Wölfe in Westpolen

Über freilebende Wölfe in Europa.
Benjamin2015
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Wölfe in Westpolen

Beitrag von Benjamin2015 »

Hallo,
wo finde ich eine Übericht aller Wolfsrudeln in Westpolen mit Angabe der Rudel-Herkunft der Wolfspaare?
Danke.
LG
Benjamin
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SammysHP
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Re: Wölfe in Westpolen

Beitrag von SammysHP »

Selbstverständlich beim CEwolf/Senckenberg: http://www.senckenberg.de/root/index.php?page_id=17656

Beim polnischen Wolfsprojekt dürftest du auch einiges finden: http://wolfproject.pl/

Für dich dürften diese Artikel interessant sein:
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0184144
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1 ... 12676/full
https://link.springer.com/article/10.10 ... 016-0263-3

Wie immer auch die Quellen beachten, da findet man oftmals hilfreiche Literatur.
zaino
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Re: Wölfe in Westpolen

Beitrag von zaino »

Setzt voraus, dass Benjamin über den ersten Satz jeweils hinausliest. *flöt* SEHR anspruchsvoll...
maxa67

Re: Wölfe in Westpolen

Beitrag von maxa67 »

Netter Bericht in der SZ, leider nur im Bezahlteil. Betrifft die Rudel im polnisch (Schlesien) - böhmischen Grenzgebiet.

Die Wölfe sind da, die Bären nicht
https://www.sz-online.de/nachrichten/di ... 43919.html

Sinngemäß gehts um das feste Etablieren eines Rudels östlich des Riesengebirges (zwischen Krumhübel und Waldenburg) auf polnischer Seite wo in den letzten beiden Jahren Welpen nachgewiesen wurden sowie einer Wolfsfamilie im nördlichen Isergebirge. Die im Übrigen bisher noch kein einziges Nutztier gerissen hat!

Eine Ansiedlung in den beiden Kernzonen beider Gebirge ist aufgrund des Tourismus eher unwahrscheinlich, weswegen die Rudel auch eher im Vorland etabliert sind. Desweiteren wurde das Gerücht über eine eingewanderte Bärenfamilie entkräftet, aber steigende Bestände an Luchs und Wildkatze angezeigt. Und der Plan, daß diese Gebirge wieder mit Tannen aufgeforstet werden, nachdem jahrzehntelang auf die schnellwachsendere aber weniger resistente Fichte gesetzt wurde.
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Dr_R.Goatcabin
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Re: Wölfe in Westpolen

Beitrag von Dr_R.Goatcabin »

SammysHP hat geschrieben: 25. Nov 2017, 18:44 Selbstverständlich beim CEwolf/Senckenberg: http://www.senckenberg.de/root/index.php?page_id=17656

Beim polnischen Wolfsprojekt dürftest du auch einiges finden: http://wolfproject.pl/

Für dich dürften diese Artikel interessant sein:
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0184144
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1 ... 12676/full
https://link.springer.com/article/10.10 ... 016-0263-3

Wie immer auch die Quellen beachten, da findet man oftmals hilfreiche Literatur.
Die Quellen kannte ich noch gar nicht. Oh mann, ich hab nachgelassen. Mal wieder eine Woche lang Recherche drücken! ^^
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maxa67

Re: Wölfe in Westpolen

Beitrag von maxa67 »

Es gibt mal wieder ne Bestandserhebung bei den Polen. Leider nur im Bezahlteil der Sächsischen Zeitung, wer den Artikel brauch, schickt lutra oder mir ne PN

https://www.saechsische.de/plus/die-wol ... 28577.html

Sinngemäß: westlich der Weichsel (die von den Beskiden im Dreiländereck CZ, SK, PL bis zur Mündung 20 km südöstlich von Danzig in die Ostsee fließt) - quasi gut die Hälfte des polnischen Territoriums existieren 95 Rudel. Neu ist, daß sich 3 Rudel in den Sudeten - die Grenzgebirge vom Iser- über Riesengebirge, Falkengebirge, Adlergebirge, Glaatzer Schneeberg und Altvatergebirge bis in die Beskiden - etabliert haben und erstmal seit 200 Jahren dort wieder Reproduktion stattgefunden hat!
Die wachsende Zahl der Wölfe scheint, laut der Organisation, in Polen für weniger Aufregung zu sorgen als in Deutschland. Dinkelmeyer wünscht sich hierzulande eine ähnlich unaufgeregte und lösungsorientierte Diskussion im Umgang mit dem Wolf.
Hier noch ein Facebook Eintrag von einem Unfall mit einem Wolf am hellerlichten Tage bei Bad Flinsberg im polnischen Teil des Isergebirges
https://www.facebook.com/11870586822319 ... 798977546/

