Die CDU und der Wolf

Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein
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Nina
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Die CDU und der Wolf

Beitrag von Nina »

Die CDU in Niedersachsen kümmert sich einmal mehr um die (un)wichtigen Themen zur Rettung ihrer letzten Restwählerstimmen.

Gerade habe sie im Landtag ihre Forderung nach einem "nachhaltigen Wolfsmanagement für Niedersachsen" bekräftigt. "Nachhaltig" ist eine arg strapazierte bis hin zur Unkenntlichkeit entstellte Bezeichnung für sowas hier:
"Wir brauchen endlich die Festlegung einer Bestandsuntergrenze und eine Überarbeitung des Monitorings nach französischem Vorbild in Deutschland", verlangte der umweltpolitische Sprecher Martin Bäumer in einer Mitteilung am Samstag. Neben präventiven Maßnahmen sei auch eine Jagd auf die Tiere nötig. Als Vorbild beim Wolfsmanagement verwies der CDU-Politiker auf skandinavische Länder, in denen Wölfe zur Bestandsregulierung maßvoll bejagt werden könnten. [...] Dabei soll eine Untergrenze für die Wolfspopulation festgelegt werden, die für den Erhalt der Wölfe nötig ist. Steigt die Zahl der Wölfe darüber hinaus, können Tiere abgeschossen werden.

Süddeutsche, 07.11.2021: CDU fordert Bestandsuntergrenze beim Wolfsmanagement https://www.sueddeutsche.de/leben/tiere ... -99-894530
Außerdem kritisierte Martin Bäumer, würdevoller Träger des "Goldenen Vollpfostens in Lammkeulenedition 2018"* der ZDF-Heute-Show, den angeblich laxen Umgang des Bundesamtes für Naturschutz mit den Wolfszahlen:
Beim bundesweiten Wolfsmonitoring kritisierte Bäumer, dass das Bundesamt für Naturschutz trotz eines bereits verstrichenen Stichtages noch keine aktuellen Zahlen vorgelegt habe. Dies sei weder nachvollziehbar noch transparent, teilte Bäumer mit. Der Politiker verwies auf das französische Wolfsmonitoring, bei dem neben der Zählung auch eine Hochrechnung zur Bestimmung der tatsächlichen Anzahl an Wölfen benutzt werde.

Süddeutsche, 07.11.2021: CDU fordert Bestandsuntergrenze beim Wolfsmanagement https://www.sueddeutsche.de/leben/tiere ... -99-894530
Mit Zahlen und Hochrechnungen kennt sich der Herr Bäumer eben aus:
„In Deutschland leben zurzeit 1.000 Wölfe, 2022 werden es über 4.000 und 2030 über 40.000 Wölfe sein.“ Dieser jährliche Zuwachs von rund 30%, so Bäumer, wird es notwendig machen, auch in Niedersachsen Wölfe „konsequent zu töten“. Beim Lesen dieser Zeilen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier eine besonders renitente Intention zugrunde gelegt wurde. Oder eben, dass der gute Herr es mit der Wahrheit offenkundig nicht ganz so genau nimmt. [...] Im Jahr 2040 hätten wir – wenn wir sein Spiel fortsetzen – demnach übrigens 321.184 und im Jahr 2050 sogar 4.427.793 Wölfe in Deutschland. Spätestens 2062 dann gäbe es in Deutschland über 100 Millionen Wölfe. Mehr als Einwohner also…
Der 14 jährige Sohn meines Nachbarn ist heute übrigens 1,70 m groß. Zuletzt ist er durchschnittlich 7 cm pro Jahr gewachsen. Als 20-Jähriger wird er demnach 2,12 Meter groß sein und als erwachsener 30-Jähriger sogar 2,82 Meter. Zumindest, wenn man Bäumers Logik zugrunde legt.


Wolfsmonitor, 10.03.2018: Wölfe „konsequent töten“? https://wolfsmonitor.de/?p=12820
Zur Wolfspolitik der CDU in Niedersachsen hat Ulrike Fokken von der taz einen vortrefflichen Kommentar geschrieben.
Die CDU weiß nicht, wie sie zeitgemäße Politik betreiben kann, und befasst sich daher gar nicht erst konstruktiv mit den brandheißen Topthemen Klima- und Biodiversitätspolitik. Den 70 Prozent über 50 Jahre alten männlichen Mitgliedern der CDU erscheint der Klimaschutz als Fron­tal­op­po­si­tion der Jugend. Artensterben und Ökosystemkrise sehen weite Teile der CDU in Bund und Ländern als linken Angriff auf die Pfründen von Landwirten, Jägern, Mittelständlern und Waldbesitzern. [...] Wölfe stören jedoch vor allem die Jäger. In Wolfgebieten können sie nicht mehr einfach auf dem Hochsitz warten, bis ein Tier vorbeiläuft. Rehe, Rot- und Damhirsche verhalten sich anders in Wolfsgegenden. Damit stören Wölfe auch den lukrativen Jagdtourismus. Bisher konnten in Hirsch-starken Regionen finanzkräftige Jäger freitags anreisen, samstags und sonntags einen kapitalen Hirsch erlegen und montags wieder im Büro sitzen.
Wölfe verhindern diesen Zeitplan. Wölfe stellen die Machtfrage im deutschen Wald und die wollen Jäger für sich beantworten.


taz, 07.11.2021: Abschuss von Wölfen: CDU gegen Wolf, Kommentar von Ulrike Fokken https://taz.de/Abschuss-von-Woelfen/!5810501/

*NOZ, 17.12.2018: Mit Landtagsrede zum Wolf: Heute-Show zieht Glandorfer Martin Bäumer durch den Kakao https://www.noz.de/lokales/glandorf/art ... -den-kakao
Sein Name wird mit dieser „Auszeichnung“ in Zukunft wohl stets in Verbindung gebracht werden: mit dem „Goldenen Vollpfosten in der Lammkeulenedition“. [...] Bäumers Worte, „…die Wölfe, die dummes Zeug tun, die gehören konsequent erschossen. Das Wolfsrudel schlägt auch inmitten der Häuser erbarmungslos zu und das Blut der Weidetiere spritzt bis an die Häuserwände“, überspitzten die Satiriker der Heute-Show mit folgenden Kommentar:
„Es soll sogar Dörfer in Niedersachsen geben, da warten die Kinder auf dem Schulweg knietief durch Schafseingeweide. Landleben halt, töten oder getötet werden.“…


Wolfsmonitor, 18.12.2018: „Goldener Vollpfosten in der Lammkeulenedition“ https://wolfsmonitor.de/?p=15828
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