Wolfsgebiet! Betreten nur in Gruppen

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Nina
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Wolfsgebiet! Betreten nur in Gruppen

Beitrag von Nina »

Die Kategorie "putzige Warnschilder" ist um ein neues Exemplar bereichert:
Achtung!
Wolfsgebiet!
Betreten nur in Gruppen
Kinder beaufsichtigen
Hunde anleinen
Nordkurier, 17.02.2021: Angst im Wald - Spaziergängerin mit Hund wird von Wölfen verfolgt https://www.nordkurier.de/ueckermuende/ ... 61602.html

Die Geschichte mit den Kindern und den Hunden kannte ich ja, aber den Wald nur noch in Gruppen zu betreten - wer will das denn vorschreiben und was wären die Konsequenzen? Und ist das coronakonform?

Auch ansonsten ein interessanter Artikel. Der Tag, an dem "der große Wald seine Unschuld verlor"...
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Dr_R.Goatcabin
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Re: Wolfsgebiet! Betreten nur in Gruppen

Beitrag von Dr_R.Goatcabin »

Sieht mir nach klassischem Zielkonflikt aus. Cholerisch-territoriale Jäger wollen doch, dass erst niemand in ihr Gebiet kommt und da Krach macht; und nun gleich gruppenweise? :? Da explodiert dem Männlein doch der rote Kopf auf der Kanzel.
"Though this be madness, yet there is method in 't ..."
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Nina
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Re: Wolfsgebiet! Betreten nur in Gruppen

Beitrag von Nina »

Los, alle rein in den Wald:
[...] dem eine weitere Sorge umtreibt: der Verlust der Lebensqualität der Landbevölkerung. Wie lange ist das Spazierengehen, Joggen oder Pilze sammeln im Wald noch möglich? Wer gestattet es noch Kindern allein im Wald zu spielen? [...] In meinem Revier sind immer seltener Spaziergänger anzutreffen. Die Leute trauen sich einfach nicht mehr in den Wald, begründet der Jagdpächter. Teile seines Reviers erstrecken sich über die Babbener Heide, in dem mindestens ein Wolfsrudel ansässig ist.

LR online, 11.03.2018: Angst und Ärger wegen Wölfen Landwirte fordern Unterstützung https://www.lr-online.de/lausitz/luebbe ... 79872.html
Los, und jetzt alle wieder raus aus dem Wald:
Schon nach dem ersten Shutdown zog der Präsident des Deutschen Jagdverbandes (DJV), Volker Böhning, traurige Bilanz: "Wenn mehr Leute im Wald unterwegs sind, entsteht auch mehr Unruhe. Das haben wir regional auch an den Wildunfällen gemerkt." [...] Hackländer empfiehlt vor allem die Dämmerung zu meiden. Jogger*innen mit Stirnlampe würden Wildtiere in einer Zeit stören, in der sie eigentlich die Ruhe im Wald zur Nahrungssuche brauchen. Auch dürften Tiere nicht für Handyfotos verfolgt werden und Kinder sollten lernen, dass man im Wald nicht laut sein sollte. [...] Hackländer, Köhrer und Martinssohn empfehlen Wald-Besucher*innen vor allem: Unbedingt auf den Wegen bleiben und Hunde kurz anleinen. [...] Auch beobachte er, dass Hunde offenbar wieder sehr in Mode gekommen sind - leider oft mit langer oder gar keiner Leine.

