Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

zaino
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Re: Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von zaino » 14. Jun 2015, 13:50

Mehr Lawinen weil Gams und Reh öfter nach oben klettern????? Merkwürdige und sehr naturferne Theorie...

Beispiel Hinterwälder Kühe im Schwarzwald, sehen aus wie Weißbunte, werden umso kleiner je näher man rankommt. Putziges Phänomen, wenn man sie das erste Mal sieht - sind im Endeffekt nicht größer als Islandponys. Warum? Weils um optimale Futterausnutzung an steilsten Hängen ging, weil "vernünftige" Flächen im Hochschwarzwald rar sind.
Diese Notwendigkeiten sind im Zeitalter der (ziemlich tierschutzwidrigen) Agro-Industriebetriebe und der Massen- und Überproduktion z. B. an Milchprodukten so nicht mehr gegeben. Und s. o. es haben auch immer weniger Leut Lust auf die einsame und harte Arbeit auf einer Viehalpe.
Almen wurden schon seit Jahrzehnten aufgelassen, redet Euch doch nicht immer auf den böösen Wolf raus, zefix, man kanns nimmer hören oder lesen!

Roßalpen und Rinder-Almen sind ebenfalls unterschiedlich beschaffen: Wo Jungrinder noch hinklettern, hält der Haflinger oder Noriker sich fein zurück, er würde runterkugeln oder abrutschen. Entsprechend wählt man die Flächen fürs Sömmern. Paarhufer gegen Unpaarhufer. Erklärte mir mal ein erfahrener Almer mit Hauptfokus auf schwere Noriker.

balin
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Re: Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von balin » 14. Jun 2015, 14:05

@gizmoo
Zur Ansitzjagd gebe ich immer gerne diesen Artikel weiter:
http://www.waldwissen.net/wald/wild/oek ... s/index_DE
Zusätzlich habe ich noch eine Anmerkung. Der Mensch ist auf den Wolf gekommen oder besser auf den Hund, weil er als Hetzjäger der Savanne oder Steppe bei aufkommender Bewaldung nach der Eiszeit ein Problem hatte, das er nur mit dem Wolf/Hund gemeinsam lösen konnte, jedenfalls, wenn er Jäger bleiben wollte. Geländegängigkeit und Sinnesaustattung geben dem Wolf eindeutige Vorteile im unübersichtlichen Gebiet. Der aufrechte Gang, der Hochsitz als Verlängerung und wegen mir auch das Fernglas sind Werkzeuge eines Augenjägers und von daher an gute Sichtverhältnisse gebunden. Und ein Gewehr schiesst auch nicht um die Ecke.
Behaupte mir ja keiner, daß unsere Jägerschaft im etwas reiferen Alter den Rehen im Gestrüpp hinterherhechtet. Das ist Wolfsgebiet und jedes Reh und jeder Hirsch wird froh sein, wenn es oder er den Wolf von weitem sieht, also in offenem Land.
Und wie sollst Du das verstehen....ich betreibe selber eine Alm im Mittelgebirge, bin der erste am Bach, habe Waldränder , Sumpf und Steilhänge und es grast da eine Fleckviehherde mit Kälbern. Ein paar Kühe melke ich allerdings auch und liefer die Milch ab. Anders als auf einer Alpe sind meine Tiere aber das ganze Jahr draussen, haben allerdings eine große eingestreute Halle als Rückzugsgebiet.
Dadurch, daß alle Matschzeiten inklusive sind, habe ich eine sehr sensible Wahrnehmung für Bodenerosion. Aus der Sicht der Rinder ist da Frost manchmal eine gute Lösung und Trockenheit auch. Manche Stellen müssen notgedrungen öfters passiert werden und ich glaube, mit Schafen wären die schwarzen Stellen nicht so ausufernd. Kühe sind Trampeltiere! ;-)

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Richard M
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Re: Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von Richard M » 15. Jun 2015, 11:26

gizmoo hat geschrieben:Und ja - wenn diese Beutegreifer Dir eine Deine Viecher fressen und Du Dir Herdenschutzhunde halten müsstest, meterhohe Zaune auf einer Alp aufbauen müsstest (hast Du so hart überhaupt schon einmal gearbeitet?), würden Dir Deine Ideen von "freier Natur" auch ziemlich bald vergehen....aber wie gesagt: Das geht Dich ja nichts an, sondern nur die Anderen.
Wenn ich Nutztiere habe, ist es meine Pflicht für ihren Schutz zu sorgen. Diesen Schutz aber dadurch herbeizuführen, indem man Wölfe und Luchse ausrottet, bzw. deren Rückkehr (Wolf) / Wiederansiedlung (Luchs) torpediert, weil man sich zu bequem ist seinen Beruf ordentlich auszuführen :x ... tut mir leid, so eine Arbeitseinstellung darf nicht unterstützt werden.
Petition Der Wolf gehört zu Deutschland: https://www.change.org/p/bundesminister ... eutschland

