Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Über freilebende Wölfe in Deutschland.
zaino
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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von zaino » 15. Nov 2017, 16:00

Ja, ich war etwas weitschweifig, ich habe quasi versucht, jemanden virtuell mit 'raus zu nehmen. Beobachten und Nachdenken ist oft die beste Schule.

Oder Erfahrungsberichte und Texte versierter Verhaltensforscher lesen. Oder Filmchen gucken.
Einfach mal nur zugucken. Und aus dem Gesehenen Schlüsse schließen... setzt aber eine gewisse Gehirnmasse voraus...

Lutra
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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von Lutra » 15. Nov 2017, 17:25

Wildschweine sehe ich sehr oft. Die haben auch irgendwie einen siebenten Sinn. Wir haben uns schon mit einer Rotte so etwa 30m gegenüber gestanden, Wind fast in Sturmstärke von den Sauen her. Die erste blieb stehen und sicherte eine ganze Weile, ich ganz ruhig. Sehen können die ja nicht besonders gut. Jedenfalls hat sie doch irgendwas mitbekommen und nahm mit ihrer Bande eine andere Richtung, obwohl sie erst schnurstracks auf mich zu kamen.
Ein anderes mal haben die mich ebenfalls sehr erstaunt. Ich hör so 10m weg im Unterholz so ein ganz leises kurzes "uh" und sehe sie dann gerade so durch die Sträucher völlig geräuschlos ohne das kleinste Knacken abmarschieren, so ca. 10 Stück.
Die paar Wölfe, die mir bis jetzt begegnet sind, waren nicht besonders scheu, eher etwas genervt, dass da schon wieder so ein Zweibeiner rumlatscht. Ich bin mir absolut sicher, dass die mich um ein Vielfaches öfter sehen als ich sie. Übrigens bleiben auch Rehe zwischen den Bäumen stehen und beobachten dich, wie du vorbei läufst, öfter als man denkt.
Ein weiterer Fall von "scheu", der Biber. Wenn ich nicht ganz leise an den Stau ranpirsche, höre ich nur ein "Klatsch" mit der Kelle, er taucht ab und ist weg, obwohl der eigentlich keinen Grund dafür hat. Im Wasser ist er jedem Freßfeind haushoch überlegen, an Land siehts anders aus.
Benjamin, sieh Dir das mal an:
https://www.youtube.com/watch?v=2DgUgS9DWqM

zaino
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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von zaino » 15. Nov 2017, 18:13

... was reiten dann alle auf "scheu" oder nicht scheu herum, wenns doch so relativ ist? Und so schwer zu definieren, und von so vielen Details abhängig? Das werde ich nie verstehen.

ach ja, Biber... haben wir im Altmühltal. Einer unserer Lieblings-Plätze, wo wir oft im Sommer mit dem Camper stehen, ist ein Anlandeplatz für Paddler und ein Zeltplatz. Für 3 Euro die Nacht. Feuerstellen werden von jungen Leuten gern genutzt, da gibts dann die halbe Nacht lauschige Party. Direkt daneben verkauft der "Altmühlindianer" Hubert Bier, Kaffee und hausgemachten Kuchen, er hat ein kleines Grundstück mit Hütte, Kühlschrank und Tipi.

Und am anderen Ufer hausen Bisamratten und Biber. Wir haben durchs offenen Fenster oft nächtelang die Biberjungen gehört, wie sie spielen, und den Ratten kann man eh zugucken. Die sitzen am Ufer und putzen sich völlig ungeniert, wenn man 2 Meter daneben vorbeipaddelt. Sind nicht die Bohne scheu. Warum? Weil sie wissen, dass der wilde Streifen zwischen Straße und drüberem Ufer nicht bewirtschaftet und von Menschen nicht betreten wird. Heisst, sie sind in Sicht- und Hörweite 100% unbehelligt in ihren vitalen Interessen.

