Gesellschaftliche Pflichten und das Recht des Einzelnen gegenüber Vielen

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Dr_R.Goatcabin
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Gesellschaftliche Pflichten und das Recht des Einzelnen gegenüber Vielen

Beitrag von Dr_R.Goatcabin » 14. Nov 2019, 09:06

Aktuell ob der Debatte um Impfpflicht; ich finde, sowas kann auch hier hin.

Bitte nur, wenn es rein und natürlich ist! - Weder Fakten noch Meinungen bestimmen mehr den Streit um die Impfpflicht. Impfen oder nicht impfen ist zur moralischen Pflicht mutiert. Wer stellt sich so noch infrage?
https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2 ... ettansicht


Auch hier wird vieles über seltsame Moralvorstellungen gesteuert, die einen nüchternen Blick auf die Realität verstellen. Umso mehr, wenn diesen Menschen wissenschaftlicher Hintergrund fehlt, mindestens aber die Fähigkeit, eine Sache objektiv zu bewerten.

Unter Impfgegnern oder -skeptikern ist es die vermeintliche Reinheit oder Natürlichkeit des Körpers, die zum moralischen Prinzip wird. Gut ist diesem Reflex nach, was besonders natürlich ist. Das zeigt auch die Forschung der Soziologin Jennifer Reich, die Eltern befragt hat, die ihre Kinder nicht oder nicht vollständig haben impfen lassen. ZEIT ONLINE erklärte sie in einem Interview: "Das Baby ist für die meisten der Inbegriff eines perfekten und natürlichen Körpers. Und die Eltern haben Sorge, dass ein Eingriff wie eine Impfung diesen natürlichen Zustand verdirbt." Viele Eltern glaubten, die natürliche Immunität, also eine Krankheit durchzumachen, sei besser als die Immunität, die Impfungen versprechen. Eine Annahme, die nicht nur falsch, sondern auch gefährlich ist. Denn anders als an Impfungen können Kinder an Masern, Diphtherie oder Tetanus sterben.

Viele, die Impfungen ablehnen, argumentieren also moralisch, auch wenn ihnen das nicht bewusst sein mag.
Moralische Intuitionen sind keine guten Prinzipien

Eine elegante Möglichkeit, mit Impfskeptikern umzugehen, könnte aber auch sein, sie mit dem Ursprung ihrer moralischen Eingebungen zu konfrontieren. Denn die intuitiven Reinheitsurteile eignen sich – anders als Jonathan Haidt manchmal zu suggerieren scheint – nicht besonders gut als moralische Prinzipien. Der Grund: Sie sind oft emotional und selten mit Vernunft begründbar. Häufig fällen Menschen in Fragen der Alltagsmoral binnen Sekunden ein Urteil. Sie folgen dabei ihrem Bauchgefühl. Werden sie dann nach einer rationalen Begründung dafür gefragt, basteln sie sich diese nachträglich zurecht, und zwar so, dass sie wiederum ihr Bauchgefühl bestätigt.

Haidts Experimente zeigen das eindrücklich. So konfrontierte er Versuchspersonen mit kurzen Fallgeschichten, fragte sie dann nach ihrem moralischen Urteil und in einem dritten Schritt nach der Begründung für das Urteil (Journal of Social and Personal Psychology: Haidt et al., 1993). Zwei Beispiele:

Ein Mann geht einmal die Woche in den Supermarkt und kauft ein totes Huhn. Aber bevor er es kocht, hat er Geschlechtsverkehr mit dem Huhn. Dann kocht und isst er es.
Ein Familienhund wurde vor dem Haus der Familie von einem Auto getötet. Die Familie hatte gehört, dass Hundefleisch lecker ist, also schneiden sie den Hundekörper auf, kochen ihn und essen ihn zum Abendbrot. Niemand hat sie dabei beobachtet.