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Re: Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von gizmoo » 15. Jun 2015, 17:28

jurawolf hat geschrieben: Diese Alpen wurden aufgegeben oder werden heute mit Schafen oder Ziegen bestossen.
...oder eben nicht mehr.
jurawolf hat geschrieben: Das Reh hat nun mal ein gänzlichh anderes Feindvermeidungsverhalten als die Gämse. Und wenn die Gämse wegen der Grossraubtierpräsenz plötzlich wieder in den Felsen steht, anstatt auf der flachen Wiese - dann ist das gut so!
Und genau dort gehen die Gämsen in der Steilwand dem Schutzwald zu schaden, was sie vorhin nicht getan haben. Was genau ist gut daran? Neben der grunsätzlichen Diskussion über die Populationsgrössen der Gämsen...
Zum Rehwild: Es gab unlängst einen Artikel in der Berner Zeitung zum Thema : Schutzwald und Jagd.
Darin wurde vorallem den Jägern vorgeworfen das sie die Schutzwälder viel zu wenig bejagen würden und die Rehdichte dort massiv zu hoch sei. Das sei nun schon einige Jahre so. Interessanterweise wurde mit KEINEM Wort die erhöhte Präsenz der grossen Beutegreifer in die Diskussion einbezogen. MIT KEINEM WORT!
Solche einseitige Berichterstattung zu einem wichtigen, und teuren, Thema darf nicht ideologieverblendet betrachtet werden.
Wurde es dem Journalisten zu heiss über die Nachteile der Luchs- und Wolfsvorkommen zu sprechen? Ist es am einfachsten wenn einfach die Jäger die Bösen sind? Konnte der Forst nicht über den eigenen Schatten springen und über Ihr eigentliches Bestreben, möglichst wenige (bei einigen am liebsten gar keine) Wildtiere zu haben, zugeben?

Von mir aus kann der Luchs und der Wolf gerne vorkommen, ich betrachte diese Wildart als Bereicherung.
ABER 1: habe ich die Wildarten nicht vermisst und
2: soll man doch bitte ehrlich und transparant über die Vor- und Nachteile berichten.
Zweiteres ist im Moment überhaupt nicht der Fall....

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Re: Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von gizmoo » 15. Jun 2015, 18:04

Richard M hat geschrieben:Wenn ich Nutztiere habe, ist es meine Pflicht für ihren Schutz zu sorgen. Diesen Schutz aber dadurch herbeizuführen, indem man Wölfe und Luchse ausrottet, bzw. deren Rückkehr (Wolf) / Wiederansiedlung (Luchs) torpediert, weil man sich zu bequem ist seinen Beruf ordentlich auszuführen :x ... tut mir leid, so eine Arbeitseinstellung darf nicht unterstützt werden.
Es hat niemand, aber wirklich niemand, der mit dem Wolf zu tun hat, den Wolf vermisst. Mal ehrlich: Was genau fehlt Dir wenn der Wolf nicht da ist/wäre? Mal abgesehen von romantischen Gefühlen und einer Illusion von Wildnis?

Die Sehnsucht der (doch vor allem städtischen Bevölkerung) ist eben ungefähr so, wie wenn ich (der nicht an einem Computer arbeite) sagen würde:
Ich habe solche Freude an Schreibmaschinen...aber diese richtig alten, mit den Hämmerchen. Ich höre die Geräusche sooo gern!!
Lasst uns alle Verwaltungen, Banken und Versicherungen aus dem IT-Zeitalter verabschieden und wieder alles mit Schreibmaschine und auf Papier schreiben! Das wäre schön! Zuhause arbeite ich aber weiter am Computer...ist viel bequemer...
Sinn? Notwendigkeit? Meine Freude an Schreibmaschinen ist Notwendigkeit genug!
Die Kosten der Anderen? Probleme der Anderen? Mir egal...

