Das hat er ja noch nie getan...

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Lutra
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Re: Das hat er ja noch nie getan...

Beitrag von Lutra » 5. Dez 2018, 14:38

Hart an der Grenze. Bleibt mal beim Thema!
Es hat schon was, wenn es ein Loch im Pullover landesweit, europaweit, weltweit in die Medien schafft. Aber in erster Linie wird damit die Sensationslust der Nachrichtenkonsumenten bedient. Nicht umsonst ist die BILD die auflagenstärkste Tageszeitung. Hohe Auflage bringt hohe Werbeeinnahmen und die bringen Gewinn. Um nichts anderes gehts. Probleme sehe ich, wenn die öffentlich-rechtlichen auch diese Schiene fahren.
@maxa67:
gepaart mit vorauseilendem Gehorsam der Schreiberlinge, um medialen Lobbydienst an der Politik mindestens von Landesregierungen zu tun
Was sollte das den Schreiberlingen bringen?

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maxa67
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Re: Das hat er ja noch nie getan...

Beitrag von maxa67 » 5. Dez 2018, 16:15

Komm schon Lutra, gerade du solltest das eigentlich wissen. Man nennt sowas auch Hofierung der Macht um z.B. Teil dessen zu sein. Es könnte ja mal ein Brotkrumen oder wenigstens ein Glanzlicht für einen selber abfallen und Repressalien vorbeugen. Oder gesellschaftliche Achtung welche sich durch besonderes Hervortun zur Sache bewerkstelligen läßt. Oder im schlimmsten Fall sogar feste persönliche Überzeugung... das heißt, die glauben den Mist sogar, den sie manchmal schreiben.
Das Schlimme an dieser sache ist, und deswegen ist eine Aufarbeitung von DDR Unrecht (wie im Übrigen auch naziunrecht) so unheimlich schwierig, weil kaum jemand irgendwelche Anweisungen (oder befehle) dazu erteilt hat, weil man es nicht mußte. Deswegen gibts auch den Begriff vorauseilender gehorsam. Mittlerweile sind wir schon wieder so weit, daß Journalisten aber auch Autoren, Künstler welche DAGEGEN anschreiben einfach durch Auftragsentzug ihrer beruflichen Existenzgrundlage beraubt werden. Was glaubst du, wie freiwillig Leute "Haltung zeigen", nur damit sie in allem Opportunismus so etwas vorbeugen. Diese Mechanismen kennen wir beide nur zu gut, vorausegesetzt, du gehst so wie ich mit wachen Augen und gutem Gedächtnis durch die Welt... wobei mir deine Einschätzung "hart an der Grenze" schon bissel Angst macht. An welcher Grenze? An Deiner persönlichen oder die, die Sammy für SEIN Forum hier gesetzt hat. Was legitim ist, denn er trägt dafür persönlich die Verantwortung. Daß allerdings Administratoren und Webseitenbesitzern seit ca. 3-4 Jahren genötigt sind, solche Entscheidungen (Schließung von Off Topic bzw. Politsektionen) überhaupt treffen zu müssen, das gibt in einem freiheitlich, demokratischen Rechtsstaat, der besonders Meinungsfreiheit als Markenzeichen hat, schwer zu denken.

Wann wird eigentlich das Wort des Jahres 2018 verkündet?
Ich tippe auf "Hase du bleibst hier" :lol:

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Re: Das hat er ja noch nie getan...

Beitrag von SammysHP » 5. Dez 2018, 17:01

maxa67 hat geschrieben:
5. Dez 2018, 16:15
Daß allerdings Administratoren und Webseitenbesitzern seit ca. 3-4 Jahren genötigt sind, solche Entscheidungen (Schließung von Off Topic bzw. Politsektionen) überhaupt treffen zu müssen, das gibt in einem freiheitlich, demokratischen Rechtsstaat, der besonders Meinungsfreiheit als Markenzeichen hat, schwer zu denken.
Auch Meinungsfreiheit kennt laut Definition Grenzen. Die Alternative wäre beispielsweise ein Zustand, der u.a. in den meisten Imageboards herrscht (und unter deutschem Recht nicht möglich wäre). Du kannst ja mal auf /b/ anfangen, über Wölfe zu diskutieren. ;)

Nina
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Re: Das hat er ja noch nie getan...