Werden Menschen nun gefragt, ob sie das Handeln des Mannes und der Familie nicht nur für widerlich, sondern auch für unmoralisch halten, antwortet ein ordentlicher Anteil mit Ja (in Ländern wie Brasilien und den Philippinen sind es übrigens weit mehr als in den USA). Wenn sie begründen sollen, warum, welchem moralischen Prinzip ihr Urteil also folgt, tun sie sich jedoch sehr schwer. Tatsächlich haben die meisten – obwohl sie ein starkes moralisches Bauchgefühl haben – keine guten Argumente, um ihr moralisches Urteil zu begründen (Psychological Review: Haidt, 2001).
Die Empfehlung, im Gespräch zu den Wurzeln der Ablehnung mit den Gegnern und Skeptikern vorzugehen, empfinde ich meiner Meinung nach aber auch nicht allzu zweckdienlich, denn je verbohrter und bildungsferner jemand ist, desto eher zieht sich der Betreffende in sein Bollwerk aus Ignoranz zurück und wiederholt gleich einem trotzigen Kind just seine Ausflüchte, warum er keine Impfung will. Kann man in einem beliebigen Forum zur Sache nachschlagen. Ein Kommentar trifft den Nagel.
Meine Theorie ist, dass Menschen die sich vor Spritzen ekeln oder fürchten oder aber nicht ertragen können, dass ihr Kind bei einer Impfung schreit, aktiv nach Gründen suchen sich nicht impfen lassen zu müssen. Da werden dann Fakten fingiert und es wird Leuten geglaubt die einem alternativ Sonnenenergie aus der Flasche andrehen wollen, um vor Krankheiten zu schützen. Personen die sich für Impfungen aussprechen sind dann Lakeien der Pharmaindustrie oder Schlafschafe, es ist eine extreme Form kognitiver Dissonanz gegen die man argumentativ nicht ankommen kann, da kein Diskurs gesucht wird, sondern nur ein Grund sich nicht impfen lassen zu müssen.
(@Freiheitsstatue von Underfrangen)
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maxa67
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Re: Öffentliche Debatte und die "Skeptiker"

Beitrag von maxa67 » 14. Nov 2019, 10:07

Impfpflicht ist ein ganz heißes Eisen.

Hier steht das Grundrecht auf die freie Entscheidung (z.B. über den eigenen Körper) gegen die Vorsorgepflicht gegen Epidemien und Pandemien.

Die real sozialistischen Staaten (die DDR, die Volksrepubliken Ungarn und Polen, die CSSR, Rumänien und Bulgarien und die UdSSR) sind sehr gut damit gefahren, JEDEM Kind eine verpflichtende Grundimmunisierung gegen Diphterie, Keuchhusten, Tuberkulose, Wundstarrkrampf (heute Tetanus), Pocken und Masern sowie Kinderlähmung (Polio) anzugedeihen. Letzteres war ne angenehme Schluckimpfung.
Dau gab es prophylaktische (und sicher auch für Studien über die Auswirkungen der Luftverschmutzung) Volksröntgenaktionen der Lunge. Das aber nur nebenher bemerkt.

Mir ist dabei das Paradoxum aufgefallen, daß wir in Sachsen die mit Abstand niedrigste Impfquote haben. Ich kann mir den Grund dafür beim besten Willen nicht zusammenreimen. Entweder haben sich Elterngenerationen (u.a. auch die zu denen ich mich zähle, mit Kindern, geborgen Mitte der 80er bis 90er) einfach darauf ausgeruht, daß die Impferei wie selbstverständlich so weitergeht oder im sächsischen Gesundheitsapparat ist da was mächtig schiefgelaufen.
https://www.bundesgesundheitsministeriu ... asern.html


Prinzipiell würde ich die Impfpflicht zur Grundimmunisierung inklusive Masern begrüßen. Einfach auch, weil die sogenannte Globalisierung uns einerseits in Gebiete bringt, wo einige der Krankheiten nach wie vor (stark) auftreten, andererseits unsere Gäste und nachweislich auch die Neubürger, aus diesen Gebieten diese viralen und bakteriellen Erreger mit einschleppen. Das soll jetzt nicht diskriminierend verstanden werden, die Realitäten sind aber nachweislich so. Warum sollen wir uns also ohne Not, nachdem diese Krankheiten bereits in Mitteleuropa fast vollständig berherrscht wurden, hier die Tore für den Wiedereinfall dieser Geißeln der Menschheit wieder sperrangelweit öffnen.

