Wolf, hast du den Gast gestohlen?

Ankündigung und Besprechung von User- und Wolfsinteressierten-Treffen sowie Veranstaltungen über Wölfe.
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Wolf, hast du den Gast gestohlen?

Beitrag von SammysHP » 15. Feb 2016, 12:14

Hier eine etwas andere Veranstaltung. Es geht nicht direkt um den Wolf, wie auf den meisten anderen Veranstaltungen, sondern um die Auswirkungen des Wolfs auf den Tourismus. Unter dem Titel "Wolf, hast du den Gast gestohlen?" findet am 04.03.2016 um 19 Uhr in der Glockenkolkhalle Eschede ein Themenabend mit Podiumsdiskussion statt. Mit dabei sind Wolfsberater Helge John und Marc Sander, Biologin Helene Möslinger vom Kontaktbüro "Wolfsregion Lausitz", Kreistagsabgeordnete Elke Meyer vom gleichnamigen Ferienhof sowie Jürgen Reimer vom TraumzeitHof.

http://celleheute.de/informationsverans ... gestohlen/

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Re: Wolf, hast du den Gast gestohlen?

Beitrag von SammysHP » 4. Mär 2016, 16:40

Ich werde heute Abend übrigens dabei sein.

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Re: Wolf, hast du den Gast gestohlen?

Beitrag von SammysHP » 5. Mär 2016, 00:45

Die Veranstaltung hat sich auf jeden Fall gelohnt! Der Saal war voll, die Vorträge gaben einen guten Überblick und das Publikum war überraschend zurückhaltend. Ich habe mir zwar Notizen zum gesamten Verlauf des Abends gemacht, möchte hier aber nur eine kurze Zusammenfassung geben.

Den Anfang machte um 19 Uhr Helge John mit einem allgemeinen Überblick über den Wolf. Im Anschluss präsentierte Marc Sander den Verein Naturschutzpark e.V., besonders die Berührungspunkte mit dem Wolf (z.B. über 5000 Heidschnucken in sieben Herden, die behütet werden bzw. die Mühe, die man sich mit den Zäunen gibt). Ihm folgte Helene Möslinger mit einer Darstellung der Tourismus-Situation in der Lausitz.
Hier war nun das eigentliche Thema erreicht und die Diskussion mit Elke Meyer – dem Wolf gegenüber skeptisch, u.a. weil sie keine absolute Sicherheit garantieren könne – und Jürgen Reimer – sieht den Wolf als Bereicherung, auch beim Tourismus – konnte starten. Gegen 21:30 Uhr leerten sich bereits die Reihen, sodass der Abend um 22 Uhr beendet wurde.

Bezogen auf den Tourismus ist das Hauptproblem wohl, dass ein paar Gäste ("zwei in den letzten Jahren bei mir", "bei mir auch einer") weg blieben und dass die Gastgeber keine absolute Sicherheit geben könnten. Andererseits sorgt der Wolf aber auch für neue Gäste und ist vor allem als Werbung in dem Sinne zu verstehen, dass er die Region über die Präsenz in den Medien bekannt macht. Die Region bekommt also kostenlos Medienpräsenz. Insgesamt sei der Tourismus allerdings sowieso in einem Wandel (beispielsweise gehe der Trend zu Kurzurlauben). Konkrete Zahlen, wie der Wolf Einfluss auf den Tourismus nimmt, gebe es nicht.
Es sei schwer, direkt mit dem Wolf zu werben. Niemand kann garantieren, dass die Gäste Spuren finden oder gar einen Wolf sehen. Es wurde auch explizit darauf hingewiesen, man solle den Wolf nicht anlocken, um ihn den Gästen zu zeigen. Allerdings werde der Wolf von Vielen als Indikator für eine intakte Natur gesehen. In dieser Region handele es sich sowieso überwiegend um "Naturtourismus" – die Leute wollen die Natur erleben, wandern, reiten, Rad fahren. Der Wolf schränke dies jedoch nicht ein. Direkte Kontakte mit dem Wolf seien äußerst selten.
Zudem gebe es im Tourismus weit größere Probleme als den Wolf, unter anderem Infrastruktur/ÖPNV oder Gastronomie.

Aber nicht nur diese Art von Tourismus war Thema. Wie sieht es mit dem Jagdtourismus bzw. der Jagd im Allgemeinen aus? Bei den Jägern gebe es sowohl Befürworter als auch Gegner. Das Verhältnis lasse sich schlecht beurteilen. Es sei zu beobachten, dass sich das Wild etwas mehr verstecke, das behindere die Jagd jedoch nicht sehr und mit der Zeit gewöhne sich das Wild an den Wolf. Zwar würden die Jagdpreise sinken, für den Wald sei der Wolf jedoch positiv (Verbiss). Von einem Zuhörer kamen mehrfach sehr gute Kommentare (leider weiß ich nicht, wer das war), hier beispielsweise, dass das Wild durch den Wolf gesünder und stärker werde, wodurch auch die Jäger einen Vorteil hätten. So werden die Jagdpreise langfristig auch wieder steigen.