Sinngemäß übersetzt: Das Auto tötete einen Wolf in der Nähe von Świeradów Zdrój. Es passierte tagsüber. Rund 20 Wölfe leben in mehreren grenzüberschreitenden Gruppen im gesamten Sudetengebirge von Kłodzko bis zum Żytawskie-Gebirge. Grenzüberschreitend, denn einmal auf der polnischen, einmal auf der tschechischen Seite der Grenze. Sie haben große Gebiete.
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Dr_R.Goatcabin
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Re: Wölfe in Westpolen

Beitrag von Dr_R.Goatcabin »

Freigegebene Publikationen zu den Polenwölfen, die mir heute zuänglich gemacht wurdenn. Leider (nur) auf Polnisch und auf Researchgate verfügbar. Ich habe den Volltext; wer also seinen guten schlesischen Opa mal beschäftigen will, dem spiele ich das gerne zu. ^^ Ansonsten Google Translate und viel Nerven.


Mysłajek et al. (2019): Różnorodność genetyczna tatrzańskiej populacji wilka Canis lupus [Genetic diversity in wolf Canis lupus population in Tatra Mountains]

Abstract
Wir verwendeten 13 autosomale Mikrosatelliten-Loci, um die genetische Vielfalt der Wolfspopulation (Canis Lupus) im Tatra-Gebirge entlang der polnisch-slowakischen Grenze zu untersuchen. Aus Proben von biologischem Material, die zwischen 2017 und 2018 gesammelt wurden, identifizierten wir Genotypen von 42 Wölfen. Alle untersuchten Loci waren polymorph, wobei die mittlere Anzahl der Allele Na = 5,077 und der Allelreichtum AR = 4,771 betrug. Die Ähnlichkeit sowohl der beobachteten als auch der erwarteten Heterozygotie (Ho = 0,652, He = 0,656) zeigte keine Abweichung vom Hardy-Weinberg-Gleichgewicht an. Die Werte des Inzuchtkoeffizienten lassen darauf schließen, dass die untersuchte Population kein Inzuchtrisiko hat.

Nowak & Mysłajek (2019): Ekologia wilka (Canis lupus) na obszarach zrekolonizowanych w zachodniej Polsce w XXI wieku [Wolf (Canis lupus) ecology in areas recolonized in western Poland in XXI century].

Abstract
Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts waren Wölfe in Westpolen (im Folgenden WPL) nicht mehr oder nur noch selten anzutreffen. Einige Jahre, nachdem sie im ganzen Land streng geschützt worden waren (1998), begannen Wölfe, die aus der Quellpopulation in Ostpolen stammten, die riesigen Wälder der WPL wieder anzusiedeln. Dieses Papier ist eine Übersicht über Studien, die im Zeitraum 2001-2016 zur spontanen Erholung von Wölfen in WPL (136 000 km2) durchgeführt wurden. In den Jahren 2002-2012 wuchs die Population von mehreren auf ungefähr 140 Wölfe in 30 Familiengruppen. Die jährliche Zuwachsrate betrug 38% und ging 2012 auf 20% zurück. Die Fläche des ständigen Vorkommens erhöhte sich von 600 auf 10.900 km2. mit einer durchschnittlichen Dichte von 1,3 Wölfen / 100 km2. In den nächsten Jahren stieg die Wolfsdichte lokal auf 1,5-1,9 indiv./100 km2. Die nächste Nachbarentfernung zwischen Wolfsgebieten verringerte sich von 260 auf 25 km. Die Anzahl der Wölfe in Gruppen variierte von 2 bis 9 und die durchschnittliche Gruppengröße stieg von 1,8 im Jahr 2001 auf 4,8 im Jahr 2012. Das Überleben der Welpen von Mai bis Ende November betrug 50% (die durchschnittliche Anzahl der Welpen pro Wurf betrug 5.1 bzw. 2.5). Von 28 Wölfen, die zwischen 2005 und 2012 tot aufgefunden wurden, wurden 65% von Fahrzeugen getötet, 25% wurden gewildert und 7% starben aufgrund von Krankheiten und natürlichen Faktoren. Die Heimreichweiten von drei männlichen Wölfen aus zwei Rudeln im Drawa Forest (DF, 2500 km2) in WPL, die mit GPS / GSM-Telemetrie in den Jahren 2014-2016 geschätzt wurden, variierten von 321,8 bis 420,6 km2 (MCP 100%), die Kerngebiete hatten jedoch eine Größe von 30,5-84,7 km2 (MCP50%). Die mittlere Entfernung in der Nähe der Nachbarn zwischen den Wohnorten aller 6 Packungen, die in DF leben, betrug 15,3 km, aber 13,3 km zwischen 5 Packungen, die im kompaktesten Teil von DF leben. Die Erholung der Wölfe in der WPL bot eine gute Gelegenheit, das 2008 entwickelte Habitat Suitability Model für polnische Wölfe (HSM) zu validieren.

