, wir hätten alle Jahre ein großes Gebrüder Grimm Festival. Die Chance, überhaupt einen Wolf zu erblicken, dürfte sich statistisch weit unter der Chance, einen Verkehrsunfall zu bauen, einreihen. Dabei wird in der Mathematik kein Unterschied zwischen Jäger und Baby gemacht. Und dann breche das mal auf die Risikogruppe der 1-10 Jährigen herunter, rechne daraus noch die Städter heraus, welche quasi Bäume nur von Reportage oder einen Natur App kennen und streiche die Regionen, wo keine Wölfe in Deutschland vorkommen. Und dann reden wir immernoch über einen ganz normale Sichtung, die zu 99 % auf ner Distanz >100m vorkommt.

Es mag kaltherzig klingen, aber wer mit geschlossenen Augen durch sein Umfeld geht und als Mensch keinerlei Gespür für den Schutz des eigenen Nachwuchses entwickelt, für den hatte Darwin die Theorie der natürlichen Auslöse augeschrieben. Ab und zu muß die dann auch mal wieder am Menschen nachgewiesen werden...

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Dr_Goatcabin
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Re: Wolfswarnung von CDU

Beitrag von Dr_Goatcabin » 16. Okt 2018, 15:03

Zusammenfassend jede Stellungnahme von CDU/CSU/AFD zur absolut immanenten Wolfsgefahr.
bogeyman.jpg
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
"Though this be madness, yet there is method in 't ..."

"Ich wollte schon immer was mit Menschen machen." - "Ja, aber ... Scharfschütze?"

Erklärbär
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Re: Wolfswarnung von CDU

Beitrag von Erklärbär » 17. Okt 2018, 22:35

Witzbildchen... muhaha!

Du hältst Dich auch für sehr witzig, was? Derweil werden woanders Fakten geschaffen...

Agrarministerin Klöckner will Wölfe abschießen lassen

https://www.nordkurier.de/aus-aller-wel ... 59710.html

Nina
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Re: Wolfswarnung von CDU

Beitrag von Nina » 20. Okt 2018, 15:11

@maxa67

Das Schild mit der Aufschrift "Achtung! WÖLFE! - Kinder an die Hand nehmen, Hunde anleinen" ist doch die altbekannte Panikmache-Masche pur, über deren Hintergründe wir kaum noch spekulieren müssen.

Ein Kind ist übrigens per Definition Kind bis zum 14. Lebensjahr. Wieviele Eltern wohl den pubertierenden 13jährigen Sohn im Wald an die Hand nehmen, wenn sie so ein Schild lesen? Und wieviele Krabbelkinder dürfen sich wohl auch ohne Wolfsanwesenheit frei und außer Sichtweite der Eltern im Wald bewegen? Hoffentlich nehmen die angeblich so vielen angeblich so ganz unbeaufsichtigt überall herumkrabbelnden kleine Zwerge keine giftigen Beeren oder Pilze in den Mund, geraten unter den Harvester oder kippen gleichmal kopfüber in das nächstgelegene natürliche Gewässer...

Vor der Rückkehr der Wölfe haben die Jagdpächter hier selbstentworfene Schilder im Wald aufgestellt, mit der Forderung, Hunde anzuleinen, - meist verziert mit dem blutigen Foto eines vermeintlich von einem Hund gerissenen Rehs. Schilder mit Auskunft über die Anleinpflicht in der Brut- und Setzzeit in Niedersachsen sind heute noch weitflächig verbreitet. In den Jagdforen kann man auch schon mal nachlesen, dass sich manche Jagdpächter von dem Warn-Schild "Vorsicht Zecken" erhoffen, unliebsame andere Waldnutzer aus ihrem Revier zu vertreiben, da eigenmächtige dauerhafte Absperrungen von Waldwegen ohne besonderen Grund und ohne behördliche Genehmigung schlichtweg verboten sind.

