Studien und wissenschaftliche Paper zu Wölfen

Auf ein interessantes Buch oder Internetseite über Wölfe gestolpert? Dann her damit!
Benutzeravatar
Dr_R.Goatcabin
Beiträge: 1124
Registriert: 29. Jan 2016, 13:36

Re: Studien und wissenschaftliche Paper zu Wölfen

Beitrag von Dr_R.Goatcabin »

Dr_R.Goatcabin hat geschrieben: 21. Okt 2019, 21:17 Kann mich noch nicht gänzlich entscheiden, ob das ein verspäteter Aprilkommentar ist, oder der Wolf tatsächlich auf den Trichter kommt, ob der Ressourcenverknappung auf gehaltvolle Insekten umzusteigen, wie es uns Menschen ja schon empfohlen wird. :D :shocked: ..... :D

Barton et al. (2019): Grasshopper consumption by grey wolves and implications for ecosystems. DOI: 10.1002/ecy.2892.

Die nächste Community an Heuschrecken-Gourmets gefunden:

Tiralla et al. (2020): Feeding ecology of the wolf (Canis lupus) in a near-natural ecosystem in Mongolia. DOI: 10.1007/s42991-020-00093-z. Google Translate Volltext

Auszug
Die saisonale Auswertung der Wolfsnahrung sollte in Anbetracht der geringen Stichprobengröße bewertet werden. Sowohl in den Sommer- als auch in den Winterproben war das sibirische Rehwild die am häufigsten verzehrte Beutetierart (> 40 %). Kleinsäuger waren im Sommer die häufigste Beutetierart (Häufigkeit des Vorkommens 44,3 %, Biomasse 7,4 %) und im Winter von geringerer Bedeutung. Rotwild war die am dritthäufigsten konsumierte Beutetierart im Sommer (Häufigkeit des Vorkommens 22,6 %, Biomasse 20,7 %) und im Winter fast nicht vorhanden. Im Winter waren Insekten der Ordnung Ortopthera die zweithäufigste Beutekategorie (16,1 %). Fische kamen im Winter häufiger vor (6,5 %) als im Sommer. Die Winterproben wurden hauptsächlich von zwei Beutetierarten dominiert, dem sibirischen Reh und dem Wildschwein.
... Bleh!! :dead: (Und nicht mal ein Glas guten Port dazu, um so ein Gestrüpp runter zu kriegen. (Ich muss mal eine Petition schreiben, wonach jedem Rudel pro Monat eine Kiste Port zusteht!))

Bild
"Though this be madness, yet there is method in 't ..."
Benutzeravatar
Nina
Beiträge: 1437
Registriert: 10. Feb 2016, 13:25

Re: Studien und wissenschaftliche Paper zu Wölfen

Beitrag von Nina »

Wer hätte das gedacht: Kleine böse Wölfchen apportieren brav Bällchen! Mit Video-Material:
Der Hund stammt vom Wolf ab und beide Arten haben Gemeinsamkeiten. Wenn es aber darum geht, Menschen zu verstehen und mit ihnen zu interagieren, ist der Wolf dem Hund unterlegen, da er nicht domestiziert wurde. Aus diesem Grund war es für Christina Hansen Wheat von der Universität Stockholm eine Überraschung, dass sie gleich mehrere kleine Wolfswelpen dazu motivieren konnte, geworfene Bällchen zu ihr zurück zu bringen - was normalerweise klassischem Hundeverhalten entspricht.

Hansen Wheat erforscht die Unterschiede zwischen Hunden und Wölfen, und hat für diese Zwecke auch Wolfswelpen aufgezogen.
Bei einer Standarduntersuchung, mit der auch Hundezüchter Zustand und Eigenschaften von Hundewelpen überprüfen, wurde das kleine Wunder offenbar.
Hansen Wheat gelang es zu ihrer eigenen Überraschung, 3 der 13 Wolfswelpen zum Apportieren der Bällchen zu motivieren. Damit steht für sie in Frage, ob die Fähigkeit zum Apportieren tatsächlich nur eine exklusive Eigenschaft von Hunden darstellt.

"Es ist auch möglich, dass Menschen Wölfe mit besonderen Eigenschaften wie dieser für die Zähmung ausgewählt haben", erklärt sie gegenüber NPR.
"Wölfe, die dieses Verhalten gezeigt haben, können im Vorteil gewesen sein, indem sie leichter eine Verbindung zu unseren Vorfahren herstellen konnten", führt sie fort.