In den Jahren 2001-2016 wurden Wölfe in 259 Zellen (19,8% der Untersuchungsfläche) erfasst. Die Paare und Rudel siedelten sich in Gebieten an, von denen die HSM voraussagte, dass sie einen guten und sehr guten Lebensraum haben, in Zellen, die durch hohe Waldbedeckung und geringe Straßendichten gekennzeichnet sind. Wolfsgruppen, die sich vermehrten, fanden sich in Lebensräumen bester Qualität, die sich durch eine dichtere Waldbedeckung und deutlich geringere Anteile anthropogener Strukturen auszeichneten. Zerstreuende Individuen wurden meist in ungeeigneten und suboptimalen Lebensräumen erfasst und vermieden sowohl die ärmsten als auch die besten Lebensräume. So hat die HSM für polnische Wölfe die Gebiete, die später von Wolfsgruppen im Westen des Landes besetzt wurden, mit hoher Genauigkeit vorhergesagt. Die Wolfsdiät wurde hauptsächlich in der WPL zwischen 2002 und 2009 untersucht. Wilde Huftiere machten 94,8% der gesamten verzehrten Lebensmittelbiomasse aus, am häufigsten Reh Capreolus capreolus (42,8%), Wildschwein Sus scrofa (22,6%) und Rotwild Hirsch Cervus elaphus (22,2%). Ergänzende Beute waren: Damhirsch Dama Dama (2,7%), Feldhase Lepus europeus (2,5%) und Eurasischer Biber Castorfaser (1,4%). Haustiere, ausschließlich Hunde und Katzen, machten 1,0% der Lebensmittelbiomasse aus. Wölfe jagten wild lebende Huftierarten entsprechend ihrer relativen Häufigkeit in der Gemeinschaft. Es wurde eine hohe Ähnlichkeit des Anteils wild lebender Huftierarten an der Wolfsnahrungsbiomasse zwischen den Untersuchungsgebieten beobachtet. In Wäldern mit einer höheren Biberhäufigkeit jagten die Wölfe diese Tiere jedoch ebenfalls eifrig (bis zu 5% im Wałcz-Wald).

Auch in späteren Studien im Drawa-Wald (2010-2015) töteten Wölfe häufig Biber, insbesondere im Frühjahr und Sommer, wenn sie Welpen versorgten. Der Anteil der Biber am Welpenfutter erreichte 20%. Die Anzahl, Verteilung und vom Menschen verursachte Sterblichkeit von Wölfen seit Mitte des 20. Jahrhunderts (in verschiedenen Bewirtschaftungsregimen) wurde untersucht, um die Gründe für die Wolfsknappheit in der WPL bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts herauszufinden. Zu dieser Zeit waren alle Umweltbedingungen für Wölfe in WPL günstiger als in Ostpolen, wo Wölfe anwesend waren. Während der intensiven Ausrottung (1951-1974) wurde die Art nur in bis zu 4 Wäldern pro Jahr gemeldet (Mittelwert 1,7), die meisten Familiengruppen wurden jedoch nur einmal gezüchtet, bevor sie in der WPL getötet wurden. Mindestens 49 Wölfe wurden ausgerottet (durchschnittlich 2,6 Wölfe pro Jahr). Unter Jagdmanagement (1975-1997) wurden Wölfe in 1-4 Wäldern pro Jahr registriert (Mittelwert 3,1). Die meisten von ihnen brüteten oder züchteten nur einmal, bevor sie im ersten Jahr nach ihrer Entdeckung geerntet wurden. In diesem Zeitraum wurden mindestens 70 Individuen geerntet (durchschnittlich 3,0 Wölfe pro Jahr). Die mittlere jährliche Zahl der Wölfe, die von Menschen während der Ausrottungs- und Jagdzeit getötet wurden, unterschied sich nicht (Mann-Whitney-U-Test, U = 205, n1 = 19, n2 = 23, NS). So wirkte sich die Trophäenjagd in der WPL, wo Wölfe aufgrund ihrer vereinfachten Waldstruktur (Dominanz der Kiefernmonokulturen) leicht zu erkennen waren und der Zugang der Jäger zu den entferntesten Schutzgebieten durch ein dichtes Netz von Waldstraßen beeinträchtigt wurde, nachteilig auf den Wolf aus Überleben vergleichbar mit den Auswirkungen einer systematischen Tilgung.