Was Deinen warnenden Kommentar zur Halbwertszeit von jagenden Hunden in der Nähe von Wolfswurfhöhlen betrifft, stellt sich ebenfalls die Frage, wieviele Menschen wohl davon "betroffen" sein mögen, bei einer Reviergröße von 250 - 350 km² tatsächlich eine Wolfswurfhöhle auf ihren Gassirunden zu frequentieren? Den Hund in der Zeit der Wolfswelpenaufzucht nicht unangeleint "jagen" zu lassen, versteht sich eigentlich auch ohne Wolf von selbst, da auch andere Wildtiere zu dieser Jahreszeit ihren Nachwuchs aufziehen (Brut- und Setzzeit!).

Wie steht es denn eigentlich so um die "Halbwertszeit" von Menschen an einer Wurfhöhle der angeblich so "kompromisslosen" Wölfe?

Hierzu schrieb das Bundesumweltministerium am 28.10.2015:
Auch das Zusammentreffen zwischen Mensch und Wolf an einem frisch gerissenen Tier stellt keine Gefahrensituation dar. [...] Wölfe verteidigen selbst ihre Welpen in der Regel nicht gegen Menschen.

Bundesumweltministerium, 28.10.2015, Ausschussdrucksache 18(16)313, Seite 63- 64 https://www.bundestag.de/blob/393542/5e ... b-data.pdf
Und im Yellowstone Nationalpark zeigen sich Wölfe auch wenig "kompromisslos", wenn Massen von Menschen ihre Wurfplätze frequentieren:
Seit ihrer Wiedereinbürgerung 1995 sind Hunderttausende Besucher in den Park gekommen, um Wölfe zu beobachten. In manchen Jahren haben einzelne Rudel ihre Höhle oder den Rendezvous-Platz in Sichtweite von Straßen und werden von zehntausenden Besuchern bei der Welpenaufzucht beobachtet.

Ilka Reinhardt, Petra Kaczensky, Jens Frank, Felix Knauer, Gesa Kluth: Konzept zum Umgang mit Wölfen, die sich Menschen gegenüber auffällig verhalten - Empfehlungen der DBBW, BfN-Skripten 502, 2018, Seite 14 https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/servic ... ipt502.pdf

Nina
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Re: Wolfswarnung von CDU

Beitrag von Nina » 20. Okt 2018, 17:04

Old Trapper hat geschrieben:Eine Warnung bezüglich dort spazierender kleinerer Kinder mit Hunden halte ich für durchaus gerechtfertigt.
Nicht, dass der Wolf das Kind anginge, aber dass der Hund ihn anziehen könnte, das kann man nicht ganz ausschließen.
Daher gilt hier wohl:
Besser 10 mal zuviel als einmal zu wenig gewarnt.
Auch im Sinne des Wolfes!
Panikschürerei in Form von "Warnungen" im Fall unbestätigter Wolfssichtungen sind weder im "Sinne des Wolfes" noch im Sinne einer sachlichen Information der Bevölkerung.

Allein die Konstruktion "spazierende kleinere Kinder mit Hunden" erscheint äußerst realitätsfremd, da die Kombination von dem unbeaufsichtigten kleineren Kind allein mit einem Hund auch ohne Wolfsanwesenheit berechtigte Fragen aufwirft, was die Sicherheit betrifft.

Die Gefahr für ein Kind, durch den eigenen oder einen bekannten Hund durch einen Biss verletzt zu werden, manifestiert sich in Deutschland regelmäßig: Zwei Drittel der Opfer von Hundebissen sind Kinder. In 90% der Fälle ist dabei der eigene oder ein bekannter Hund Verursacher dieser Bissverletzungen, wie eine Kinderärztin eindrucksvoll in einer ARD-Dokumentation schildert. Was Häufigkeit und Schwere der Bissverletzungen anbelangt, spielt es den Erkenntnissen der Kinderärztin zufolge keine Rolle, ob es sich um große oder kleine Hunde handelt.

Dort gibt auch Prof. Dr. Jansjoachim Hackbarth von der Tierärztlichen Hochschule Hannover folgende Stellungnahme ab:
[...] Kinder können Hunde überhaupt nicht lesen, also nicht interpretieren, sein Verhalten nicht einschätzen, seine Reaktion nicht einschätzen.
Darum verhalten sich Kinder gegenüber Hunden wie gegenüber anderen Kindern. Und das kann zu fatalen Folgen führen.