ZDF, 29.01.2021: Achtung: Mensch! - Wie die Corona-Krise Wald und Wild betrifft https://www.zdf.de/nachrichten/panorama ... d-100.html
Komisch, "meine" Rehe (reflektierende Augen im Lichtschein der Stirnlampe) auf meiner allabendlichen Runde glotzen mir, mit Stirnlampe, und meinen Sofawölfen, an 8m Flexileine, einfach nur hinterher. Man kennt sich eben. Nicht so dolle finden sie dagegen nächtliche Schießereien im Mondlicht.
Der enorm hohe Jagddruck in Deutschland mit den längsten Jagdzeiten für Schalenwild in Europa und insbesondere die Jagd in den nahrungsarmen ersten Monaten eines Jahres provozieren gerade in hohem Maße den Verbiss von Rinden und von jungen Bäumen. [...] Durch den Einsatz von Nachtzielgeräten bei der Jagd auf Schwarzwild und (in der aktuellen Fassung sogar noch erweitert) auf invasive Arten wird das Wild unnötig beunruhigt, denn die Nacht wird ganzjährig zum Tage gemacht. Dadurch wird den Tieren – auch z.B. dem Rehwild oder nicht jagdbaren Arten – ein letzter Rückzugsraum genommen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass durch diese Maßnahme weiterem Verbiss von jungen Pflanzen Vorschub geleistet wird, also genau das, was durch die Intensivierung der Jagd eigentlich vermieden werden sollte. [...] Darüber hinaus ist in diesem Zusammenhang zu beachten, dass Deutschland auf Basis der FFH-Richtlinie und der Vogelschutzrichtlinie verpflichtet ist, Schutzgebiete für bedrohte Arten auszuweisen. In diesen Gebieten muss sichergestellt sein, dass es u.a. nicht zu erheblichen Störungen von wildlebenden Tieren der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs-,Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs-und Wanderungszeiten kommt. Dies muss im Einzelfall sichergestellt sein. Durch die Jagdausübung, und insbesondere durch gebietsübergreifende Drückjagden und die ganzjährige Möglichkeit der Jagd während der Nachtzeiten, kann es zu solchen erheblichen Störungen kommen.

Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht e. V.: 20.11.2020: Stellungnahme zum Referentenentwurf des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (Stand 06.11.2020), Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Bundesjagdgesetzes,des Bundesnaturschutzgesetzes und des Waffengesetzes, Seite 5, 11, 19 https://djgt.de/news/20201120110308_202 ... _final.pdf
Schon heute werden Rehe und Hirsche in vielen Staatsforsten nach der Devise „Wald vor Wild“ gleichsam wie Schädlinge bejagt. [...] Das Nachtjagdverbot erfüllt schon heute aufgrund der bestehenden Ausnahmen für die Nachtjagd auf Wildschweine, Beutegreifer und weitere Tierarten nicht die ursprüngliche Zielsetzung des Bundesjagdgesetzes, wenigstens den grundsätzlich tagaktiven Tierarten, wie dem wiederkäuenden Schalenwild und dem sogenannten Federwild eine störungsfreie Nachtruhe zu ermöglichen. Insbesondere durch die Möglichkeit der nächtlichen Jagd auf Wildschweine und auf Beutegreifer wird der Sinn des Nachtjagdverbotes ad absurdum geführt. Nicht nur den Paarhufern wird durch die Nacht ein letzter Rückzugsort genommen, sondern auch für alle anderen jagdbaren und nicht jagdbaren Tierarten bedeutet die Jagd zur Nachtzeit eine erhebliche Störung. Die nun vorgesehene technische Aufrüstung durch die Möglichkeit der Verwendung künstlicher Lichtquellen, Vorrichtungen zum Anstrahlen oder Beleuchten des Zieles, einschließlich Infrarotaufhellern und Nachtzielgeräten, die einen Bildwandler oder eine elektronische Verstärkung besitzen, bei der Jagd auf Wildschweine sowie auf invasive gebietsfremde Arten von unionsweiter Bedeutung führt zu einer weiteren Aushebelung des Tierschutzes [...]

Gemeinsame Stellungnahme zum Gesetzentwurf der Bundesregierung über den Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Bundesjagdgesetzes, des Bundesnaturschutzgesetzes und des Waffengesetzes vom 27.10.2020, 15.01.2021: https://djgt.de/news/20210115141123_202 ... gdG_28.pdf
Lutra
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Re: Wolfsgebiet! Betreten nur in Gruppen

Beitrag von Lutra »