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Re: Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von gizmoo » 15. Jun 2015, 18:12

Grauer Wolf hat geschrieben: Eine faule Ausrede für die Rodung/Vernichtung der natürlichen Bergwälder... :( Sorry, aber es müssen nicht Schäfchen und Kühe bis in die letzte Ecke getrieben werden...
Wer rodet denn heute noch Bergwälder?

Zum Thema Nutzen der Weidehaltung in höheren Lagen:
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Höller P., 1997, Das Schneegleiten auf verschiedenen bewirtschafteten Flächen nahe der Waldgrenze, Centralblatt f. d. ges. Fw., Wien, 114 (2/3), S. 97-108
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sorry für die Fakten...

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Re: Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von Grauer Wolf » 15. Jun 2015, 18:49

gizmoo hat geschrieben:Wer rodet denn heute noch Bergwälder?
Das war historisch gemeint. Heute gäb das zu Recht Ärger...
Was das Schneegleiten angeht: Gerne genommenes Argument, in einem naturbelassenen Gebirge mit gesundem Bodenbewuchs aber hinfällig. Der Knackpunkt ist die Übergangszeit beim Auflassen einer Hochweide, bis erste Gehölze nachgewachsen sind, und letztlich sind die Eingriffe des Menschen daran schuld, was nicht wegzudiskutieren ist. Ob das vor 10 oder 300 Jahren war, ist dabei unerheblich. Die Probleme sind unter dem Strich immer menschengemacht.
gizmoo hat geschrieben:Es hat niemand, aber wirklich niemand, der mit dem Wolf zu tun hat, den Wolf vermisst. Mal ehrlich: Was genau fehlt Dir wenn der Wolf nicht da ist/wäre? Mal abgesehen von romantischen Gefühlen und einer Illusion von Wildnis?
Ich jedenfalls vermisse den Wolf in meiner Umgebung und zwar sehr. Er ist die Seele des Landes... Nichts, was Du begeifen könntest, so wie ich Dich hier lese...Dazu muß man mehr als die Kosten/Nutzenrechnung und menschliches "Haben will" im Kopf haben...
Mit Naturromantik hat das genau nichts zu tun.

Gruß
Wolf
"Lernt mit uns zu leben, denn wir sind nicht mehr viele..."
Canis lupus

"Gesegnet ist das Land, in dem viele Wölfe laufen..."
Sprichwort der Comanches

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Re: Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von Lutra » 15. Jun 2015, 18:53

Gizmoo, was glaubst Du, wie schnell Schluß wäre mit Almbetrieb, wenn es keine Fördergelder (Steuern von allen) mehr dafür gäbe?

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Re: Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von Richard M » 15. Jun 2015, 19:42

gizmoo hat geschrieben:Es hat niemand, aber wirklich niemand, der mit dem Wolf zu tun hat, den Wolf vermisst. Mal ehrlich: Was genau fehlt Dir wenn der Wolf nicht da ist/wäre?
Der Wolf ist Teil unserer heimischen Tierwelt und deswegen fehlt er mir, wenn er nicht da ist, was bei uns in Bayern größtenteils zutrifft. Wenn die Rehe nicht mehr da wären, würden sie mir auch fehlen, ebenso wie Füchse, Dachse, Marder, Eichkätzchen.
Bestimmt gibt es auf allen Kontinenten Menschen, die so denken wie Du. Würden man sich jedoch an deren Ausführungen orientieren, wären in Amerika Pumas, Wölfe, Bären, Jaguare... in Afrika Löwen, Leoparde, Geparde... in Asien Tiger, Leoparde... in den Meeren Haie und Wale ausgerottet. Die Liste ließe sich um unzählige Tiere erweitern. Habe ich was davon, dass es diese Tiere auf der Welt gibt? Ich denke schon, denn ohne sie würde das Zusammenwirken des Lebens auf der Welt nicht mehr funktionieren. Und wenn dies nicht mehr funktioniert, ist auch die Menschheit am Ende. Kannst Du Dir das vorstellen? Es gibt Menschen auf der Welt, die denken nicht nur "Nach mir die Sintflut".
Petition Der Wolf gehört zu Deutschland: https://www.change.org/p/bundesminister ... eutschland

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Re: Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von Grauer Wolf » 15. Jun 2015, 20:17

Interessanter Beitrag:
http://www.tierschutz.com/alpschafe/pet ... 060515.pdf
Besonders der Hinweis auf die Übertragung von Krankheiten auf den Wildtierbestand ist nicht unwichtig.

Gruß
Wolf
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