Für das Selbststudium in Ökologie

Auf ein interessantes Buch oder Internetseite über Wölfe gestolpert? Dann her damit!
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Dr_R.Goatcabin
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Registriert: 29. Jan 2016, 13:36

Für das Selbststudium in Ökologie

Beitrag von Dr_R.Goatcabin »

Das Verständnis für die unendlich komplexen Wechselbeziehungen unserer bunten Welt ist nicht umsonst dadurch beschränkt, dass die schiere Fülle an Informationen genügend Stoff für ein eigenständiges Universitätsstudium lieferte. Es kann daher nicht verwundern, dass sowohl Laien als auch beruflich versierte Leute immer wieder auf Missverständnisse stoßen, Halbwissen weitergeben oder trotz bester Absicht gar falsche Sachverhalte verteidigen. Mit folgender kleiner Leseempfehlung hoffe ich, dass jeder Interessierte entsprechend seiner Vorlieben und vorhandenem Vorwissen einsteigen und sich weiterbilden kann.

Unbeachtet davon, ob man dem Wolf oder eine anderen Tierart besonders geneigt ist, sei noch ausdrücklich das Buch der Humanökologie empfohlen, das so viele unserer aktuellen Probleme auf der Welt aufgreift und gebündelt abstrahiert. Zusammenhänge werden dadurch sichtbarer, die da sonst vielleicht zwar offen, aber "zu dicht" vor dem Auge des Betrachters hängen.


Townsend et al. (2009): Ökologie. 622S, ISBN 978-3540958963.

Ein gut geschriebenes, umfassendes Standardwerk, das man im Schrank stehen haben muss, wenn man sich den Umweltwissenschaften verschrieben hat (oder ein interessierter Laie ist). Durchgehend farbige und zahlreiche Abbildungen und Übersichten, leicht verständlich.

Rezensionen
“… In vierfarbig gestalteter und verständlicher Form werden sowohl die Grundlagen als auch die angewandten Aspekte von Ökologie behandelt. Dieses Buch ist über sichtlich gegliedert und für Jedermann verständlich geschrieben. Daher eignet es sich auch für Studienanfänger. … Dieses Buch bietet einen prima Überblick über die Gesamtthematik und hilft dabei, ein solides Grundverständnis aufzubauen. Nach dieser Lektüre fällt es dem Einzelnen sicherlich leichter, sich auch kompliziertere Fachliteratur zur Ökologie zu erschließen.“ (Dr. Rudolf Nutzel, in: Münchner Natur & Umwelt, May-October 2010, Issue 51, S. 9)
“Schon beim ersten Durchblättern fällt die lesefreundliche Gestaltung dieses Lehrbuches für – vornehmlich – Grundstudium-Biologiestudenten auf ... Die gut durchdachte didaktisch-methodische Aufmachung äußert sich zudem an den problemorientierten Randbemerkungen, die als Denkanstoß bzw. Merkhilfe dienen. Nicht nur das Layout ist zeitgemäß, auch die Inhalte spiegeln aktuell relevante ökologische Zusammenhänge wider ... Überhaupt liest sich das gesamte Werk sehr angenehm ... Für die genannte Adressatengruppe ist ‘diese Ökologie’ auf jeden Fall empfehlenswert ...“ (C. Högermann, in: Biologie in der Schule, 2011, Vol. 60, Issue 3, S. 49)
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Nentwig (2005): Humanökologie. 473S, ISBN 978-3540211600.

Rezension
"… die zweite, trotz völliger Übereinstimmung der Kapitelgliederung recht grundsätzlich überarbeitete und aktualisierte Auflage des außerordentlich bewährten Lehr- und Quellenbuchs der Humanökologie … Die Kapitel Rohstoffe, Abfall und das der Ökobilanzen … runden den Textteil des Buches ab. Schließlich folgen ein Literaturverzeichnis und ein Register. … Nicht nur jeder Student und Hochschullehrer unseres Faches, sondern jeder Student, jeder Hochschullehrer und jeder Kommunal- und Weltpolitiker sollte dieses Buch auf dem Schreib- und auf dem Nachttisch haben - zur Abholung des alltäglichen Imperativs." (Carsten Niemitz, Anthropologischer Anzeiger, 2008, Vol. 66, Issue 4, S. 449 f.)


Martin & Allgaier (2011): Ökologie der Biozönosen. 370S, ISBN 978-3642206276.

Literatur zur Vertiefung der Beziehungen von Lebensgemeinschaften. Gefühlt etwas textlastiger als der Townsend; Abbildungen durchgehend in Schwarz-Weiß.