In den letzten Wochen mit Schneedecke konnte man sehr gut anhand der Spuren beobachten, was so alles unterwegs ist. Trotz massenhaft Spaziergänger hat das wohl kaum jemand registriert. Keiner hat bemerkt, dass 15m neben dem Wanderweg drei Wölfe in der Dickung schlafen, keiner hat die blutigen Eßtische der Wölfe abseits der Wege gesehen. Ich weiß nicht, ob jemand einen Wolf in meiner Gegend gesehen hat in der Zeit, gehört habe ich nichts davon. Trotzdem waren sie da, und nicht nur einer, täglich. Ich habe selbst darüber gestaunt und mich gefreut.
Der Zeitungsartikel zeigt nur, wie naturentfremdet die Gesellschaft ist. Sinnlose Schilder aufhängen geht gerade noch.
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Nina
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Re: Wolfsgebiet! Betreten nur in Gruppen

Beitrag von Nina »

Und jetzt aber schnell wieder alle raus aus dem Wald!

Die Jäger beklagen sinkende Akeptanz für ihr Treiben. [Achtung Ironie]: Warum nur?
Immer häufiger gibt es Ärger zwischen Jägern und Spaziergängern oder Joggern im Kreis Kassel. [...] Spaziergänger, Jogger, Hundebesitzer, Radfahrer, Landwirte und Jäger – sie alle müssen sich den begrenzten Platz in der Natur teilen. Das führt nicht selten zu Konflikten – oft sind auch Jäger in der Schusslinie. „Das Verständnis für uns und unsere Arbeit hat abgenommen“, sagt Ingo Norwig, Vorsitzender des Hegerings Habichtswald und Pächter des 360 Hektar großen Jagdreviers Hertingshausen. [...]

Konflikte zwischen Jägern und Spaziergängern im Kreis Kassel nehmen zu

Norwig kritisiert außerdem, dass es immer öfter zu Konfliktsituationen zwischen Jägern und Radfahrern oder Spaziergängern komme, weil diese sich zu jagdtypischen Zeiten abseits der Wege im Wald aufhielten. [...]
„Ich als Jäger bin aber natürlich dafür verantwortlich, dass mein Schuss niemanden gefährdet oder verletzt. Wir passen sehr gut auf, dass nichts passiert.“ Der Jäger schieße beispielsweise von einem Hochsitz aus immer Richtung Boden, damit die Kugel nicht unkontrollierbar weit fliegt. Außerdem versichere er sich mehrfach, ob wirklich niemand in der Nähe ist, der in Gefahr geraten könnte.
Aber eine gewisse Angst, dass doch jemand plötzlich auftaucht und verletzt werden könnte, sei immer da – gerade in der heutigen Zeit, in der so viele unterschiedliche Gruppen im Wald unterwegs sind.


hna, 11.11.2021: Wald als Erholungsgebiet - Mehr Konflikte mit Jägern – Spaziergänger wenden sich an die Polizei https://www.hna.de/lokales/kreis-kassel ... 07838.html
Und ich dachte, die vielen unterschiedlichen Gruppen blieben wegen der Wölfe fern?

Nun, die Angst vor Jägern ist indes nicht unberechtigt ("Jäger verwechselt..." viewtopic.php?t=2003 ), aber selbiger Jäger bringt zur Krönung dann auch noch das:
„Das Verständnis für uns und unsere Arbeit hat abgenommen“, sagt Ingo Norwig, Vorsitzender des Hegerings Habichtswald und Pächter des 360 Hektar großen Jagdreviers Hertingshausen. „Neulich hat meine Tochter, die auch Jägerin ist, im Wald mit unserem Hund geübt und dabei ein paar Schüsse in die Luft abgegeben. Das ist ein ganz normaler Vorgang bei der Ausbildung eines Jagdhundes. Irgendjemand hat deshalb die Polizei gerufen, die auch mit mehreren Beamten hier angerückt ist“, sagt Norwig. „Das muss doch nicht sein. Wenn jemand in grüner Kleidung und Hund im Wald unterwegs ist, kann man davon ausgehen, dass es ein Jäger ist.“

hna, 11.11.2021: Wald als Erholungsgebiet - Mehr Konflikte mit Jägern – Spaziergänger wenden sich an die Polizei https://www.hna.de/lokales/kreis-kassel ... 07838.html
Eben drum.
Kreis Kassel: Diese Regeln gelten für eine sichere Jagd