Videnskab.dk, 17.01.2020: Ulveunger kan også hente bolde, viser overraskende video https://videnskab.dk/naturvidenskab/ulv ... ende-video
Hier die Studie:
Highlights

• Dogs, unlike wolves, are suggested to have the ability to interpret human cues
• Yet, untrained wolf puppies will spontaneously retrieve a ball based on human cues
• Standing variation for human-directed behavior in ancestral wolf populations
• Human-directed behavior important during early selection in dog domestication


Christina Hansen Wheat, Hans Temrin, Januar 2020: Intrinsic Ball Retrieving in Wolf Puppies Suggests Standing Ancestral Variation for Human-Directed Play Behavior, DOI:https://doi.org/10.1016/j.isci.2019.100811 https://www.cell.com/iscience/fulltext/ ... 19)30557-7
The person conducting the test threw a tennis ball and urged the wolf puppy to bring it back. Two litters of puppies utterly failed to do this, surprising the scientists not at all. [...] But then a third litter went through the tests. And as she watched through a window, one of the wolf puppies went for the ball and returned it to the tester, according to a report in the journal iScience. "When I saw the first puppy fetch — I still get goosebumps when I talk about this — it was such a surprise," Hansen Wheat says. "It wasn't just one puppy, it was actually three of them. That was very exciting."

NPR, 16.01.2020: Fetching With Wolves: What It Means That A Wolf Puppy Will Retrieve A Ball https://www.npr.org/2020/01/16/79671576 ... 0816310952
Benutzeravatar
Dr_R.Goatcabin
Beiträge: 1124
Registriert: 29. Jan 2016, 13:36

Re: Studien und wissenschaftliche Paper zu Wölfen

Beitrag von Dr_R.Goatcabin »

Malcolm et al. (2020): Wolf habitat selection in relation to recreational structures in a national park. DOI: 10.1093/jmammal/gyaa115.


Abstract
Obwohl die meisten Raubtiere normalerweise menschliche Aktivitäten meiden, werden sich einige Individuen stattdessen daran gewöhnen. Die Gewöhnung von Raubtierarten wie Wölfen an die menschliche Präsenz und Infrastruktur kann zu Konflikten führen, die ernsthafte Risiken für die öffentliche Sicherheit und das Überleben der betroffenen Tiere mit sich bringen. Dementsprechend zielt dieses Forschungsprojekt darauf ab, die Beziehung zwischen Wölfen und Erholungsstrukturen anhand von Telemetriedaten von 10 Wölfen im Parc National du Mont-Tremblant (Québec, Kanada) und seiner Umgebung zu beleuchten. Mithilfe von Ressourcenauswahlfunktionen (RSFs) beobachteten wir die Auswahl des Wolfslebensraums in Bezug auf diese Strukturen während drei biologischer Perioden (denning: Mai - Juni; Rendezvous: Juni - Oktober; nomadisch: Oktober - April). Unsere Ergebnisse zeigten, dass Wölfe während der Denning- und Rendezvous-Zeit die Nähe zu linearen Strukturen (Straßen und Pfaden) auswählten. Diese Auswahl hing jedoch von der Dichte solcher Strukturen in der Umgebung ab (d.h. der funktionellen Reaktion bei der Auswahl des Lebensraums): Wölfe wählten die Nähe zu linearen Strukturen Strukturen, wenn diese Strukturen in größeren Dichten vorhanden waren. Wölfe vermieden Wohnstrukturen (Campingplätze, Hütten, Parkeinrichtungen), insbesondere wenn diese Strukturen in größerer Dichte vorhanden waren, was darauf hindeutet, dass Wölfe sie als Risiko wahrnahmen. Diese Ergebnisse legen nahe, dass Konflikte zwischen Besuchern und Wölfen während der Zeit unserer Studie auf Campingplätzen unwahrscheinlich waren. Dies könnte darauf hinweisen, dass die vom Park nach den vergangenen Konfliktepisoden umgesetzten Bewirtschaftungsmaßnahmen wirksam waren. Die Verwendung linearer Strukturen durch Wölfe könnte jedoch zu einer erhöhten Toleranz gegenüber menschlicher Nähe führen, wenn sie nicht verwaltet werden.
"Though this be madness, yet there is method in 't ..."
Benutzeravatar
Dr_R.Goatcabin
Beiträge: 1124
Registriert: 29. Jan 2016, 13:36