Aus dem Publikum kamen überwiegend sehr gute Kommentare. Damit meine ich gar nicht unbedingt pro-Wolf, sondern sachlich. Ein Herr meinte, man solle den Wolf nicht so besonders behandeln, es gebe bedrohtere und seltenere Tiere. Man solle den Wolf als das sehen, was er ist: Ein Wildtier. Die Zeitungen würden den Wolf bzw. sein Erscheinen oft als Sensation darstellen und die ganze Regierung sei mit dem Wolf beschäftigt.
Kritisiert wurde aus dem Publikum auch die Berichterstattung der Celleschen Zeitung, welche nicht neutral bzw. einseitig erfolge. Joachim Gries, Redakteur bei der CZ und einer der Moderatoren am heutigen Abend, verteidigte die Zeitung. Es werde das weitergegeben, was den Redakteuren erzählt wird. Allerdings solle intern noch darüber diskutiert werden. Herrn Gries zähle ich persönlich zu den Leuten, welche dem Wolf positiv gegenüber stehen. Das hat man auch heute bei der Moderation bemerkt, welche übrigens sehr gelungen war.

Insgesamt ein unerwartet ruhiger Abend, bei dem man auch als Wolfsinteressierter noch ein paar Neuigkeiten und vor allem Meinungen erfahren konnte. Der Wolf spielt sicherlich eine Rolle für den Tourismus, allerdings eher im positiven Sinne. Als Ziel wurde auch genannt, dass eine stärkere Zusammenarbeit stattfinden müsse, z.B. Informationen/Flyer für Touristen, Einbindung des Wolfs in das Marketing (momentan ist er auf kaum einer Tourismus-Webseite in der Region erwähnt). Besprochen wurde natürlich noch viel mehr, aber es ist schwer, das alles im Detail wiederzugeben. Es wurde auf jeden Fall klar, dass es nicht nur Wolfsgegner gibt und dass in der Realität nicht alles so ist, wie es in den Medien (und im Internet) herüberkommt.¹

¹ Aktueller Fall: Vergrämung bzw. "Entnahme" (das Wort wurde von einem Gast kritisiert). Wenn man einigen Medien glaubt, sei der Wolf schon so gut wie tot. Bei anderen wird er nur vergrämt. In der Realität werde der Wolf aber nur beobachtet und der Mann aus Schweden habe noch gar nichts entschieden. Man bekommt über Dritte oft nur die halbe Wahrheit. Wenn ich mir hier im Forum so manche Reaktionen ansehe, frage ich mich, ob sie nach einem Gespräch immer noch so wären. Dann sieht die Sache nämlich oft viel anders aus und Leute werden vernünftiger als man sie ursprünglich eingeschätzt hat.
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Re: Wolf, hast du den Gast gestohlen?

Beitrag von Grauer Wolf » 5. Mär 2016, 10:43

SammysHP hat geschrieben:Von einem Zuhörer kamen mehrfach sehr gute Kommentare (leider weiß ich nicht, wer das war), hier beispielsweise, dass das Wild durch den Wolf gesünder und stärker werde, wodurch auch die Jäger einen Vorteil hätten.
Alter Hut, gaaanz uralt.
Die Inuit sagen:
Das Caribou ernährt den Wolf, aber es ist der Wolf, der das Carbibou gesund und stark erhält...
"Jäger" sollten das wissen und Jäger (ohne "") wissen das auch...


Danke für den Bericht!

Gruß
Wolf
"Lernt mit uns zu leben, denn wir sind nicht mehr viele..."
Canis lupus

"Gesegnet ist das Land, in dem viele Wölfe laufen..."
Sprichwort der Comanches

Widukind

Re: Wolf, hast du den Gast gestohlen?

Beitrag von Widukind » 5. Mär 2016, 15:07

SammysHP hat geschrieben: Kritisiert wurde aus dem Publikum auch die Berichterstattung der Celleschen Zeitung, welche nicht neutral bzw. einseitig erfolge. Joachim Gries, Redakteur bei der CZ und einer der Moderatoren am heutigen Abend, verteidigte die Zeitung. Es werde das weitergegeben, was den Redakteuren erzählt wird. Allerdings solle intern noch darüber diskutiert werden. Herrn Gries zähle ich persönlich zu den Leuten, welche dem Wolf positiv gegenüber stehen.
Kommt halt drauf an, wen man fragt. Und wenn man nur das weitergibt, was einem erzählt wird, kann man die Redaktion auch zumachen. :roll:

@ Sven. Danke für den Bericht !

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Re: Wolf, hast du den Gast gestohlen?

Beitrag von SammysHP » 6. Mär 2016, 20:19

Hier der Bericht aus der Celleschen Zeitung. Mangels Zeit habe ich ihn selbst noch nicht gelesen.

http://www.cellesche-zeitung.de/S4766680

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