[...] Ein Schuss darf ausschließlich dann abgegeben werden, wenn sich der Schütze vergewissert hat, dass ein Kugelfang – zum Beispiel von einem Ansitz herab in Richtung Boden – vorhanden ist. So wird verhindert, dass ein Schuss unkontrolliert ins Leere läuft.

hna, 11.11.2021: Wald als Erholungsgebiet - Mehr Konflikte mit Jägern – Spaziergänger wenden sich an die Polizei https://www.hna.de/lokales/kreis-kassel ... 07838.html
"Ein paar Schüsse in die Luft"... ein "ganz normaler Vorgang"???
„Jäger dürfen nicht in die Luft schießen“

"Der Gefahrenbereich bei Büchsenkugeln beträgt bis zu 5000 Meter, da aus Tierschutzgründen gesetzlich mindestens 2000 Joule vorgeschrieben sind.
[...] Jägerinnen und Jäger dürfen aber nicht einfach in die Luft schießen. Sie müssen sicher sein, dass sie hinter dem anvisierten Ziel einen Kugelfang haben und sind deshalb gehalten, von einem Hochsitz aus zu schießen. Damit die Kugel, die den Wildkörper durchdringt, in den Boden geht und keine Gefahr darstellt."

Weser-Kurier, 18.08.2015: Kreisjägermeister Heiko Ehing über die Gefahren bei der Jagd: „Jäger dürfen nicht in die Luft schießen“ https://www.weser-kurier.de/bremen/jaeg ... xjl9pj9j3i
Doch ist das nicht gefährlich und verantwortungslos, einfach so in die Luft zu schießen?

[...] Lebensgefährlicher Leichtsinn

"Was also passiert, wenn man mit einer echten Kugel in die Luft schießt?", fragen wir Professor Höcherl. Da die Schützen normalerweise nicht senkrecht in die Luft schießen, wird das Geschoss erst eine gewisse Strecke zurücklegen - diese hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind die Anfangsgeschwindigkeit, die Masse und die Form des Geschosses. Irgendwann kommt es "ganz normal herunter, mit der Spitze nach vorne, wenn es ein Spitzgeschoss ist. Und es ist auch gefährlich."

Tödliche Verletzungen

Die Geschwindigkeit der Kugel beim Aufprall hängt stark von der Waffenart und der Geschossform ab. Der Experte schätzt, dass eine Kugel durch ihre aerodynamisch günstige Form selbst am Ende ihrer Flugbahn noch eine Geschwindigkeit von bis zu 200 Metern pro Sekunde oder mehr aufweisen kann. Damit könnte sie bei einem Treffer tödliche Verletzungen verursachen, und immer wieder geschieht dies auch: Zwischen 1985 und 1992 starben allein im Großraum Los Angeles 38 Menschen durch herabfallende Gewehrkugeln.


n-tv, 21.07.2009: Frage & Antwort, Nr. 78 Was passiert mit Salutschüssen? https://www.n-tv.de/wissen/frageantwort ... 12932.html
Polizeisprecher Matthias Mänz rät:
Soll man immer bei der Polizei anrufen, wenn man Schüsse hört oder sich erst versuchen zu vergewissern, ob es sich um eine Jagd handelt?

„Den Bürgerinnen und Bürgern ist es grundsätzlich nicht zuzumuten, bei der Wahrnehmung von Schussgeräuschen eine abschließende Beurteilung treffen zu können. Insofern sollte bei Zweifeln immer die Polizei verständigt werden, damit am Ende wirklich ausgeschlossen werden kann, dass eine Gefahrensituation besteht“, sagt Mänz.


hna, 11.11.2021: Wald als Erholungsgebiet - Mehr Konflikte mit Jägern – Spaziergänger wenden sich an die Polizei https://www.hna.de/lokales/kreis-kassel ... 07838.html
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Nina
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Re: Wolfsgebiet! Betreten nur in Gruppen

Beitrag von Nina »