Re: Studien und wissenschaftliche Paper zu Wölfen

Beitrag von Dr_R.Goatcabin »

Darf ich eine Prognose wagen? ... Das Geplärr von Wolfsgegnern, Rotkäppchenfresser hätten in unserer zarten Kulturlandschaft nichts (mehr) verloren (Möchtegern-Rambos mit Büchse ja aber schon), wird hierdurch wiederum keinen Abbruch finden. :P

Cimatti et al. (2021): Large carnivore expansion in Europe is associated with human population density and land cover changes. DOI: 10.1111/ddi.13219. Google Translate Volltext

Abstract
Ziel
Die jüngste Erholung großer Carnivore in Europa wurde als Folge einer Abnahme der menschlichen Verfolgung erklärt, die durch die weit verbreitete Aufgabe ländlicher Gebiete verursacht wurde, parallel zur Zunahme der Waldbedeckung und der daraus resultierenden Zunahme der Verfügbarkeit von Schutz und Beute. Wir untersuchten, ob Änderungen der Landbedeckung und der Bevölkerungsdichte mit der relativen Wahrscheinlichkeit des Auftretens von drei großen europäischen Carnivore zusammenhängen: dem Grauwolf (Canis lupus), dem Eurasischen Luchs (Lynx lynx) und dem Braunbären (Ursus arctos). Standort Europa, westlich von 64 ° Länge.

Methoden
Wir haben multi-temporale Artenverteilungsmodelle mit > 50.000 Auftrittspunkten mit Zeitreihen von Landbedeckung, Landschaftskonfiguration, Schutzgebieten, Jagdbestimmungen und Bevölkerungsdichte für einen Zeitraum von 24 Jahren (1992–2015) angepasst. Innerhalb des betrachteten Zeitfensters haben wir dann Änderungen der Lebensraumeignung für große Carnivore in ganz Europa vorhergesagt.

Ergebnisse
Zwischen 1992 und 2015 nahm die Lebensraumeignung für die drei Arten in Osteuropa, auf dem Balkan, auf der nordwestlichen iberischen Halbinsel und in Nordskandinavien zu, zeigte jedoch in West- und Südeuropa gemischte Trends. Diese Trends waren in erster Linie mit einer Zunahme der Waldbedeckung und einer Abnahme der Bevölkerungsdichte des Menschen sowie mit einer Abnahme der Bedeckung von Mosaiken aus Ackerland und natürlicher Vegetation verbunden.

Hauptschlussfolgerungen
Die jüngsten Veränderungen der Landbedeckung und der menschlichen Bevölkerung scheinen das Lebensraumeignungsmuster für große Carnivore in Europa verändert zu haben, während das Schutzniveau keine Rolle spielte. Während die projizierten Veränderungen weitgehend mit der beobachteten Erholung großer Carnivorenpopulationen übereinstimmen, fanden wir Unstimmigkeiten mit der jüngsten Expansion von Wölfen in Mittel- und Südeuropa, wo Faktoren, die nicht in unseren Modellen enthalten sind, möglicherweise eine dominierende Rolle gespielt haben. Dies deutet darauf hin, dass das Zusammenleben großer Carnivore mit Menschen in europäischen Landschaften nicht durch die Verfügbarkeit von Lebensräumen eingeschränkt wird, sondern durch andere Faktoren wie eine günstige Toleranz und Politik des Menschen.
"Though this be madness, yet there is method in 't ..."
Benutzeravatar
Dr_R.Goatcabin
Beiträge: 1124
Registriert: 29. Jan 2016, 13:36

Re: Studien und wissenschaftliche Paper zu Wölfen

Beitrag von Dr_R.Goatcabin »

Gable et al. (2021): Wolves choose ambushing locations to counter and capitalize on the sensory abilities of their prey. DOI: 10.1093/beheco/araa147.