Beitrag von Nina » 5. Dez 2018, 18:18

Ich muss bei der oftmals stark auf Hysterie gefärbte, diffuse Angst schürende Wolfsberichterstattung immer an das Vorwort von Frau Dr. Dorit Feddersen-Petersen im Buch "Der Wolf kehrt zurück" von Günther Bloch und Elli Radinger denken:
Aus dem Freistaat Sachsen wurde ich in der Folgezeit mehrmals von einem Jäger und Bürgermeister besucht, der mich inständig bat, ihm doch nur ein Papierstück zu unterzeichnen, auf dem vermerkt war, dass ich die Wölfe in der Lausitz für "künstlich eingebracht" aus Polen hielte. Und es solle mein Schaden nicht sein.

Günther Bloch, Elli Radinger: Der Wolf kehrt zurück, Zum Geleit von Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen, Seite 4, Kosmos Verlag, 2017
Man kann sich wohl ziemlich sicher sein, dass der Bürgermeister und Jäger aus Sachsen kein Einzelfall ist und die Vorgehensweise sicherlich nicht auf Wissenschaftler beschränkt bleibt. Gerade unter der Vielzahl der Journalisten gibt es bestimmt neben Menschen mit Idealen auch welche mit Einkommensfrust und dem Wunsch nach mehr.

Selten wurde irgendwo offener über die Strategie der Jagd- und Bauernlobby gesprochen, die öffentliche Meinung zum Wolf manipulieren zu wollen als bei einer Tagung im österreichischen Lienz in diesem Jahr:
„80 Prozent der Bevölkerung sind für den Schutz des Wolfes. Die müssen wir geistig umdrehen.“ Denn erst wenn Wölfe auch für Freizeitsportler, Touristen und Erholungssuchende eine Gefahr werden, könne ein Umdenken einsetzen. „Wir müssen der Bevölkerung ein Problem machen." [...] Dafür sollten Viehhalter und Bauernstand eine PR-Maschinerie in Gang setzen. Eine Diskussionsteilehmerin schlug in die gleiche Kerbe:„Erst, wenn es den ersten Zwischenfall mit Wölfen und Spaziergängern gibt, wird ein Umdenken einsetzen.“

Tiroler Tageszeitung, 01.06.2018: Diskussion in Lienz: Den Wolf mit PR-Maschinerie bekämpfen https://www.tt.com/panorama/gesellschaf ... bekaempfen
Lobbycontrol schreibt:
Die kritische Berichterstattung nimmt ab und die einseitige Ausrichtung an Quoten und Auflagen wächst – auch im öffentlich-rechtlichen Hörfunk und Fernsehen. Medienkonzentration, Rationalisierung und die Reduzierung des eigenen Recherche-Aufwands machen die Medien durchlässiger für externes PR-Material. Finanzstarken Interessengruppen bieten sich damit gute Zugangsmöglichkeiten.

Lobbycontrol, Lobbyismus als Problem – Tendenzen und Machtverschiebungen https://www.lobbycontrol.de/initiative/hintergrund/
Der NDR scheint sich abermals auf den Wolf eingeschworen zu haben. Bei dem angeblichen Angriff auf den Gärtner haben sich die öffentlich-rechtlichen Schreiberlinge ja schon überschlagen. Dass ihnen dieses "Spielzeug" jetzt so abrupt genommen wurde, hält sie offenbar nicht davon ab, weiter fleißig Ängste zu schüren. Schließlich gibt die Pressekonferenz von Umweltminister Olaf Lies ordentlich Stoff für die nächsten Berichte, die man mit den daraus herausfiletierten Unterthemen füllen kann.