Offenbar haben sich die Jäger im niedersächsischen Emsland ihre dümmlichen Wolfswarn-Schilder ("Nur in der Gruppe Wandern und Joggen") in größerer Auflage drucken lassen. So kann man dem Text, der die fleißigen Aufsteller von jedweder Qualifikation als "Experten" freispricht, wenigstens ein professionelles Äußeres verleihen - nur die Groß- und Kleinschreibung hätte auch ruhig noch mal ein Fachmann gegenchecken können. Was den Inhalt betrifft, sind Hopfen und Malz sowieso verloren.
"Vorsicht Wolfsgebiet": Jäger hängen im Emsland Schilder auf

[...] Mit dem Schild werde auf die Problematik mit Wölfen hingewiesen, teilte die örtliche Jagdgemeinschaft mit. Sie hat noch weitere Schilder aufgehängt. Auch in der Gemeinde Neubörger warnen Schilder vor Wölfen. Bürgermeister Ulrich Müller (Freie Wähler Neubörger) zeigt dafür Verständnis. Er habe nichts gegen Wölfe, sorge sich aber um Kinder, die sich in der Nähe von Wäldern aufhalten, sagte er dem NDR in Niedersachsen.
Dem niedersächsischen Umweltministerium sind die Schilder nicht bekannt, wie ein Sprecher mitteilte. Die dort aufgelisteten Maßnahmen gehörten nicht zu den von Expertinnen und Experten empfohlenen Verhaltensregeln.


NDR, 05.01.2022: "Vorsicht Wolfsgebiet": Jäger hängen im Emsland Schilder auf https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... f4596.html
Aber wenn sich die Leute in den Wolfsgebieten an die Empfehlungen der Jäger halten und in Gruppen durch den Wald wandern, ist es auch wieder nicht recht:
Seitdem berichten Anwohner von laut redenden Menschen, auch mit Musiklautsprechern und Bollerwagen, die abends durch die Gegend zögen.

HAZ, 02.03.2019: Angst und Aggression: Debatte um Wolf läuft aus dem Ruder https://www.haz.de/Nachrichten/Der-Nord ... -heftiger2
Zwei Jagdgenossenschaften im Territorium des Problemwolfes im Kreis Nienburg haben nächtliche Betretungsverbote für den Wald ausgesprochen. [...] Die Feld- und Waldbesitzer in Sonnenborstel und Steimbke wollen für die Jagd auf Wildschweine in Vollmondnächten Ruhe im Gelände herstellen. [...] Nach Einschätzung des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums ist eine Sperrung des Waldes durch eine Jagdgenossenschaft allerdings nicht möglich. Grundlage hierfür sei das Niedersächsische Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung. Unter gewissen Umständen könnten zwar Betretungsverbote gewährt werden, der zuständige Landkreis Nienburg habe aber hierfür jedoch nicht die Genehmigung erteilt. Daher sei die Sperrung rechtlich nicht bindend. [...] "Es gibt mindestens einen weiteren Vorfall, und es hat auch Sichtungen des Wolfs beziehungsweise des Rudels gegeben." Die Suche werde durch Wolfsschützer beeinträchtigt: "Wir haben Kenntnis darüber, dass es dieses Verhalten weiterhin gibt: Es finden Nachtwanderungen statt, es finden Wanderungen mit Hunden tagsüber statt und so weiter."

t-online, 17.04.2019: Wald-Betretungsverbot nach Wolfschutz-Aktionen nicht bindend https://www.t-online.de/region/id_85602 ... ndend.html
Ja wat denn nu? Außerdem stören und gefährden sich die vielen Menschen auf einem Haufen im Wald doch gegenseitig:
Denn seit der Corona-Pandemie sind immer mehr Leute in den Wäldern unterwegs und suchen Erholung, stellen die Förster fest. [...] Das Problem sei aber, dass es oft zu viele Menschen sind. Weil Abstände dann nicht richtig eingehalten würden, stören und gefährden sie sich gegenseitig.