Rezensionen
Nicht nur für den ökologisch bzw. biozönologisch arbeitenen Fachwissenschaftler ist dieses Buch eine Bereicherung. Es ist vor allem auch für den interessierten Laien empfehlenswert.
Monika Partzsch, Halle (Saale), Feddes Repertorium, Zeitschift für botanische Taxonomie und Geobotanik, 114 (2003), S. 285-286
Als Studienlektüre ist das Werk für den Agrar- und Forstbereich sowie für Biologen empfehlenswert. Aber auch der naturwissenschaftlich Interessierte sollte dieses Buch nutzen. Wer Zusammenhänge zwischen den Wechselwirkungen von Organismen verstehen möchte, der sollte mit diesem Buch starten.
W. Rohe, Mainzer Naturwissenschaftliches Archiv, 41 (2003), S. 220
Dem Autor ist mit vorliegender Publikation eine gute Synthese zwischen wissenschaftlichen Aussagen und ästhetischen Ansprüchen bei der Darstellung der vielfältigen ökologischen Zusammenhänge in der Natur gelungen. [...] Das vorliegende Buch ist in besonderer Weise als Lehrhilfe für Studierende geeignet, da Kernaussagen markiert sind und jedes Kapitel mit einer Zusammenfassung abschließt. Der Wert des Buches für ökologisch arbeitende Wissenschaftler aber auch Studenten biologischer und landwirtschaftlicher Fachrichtungen wird noch durch das angehängte Stichwortverzeichnis und die über 400 Literaturquellen gesteigert. Der angesprochene Leserkreis sollte dieses kurz und prägnant geschriebene Lehrbuch mit gutem Gewinn nutzen.
Ch. Volkmar, Halle, Archiv für Phytopathologie und Pflanzenschutz, 35 (2002), S. 327
Dieses Grundlehrbuch über das Zusammenleben aller Lebewesen in ihrer anorganische-organisch-organismischen Umwelt, was ja Biozönose bedeutet, gibt in ausgesprochen vernünftigem und anregendem Text eine gescheite, aus eigner Erfahrung und kritischer Auseinandersetzung mit vielerlei und kontroverser Literatur angereicherte Darstellung und gewinnt besonders durch die graphische Präsentation.Lothar Jaenicke, Köln, Biospektrum 9 (2003), S. 609
Das Buch lebt von der Fülle an Beispielen, die in hervorragenden Zeichnungen abgebildet sind. Es lässt sich ohne abzusetzen lesen und ermuntert einen, an die Festerbank zu springen, um den sonst lästigen Milben an den umhätschelten Zimmerpflanzen Respektzu zollen. Oder gar der sonst eher mit gemischten Gefühlen betrachteten Blattlaus, die auf ihrer Wirtspflanze von Marienkäfern bedroht wird, sich zu Boden fallen lässt, dem Räuber buchstäblich in letzter Sekunde entkommt, und dann von einem wartenden Laufkäfer erbeutet wird. Konrad Martin hat mit dem handlichen Buch die Synthese von Wissenschaft und Ästhetik geschafft - das ist eigentlich etwas, was man sonst nur aus dem amerikanischen Raum kennt.
Laborjournal 3 (2004), S. 65
Wer sich in Sachen biotische Ökologie auf den aktuellen Stand bringen will, dem sei das neue Lehrbuch "Ökologie der Biozönosen" wärmstens empfohlen. [...] Inhaltlich besonders interessant ist das vorletzte Kapitel, in dessen Mittelpunkt die Frage steht, ob Lebensgemeinschaften eher "bottom-up" durch die vorhandenen Ressourcen oder "top-down" durch die Konsumenden reguliert werden. Alle Kapitel enthalten neben Informationen über Sichtweisen der theoretischen Ökologie ein wahres Feuerwerk spannender und bislang wenig bekannter Fallbeispiele. [...] Die verständlich geschriebenen Ausführungen bilden eine gute Grudnlage für zeitgemäßen Ökologieunterricht.
me, Unterricht Biologie 26 (2002), S.54
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Kappeler (2006): Verhaltensbiologie. 570S, ISBN 978-3540299776.