So ganz nebenbei taucht die aktuelle repräsentative Civey-Umfrage von t-online auf, die ich im Thread "Mehrheit ohne Angst vor Wolf" verlinkt habe.
Die Kernessenz lautet: In Deutschland haben 80% der Bevölkerung keine Angst vor dem Wolf. In "dünn besiedelten Gebieten" haben zwei Drittel keine Angst vor dem Wolf, weitere rund 15% nicht einmal eine Meinung zum Wolf. Der Bevölkerungsanteil mit Angst liegt bei durchschnittlich 18%, im ländlichen Raum bei knapp 26%. AfD-Wähler und Menschen über 65 stellen den größten Anteil der Ängstlichen.

Während sich schon t-online auf die ängstliche Minderheit fokussierte und 26% für ausreichend erachtet, von "verbreiteter Angst" zu schreiben, setzt der NDR dem noch ein Krönchen obendrauf:
Angst vor Wölfen nimmt zu

Auch in der Bevölkerung herrscht offenbar Verunsicherung. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von t-online hat in ländlichen Regionen bereits jeder vierte Bewohner Angst vor Wölfen, in dichter besiedelten Gebieten ist es immerhin jeder Siebte.


NDR, 05.12.2018: Geplante Besenderung: Wölfe tricksen Experten aus https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... f3696.html
Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, auf welchen früheren Referenzwert sich die angebliche "Zunahme" der Angst konzentrieren soll. Der t-online-Artikel gibt das jedenfalls nicht her. Und dass "Verunsicherung herrscht", kann bei nicht einmal 26% ängstlicher Menschen auch nicht behaupten. Was vorherrscht, ist mit 80% bzw. knapp 75% die Zahl derer, die keine Angst vor dem Wolf hat.

t-online, 04.12.2018: Jeder Vierte auf dem Lande hat Angst vor dem Wolf https://www.t-online.de/nachrichten/pan ... -sich.html

Schaut man sich die früheren Umfragen von forsa aus den Jahren 2015 und 2018 an, so liegt die Zahl derer, die angeben, in Wolfsgebieten Angst vor Waldspaziergängen zu haben, in beiden Umfragen konstant bei 30%. Nimmt man diesen Wert als Vergleichswert für die Civey-Umfrage, haben aktuell weniger Menschen Angst vor dem Wolf als 2015 oder noch im April 2018:

https://www.nabu.de/imperia/md/content/ ... chland.pdf
https://www.nabu.de/imperia/md/content/ ... d_2018.pdf

Betrachtet man den Trend der verschiedenen Umfragen zum Wolf aus den letzten Jahren, lag die Zustimmung der Bevölkerug immer bei rund 80%.

2011: 79% (Forsa)
2014: 71% (Yougov),
2015: 80% (Forsa)
2017: 74% (Linzer Market-Institut, Österreich)
2017: 75% (gegen Abschüsse von Wölfen, haz-Umfrage)
2018: 79% (Forsa)

Die aktuelle Umfrage, nach der 80% bzw. knapp 75% der Menschen keine Angst vor dem Wolf haben, passt absolut in den seit Jahren vorherrschenden Trend und lässt nicht erkennen, dass Angst "verbreitet" wäre noch dass Angst und Verunsicherung, wie es der NDR beschreibt, zunähmen.

Die Leser werden einfach nur für dumm verkauft. Cui bono, fragt man sich da. Schade um die Gebühren.

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Re: Das hat er ja noch nie getan...

Beitrag von Dr_Goatcabin » 5. Dez 2018, 19:47

viewtopic.php?f=22&t=2928&start=40#p37103

Hm, hab' gerade so ein Déjà-vu .. ^^ Danke trotzdem für einige neue Quellen hier.
Cui bono, fragt man sich da.
Muss man gar nicht mal; die Betreffenden schreien es doch laut genug heraus. Und um Anspruch zu legitimieren, behauptet man eben einfach stumpf, für die Mehrheit zu sprechen. Fürs Wolfsthema wie auch anderswo verwendet. Wobei man aber auch nicht vergessen darf ... ein guter Teil dieser Schreier glaubt das halt wirklich so.

...

Schade um die Gebühren auf jeden Fall, aber die verstehen sich dort ohnehin als Selbstbedienungsladen.
"Though this be madness, yet there is method in 't ..."