NDR, 06.02.2021: Volle Wälder - seit Corona sind mehr Leute im Wald unterwegs https://www.ndr.de/nachrichten/schleswi ... d1142.html
Wie im Kasperle-Theater!
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Nina
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Re: Wolfsgebiet! Betreten nur in Gruppen

Beitrag von Nina »

Beim Videotext-Lesen beim Morgenkaffee brauchte es viel Körperbeherrschung, um das köstliche Getränk nicht wieder herauszuprusten:
Jagdverbandspräsident Helmut Dammann-Tamke meint, dass man es "tunlichst vermeiden" sollte, "Ängste zu schüren".
"Vorsicht Wolfsgebiet": Jäger uneins über Schilder im Wald

[...] Zur Landesjägerschaft (LJN) in Niedersachsen gehörten 55.000 Mitglieder, da gebe es unterschiedliche Positionen zum Wolf, so Verbandspräsident Helmut Dammann-Tamke. Auf Wolfsgebiete hinzuweisen fände er zwar in Ordnung. Aber: Man sollte tunlichst vermeiden, damit Ängste zu schüren. "In diesem Fall ist über das Ziel hinausgeschossen worden. Aber man soll auch nicht so tun, als wenn die Rückkehr des Wolfes in Deutschland unproblematisch läuft", so Dammann-Tamke weiter.

NDR, 05.01.2022: "Vorsicht Wolfsgebiet": Jäger uneins über Schilder im Wald https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... f4596.html
WHAT??? Der Herr Dammann-Tamke? Dagegen wirkt das Schildchen mit den unbedarften Schreibfehlern und dem niedlichen Fuchs- statt Wolfsbild doch noch geradezu harmlos:

Die gefährlichen Reste des Kommunismus - direkt unter uns, in Niedersachsen, in Wolfsgestalt!
Aber auch in dieser Hinsicht verhindere das Senckenberg-Institut mit seiner Geheimniskrämerei eine objektive Untersuchung der DNA-Proben, so Dammann-Tamke. Solange sich das Institut sperre, könne sogar die Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden, dass etliche niedersächsische Wölfe Hybride sind. Es sei mittlerweile bekannt, dass die Rote Armee Wolfs-Hybriden eingesetzt habe, weil diese eben schärfer als Hunde seien. Es könnte durchaus sein, dass einige diese Tiere beim Abzug der russischen Truppen aus dem ehemaligen Ostblock einfach ausgewildert wurden.

Kreiszeitung Wochenblatt, 10.12.2018: Mehr Transparenz nötig https://www.kreiszeitung-wochenblatt.de ... ig_a129104
Und als kämen sie wie die Invasoren in gepanzerten Fahrzeugen: Blitzkrieg! (Blitz heißt hier: seit 10 Jahren...)
[...] Flächenländer wie Niedersachsen würden nicht mehr die Zeit haben, sich entsprechend vorzubereiten, vermutet der Chef der Landesjägerschaft laut: „Die Population wird sie überrollen [...]."

Rotenburger Rundschau, 24.05.2019: Ehlen, Dammann-Tamke, Wildtier: CDU Sottrum lädt zur Diskussionsveranstaltung: Wolf ja, aber ... https://www.rotenburger-rundschau.de/lo ... 24504.html
Rotenburger Rundschau-Autor Andreas Schultz ist der "Militärjargon" des Landesjagdverbandspräsidenten in Bezug auf den Wolf auch aufgefallen. Aus seinem Kommentar zum Artikel:
Framing-Finessen

[...] Stattdessen blieben Wolfskritiker unter sich, die Redner konnten ihre bereits bekannten Positionen ohne Gegenwind abspulen. Einseitig. Ängstliche und Frustrierte dürften sich in ihrer Meinung lediglich bestätigt sehen, zumal Dammann-Tamke nicht gerade mit Framing-Vokabular sparte: Erste Wolfsrudel errichteten „Brückenköpfe“, wie im Militärjargon Stellungen auf Feindgebiet heißen. Die Population drohe, die Flächenländer zu „überrollen“. Wolfsgegner könnten höchstens „starke Ablehnung“ formulieren, während Befürworter gerne zur „religiösen Glorifizierung“ neigten. [...]