Abstract
Umfassende Kenntnisse über das Verhalten von Hinterhalten erfordern ein Verständnis darüber, wo ein Raubtier Beute erwartet, was im Allgemeinen nicht bekannt ist, da Raubtiere aus Hinterhalten häufig mobile Beute jagen, die komplexe, unregelmäßige oder unauffällige Bewegungen aufweisen. Wölfe (Canis lupus) sind in erster Linie flüchtige Raubtiere, verwenden jedoch Hinterhaltstrategien, um Biber (Castor canadensis) zu jagen. Die Aktivität von Landbibern ist vorhersehbar, da Biber wiederholt gut definierte, auffällige Lebensraummerkmale verwenden. Daher bietet die Untersuchung, wo Wölfe im Hinterhalt auf Biber warten, eine einzigartige Gelegenheit zu verstehen, wie Raubtiere Hinterhaltorte in Bezug auf Beuteaktivitäten auswählen. Wir haben 11 817 Cluster von GPS-Standorten von Wölfen im Greater Voyageurs Ecosystem, International Falls, MN, durchsucht und 748 Hinterhalte und 214 Fälle dokumentiert, in denen Wölfe Biber getötet haben. Wölfe wählten Hinterhaltorte: 1) mit olfaktorischer Verschleierung, um eine Erkennung durch die hoch entwickelten olfaktorischen Sinne von Bibern zu vermeiden, und 2) nahe (im Allgemeinen <5 m) an Lebensraummerkmalen von Bibern, um die Unfähigkeit von Bibern auszunutzen, bewegungslose Raubtiere visuell zu erkennen. Unsere Arbeit beschreibt detailliert die Hinterhaltstrategien, mit denen Wölfe Biber jagen, und wirft weiterhin die traditionelle Vorstellung auf, dass Wölfe ausschließlich auf Hetz-Jagdstrategien [cursorial hunting strategies] beruhen. Wir zeigen auch, dass Raubtiere aus dem Hinterhalt die Bewegungen und das Verhalten ihrer Beute aufgrund eines grundlegenden Verständnisses der sensorischen Fähigkeiten ihrer Beute vorhersehen können. Wölfe und wahrscheinlich Raubtiere aus dem Hinterhalt im Allgemeinen scheinen daher in der Lage zu sein, bei der Auswahl von Hinterhaltorten gleichzeitig abiotische und biotische Faktoren zu berücksichtigen, um letztendlich die sensorischen Fähigkeiten ihrer Beute zu kontern und zu nutzen.
"Though this be madness, yet there is method in 't ..."
Benutzeravatar
Dr_R.Goatcabin
Beiträge: 1124
Registriert: 29. Jan 2016, 13:36

Re: Studien und wissenschaftliche Paper zu Wölfen

Beitrag von Dr_R.Goatcabin »

P.S. Ich liebe immer die Sätze zum Schluss einer Diskussion. "Wir wissen nun, was wir alles noch nicht wissen (nämlich ungefähr so viel wie vor der Studie). Aber die Grafiken sehen cool aus!" :D
Despite our work on wolf ambush behavior, how wolves assess and decide where the best locations to wait-in-ambush are remains unknown. Understanding this is complicated by the fact that wolves must make both pond-level (where to wait around an active beaver pond) and territory-level (what pond to wait at) decisions when choosing ambush locations (i.e., two-level spatial selection; Rodríguez-Robles and Glaudas 2011). Thus, how wolves decide to wait at a particular location at a given pond, instead of a potentially better location at a different pond, remains unknown and is an outstanding challenge to understand.
"Though this be madness, yet there is method in 't ..."
Benutzeravatar
Dr_R.Goatcabin
Beiträge: 1124
Registriert: 29. Jan 2016, 13:36

Re: Studien und wissenschaftliche Paper zu Wölfen

Beitrag von Dr_R.Goatcabin »

Hollerbach (2020): Weiterentwicklung von Monitoringmethoden für Luchs (Lynx lynx) und Wolf (Canis lupus) durch den Einsatz von Suchhunden. DOI: 10.17433/1.2021.50153875.43-46. Link

Abstract
Genetisches Monitoring ist ein wichtiger Bestandteil des verpflichtenden Monitorings von Luchs und Wolf in Deutschland. Proben (z.B. Kot) dieser Arten für genetische Analysen sind jedoch oftmals nicht leicht zu finden. Suchhunde können die Probenzahlen und somit die Aussagekraft genetischer Studien signifikant erhöhen und kurzfristig für die Intensivierung des Monitorings als Grundlage für Managemententscheidungen eingesetzt werden. Mit dem Einsatz von Suchhunden für das Monitoring von Großkarnivoren sind einige Herausforderungen verbunden, die in diesem Beitrag diskutiert und zu denen entsprechende Empfehlungen gegeben werden. In der Weiterentwicklung von Monitoringmethoden für Luchs und Wolf haben Suchhunde ein großes Potenzial, das noch nicht voll ausgeschöpft ist.
"Though this be madness, yet there is method in 't ..."
Benutzeravatar
Dr_R.Goatcabin
Beiträge: 1124
Registriert: 29. Jan 2016, 13:36

Re: Studien und wissenschaftliche Paper zu Wölfen

Beitrag von Dr_R.Goatcabin »

Schönes Klatschlied im Kindergarten, das wäre!
(clap your hands!)