Prof. Dr. Jansjoachim Hackbarth in der ARD-Dukumentation: Wie gefährlich sind Kampfhunde? August 2018
https://www.daserste.de/information/rep ... e-100.html
Wenn nun die "kleineren Kinder", die angeblich für gewöhnlich mutterseelenallein mit ihrem Hund Gassi gehen, vielleicht gerade nicht vom eigenen Hund gebissen werden, welche Gefahrensituation stellt sich dann aber dar, wenn sie mit ihrem Hund anderen Hunden begegnen, teils unangeleinten oder den eigenen angeleinten Hund nicht halten können?

Da es aktuell keine bundesweite Statistik gibt, schauen wir doch mal auf die Zahlen allein von Berlin aus dem Jahr 2017, in dem 584 Fälle registriert worden sind, bei denen Menschen durch Hunde "angesprungen oder verletzt" worden sind - allein in Berlin (!).
Außerdem listet die Statistik 398 Fälle auf, in denen Hunde von anderen Hunden verletzt wurden. Im Vorjahr 2016 gab es 480 entsprechende Meldungen.

rbb24, 24.04.2018: Hundebiss-Statistik 2017 Berlin Knapp 600 Mal Menschen angesprungen oder verletzt https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2 ... erlin.html
Das Risiko für das "kleinere Kind", mit seinem Hund in eine Beißerei mit einem anderen Hund involviert zu werden, liegt also weitaus höher als eine Beißerei des Hundes mit einem Wolf. Und wie wir nun ja gelernt haben, fehlen dem "kleineren Kind" noch sämtliche Fähigkeiten, den eigenen oder den anderen Hund überhaupt entsprechend einschätzen zu können. Erscheint es verlässlich, dass das "kleinere Kind", kräftemäßig den eigenen, vielleicht größeren Hund mit seinem kraftvolleren "Vierrandantrieb", bei einer Begegnung mit einem fremden Hund überhaupt an der Leine zu halten vermag?

Ein Blick in die Hundehalterverordnung in Brandenburg z. B. offenbart die Unzulässigkeit, "kleinere Kinder" allein mit dem Hund Gassi zu schicken:
§ 2
Führen von Hunden

(1) Wer Hunde außerhalb des befriedeten Besitztums führt, muss körperlich und geistig die Gewähr dafür bieten, jederzeit den Hund so beaufsichtigen zu können, dass Menschen, Tiere oder Sachen nicht gefährdet werden. Der Hundeführer hat den Hund ständig zu beaufsichtigen und sicher zu führen.
[...]
(6) Der Hundehalter hat sicherzustellen, dass sich der Hund nicht unbeaufsichtigt außerhalb des befriedeten Besitztums aufhält. Hunde dürfen nur Personen überlassen werden, die die Gewähr dafür bieten, dass die Vorschriften dieser Verordnung eingehalten werden.

Ordnungsbehördliche Verordnung über das Halten und Führen von Hunden (Hundehalterverordnung - HundehV) https://bravors.brandenburg.de/de/verordnungen-211875

Wieviel Sinn macht es also, anlässlich des allgemeinen hohen Risikos, ein "kleineres Kind" allein mit einem Hund durch die Gegend zu schicken, vor einem Wolf zu warnen?
Das größere Kind, das das Verhalten des Hundes einschätzen und angemessen reagieren kann, könnte man dagegen über das richtige Verhalten im Falle einer Wolfsbegegnung aufklären, was sich für ganz Niedersachsen anbietet, da jederzeit überall eine Wolfsbegegnung möglich ist.
Old Trapper hat geschrieben:Besser 10 mal zuviel als einmal zu wenig gewarnt.
Welchen Sinn sollen 10 inhaltsleere, aber medial mächtig aufgebauschte Warnungen denn haben, wenn nicht die Absicht, Angst und Unsicherheit zu verbreiten?