Rotenburger Rundschau, 24.05.2019: Ehlen, Dammann-Tamke, Wildtier: CDU Sottrum lädt zur Diskussionsveranstaltung: Wolf ja, aber ... https://www.rotenburger-rundschau.de/lo ... 24504.html
Und mit Steigerungen kann man ja auch nochmal den Druck erhöhen: Die vierbeinigen Panzer werden auch die Großstädte einnehmen, ganz bestimmt:
Immer größere Population: Jagdverband warnt vor mehr Wolfsbegegnungen in Großstädten

[...] Es könne niemand garantieren, dass entsprechende Begegnungen mit Wölfen immer friedlich verliefen. Es sei möglich, dass Hunde als Konkurrenten erkannt und angegriffen würden. Mit dieser Sorge müssten nun auch die Menschen in den Städten leben, sagte Dammann-Tamke. In ländlichen Regionen sei dies schon länger so. [...] Er gehe davon aus, dass die weitere Ausbreitung der Raubtiere die politische Diskussion alsbald verändern werde, sagte Dammann-Tamke. »Wir kommen in Bundesländern mit großen Wolfsbeständen nicht um eine gezielte Bestandsregulierung herum. Nur so lässt sich der Konflikt entschärfen.«

SPIEGEL, 14.10.2021: Immer größere Population Jagdverband warnt vor mehr Wolfsbegegnungen in Großstädten https://www.spiegel.de/panorama/jagdver ... 003fcc56f7
Und hier noch zwei Einschätzungen zur Rhetorik des Jagdverbandspräsidenten:
Diskussion übers Abschießen: Niedersachsen und der böse Wolf

[...] Ein CDU-Landtagsabgeordneter warnt bei jeder Gelegenheit vor der Bedrohung durch Wölfe. Als Chef der Landesjägerschaft müsste er aber neutral bleiben. [...] Der Grünen-Landtagsabgeordnete und frühere Landwirtschaftsminister Christian Meyer kritisiert Dammann-Tamke scharf. [...] Die Landesjägerschaft solle einerseits neutral das Wolfsmonitoring betreiben. „Andererseits stellt deren Präsident ständig populistische Forderungen nach Bejagung der Wölfe auf.“ [...] „Wir kommen in Bundesländern mit großen Wolfsbeständen nicht um eine gezielte Bestandsregulierung herum“, nannte Dammann-Tamke sein eigentliches Anliegen. Meyer findet solche Forderungen „demagogisch“: „Er sorgt so nicht für mehr Sicherheit, sondern betreibt Hetze gegen Wölfe.“

taz, 21.10.2021: Diskussion übers Abschießen: Niedersachsen und der böse Wolf https://taz.de/Diskussion-uebers-Abschiessen/!5810062/
Und der niedliche Fuchs auf dem Schild mit einer "Warnung", die hauptsächlich Ahnungslosigkeit, einen Hang zu Grimm's Märchen und reichlich Jägerlatein entlarvt, sei "über das Ziel hinausgeschossen"?

Man sollte einen Thread "Unterhaltung" aufmachen. Ich trink dann noch mal einen Kaffee.
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Dr_R.Goatcabin
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Re: Wolfsgebiet! Betreten nur in Gruppen

Beitrag von Dr_R.Goatcabin »

( Mich beherrscht gerade einzig die hallende Frage: wer zur Hölle liest heutzutage noch Videotext? :? )
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Nina
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Re: Wolfsgebiet! Betreten nur in Gruppen

Beitrag von Nina »

Jene glücklichen Menschen auf Daten-Diät, die noch im Besitz eines nicht smarten TVs sind, mit Hilfe dessen sie die regionalen Neuigkeiten auf das Kürzeste reduziert im Blick haben können - ohne sich durch Algorithmen, Werbung, Pop Ups, Clickbaits, Kekse und ihre nervige Zutaten-Auswahl, Tracker und all das sonstige neugierige Viehzeugs nerven zu lassen, das für gewöhnlich im Netz rumlungert. :)
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Nina
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Re: Wolfsgebiet! Betreten nur in Gruppen