How does the wolf walk on the ice?
Right paw
left paw
-(he grows a fad)
One paw
two paws
-(all wiggle your head)
He slips
He spins
-(there is a gap!)
One drop
one splosh!
-(now howl with dread!) :shocked:

Regaiolli et al. (2020): Paw preference in wolves (Canis lupus): A preliminary study using manipulative tasks. DOI: 10.1080/1357650X.2020.1853763.

Abstract
Verhalten und die Lateralisierung des Gehirns ist bei nicht-menschlichen Wirbeltieren weit verbreitet. Die motorische Lateralisierung wurde beim Haushund untersucht, wobei sich herausstellte, dass die "Pfotenpräferenz" bei dieser Spezies geschlechts- und aufgabenabhängig zu sein scheint; allerdings wurde diese Asymmetrie bei Wölfen (Canis lupus) nur in wenigen, wenn überhaupt, Studien berücksichtigt. Das Ziel dieser Studie war es, die Pfotenpräferenz von sieben Wölfen, die im Parco Natura Viva - Italien - untergebracht waren, während der Interaktion mit nahrungsbezogenen (FD) und olfaktorischen (OLF) Umweltanreicherungsgeräten zu untersuchen. Es wurden elf Sitzungen (insgesamt 22 Sitzungen) pro Bedingung (FD und OLF) durchgeführt und Daten über die Manipulation der Bereicherung gesammelt. Die meisten Wölfe manipulierten die Anreicherungsgeräte mit einer Pfote und nicht mit beiden Pfoten. Auf individueller Ebene waren alle Probanden in der Pfotenbenutzung lateralisiert, sechs waren rechtspfotig, einer war linkspfotig (das Alpha-Männchen), unabhängig von der Anreicherungsbedingung. Die Tatsache, dass häufig eine Pfote und nicht beide an der Manipulation beteiligt waren, könnte auf einen praktischen Vorteil für jedes Individuum hinweisen, der sich aus der Lateralisierung des Pfotengebrauchs ergibt. Trotz der geringen Stichprobengröße liefern unsere Ergebnisse interessante Erkenntnisse über die Lateralisierung bei Wölfen, die weitere Untersuchungen verdienen. Es sind weitere Studien erforderlich, die Faktoren wie Temperament, sozialer Rang und Aufgabenkomplexität bei der motorischen Lateralisierung von Caniden berücksichtigen.
"Though this be madness, yet there is method in 't ..."
Benutzeravatar
Dr_R.Goatcabin
Beiträge: 1124
Registriert: 29. Jan 2016, 13:36

Re: Studien und wissenschaftliche Paper zu Wölfen

Beitrag von Dr_R.Goatcabin »

"Über siiiieben siebzehn Brücken must Du geeeehhhhn, ..."

Plaschke et al. (2021): Green bridges in a re‐colonizing landscape: Wolves ( Canis lupus ) in Brandenburg, Germany. DOI: 10.1111/csp2.364. Google Translate Volltext

Abstract
Grauwölfe (Canis lupus) besiedeln viele Teile Mitteleuropas und sind ein wichtiger Bestandteil der internationalen Schutzrichtlinien. Straßen können jedoch die Wiederansiedelung von Grauwölfen in ihrem gesamten historischen Verbreitungsgebiet behindern, indem sie die Konnektivität der Landschaft verringern und die Sterblichkeit aufgrund von Wildtier-Fahrzeug-Kollisionen erhöhen. Die Auswirkungen von Straßen auf Wölfe könnten durch den Bau grüner Brücken (d. h. große bewachsene Überführungen, die die Bewegung von Wildtieren über Transportkorridore aufnehmen sollen) gemindert werden. In dieser Studie untersuchten wir die saisonale und tägliche Nutzung einer grünen Brücke durch Wölfe und drei ihrer wichtigsten Beutearten: Rotwild (Cervus elaphus), Reh (Capreolus capreolus) und Wildschwein (Sus scrofa). Wir fanden heraus, dass alle vier Arten die grüne Brücke benutzten. Wölfe waren im Winter am aktivsten, während Beutetiere im Frühling und Sommer am aktivsten waren. Alle Arten waren in der Dämmerung und in der Nacht aktiver als in der Morgendämmerung und am Tag. Wir fanden keine Hinweise darauf, dass die Anwesenheit von Wölfen die Nutzung von Brücken durch Beutetiere beeinflusst, was mit anderen Tests der Beutefallenhypothese übereinstimmt. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass grüne Brücken sowohl von Wölfen als auch von Beutetieren genutzt werden und die Konnektivität und Rekolonisierung dieser Arten bei der Wiederbelebung von Landschaften fördern können.
....