Die DBBW hat verständliche und leicht nachvollziehbare Handlungsempfehlungen ausgearbeitet, wie im Falle ungewöhnlich erscheinender Wolfssichtungen vorzugehen ist. Dazu zählt ja nun erst einmal, als vermeintlich "auffällig" gemeldetes Verhalten zu untersuchen und die Bevölkerung vor Ort aufzuklären.
Die meisten Meldungen von auffälligem Wolfsverhalten stellten sich bisher als unproblematisch heraus. Es kam allerdings wiederholt vor, dass besonders spektakuläre Meldungen, wie Wolfangriffe auf Menschen, frei erfunden waren. Dies ließ sich nur durch eine zeitnahe und
intensive Vor-Ort-Recherche belegen.

Ilka Reinhardt, Petra Kaczensky, Jens Frank, Felix Knauer, Gesa Kluth: Konzept zum Umgang mit Wölfen, die sich Menschen gegenüber auffällig verhalten - Empfehlungen der DBBW, BfN-Skripten 502, 2018, Seite 21 https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/servic ... ipt502.pdf
Wie waren noch einmal die genauen Worte des CDU-Bürgermeisters, als er seine "Wolfswarnung" herausgab?
„Ich selbst habe keinen Wolf gesehen und weiß daher nicht, ob es wirklich stimmt“, erklärt Timpker im Gespräch mit unserer Redaktion.

Neue Osnabrücker Zeitung, 09.10.2018: Gemeinde gibt Warnhinweis heraus - angebliche Wolfssichtung in Spahnharrenstätte
https://www.noz.de/lokales/soegel/artik ... renstaette
Das ist eine recht dünne Grundlage für "Warnungen" an die Bevölkerung, zumal in den Jahren zuvor in Niedersachsen bereits mehr als 6.000 Wolfshinweise dokumentiert worden sind, ohne dass irgendjemand hätte gewarnt werden müssen.

Unbegründet Angst und Unsicherheit zu verbreiten, um dann die eigenen Leute mit einer vermeintlich einfachen Lösung aufwarten zu lassen, erscheint wie ein bekanntes PR-Muster so einiger Parteien. Der freie Fall von CDU und SPD in der Wählergunst lässt allerdings auch den hoffnungsvollen Schluss zu, dass man Wählern nicht unbegrenzt ein X für ein U vormachen kann, nur um an der Mehrheit der Bevölkerung vorbei einer bestimmten, kleinen Klientel dienlich zu sein.

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Re: Wolfswarnung von CDU

Beitrag von Dr_Goatcabin » 20. Okt 2018, 21:39

Dank an Nina für die Beiträge; lese ich mir morgen nochmal ausführlich nach, wenn Kopfweh nachgelassen hat. Bis hierhin fiel mir nur ein ..
Wie steht es denn eigentlich so um die "Halbwertszeit" von Menschen an einer Wurfhöhle der angeblich so "kompromisslosen" Wölfe?

Hierzu schrieb das Bundesumweltministerium am 28.10.2015:

Auch das Zusammentreffen zwischen Mensch und Wolf an einem frisch gerissenen Tier stellt keine Gefahrensituation dar. [...] Wölfe verteidigen selbst ihre Welpen in der Regel nicht gegen Menschen.

Bundesumweltministerium, 28.10.2015, Ausschussdrucksache 18(16)313, Seite 63- 64 https://www.bundestag.de/blob/393542/5e ... b-data.pdf
- Haben schon D. Mech und/oder F. Mowat (mindestens einer der beiden) in ihren lesenswerten Büchern beschrieben, dass Wölfe in aller Regel das Weite suchen, anstatt den Nachwuchs zu schützen. Muss man schade finden; hier aber eher als Entwarnung geeignet. :?
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Re: Wolfswarnung von CDU

Beitrag von TheOnikra » 20. Okt 2018, 21:57

Was mich an den Wahrnungen am meisten stört ist die Tatsache, dass die sehr relevanten Informationen nicht genannt werden. Wo ist der hin das man Wölfe nicht füttern oder verfolgen soll? Anstelle einer sinnlosen Warnung könnte man doch gleich die Verhaltensegeln nennen. So in etwa "Denken sie daran ihre kleinen Kinder nicht unbeaufsichtigt zulassen." ; "Nochmal ausdrücklich der Hinweis das Hunde im Wald anzuleinen sind." ; "RUHE bewahren und nicht hektisch reagiern."ect.