Beitrag von Nina »

Des Landesjagdverbandspräsident rüstet verbal weiter auf

Nach den möglicherweise "ausgewilderten Wolfs-Hybriden"¹ der "Roten Armee"¹, die durch Niedersachsen streifen und "schärfer als Hunde"¹ seien, der Prophezeiung, Wölfe würden die "Flächenländer"² so schnell "überrollen", dass "keine Zeit mehr"² sei, "sich entsprechend vorzubereiten"², erste Wolfsrudel errichteten "Brückenköpfe"², und bald würden die Wölfe auch die "Großstädte" erreichen, was keineswegs "immer friedlich" verlaufen müsse.³ Den "Militärjargon"², wie der Autor der Rotenburger Rundschau diese Rhetorik genannt hat, setzte Helmut Dammann-Tamke nun im Interview mit dem NDR fort:
"Also wir befinden uns, was die Prävention der Zäune angeht, im Prinzip in einer Aufrüstungsspirale."

NDR, 11.01.2022: Grüne kritisieren Wolfsabschuss bei Amt Neuhaus scharf https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... fe684.html
Rüstungsspirale, mmm, wem kommt da nicht die Assoziation "Kalter Krieg", als die Großmächte sich mit ihren Atomwaffen überboten haben, deren Potenzial für den mehrfachen Overkill des Planeten gereicht hätten?

Man könnte glatt vergessen, dass es hier um ein paar sehr heimlich lebende Wildtiere geht, die weder Flugzeuge, Raketen, Waffensysteme oder sonstiges besitzen. Würde ein Nachbar oder Bekannter einen jedes Mal mit solcher kriegsrhetorischen Übertreibungen für gewöhnliche Alltagsphänomene und -probleme behelligen, würde man regelmäßig das Weite suchen oder genervt die Straßenseite wechseln.

Ähnlich dick trugen die dänischen Jäger um den Schützen auf, der wegen der illegaler Wolfstötung verurteilt worden war. Hier nochmal die Worte seines Sohnes, dessen Verein dem Straftäter aufgrund seiner illegalen Wolfstötung eine Medaille verliehen hat:
Haben die Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg keine Medaille verdient? Damit würde ich es vergleichen.

BT, 03.02.2020: Indsamler penge til ulvedræber: Han skal have en medalje https://www.bt.dk/krimi/indsamler-penge ... en-medalje
Die Inschrift der Medaille würdigt "den ersten Wolf seit 205 Jahren geschossen" zu haben und auf der Rückseite die "Heldentat vom 16.04.2018". Für einen arglos auf einer Wiese liegenden aus dem sicheren SUV und dem Hinterhalt erschossenen Wolf durch einen alten Mann, dessen Sohn seine Tat damit vergleicht, dem Einmarsch Nazi-Deutschlands Einhalt geboten zu haben...

Als wir noch kleine Kinder waren und von unseren Eltern zur Bespaßung der zu Gast anwesenden Großeltern aufgefordert wurden, während sich die Erwachsenen um das Essen oder den Abwasch kümmerten, weiß ich noch, wie wir mit allen Mitteln versucht haben, uns davor zu drücken:

Oh nö, Oppa erzielt doch wieder immer nur vom Krieg...

Ich mochte damals stattdessen schon lieber rausgehen und die friedlichen Wildtiere beobachten...



¹ Kreiszeitung Wochenblatt, 10.12.2018: Mehr Transparenz nötig https://www.kreiszeitung-wochenblatt.de ... ig_a129104
² Rotenburger Rundschau, 24.05.2019: Ehlen, Dammann-Tamke, Wildtier: CDU Sottrum lädt zur Diskussionsveranstaltung: Wolf ja, aber ... https://www.rotenburger-rundschau.de/lo ... 24504.html
³ SPIEGEL, 14.10.2021: Immer größere Population Jagdverband warnt vor mehr Wolfsbegegnungen in Großstädten https://www.spiegel.de/panorama/jagdver ... 003fcc56f7
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