Die Diskussion über die Impfflicht ist also nur eine weitere Baustelle im ewigen Kampf Verteidigung von Grundrechte und persönlicher Entscheidungsfreiheit gegen Vernunft und "Volksfürsorge".

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Nina
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Re: Öffentliche Debatte und die "Skeptiker"

Beitrag von Nina » 14. Nov 2019, 13:48

Dr_R.Goatcabin, was Du beschreibst, mag vom Grundprinzip her teilweise richtig sein, aber gerade der Blick auf die Diskussion um die Impfpflicht beweist, dass ein gewisser Grad an Bildung nicht zwangsläufig davor schützt, einseitiger medialer Beeinflussung aufzusitzen - insbesondere, sobald und sofern das Thema außerhalb des eigenen Fachgebietes liegt.

Durch meinen familiären medizinischen Background habe ich einen anderen differenzierteren Zugang zu dem Thema. Tatsächlich ist die mediale Darstellung zur Zeit darauf fokussiert, Impfgegner, Impfkritiker und Menschen mit medizinischen, ökonomischen und verfassungsrechtlichen Bedenken gegen eine staatlich angeordnete Zwangsimpfpflicht in einen Sack zu stecken, ihn mit einem abwertenden Esoterik- , Heiler- und Kartenleger-Etikett zu versehen und das uninformierte breite Volk durch das Schüren von Ängsten gegen die "Impfgegner-Spinner" zu mobilisieren. Kritische Stimmen, die einen wissenschaftlichen Hintergrund haben und sich differenziert mit der wissenschaftlichen Faktenlage befassen, scheint es nicht zu geben - als Impfgegner werden meist nur irgendwelche abenteuerlichen Heilpraktiker oder überbesorgte Muttis befragt, die ihre Abneigung gegen das Impfen nicht auf rationale Weise begründen können.

Das erinnert sehr an die Wolfsdebatte, wenn einseitig Landwirte, Schäfer, Jäger und die ihre Interessen bedienenden mehr oder weniger wissenschaftlich arbeitenden Meinungsgenossen zu Wort kommen, ohne dass neutrale Wildbiologen, die DBBW, IUCN etc. gehört werden - und die Gegenseite allein durch radikalere Tierschutzgruppen repräsentiert wird, deren Auftreten weniger von rhetorischer und inhaltlicher Professionalität, sondern eher von Emotion bestimmt ist. Man kann Berichterstattungen so inszenieren, dass für den Laien Protagonisten und Antagonisten glasklar und in schwarz/weiß feststehen, was von der Zielgruppe dann eigentlich nur noch von seltsamen themenfremden Vergleichen getoppt wird, wie etwa, ob es moralisch zu rechtfertigen ist, einen Hund zu essen oder Geschlechtsverkehr mit einem Huhn zu haben. :shock:

