Vergraben Wölfe ihre Beute?

Themen, die den Wolf im Allgemeinen betreffen.
Wolfs-Theoretiker
Beiträge: 373
Registriert: 27. Feb 2019, 23:42
Wohnort: 42551 Velbert (Stadtrand)

Re: Vergraben Wölfe ihre Beute?

Beitrag von Wolfs-Theoretiker »

Hallo SammysHP,
nicht daß Du denkst, ich drücke mich vor Deiner Nachfrage.
Wie Du siehst, es hat sich noch niemand zu meinem letztem Satz im vorangegangenen Beitrag, mit einem Paper gemeldet.

Also muß ich lang ausholen um Deine im Raum stehende Gegenfrage so gut ich kann zu beantworten.
Es ist ja nun schon über ein Jahr her, am 13. Jan 2019 schrieb Der Hirte:
"Wölfe sind zwar Caniden, vergraben Teile ihrer Beute aber nicht, im Gegensatz zu Hunden und Füchsen".
Darauf gibst Du ausreichendes und gut strukturiertes Feedback, mit der Möglichkeit regionaler Unterschiede.
Weitehin schreibt Der Hirte: "Das alles heißt natürlich nicht, daß Wölfe sowas nicht machen,
denn Wölfe machen fast alles um zu überleben, also warum nicht das,
es ist mir nur so nicht bekannt und habe es auch nie erlebt".
Old Trapper gibt am 13. Jan 2019 ein Feedback in Bezug auf E.Radinger, womit allgemein auf das Verscharren/Vergraben eingegangen wird. Am 14. Jan 2019 erklärt Old Trapper in mehreren Beiträgen noch einiges dazu.
Am 14. Jan 2019 schreibt Der Hirte: "Also bei mir tun sie es nicht, egal wieviel schlaue Bücher ihr lest".
(damit meint er, in der von ihm genannten Region und nirgendwo steht geschrieben, wie es sich in seiner Region verhält)
Was meiner Meinung nach auch zutrifft, denn in keiner Wolfs-Studie steht etwas darüber,
was mit Kadaverresten eines Wolfsrisses im nördlichen oder südlichen Frankreich passiert,
wobei Letzteres schon durch Der Hirten selbst geklärt wurde, da gibt es eine Menge Geier oder so.
Weiterhin beschreibt Der Hirte schön seine Schäferarbeit und sein Vorgehen um vergrabenes Wolfsfutter zu finden.
Am 14 Jan 2019 geht Old Trapper nochmal auf das "Vergraben Wölfe ihre Beute" ein.
Er schreibt: "Falsch ist, Wölfe vergraben/verscharren/verstecken keine Nahrung".
Weiterhin: "Richtig ist, Wölfe verstecken gelegntlich kleinere Nahrungsreste".
Selbstverständlich tun sie das nicht regelmäßig und nicht irgendwo ".
(irgendwo, da möchte ich mal einhaken)
Das heißt für mich soviel wie, irgendwo im unbekanntem Gebiet/fremden Territorium, eventuell unter Beobachtung von
territorialen Wölfen oder anwesenden Schäfern mit HSH, von den anwesenden Schafen und den oben kreisenden Geiern
ganz zu schweigen. Da kommt sicher nur ein hastiges Runterschlingen und schnell wieder in Deckunggehen in Frage.
Warum sollten die Wölfe hier einen Futtervorrat anlegen und sich dadurch zu lange an einer Stellen aufhalten.
Der Vorrat sind in diesem Fall die Herden und wenn der Hunger wieder da ist, dann muß ebend wieder blitzschnell zugeschlagen werden und genauso schnell wieder in Deckung gehen. Andererseits wären die von den territorialen Wölfen
aufgespürten caches mit Sicherheit eine Herausforderung zu einem Kampf, welchen es zu vermeiden gilt.
Also kein cache in fremden Wolfsgebieten.
Zu kleineren Nahrungsresten, wie es Old Trapper es nennt, möchte ich noch sagen,
mehrere Wölfe verstecken nicht gemeinsam Nahrungsreste(ja, sie scharren gelegentlich Laub oder Schnee darüber),
sondern jeder tut es für sich oder auch nicht.
L. David Mech (nur sinngemäß) schreibt zu Cache, nach dem Fressen verlassen die Wölfe einzeln und in verschiedene
Richtungen den Riss, oft mit einem abgetrennten Teil des Risses. Ein Wolf, welcher ein Beutestück mitgenommen hatte,
hat es in einem Abstand von ca. 200 Meter zum Riss vergraben. Ein anderer in einer Entfernung von ca. 700 Metern.
Die größte Entfernung waren 2,5 km, aber im Durchschnitt waren in mehren Fällen immer mehrere hundert Meter.
Diese Studien wurden meist im Winter bzw. wenn Schnee gelegen hat durchgeführt, weil so die Spuren der einzelnen
Wölfe gut verfolgt werden konnten. Ja, die Wölfe haben jeder für sich cache gemacht. Ja, es ist zu einem Drittel
angebohren und wird zu zwei Drittel durch Habituierung, Imprinting, also durch die Umwelt(auch regional) beeinflußt,
ob, wann, wie oder wo die Wölfe Futterüberschuß verstecken.