Das Buch kehrt etwas mehr zu biologischen Grundlagen zurück. Darunter auch der stachelbewehrte Penis einer madagassischen Schleichkatze (Cryptoprocta ferox), den ich jetzt Freitag nacht nicht sehen wollte. Wie bekomme ich dieses Bild wieder aus dem Kopf? :dead:
Rezensionen
"… Das Buch gibt einen kompakten Überblick über die Grundprinzipien der Verhaltensbiologie. … Das Buch liest sich streckenweise wie ein Lehrbuch der Ökologie oder der Allgemeinen Biologie. Natürlich ist das für den Biologen absolut spannend und facettenreich. … Ansonsten gibt es genügend einfache farbige Schemata aus dem Hörsaal, die den Text veranschaulichen. … Das Buch … muss … gelesen werden. … Zu jedem Kapitel gehört ein eigenes Literaturverzeichnis. …"
(H. H. Bergmann, in: Journal of Zological Systematics and Evolutionary Research, 2006, Vol. 44, S. 352)
"… Der Inhalt des Buches konzentriert sich … im Wesentlichen auf die aus der klassischen Ethologie hervorgegangenen Bereiche der Verhaltensökologie und Soziobiologie. … Die klare Gliederung sowie die in jedem Kapitel vorhandenen Abbildungen, Übersichtsskizzen und Zusammenfassungen kennzeichnen dieses gelungene Lehrbuch. … Das Literaturverzeichnis bietet die Möglichkeit, sich vertiefend mit Themenbereichen zu beschäftigen. Insgesamt ist dem Autor ein spannend geschriebenes und didaktisch sehr gutes Lehrbuch gelungen, das auf Grund seiner Thementiefe für Studierende in der fortgeschrittenen Phase ihres Studiums zu empfehlen ist."
(Fitness als Ziel, in: Biologie in unserer Zeit, 2006, Vol. 36, S. 332)
"… Im neuen Buch ‘Verhaltensbiologie‘ liegt das Hauptaugenmerk auf der evolutionären Ausrichtung und der Autor versucht, größere Zusammenhänge und Grundprinzipien in den Vordergrund zu stellen. … Jedes Kapitel endet in einer Zusammenfassung und listet für sich abgeschlossen die zitierte Literatur auf … Der Text ist sehr gut geschrieben, wobei allerdings dem Einsteiger ein Glossar die Sache evt. Erleichtern würde; die Abbildungen sind modern … eine echte und empfehlenswerte Alternative auf dem ‘Verhaltenssektor‘."
(R. Gerstmeier, in: Entomofauna, 2006, Vol. 27, S. 206)
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Lampert & Sommer (1999): Limnoökologie. 489S, ISBN 978-3139864026.

Dieses kleine Buch ist eines der Standardwerke für jeden im frühen Studium, der sich mit Gewässern und allem Leben drin & drum herum beschäftigt. Es werden neben wissenschaftlicher Methodikdie Grundlagen und Begriffe von Ökologie behandelt, ferner die Besonderheiten des aquatischen Lebensraumes mit seinen Stoffflüssen und der Chemie behandelt.

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Es gibt noch ein 43 (!) Jahre altes, offenbar Jagd/Forst-orientiertes Buch zur Wildökologie von Kessel (ISBN 978-3935638036), das allerdings hauptsächlich vergriffen ist und mir auch nicht vorliegt. Brauchbare Rezensionen fand ich (auf Amazon) hierzu nicht, außer ein Ach-menno! vom Autoren selbst. ;)
Eine Beschreibung:
Dieses Buch ist zwar vorwiegend aus der Arbeit mit Studenten (insbesondere Forststudenten) entstanden. Es ist aber durchaus nicht nur für Studenten geschrieben, sondern soll darüber hinaus auch einen nicht zu kleinen Teil der Jägerschaft ansprechen und auch für sonstwie an unseren Wildtieren Interessierte verständlich sein. Es ist nicht unbedingt eine Darstellung der Grundlagen der Wildökologie geworden – die erweitern sich ständig, auch um neue Schwerpunkte, so derzeit insbesondere auf dem Gebiet der Wildtierernährung (vgl. Eisfeld, Moen, Onderscheka), der Populationsgenetik (vgl. Bendell, Kleymann, Myers und Krebs, Redfield, Stern und Tigerstedt, Zwickel u.a.), der Computer-Simulation von populationsdynamischen Vorgängen und Tragfähigkeitsproblemen (z.B. Walters und Bunnell bzw. Gross, Preston) oder nicht zuletzt der Verhaltensökologie (Geist und Walther, Jarmann u.a.). Ich habe dieses Buch mehr als eine Einführung – oder auch Einübung – in ein ökologisches Denken gegenüber Wildtieren (und nicht nur den jagdbaren Arten) gedacht, was mir auch bei der Arbeit mit Studenten oder bei Vorträgen vor Jägern stets als besonders wesentlich erschien [...]
https://www.forstbuch.de/produkt/wildoekologie-gossow-h
Fazit: Wenn man die vorher angeführten Bücher gelesen hat, ist der Kauf der Wildökologie wohl eher redundant.
"Though this be madness, yet there is method in 't ..."
TheOnikra

Re: Für das Selbststudium in Ökologie

Beitrag von TheOnikra »

So jetzt noch mal ein Werk was sehr gut für den Einstieg geeignet ist.

Ökologie von Rüdiger Wittig | Bruno Streit
von der UTB basic-Reihe
Auf der Seite von UTB gibt es auch eine Online-version

Das Wissen wird kompakt, leicht verständlich und übersichtlich vermittelt. Was durchgehend für die komplete Reihe gilt.

Weitere Werke die ich selbst zwar nicht besitze, aber ich schon ein bißchen liebäugel.
(Ein gutes Basiswerk wo man schnell was nachschlagen kann, ohne ein ganzes Kapitel zu durchforsten ist schon was feines.)

Ökologie der Wirbeltiere von Werner Suter

Verhaltensbiologie von Christoph Randler

Und wie gesagt auf der Seite von UTB gibt es meist eine Print und|oder Onlineausgabe. Je nach Geschmack.
Für Leute die tatsächlich Studieren sollten, sollten sich noch mind. ein umfangreicheres Werk anschaffen. (Am besten eines was die Dozenten empfehlen.)
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