Wer von Euch hat in den Medien schon einmal vom Verein "Ärzte für individuelle Impfentscheidung e. V.", der rund 600 Mediziner angehören, gehört? Fundierte, wissenschaftliche Informationen findet man auf deren Website, die man sich ruhig mal mit etwas Zeit zu Gemüte führen sollte. Vieles, was man aus der Politik und der Presse als vermeintliche Fakten bereits aufgesogen und als quasi "Naturgesetz" innerlich schon fest verankert hat, kann man hier einer kritischen Prüfung unterziehen, die nachdenklich macht, z. B.:
Die Impfquote von 97 Prozent für die erste Masern-Impfung bei Kindern ist ein klarer Beleg für die Bereitschaft der Eltern, ihre Kinder gegen Masern impfen zu lassen. Es fehlt daher allenfalls an einer Erinnerung zu Beginn der Schulzeit bzw. spätestens in der Pubertät, im Rahmen einer entsprechenden ärztlichen Beratung die zweite Masern-Impfung geben zu lassen. Diese im Gesetzentwurf als „entscheidend“ bezeichnete Masern-Impfung wird in ihrer Bedeutung jedoch überschätzt: Sie verbessert den individuellen Schutz nicht wesentlich, ihr Effekt auf die Herdenimmunität ist in Deutschland umstritten – zumindest bei einem frühen Impfzeitpunkt. Viele Länder, in denen diese Zweitimpfung im Alter zwischen 7 und 14 Jahren erfolgt, haben trotz niedrigerer Durchimpfungsraten deutlich geringere Masernfallzahlen als Deutschland.
Der Schlüssel zu noch besseren Impfquoten liegt auch nach Ansicht zahlreicher Fachleute – z. B. im Robert-Koch-Institut – in der konsequenten und besseren Impfberatung, nicht in staatlichen Zwangsmaßnahmen.


Ärzte für individuelle Impfentscheidung e. V., 12.05.2019: Presseerklärung: Blinder Aktionismus - Ärzteverband lehnt den Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums zur Masern-Impfpflicht entschieden ab https://www.individuelle-impfentscheidu ... ismus.html
Dem Verein verteufelt Impfungen nicht, im Gegenteil, er sieht aber auch keine oder kaum zu erwartende positven Effekte in der in dem Gesetzesvorhaben geplanten Impfpflicht - und ja, maxa67, ein erhöhtes Infektionsrisiko durch Zuwanderung spielt eine Rolle, der man mit dem geplanten Gesetzesvorhaben aber gar nicht beikommt.

Wenn Herr Spahn seinen Gesetzesentwurf als "Kinderschutzgesetz" bezeichnet, sollte man sich kritisch fragen, ob tatsächlich wirksamer Kinderschutz drin ist oder nicht insbesondere ein großer Schutz für die finanziellen Interessen der Pharmaindustrie, für die bereits eine Impfempfehlung der STIKO einem lukrativen Massen-Verkaufs-Abo gleichkommt - von einer flächendeckenden Impfpflicht ganz zu schweigen.
Dass Unternehmen mit ihren Produkten Geld verdienen, findet STIKO-Mitglied Hengel nicht schlimm. Was er beobachtet, ist aber Folgendes: Die Hersteller setzen gerade bei den preiswerten Impfstoffen der Grundversorgung darauf, ein und dasselbe Produkt über Jahrzehnte in Massen zu verkaufen, ohne es weiter zu verbessern. Dabei sieht Hengel für viele Impfstoff noch großen Verbesserungsbedarf.

Doch ausgerechnet seine Ständige Impfkommission beschert Firmen einen dauerhaften, von den Kassen finanzierten Massenabsatz. Frei nach dem Motto: Einmal von der STIKO empfohlen, immer empfohlen. Hengel gibt zu: „Das jetzige System bietet kaum Anreiz für Innovationen.“


Handelsblatt, 09.08.2013 : Die größten Mythen über das Impfen: „Es wird viel zu viel geimpft – Daran verdient nur die Pharmaindustrie“ https://www.handelsblatt.com/technik/da ... Wr4SBw-ap1

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Dr_R.Goatcabin
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Re: Öffentliche Debatte und die "Skeptiker"

Beitrag von Dr_R.Goatcabin » 14. Nov 2019, 14:20

Und der nächste Post ganz milde am Thema vorbei, aber.. gut.

Liebe Nina, bei Dir werden selbst einige Dinge in ihrer Gewichtung durcheinander gewirkt, das ich da so nicht passend finde. Das Beispiel der Hühnerf***** hat sich der Schreiber nicht im Zusammenhang mit Skeptikern als Label ausgedacht, sondern steht doch klar als Beispiel für eine Untersuchung hinsichtlich Moral. ;) Weiterhin stellen eben doch nixblickende Antivaxxx-Muttis leider eine große Mehrheit. ...