Nowak & Mysłajek (2019): Jak szacować wielkość populacji wilka w Polsce? [How to estimate the wolf population in Poland?]

Abstract
Gemäß der Habitatrichtlinie sind die Mitgliedstaaten der Europäischen Union verpflichtet, den Erhaltungszustand von Arten unter besonderer Berücksichtigung prioritärer Arten wie Wolf Canis Lupus zu überwachen. Die Überwachung von Populationen, die weite Gebiete bewohnen, ist jedoch sehr schwierig. In dieser Arbeit stellten die Autoren die Vor- und Nachteile verschiedener Methoden der Wolfsüberwachung vor, basierend auf Erfahrungen aus Polen und anderen europäischen Ländern. Die Autoren betonten Kontroversen im Zusammenhang mit Versuchen, die Anzahl der Individuen zu bestimmen, und wiesen auf einen Vorteil der Bewertung einer Reihe von Wolfsfamiliengruppen hin. Die Autoren machten auch Vorschläge für organisatorische Änderungen im Wildbeobachtungssystem in Polen.

Mysłajek et al. (2019): Bóbr europejski w diecie wilka w Wigierskim Parku Narodowym [European beaver in the wolf diet in Wigry National Park].

Abstract
Unser Ziel war es, die Bedeutung der Biber-Castorfaser in der Wolf-Canis-Lupus-Diät im Wigry-Nationalpark (WNP) im Nordwesten Polens zu bewerten. Wir haben veröffentlichte Daten und Ergebnisse von eigenen Analysen der in den Jahren 2017-2018 gesammelten Wolfsskats zusammengestellt. Wir fanden heraus, dass WNP-Wölfe hauptsächlich wild lebende Huftiere fangen, aber Biber war eine wichtige zusätzliche Beute, die 2017 und 2018 10,9% bzw. 8,1% der verbrauchten Biomasse ausmachte.
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maxa67

Re: Wölfe in Westpolen

Beitrag von maxa67 »

wer also seinen guten schlesischen Opa mal beschäftigen will,
du glaubst doch nicht etwa, nur weil die auf heute polnischem Gebiet gelebt haben, daß die dazumal dort auch polnisch gesprochen hatten? :lol:

Danke für die Infos, auch wenn Google Übersetzer aus dem Nordosten Polens einen Nordwesten macht :twisted:
Die Tatra war ja länderübergreifend spätestens seit den 70ern Nationalpark und -schutzgebiet. In der Slowakei seit 1949. Seit 1991 stehts unter Unesco Schutz, was auch immer das bedeutet.
Die 3 großen europäischen Beutegreifer waren dort nie verschwunden.
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Dr_R.Goatcabin
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Re: Wölfe in Westpolen

Beitrag von Dr_R.Goatcabin »

Dr_R.Goatcabin hat geschrieben: 22. Okt 2019, 13:14 Mysłajek et al. (2019): Bóbr europejski w diecie wilka w Wigierskim Parku Narodowym [European beaver in the wolf diet in Wigry National Park].

Abstract
Unser Ziel war es, die Bedeutung der Biber-Castorfaser in der Wolf-Canis-Lupus-Diät im Wigry-Nationalpark (WNP) im Nordwesten Polens zu bewerten. Wir haben veröffentlichte Daten und Ergebnisse von eigenen Analysen der in den Jahren 2017-2018 gesammelten Wolfsskats zusammengestellt. Wir fanden heraus, dass WNP-Wölfe hauptsächlich wild lebende Huftiere fangen, aber Biber war eine wichtige zusätzliche Beute, die 2017 und 2018 10,9% bzw. 8,1% der verbrauchten Biomasse ausmachte.
Wozu das neu aufgewärmt wurde, ist mir allerdings nicht klar. Dazu gab es schon seit Mitte des Jahres ein Paper vom praktisch identischen Autorenkollektiv, außerdem für jedermann verständlich(er) lesbar auf Englisch.

Mysłajek et al. (2019): The best snacks for kids: the importance of beavers Castor fiber in the diet of wolf Canis lupus pups in north-western Poland. DOI: 10.1080/03949370.2019.1624278.