Was ja dann von Old Trapper unter sein PS:, nochmal deutlich gemacht wird.

Wenn danach Der Hirte nach Ablauf von 5 Minuten schreibt: "Tja, gegen Theoretiker kommt man einfach nicht an".

Und Old Trapper antwortet: "Schade lieber Hirte, mit derartigen Äußerungen verlierst du selbst deine Glaubwürdigkeit".

Ja, es bleibt nur noch zu sagen, daß Der Hirte kein "Nourriture enterrèe" bei den Wölfen feststellen wird, welche im
Gefolge seiner Herde mitwandern. Und die territorialen Wölfe ziehen sich in die Berge und Wälder zurück,
wo sich ihre bevorzugten Areale wie Rendevouzplätze, Ruheplätze und Wurfhöhlen befinden. Da kann es dann sein,
das was hochgewürgt wird und auch im unbeobachteten Moment versteckt wird, aber nicht zwischen den vielen Herden,
welche mit Schäfer und jede Menge HSH dort zur gleichen Zeit in der Region sind, wie Der Hirte geschildert hat.

Alles andere, was dann noch so an Beiträgen kommt ist nur ein Geplänkel und für mich uninteressant, deshalb komme
ich nochmal auf den Winter zurückzukommen, wo ja auch das Nahrungsangebot knapp wird oder der Beutetiernachwuchs
nicht mehr so hoppla di hopp erbeutet werden kann, da gehen die Wölfe ökonomisch mit ihren Resourcen in körperlicher
und Ernährungstechnischere Hinsicht um. Dann vergraben Wölfe Nahrung. die sie nicht sofort fressen können, dies schützt
die Nahrung vor Aasfresser wie Krähen und der kalte Boden hilft die Nahrung zu bewahren. Selbst, wenn nur Laub oder
Schnee über die so versteckte Nahrung liegt, so können die Kadaverreste oder die Caches aus der Luft nicht gesehen werden.
Vögel haben keinen guten Geruchsinn, daher fällt es ihnen schwerer, vergrabene Caches zu finden als Wölfe.

Nun bin bin ich da, wo auch Old Trapper am Anfang war, nähmlich bei E.Radinger "The WISDOM of WOLVES" sei hier erwähnt,
woraus ich einige Sätze zitiere.

They carry an image of their home inside them like a map. (das home ist sicherlich dem Zuhause/Territorium gleichzusetzen)
They know every tree, every crossing and every spring.
They remember buried food stores.
They deliberately take short cuts and use familiar route networks.
They know the best places to cross rivers and have their special favourite areas.
Up until the age of five months the pups experience an intense habitat imprinting by repeatedly folowing their parents and
siblings through the territory.
They get to know the boundries, the scents and the form of the landscape.

The offspring " inherits " the territory and thus also the hunting grounds of its prey animals.
Wolves learn where food is easily to be had, sometimes in the form of unprotected sheep or calves, and which animals are best avoided becaus it can be painful to approach them if they are on the other side of an electric fence.

Ich glaube nicht, daß ich mich zu weit aus dem Fenster gelehnt habe, weil ich der Meinung bin, daß "buried food" nicht
irgendwo, sondern im eigenen Territorium stattfindet.

Grüsse, WT
"Die Natur betrügt uns nie. Wir sind es immer, die wir uns selbst betrügen." Jean-Jacques Rousseau

Antworten