Es geht mir um die Ablehnung und "ich weiß das aber besser!" bei komplexen Sachverhalten, wo der Durchschnitt immer öfter Betrug vermutet, weil geringes Wissen vorhanden ist - wenn überhaupt. Wir schlingern in eine Zeit, wo gekaufte falsche "Fachleute" dafür sorgten, dass seriöse Ahnungsbehaftete immer weniger Gehör finden.
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Re: Öffentliche Debatte und die "Skeptiker"

Beitrag von Erklärbär » 14. Nov 2019, 15:24

Auweia, Nina vertritt die gemeinsame "Sache" mit der AfD.
AfD-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg

AfD unterstützt Petition und Offenen Brief der "Ärzte für individuelle Impfentscheidung"
https://www.presseportal.de/pm/127902/4253704

Komisch, mir wird stets Unwissenschaftlichkeit vorgeworfen, aber wenn es um's Impfen geht...

So misst man mit zweierlei Maß. Extremst unglaubwürdig würde ich sagen...
Berlin – In der Debatte um eine Impfpflicht gegen Masern will Bundes­ärzte­kammer­prä­sident Frank Ulrich Montgomery gegen Ärzte vorgehen, die Eltern von diesen Impfungen abraten.

„Man muss mit ihnen reden, und wenn sie sich nicht überzeugen lassen, muss man diese Kollegen soweit bringen, dass sie in einem anderen Bereich tätig werden, etwa im Labor oder als Gutachter“, sagte Montgomery dem Focus. Die ärztliche Zulassung könne die Bundes­ärzte­kammer impfkritischen Ärzten zwar nicht ent­zieh­en. Aber „ein Arzt hat nicht das Recht, Unsinn zu vertreten“, sagte er.
Ein Berufsverbot fände ich besser. Mit Scharlatanen hat man früher kurzen Prozess gemacht. Meine Tante wollte sich von einem Homöopathen vom Krebs heilen lassen. Bevor sie gestorben ist, hat er ihr noch 5000 Euro abgeknöpft.

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... ung-nehmen
Will you walk out of the air, my lord?

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Dr_R.Goatcabin
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Re: Öffentliche Debatte und die "Skeptiker"

Beitrag von Dr_R.Goatcabin » 14. Nov 2019, 15:50

Nina hat geschrieben:
14. Nov 2019, 13:48
Die Impfquote von 97 Prozent für die erste Masern-Impfung bei Kindern ist ein klarer Beleg für die Bereitschaft der Eltern, ihre Kinder gegen Masern impfen zu lassen. [...]

Der Schlüssel zu noch besseren Impfquoten liegt auch nach Ansicht zahlreicher Fachleute – z. B. im Robert-Koch-Institut – in der konsequenten und besseren Impfberatung, nicht in staatlichen Zwangsmaßnahmen.
(https://www.individuelle-impfentscheidu ... ismus.html)
Drehen wir es doch andersherum - wenn die Impfquote bereits so hoch ist, und die Eltern tatsächlich (oder verdonnert) das Beste für ihr Kind wollen, wo ist dann das Problem, wenn es per Gesetz konkreter verankert wird. Geht´s hier um´s Prinzip, "Staatliche Zwangsmaßnahmen!!" schreien zu können? Ich meine, sicher muss es auch Ausnahmen geben dürfen, wenn klar ist, dass der zu Impfende etwas nicht verträgt. Wenn die Eltern aber schlicht alles ablehnen, was in ihren Augen "Gift" ist, dann braucht es eben externen Zwang.

Klar lachen sich Top-Manager in dieser Branche abends lachend in den Schlaf, womit alles ein unglaublicher Haufen Geld gemacht wird, nur was hat das mit der Notwendigkeit an sich zu tun, für Immunitäten in der Bevölkerung gegen vermeidbares Übel zu sorgen (wobei an dieser Art der Selbstbedienung hisichtlich STIKO-Impfempfehlung und automatischer Produktabnahme auch was geändert werden sollte)? Wir können uns also zumindest einigen, dass Impfungen wichtig sind (!), allerdings in wenigen Fällen über die individuelle Zusammensetzung und Zeitpunkt der Verabreichung gesprochen werden kann.

