Jäger drohen Tierhaltern

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Nina
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Jäger drohen Tierhaltern

Beitrag von Nina »

Schweden: Jäger setzen Tierhalter unter Druck, die sich für die Errichtung wolfsabweisender Zäune entscheiden

In einem Leserbriefbeitrag in einem schwedischen Jagdmagazin beklagt der Sprecher der schwedischen Beutegreiferschutzorganisation Svenska Rovdjursföreningen, der selbst Schafhalter ist, Magnus Orrebrant, dass Jäger den örtlichen Tierhaltern die Errichtung wolfsabweisender Schutzmaßnahmen erschweren würden, indem sie Druck auf alle ausüben, die sich für einen wolfsabweisenden Herdenschutz entscheiden.
Keiner der Tierhalter, die einen wolfsabweisenden Zaun errichtet haben, war in Uppland von Wolfsangriffen betroffen. [...] Keiner, dem wir in Uppland bei dem Aufbau der wolfsabweisenden Zäune geholfen haben, hatte einen Wolfsangriff zu verzeichnen. Leider zögern viele Tierhalter mit der Errichtung wolfsabweisender Herdenschutzmaßnahmen, weil sie aus Jagdkreisen massiv unter Druck gesetzt werden, ganz nach dem Motto: "Mit dem Aufbau wolfsabweisender Zäune erklärt Ihr, mit der Wolfsanwesenheit einverstanden zu sein." Das kommt leider in vielen Teilen Schwedens einem Ausschluss aus den örtlichen Dorfgemeinschaften gleich.
Die Jäger sollten sich darauf besinnen, den Tierhaltern zu helfen anstatt die Errichtung wolfsabweisender Herdenschutzmaßnahmen zu vereiteln.
Ginge es dem Jagdverband tatsächlich um den Schutz der Tierhalter, sollten sich seine staatsbezuschussten Organisationen (im Gegensatz zu den Naturschutzorganisationen, die sich allein aus Spendengeldern und Mitgliedsbeiträgen finanzieren) mit Informationen und Unterstützung beim Aufbau wolfsabweisender Schutzmaßnahmen behilflich zeigen anstatt dagegen zu arbeiten.
Leider erweckt es eher den Eindruck, als würde hier "das Lamm geopfert" werden, um das eigentliche Ziel zu erreichen, nämlich im Wald dem Wolf als Beutekonkurrenten um das Schalenwild den Garaus zu machen.


Svensk Jakt, 13.09.2021: Debatt: ”Överklaganden räddar inte vargen i Uppland” https://svenskjakt.se/opinion/debatt/ov ... i-uppland/


Das macht das schwedische Modell als immer wieder gepriesenes großes Vorbild in der Wolfspolitik nicht unbedingt erstrebenswerter.

Ein ähnliche Aussage war übrigens gerade von Kurt Kotrschal in der ZEIT zu lesen:
"Mit dem notwendigen Schutz für die Nutztiere, also mit Behirtung, Hirtenhunden und Schutzzäunen. Bloß ist das nicht trivial. Das sind alte Kulturtechniken, die man wieder erlernen muss. Außerdem kostet das viel Geld, aber daran mangelt es nicht. In der EU gibt es große Fördertöpfe. Bloß weigern sich gerade in Österreich die Politiker und die Standesvertreter, da auch nur hinzuschauen. [...] Ich habe den Verdacht, dass sie sich fürchten, jede Anerkennung des Herdenschutzes wäre gleichbedeutend mit der Anerkennung des Wolfes. Also sind wir noch immer auf der irrationalen Schiene. [...] Dass man das Problem mit der Flinte löst. Es wird geschossen und verbuddelt, was das Zeug hält, natürlich illegal."

ZEIT online, Interview mit Kurt Kotrschal, 09.11.2021: "Nicht gleich aufregen, wenn ein Wolf durchs Dorf spaziert" https://www.zeit.de/2021/37/woelfe-hund ... ettansicht
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