Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

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zaino
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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von zaino » 18. Nov 2017, 01:23

Wie dicht bevölkert ist Ostpolen, bitte?

Und wie viele Ostpolen regen sich auf, wenn sie mal irgendwo ein Wölfchen sehen, und melden das?

Wie relevant wäre das dann statistisch gesehen?

Welchen statistischen Wert haben solche Bemerkungen bitte?

Twizzle.... muahahaha...

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SammysHP
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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von SammysHP » 18. Nov 2017, 08:51

Vor ein paar Tagen wurde von der Pressestelle der Polizei hier in der Nähe eine Meldung rausgegeben, dass ein verängstigter Wolf am Ortsrand gesehen wurde, der weggelaufen ist. Ein normales Verhalten, aber immer noch Wert, von der Polizei bekannt gegeben zu werden. Wolfssichtungen sind halt noch nicht zur Normalität geworden.

Nina
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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von Nina » 19. Nov 2017, 12:49

Benjamin 2015 hat geschrieben:
Redux hat geschrieben: So so und nocheinmal wer behauptet daß die Wölfe im Baltikum scheu und nachtaktiv sind ?
Das haben z.B. die Wolfsexperten Gesa Kluth und Ilka Reinhardt gesagt und geschrieben. Sie haben dies vor allem im Bezug auf die Lausitzer Wölfe gesagt.
LG
Benjamin
Benjamin2015 hat offensichtlichen Nachholbedarf in Sachen Faktensicherheit. Aber wir helfen ihm ja gern. ;)

Gesa Kluth und Ilka Reinhardt schrieben im Skript 201 für das Bundesamt für Naturschutz wörtlich:
Wölfe, wie auch andere Tiere, haben keine "arttypische" Scheu vor menschlichen Siedlungen oder Strukturen. Auch die Scheu vor dem Menschen ist nicht angeboren, sondern individuell erworben. Davon kann sich ein jeder in den Nationalparken dieser Welt überzeugen. Dort, wo Tiere den Menschen nicht als Feind kennen gelernt haben, ignorieren sie ihn in aller Regel. Um in der Kulturlandschaft leben zu können, müssen Wildtiere menschliche Strukturen und auch die Anwesenheit von Menschen bis zu einem gewissen Grade tolerieren."

(S. 111) BfN-Skript 201 (2007):"Leben mit Wölfen Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland Ilka Reinhardt/Gesa Kluth https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/docume ... ipt201.pdf
In Bezug auf die Lausitzer Wölfe schrieben Kluth/Reinhardt:
Selbst in einem so dünn besiedelten Gebiet wie der Oberlausitz, ist ein fast tägliches Zusammentreffen von Mensch und Wolf nahezu unvermeidbar. Wölfe werden gesehen, wenn sie Straßen oder Felder überqueren. Anfangs sind die Leute überrascht oder auch beunruhigt, wie nahe sich Wölfe an die Siedlungen "trauen". In der Dunkelheit laufen die Tiere häufig an den Dörfern entlang und kürzen den Weg auch schon mal durch nicht eingezäunte Gärten ab. Die Menschen brauchen einige Zeit, um das für sie zunächst ungewöhnlich wirkende Verhalten zu verstehen und in den richtigen Kontext zu stellen. [...] Durch die Vermittlung möglichst detaillierter Kenntnisse über die "eigenen Wölfe", kann es sogar gelingen, eine Art Vertrautheit im Zusammenleben mit dem Neubürger zu erreichen.

BfN-Skript 201 (2007):"Leben mit Wölfen Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland Ilka Reinhardt/Gesa Kluth(S. 80) https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/docume ... ipt201.pdf
In Niedersachsen, wo Jagd- und Agrarlobby besonders gut vernetzt sind in Politik und Medien, sind die Wölfe angeblich "auffälliger".
Warum wohl? Da hat Benajmin2015 jetzt doch mal 'ne anspruchsvolle Denkaufgabe.

Kleiner Tipp: Die finanziell gut ausgestattete und daher hervorragend vernetzte PR der Jagd- und Agrarlobby nutzt gezielt das Phänomen, das Kluth und Reinhardt ebenfalls bereits 2006 vorhergesagt haben:
Mit Zunahme und Ausbreitung der Wolfspopulation wird auch mit einem Ansteigen von problematischen Situationen zu rechnen sein, vor allem aber mit einer Zunahme der empfundenen Problematik. Mehr Wölfe verursachen mehr Schäden, unter anderem an ungenügend geschützten Nutztieren. Solche Vorkommnisse verteilen sich dann zwar auf eine größere Fläche, können sich aber möglicher Weise durch entsprechende Berichterstattung der Medien in den Köpfen der Bevölkerung summieren. Die Anzahl der "empfundenen Problemwölfe" nimmt zu.

BfN-Skript 201 (2007):"Leben mit Wölfen Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland Ilka Reinhardt/Gesa Kluth(S. 113) https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/docume ... ipt201.pdf

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