Hier noch ein Beitrag, der Deine Ansicht wohl auch eher stützt.

https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2 ... -saad-omer
Omer: Außerdem muss man natürlich regeln, wer Kinder aus medizinischen Gründen befreien darf. Oft gehen Eltern zu wohlwollenden Ärztinnen und Ärzten, da gibt es ein Missbrauchspotenzial. Ich plädiere dafür, dass nur Ärzte, die auch impfen können, eine Befreiung erwirken dürfen. Zudem sollten Befreiungen beispielsweise jedes Jahr überprüft werden.

In diesem Zusammenhang ergibt es auch keinen Sinn, Kinder nur zu Beginn der Kita- oder Schulzeit auf ihren Impfstatus zu prüfen. Das hat zwar langfristig einen Einfluss, wird aber kurz- und mittelfristig Masern-Ausbrüche nicht verhindern.

ZEIT ONLINE: Das passt zu dem, was viele Experten in Deutschland immer wieder anmerken. Die Immunität unter Erwachsenen, die die Erkrankung als Kind nicht hatten, aber auch keine Impfungen bekommen haben, könnte ein größeres Problem sein als ungeimpfte Kinder.

Omer: Wer Ausbrüche verhindern will, muss diese Menschen erreichen. In den USA beginnt der Großteil von Ausbrüchen, weil ungeimpfte Amerikanerinnen und Amerikaner das Virus von Auslandsreisen mitbringen oder Touristen und Besucherinnen, die sich mit dem Virus angesteckt haben, einreisen. Deshalb sollte auch jeder, der eine Reiseimpfberatung in Anspruch nimmt, auf seinen allgemeinen Impfstatus hin geprüft werden.
...

Ich wollte hier auch eigentlich keine (für mich denkbar überflüssige) Debatte über Impfpflicht beginnen; das war nur gerade ein aktueller Aufhänger zu der Sache, womit ein Commentary ganz oben im Thread begann. Es bilden sich Grüppchen von "Fachleuten", die jeweils ihre eigenen Studien wedeln und gegen den vermeintlich finanz- oder sonstwie interessengesteuerten Mainstream angehen, derweil verheißungsvoll mit der "Wahrheit" locken. Woher kenne ich dieses Gebaren nur?
Klar gibt es im wissenschaftlichen Konsens immer wieder mal Fehler, aber wer jetzt darauf lauert, dass die Erde DOCH eine Hohlwelt ist, könnte bis ins späte Alter noch enttäuscht werden. ;) Und vielleicht bin ich gesamt auch nur von den kompletten Idioten genervt, die Dir Zuckerpillen gegen Virenerkrankungen verschreiben, heiliges Wasser dreimal stampfen, oder Tachyonenenergie im Saftpack verkaufen wollen. Dieses Klientel gehört hinter Gitter.
Dr_R.Goatcabin hat geschrieben:
29. Jun 2019, 11:16
TheOnikra hat geschrieben:
29. Jun 2019, 10:03
Da hast du einfach das Prinzip vom kritischen Denken nicht verstanden. Also wenn du Studien nur für Meinung hälst hat es kein Sinn mit dir darüber zu reden.
Auch wieder ein Beweis das du Studien nicht verstehen kannst.
Diese Denklinie kennen wir doch woher .... 999 Studien, die beweisen, dass X nicht zutrifft? Alle gekauft oder wissenschaftlich geringwertig. 1 Studie (die zudem auch noch gefälscht wurde), wonach X zutrifft? "Ich WUSSTE ES!"

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Re: Öffentliche Debatte und die "Skeptiker"

Beitrag von zaino » 15. Nov 2019, 12:25

... und wann war das je so? *seufz* Alles Neue musste sich mühsam durchsetzen. Angefangen bei der Idee, dass die Erde es ist, die sich um die Sonne dreht, und RUND ist, bis zur Desinfektion und Asepsis in der Chirurgie kann ich da schon zig 1000 Beispiele anführen .