Abstract
Wir untersuchten die Ernährung erwachsener Wölfe und ihrer Welpen in einem Gebiet, das kürzlich von den Arten im Nordwesten Polens neu besiedelt wurde, anhand der Analyse von Kot. Erwachsene Wölfe ernährten sich hauptsächlich von wilden Huftieren (94,8% der Nahrungsbiomasse), wobei Reh (45,0%) und Rothirsch (37,8%) die wichtigsten Nahrungsquellen waren und gelegentlich von Bibern (5,6%). Welpen aßen weniger Huftiere (76,3%), aber viel mehr Biber (19,8%). Unsere Studie dokumentierte die Bedeutung von Bibern als Nahrungsquelle für Wolfswelpen in Regionen, die von den Arten in Mitteleuropa neu besiedelt wurden, und unterstrich die Notwendigkeit von Studien zu ontogenetischen Veränderungen in der Wolfsdiät.
Discussion
Der Brillouin-Index zeigte, dass unsere Stichprobengröße ausreichte, um die Futterzusammensetzung sowohl erwachsener Wölfe als auch Welpen richtig einzuschätzen. Unsere Berechnungen stimmten auch mit den Ergebnissen von Trites und Joy (2005) überein, die zeigten, dass eine Mindestgröße von 59 Scats erforderlich ist, um Hauptbeutefälle zu identifizieren, die in> 5% der Scats vorkommen.

Unsere Studie dokumentierte die Bedeutung von Bibern als Nahrungsquelle für Wolfswelpen in Gebieten, die kürzlich von dieser Art in Mitteleuropa neu besiedelt wurden. Der Anteil der Biber an der Ernährung der Welpen war höher als bei erwachsenen Wölfen, was ein Hinweis auf eine selektive Versorgung sein könnte (Bryan et al. 2006). Bei Caniden korrespondiert die genetische Differenzierung jedoch gut mit der Beutespezialisierung (Musiani et al. 2007; Stronen et al. 2014). Da Wölfe, die diesen Teil des Kontinents neu besiedeln, hauptsächlich aus Nordosteuropa stammen (Czarnomska et al. 2013; Hulva et al. 2018), wo Biber häufig als ergänzende Nahrungsquelle eingesetzt werden (Jędrzejewski et al. 2012; Sidorovich et al. 2012). 2017; Mysłajek et al., 2018a), könnte diese Studie weitere Belege für die Hypothese der Induktion des Lebensraums im Mutterleib liefern (Davis & Stamps 2004).

Biber scheinen nur im Frühjahr und Sommer eine wichtige Beute für Wölfe zu sein, wenn niedrigere Wasserstände den Zugang zu dieser Nahrungsquelle erleichtern (Sidorovich et al. 2017). Hohe Biberzahlen in Westpolen (Statistisches Zentralamt 2018), wärmeres Klima und reichlich geeigneter Lebensraum (Nowak et al. 2017), mögen zum relativ hohen Überleben der Wolfswelpen in dieser Region beitragen (Nowak & Mysłajek 2016). Die Bedeutung der Verfügbarkeit von Bibern für das Überleben der Welpen wurde bereits in anderen Bereichen festgestellt (Benson et al. 2013; Sidorovich et al. 2017; Gable et al. 2018).

Da der Wolf eine vorrangige Art im Rahmen der EU-Habitatrichtlinie (Anhang II) ist, schlagen wir vor, Entscheidungen in Bezug auf die Bewirtschaftung der Nahrungsgrundlage des Wolfes zu treffen, insbesondere in Natura 2000-Gebieten, die zum Schutz dieser Art ausgewiesen sind (Diserens et al. 2017) detaillierte Studien über seine Ernährungsgewohnheiten vorausgehen, die ontogenetische Veränderungen in seiner Ernährung berücksichtigen.
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Re: Wölfe in Westpolen

Beitrag von Lutra »

Biber haben (oder hatten) auch beim Königsbrücker-Heide-Rudel einen Anteil von 8% an der Nahrung. Das Gebiet ist stark vom Biber besiedelt, der sich vor allem im Sommer, wo er hauptsächlich Kräuter frißt, weit vom Wasser entfernt. Für den Wolf sind die natürlich ein fetter Braten, teilweise doppelt so schwer wie ein Reh. Ohne Wolfanwesendheit hatten die Biber eben recht suboptimale Lebensräume besetzt, mit relativ wenig Wasser und deshalb gezwungenermaßen ausgedehnten Landgängen. Der Wolf hat da regulierend eingegriffen.
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