"Ich wollte schon immer was mit Menschen machen." - "Ja, aber ... Scharfschütze?"

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Re: Das hat er ja noch nie getan...

Beitrag von SammysHP » 5. Dez 2018, 20:19

Die Schlammschlacht geht wohl gerade erst los: https://celleheute.de/absurde-debatte-n ... gebnis-an/

Da wird mal wieder gefordert und vermutet, schlimm sowas…

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Re: Das hat er ja noch nie getan...

Beitrag von Dr_Goatcabin » 5. Dez 2018, 20:33

Die Enttäuschung darüber, dass es keine Beweise für den Wolf gab, sind schon deutlich lesbar, hm .. ? Aber das Monitoring steckt mit den Wolfskuschlern sowieso unter einer Decke, ... wie die Jäger wissen, die sich von Rudeln umzingelt sehen, während vom Amt nur ein gelangweilter Junggeselle gemeldet wird. ^^
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Re: Das hat er ja noch nie getan...

Beitrag von SammysHP » 5. Dez 2018, 21:47

Und hier die Antwort vom Senckenberg-Institut: https://celleheute.de/inhaltliche-fehle ... s-zurueck/

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Re: Das hat er ja noch nie getan...

Beitrag von Nina » 5. Dez 2018, 23:15

Der Text im NDR wurde jetzt geändert.

Aus
Angst vor Wölfen nimmt zu

Auch in der Bevölkerung herrscht offenbar Verunsicherung. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von t-online hat in ländlichen Regionen bereits jeder vierte Bewohner Angst vor Wölfen, in dichter besiedelten Gebieten ist es immerhin jeder Siebte.

NDR, 05.12.2018: Geplante Besenderung: Wölfe tricksen Experten aus https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... f3696.html
wurde
Angst vor Wölfen auf dem Land besonders großkann ich nicht nachvollziehen.

Tatsächlich scheint in der Bevölkerung Verunsicherung zu herrschen. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von t-online hat in ländlichen Regionen jeder vierte Bewohner Angst vor Wölfen, in dichter besiedelten Gebieten ist es jeder Siebte.

NDR, 05.12.2018: Geplante Besenderung: Wölfe tricksen Experten aus https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... f3696.html
Die neue Absatzüberschrift "Angst vor Wölfen auf dem Land besonders großkann ich nicht nachvollziehen." ist ja mal putzig und wohl eher versehentlich in den Text gerutscht. Immerhin deutet sie darauf hin, dass es in der Redaktion offenbar auch eine Diskussion über die Formulierungen gibt. Ich hoffe, der vernünftige Kritiker setzt sich am Ende durch. :lol:

Die CDU fordert wohl jetzt ein neues Gutachten. Eines, das das gewünschte Ergebnis liefert?
CDU will weiteres Gutachten

Die niedersächsische CDU fordert nun ein zweites Gutachten. "Der Verdacht konnte nicht ausgeräumt werden", sagte Generalsekretär Kai Seefried. "Das Umweltministerium sollte den vermeintlichen Wolfs-Angriff daher nicht einfach abtun." Er könne sehr gut verstehen, wenn sich die Anwohner nun Sorgen machen würden, betonte Seefried.

NDR, 05.12.2018: Geplante Besenderung: Wölfe tricksen Experten aus https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... f3696.html

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Re: Das hat er ja noch nie getan...

Beitrag von Wolfsblut » 6. Dez 2018, 22:59

SammysHP hat geschrieben:
5. Dez 2018, 21:47
Und hier die Antwort vom Senckenberg-Institut: https://celleheute.de/inhaltliche-fehle ... s-zurueck/
Jetzt bin ich wiederum verunsichert. Was wurde denn am Hammer nun festgestellt? Wo wurden die Rehspuren festgestellt? Und wenn keine Hundehaare, was dann? Jetzt verstehe ich gar nichts mehr. Zudem die Aussagen von Herrn Lies auf der PK damit auch null und nichtig sind, da im Detail offenbar vollkommen falsch.

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