Ja, das mit dem "Klimawandel" nervt, zugegeben. Andererseits - der Mensch hat und hatte seit Jahrtausenden schon mal einen Impact aufs Klima, Das fing bereits beim Abholzen des gesamte Mittelmeerraums für antike bis neuzeitliche Schlachtschiffe an und setzt sich bis heute fort: WIR brauchen für die absurde Massentierhaltung genmanipuliertes eiweißreißes Spezialfutter, das wiederum nur großflächig da wächst, wo man vorher Kleinbauern enteignet oder wahlweise Regenwald platt gemacht hat. Das plus allerhand Emissionen plus Flächenversiegelung plus Verschmutzung plus Zerstörung weiträumiger Ökosysteme = durchaus auch ja, Klimaveränderungen. Der Permafrostbode z. B. taut langsam auf, und wenn Gletscher an den Polen auch mit auftauen, wird das lustig, weil dann Aber-Myriaden von Mikroorganismen AUCH Emissionen von sich geben werden.

Und überlegt mal, welche Shitstorms die Greta ausgelöst hat. Ja, ich finde das Teilchen auch nur eingeschränkt sympathsch, ABER es fehlt einfach an Awareness für den ganzen Bereich. Und Ihr wisst ja auch, was passiert, wenn man irgendwem anrät irgendwas anders zu machen als bisher. Z. B. den Landwirten... oder anderen Interessengruppen aus der Industrie etwa oder oder oder.... dann geht die Post ab.
Also wo stehen wir?

Große Klimaveränderungen in der GEschichte von Mutter Erde unter Kontrolle zu bringen? Ein putzige Gedanke. Leiser Größenwahn, geht nicht.
Aber alle Sauereien des Homo sapiens zusammengenommen, doch, da sind wir schon in der Verantwortung, die aber noch immer keiner übernehmen mag...

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Re: Öffentliche Debatte und die "Skeptiker"

Beitrag von Dr_R.Goatcabin » 15. Nov 2019, 12:35

Zaino, es "nervt" nur, wenn man in den letzten Jahrzehnten die Verschärfung der Probleme einfach nicht mitbekommt, oder die Finger immer tiefer in die Ohren bohrt (das in der Tat unangenehme Gefühle beschert, wenn da in der Mitte, sofern restvorhanden, was zusammengedrückt wird), wenn die Mahnungen gezwungenermaßen lauter werden. Und schön, wenn Du in Leugnung anthropogen verschärften Klimawandels mit dieser Gruppe an Merkbefreiten unisono singst ..
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Redux
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Re: Öffentliche Debatte und die "Skeptiker"

Beitrag von Redux » 15. Nov 2019, 12:44

Ja absolut, Wissenschaft muß ergebnisoffen und ideologiefrei bleiben, nur bei der hier zur Debatte stehenden Diskussion ist es wohl eher so daß bestimmte Teile der Bevölkerung glauben die Ergebnisse der offenen Wissenschaft als ideologisch abqualifizieren zu können nur weil sie die voluntative Gewalt über sämtliche Formen von Konzens und Regeln haben möchten. Kurz gesagt die Ergebnisse ignorieren und die Wissenschaft mit Schmutz bewerfen nur weil einem die Ergebnisse nicht in den Kram passen dürfte wohl kaum unter Ideologie- bzw. Wissenschaftskritik fallen.
Geh mir aus der Sonne, Alexander

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Re: Öffentliche Debatte und die "Skeptiker"

Beitrag von zaino » 15. Nov 2019, 14:14

Dr_R.Goatcabin hat geschrieben:
15. Nov 2019, 12:35
Und schön, wenn Du in Leugnung anthropogen verschärften Klimawandels mit dieser Gruppe an Merkbefreiten unisono singst ..
Wer lesen kann, ist im Vorteil - sonst hättest Du das eben nicht verzapft. :x

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