Letzter Totfund eines Wolfes an der A12: erst wieder am 30.11.20, Skabyer Torfgraben. :cry:
"Though this be madness, yet there is method in 't ..."
Benutzeravatar
Dr_R.Goatcabin
Beiträge: 1124
Registriert: 29. Jan 2016, 13:36

Re: Studien und wissenschaftliche Paper zu Wölfen

Beitrag von Dr_R.Goatcabin »

Kleine Zusammenfassung zur Lage.

Reinhardt et a. (2020): Erkenntnisse zur Wiederausbreitung des Wolfs in Deutschland. DOI: 10.17433/1.2021.50153869.19-26. Link

Abstract
Seit der Wolf im Jahr 2000 nach Deutschland zurückgekehrt ist, hat sich die Art wieder in vielen Regionen des Landes etabliert. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die aktuellen Erkenntnisse zu Bestandssituation, genetischer Struktur, Krankheiten und Todesursachen sowie Nahrungsökologie des Wolfsbestands in Deutschland und erläutert, wie diese Daten erhoben werden. Die Ausbreitung des Wolfs erfolgte von der Lausitz ausgehend v.a. in nordöstliche Richtung, aber zunehmend werden auch Regionen in anderen Landesteilen besiedelt. Das Populationswachstum betrug von 2000 bis 2019 jährlich 28%, kann aber regional sehr unterschiedlich verlaufen. Tot aufgefundene Wölfe kamen in zwei Drittel der Fälle durch den Straßenverkehr um; immer wieder kann auch illegaler Beschuss nachgewiesen werden. Die Wölfe in Deutschland bilden aus genetischer Sicht zusammen mit den Tieren im westlichen Polen eine weitgehend homogene Population, die sich bislang nur wenig mit benachbarten Populationen vermischt hat. Die Hybridisierungsrate in Deutschland ist mit <1% sehr gering. Die Hauptnahrung der Wölfe in Deutschland sind Rehe, durch die opportunistische Ernährungsweise kann sich die Nahrungszusammensetzung aber regional unterscheiden. Nutztiere sind mit weniger als 2% der konsumierten Biomasse in der Wolfsnahrung enthalten. Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) wird weiterhin die Monitoringergebnisse zum Wolf zusammenführen und sie der Öffentlichkeit und den Behörden zugänglich machen.

Wer etwas Zeit hat, siehe auch vorangehender Artikel von 2010. (Sci-Hub foreverrrrr!)

Ansorge et al. (2010): Die Rückkehr der Wölfe. Das erste Jahrzehnt. DOI: 10.1002/biuz.201010425.

Abstract
Seit dem Jahr 2000 ziehen in Sachsen wieder Wölfe ihre Jungen auf. In ganz Deutschland leben derzeit mindestens 60 bis 80 Wölfe. Um den damit verbundenen Konflikten zu begegnen, wurde ein “Wolfsmanagement” entwickelt, das Wolfsmonitoring, Öffentlichkeitsarbeit und Schadensausgleich umfasst.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass die Wölfe sich fast ausschließlich von wildlebenden Huftieren ernähren, Haus‐ und Nutztiere dagegen kaum eine Rolle spielen. Über genetische Analysen konnte die ursprüngliche Herkunft der nach Deutschland zugewanderten Wölfe aus Nordost‐Polen geklärt werden. Mit Hilfe der Radiotelemetrie wurden wichtige Erkenntnisse über die Anpassung der Wölfe in die vom Menschen veränderte Landschaft gewonnen.
"Though this be madness, yet there is method in 't ..."
Antworten