Fazit: Man kann es auch vollständig und ohne Panik mache rüber bringen.
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Re: Wolfswarnung von CDU

Beitrag von Nina » 21. Okt 2018, 13:27

Hier kann man die "Warnung" im Original-Wortlaut nachlesen:

Gemeinde Spahnharrenstätte, Landkreis Emsland: WARNHINWEIS! https://www.vereine-spahnharrenstaette.de/Warnung.htm

Man beachte die Wortwahl: "Besorgte Anwohner", Wolf "treibt sich umher", "gebotene Vorsicht" und "mögliche Gefahr".

Typischerweise wird die "Gefahr" mit dem Wort "Kinder" in Verbindung gebracht. Der Wolf soll übrigens "in den Abendstunden" gesichtet worden sein. Die auch von TheOnikra vermisste Sachinformation mit Aufklärung und Verhaltenstipps sucht man in dem Original-Warnhinweis vom CDU-Bürgermeister vergeblich.

Dieses Muster erinnert mich wieder an den Artikel im Spiegel, in dem John Linnell zitiert wurde.
In den Debatten, so Linnell, sei nicht nur der reale, sondern immer auch der "politische Wolf" gemeint. So entstehen Mythen wie die vom Waldkindergarten und von der Bushaltestelle. Kein Wolf ist dort tatsächlich auf Kinder getroffen, doch allein die Vorstellung nährt bei vielen Menschen tief verwurzeltes Grauen.

SPIEGEL 10/2018, Julia Koch: Gefährliche Märchen, Print-Ausgabe vom 03.03.2018, Seite 104-105
Julia Koch stellt fest, dass im Februar 2018 im Deutschen Bundestag die "Geburt eines modernen Fabelwesens" zu beobachten gewesen sei:
Die Rede war vom neuen bösen Wolf, jenem blutrünstigen Geschöpf, das nicht Rotkäppchen und Großmutter, dafür aber kleine Jungs und Mädchen auf dem Schulweg und im Kindergarten verschlinge.

SPIEGEL 10/2018, Julia Koch: Gefährliche Märchen, Print-Ausgabe vom 03.03.2018, Seite 104-105
Entsprechende Warnungen seien dabei aus den Reihen der CDU und der AfD gekommen. Der jagdpolitische Sprecher der FDP, Karl-Heinz Busen, gekleidet im "grauen Jäger-Janker", habe angesichts der Gefahren gefordert, dass die Verbreitung "eines so großen Raubtieres sorgfältig begleitet" werden müsste und befand, dass die Jäger für diese Aufgabe genau die Richtigen seien (vgl. Spiegel-Artikel und Bundestagsdebatte vom 02.02.2018).

John Linnell wird in dem Spiegel-Artikel zitiert, dass der Wolf eine Art "Projektionsfläche" sei: "Dörfler gegen Städter, Tradition gegen Moderne, Jäger gegen Tierschützer":
"Politiker und Wolfsgegner machen den Menschen Angst, um sie zu manipulieren", so der Wissenschaftler. "Das ist zynisch und schmutzig, aber der Trick wird oft angewandt, einfach weil er so gut funktioniert."

SPIEGEL 10/2018, Julia Koch: Gefährliche Märchen, Print-Ausgabe vom 03.03.2018, Seite 104-105

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Dr_Goatcabin
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Re: Wolfswarnung von CDU

Beitrag von Dr_Goatcabin » 21. Okt 2018, 13:49

"Politiker und Wolfsgegner machen den Menschen Angst, um sie zu manipulieren", so der Wissenschaftler. "Das ist zynisch und schmutzig, aber der Trick wird oft angewandt, einfach weil er so gut funktioniert."
Aussage meines letztverwendeten "Witzbildchens", weil es eben auch längst nicht jeder verstand (q.e.d.).
"Though this be madness, yet there is method in 't ..."

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