Lutra
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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von Lutra » 15. Nov 2017, 18:35

zaino hat geschrieben:
15. Nov 2017, 18:13
... was reiten dann alle auf "scheu" oder nicht scheu herum, wenns doch so relativ ist?
Alle reiten da nicht drauf rum. Der Spruch ist eben sehr beliebt: "Die Wölfe verlieren ihre Scheu!"
Stimmt zwar nicht, verfolgt aber einen Zweck. Lieschen Müller schließt daraus: "Wölfe werden schon bald gefährlich!"
Dafür oder dagegen wird dann ganz fix die Lösung geliefert: "Wölfe müssen bejagt werden, damit sie ihre Scheu behalten und nicht zur Gefahr für Menschen werden!" Ganz Schlaue wollen sie dadurch sogar von den menschlichen Siedlungen fernhalten. Gelingt ja z.B. bei Füchsen und Wildschweinen ganz prima.

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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von zaino » 15. Nov 2017, 19:10

Mir ist der Zusammenhang schon klar. LOL. Das mit dem "scheu" geht wieder in Richtung "Natur hat sich dem Menschen anzupassen" u.s.w.
Den wolf hätten wir dann bitte weit weg, mit eingezogenem Schwänzchen und immer sofort auf der Flucht, wenn Homo sapiens naht... :lol:

Schon die Eingangsfrage ist absurd:
Verlieren die Wölfe in Deutschland (wieso nur die deutschen Wölfe im Speziellen?) ihre Scheu? (Welche? Müssen sie welche haben? Haben auch Wölfe anderer Nationalitäten eine selbige, brauchen sie sie, und wenn ja, wozu?

:-P

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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von Redux » 16. Nov 2017, 17:05

Nein das geht in Richtung unnormales Problemwolfverhalten wenn sich ein Wolf einer menschlichen Siedlung auf mehr als 200 meter oder so nähert. Was aber alles schwachsinnig ist, da der Wolf den Menschen eben nicht meidet (zumindest nicht dessen Lebensraum) , hat er schon in der Steinzeit nicht ist aber auch egal da dieser trotzdem dann nicht gefährlich ist.
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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von HowlingWolf » 16. Nov 2017, 19:55

zaino hat geschrieben:
15. Nov 2017, 19:10
Haben auch Wölfe anderer Nationalitäten eine selbige, brauchen sie sie, und wenn ja, wozu?
Herrlich... Wölfe anderer Nationalitäten :lol:
Die sind jedenfalls in der Migration und Integration von Zugewanderten uns meilenweit voraus!

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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von zaino » 16. Nov 2017, 22:34

Redux hat geschrieben:
16. Nov 2017, 17:05
Nein das geht in Richtung unnormales Problemwolfverhalten wenn sich ein Wolf einer menschlichen Siedlung auf mehr als 200 meter oder so nähert. Was aber alles schwachsinnig ist, da der Wolf den Menschen eben nicht meidet (zumindest nicht dessen Lebensraum) , hat er schon in der Steinzeit nicht ist aber auch egal da dieser trotzdem dann nicht gefährlich ist.
Doch, das passt schon. "Scheu" ist eben, sie gehen nicht in Sichtweite von Siedlungen und lassen sich am Besten gar nie sehen.
Alles was man sieht, ist nach dieser Definition schon "Problemwolf" = verhält sich problematisch.

Und er nächste Schritt ist dann: Wolf ist nicht scheu, geht an Siedlungen, wird gesichtet = gefährlich.
Weil, das hat ja dieser Valerius Geist wohl mal ausgewalzt, die näher und näher kommen, um einen zum Probieren dann gleich mal anzuschnuppern und abzulecken oder so... Das ist also das Ende der Argumentationskette mit dem Scheu-oder-nicht-Dingens. Schätze ich mal.

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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von Redux » 17. Nov 2017, 02:10

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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von twizzle » 17. Nov 2017, 03:46

Zeigt sich, verliert also die Scheu und wird dann unweigerlich gefährlich.
Habe ich das richtig verstanden?

Wenn ja, mach ich mir jetzt richtig Sorgen.
Dann habe ich nämlich einen Problem-Igel auf meinem Grundstück... :lol:
mfg twizzle

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