Es ist immer das Gleiche....

Themen, die den Wolf im Allgemeinen betreffen.
zaino
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Es ist immer das Gleiche....

Beitrag von zaino » 5. Jul 2019, 00:37

Zorn und Hass im Volk.
Schutzzäune: Zu teuer, zu aufwändig.
Herdenschutzhunde: zu teuer, bellen zu viel.
Auf die Herden aufpassen: Geht nicht, keine Zeit.
Alle Arten von Schutzmaßnahmen: Wollen wir nicht, hats vorher auch nicht gebraucht, nervt nur.
Und wenn er sich nur irgendwo zeigt, treibt die Journaille einen "Wolfsangriff" als Sau durchs Dorf.
Gehts eigentlich auch mal weniger hysterisch?

Angeblich oder tatsächlich sind die Schutzzäune a) zu teuer und b) in manchen Naturschutzgebieten gar nicht praktikabel.
Was ist dann aber mit solchen Dingen wie einer zusätzlichen Litze in Bodennähe oder Flatterband oder ähnlichen Ideen?

Es ist ja auch nicht so, dass jederzeit von jeder Weide jede Nacht Tiere getötet werden. Aber gar kein bisschen Schutz ist auch wieder wie anfüttern.

Und warum wird immer ALLES abgeschmettert? Was immer man vorschlägt, es kommt IMMER zurück: DU hast ja EH keine Ahnung. Zu teuer, zu viel Aufwand, zu umständlich, zu dies, zu das, geht nicht.

Wir haben es weder geschafft, die Wildsau noch den Fuchs auszurotten - mit dem Wolf könnte es vielleicht doch wieder klappen. Oder nicht? Und ist das wirklich die einzige Alternative von allen? Außer der, die Viecher alle wieder fest in Ställe zu sperren in der Nacht?

Hat jemand da Ansätze, wie man argumentieren könnte, oder ist die Diskussion in diesem Land einfach per se nicht möglich?

zaino
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Re: Es ist immer das Gleiche....

Beitrag von zaino » 5. Jul 2019, 09:02

Ich hab hier mal ein paar Fakten zusammengetragen, aber die scheinen die Wolfsgegner komplett ignorieren zu WOLLEN:

https://www.jagderleben.de/praxis/woelfe-schalenwild
Ja, der Wolf lebt tatsächlich überwiegend von Schalenwild. Nicht zu glauben. Und was ist mit den Waldkindergärten und so? Und Rotkäppchen?

Und das Bauen von aus- und einbruchssicheren Zäunen ist vollkommen sinnlos und vor allem, UNZUMUTBAR, richtig?
*ironiemodus*. Deswegen probiert mans vernünftigerweise gar nicht erst aus. Es könnte ja klappen und dann fällt eine Beschwerde- und Jammerkomponente weg... und überhaupt funktioniert in der Schweiz eh alles anders....
http://www.protectiondestroupeaux.ch/.. ... zaeune.../

By the way, was da beschrieben wird, ist sogar relativ einfach machbar und sichert ja auch vor Spaßvögeln, die versuchen, aus dem Zaun rauszukommen.

Sorry für den ironischen Unterton. Ich bins so leid...

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Redux
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Re: Es ist immer das Gleiche....

Beitrag von Redux » 5. Jul 2019, 15:31

Die Viehhalter passen nicht mehr in unsere moderne Volkswirtschaft. Und kommen auch mit der modernen Umwelt ohne Miliardensubventionen nicht zurecht.
Geh mir aus der Sonne, Alexander

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Re: Es ist immer das Gleiche....

Beitrag von zaino » 5. Jul 2019, 15:41

Satz 1, kann ich nicht beurteilen.
Die einen schreien und zetern, die anderen machen was Grundlegend Anderes, z. B. Bio, und es geht ihnen recht gut damit, wie man hört. Das führt mich aber zu Deinem Satz 2: Wenn man ohne Subventionen nicht 'rumkommt, sollte man evt. mal das eigene Konzept überdenken, möglichst bevor mal wer von oben die Subventionen streicht.

Was ich schlimm finde: Vieles wird bezuschußt, z. B. Schutz für frisch gepflanzte Bäumchen. Zuuu viel Aufwand und Arbeit, heißt es dann, kragelt lieber alle Mufflons und Rehe ab, diese Schädlinge. wie ich immer wieder betone, sind ja nicht nur die Wölfe "der Feind", sondern viele Elemente der Natur. Warum werden wohl Luchse vergiftet? Obwohl sie nichtmal Haustiere reißen?

Gespräch mit einem Waldbesitzer hier. Ich: Das ist ein total schöner alter Mischwald, ist das Ihrer? Er: Ja, aber Mischwald bringt kein Geld....
Er ist eigentlich ein sehr netter Mann, treffe ihn hier öfter, er pflegt mit seiner Frau eine Art wildgärtchen, hat alte Obstbäume hier herumstehen, u.s.w. Aber diese Ansage macht mich schon wieder traurig.

Ganz böser alter Witz, der erste lebt vom Hof, der zweite von den Subventionen, der Dritte von der Wildschadensregulierung... nein, ich bashe keine Bauern, ich bashe nur Leute, die Veränderungen immer nur negativ sehen wollen und sich immer außerhalb ihr Feindbild suchen, statt mal in sich zu gehen. Die sind nämlich geradezu eine Gefahr für eine intelligente Demokratie. Sorry to say.

Grundsätzlich wünsche ich mir, dass mehr hingehört und mehr gedacht wird, statt sich von einem Vorurteil zum anderen zu hangeln.

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Re: Es ist immer das Gleiche....

Beitrag von wolfsam » 6. Jul 2019, 17:16

In der heutigen Zeit geht alles nach Effizienz und Effektivität. Und darum, möglichst viel Geld nach allen Kosten, Steuern etc. noch in der Kasse zu haben. In der BWL bzw. während meines Studiums, in dem ich BWL belegen musste, wurde von "Maximierung des Gewinns" als Sinn von Unternehmen gesprochen. In diesem Sinn ist es doch nur folgerichtig, dass jeder kleine Mehraufwand zu viel Aufwand ist. Er schmälert ja (ein wenig) den Gewinn.
So lange es immer noch "um mein Haus, mein Auto, meine Jacht/Jagd, mein ...." geht und dieses gesellschaftlicher Konsens ist, wird sich kaum etwas verändern. :(
Und dann geht es auch um die Ernährungsgewohnheiten, Konsumgewohnheiten der Menschen. Damit obiges dann auch zum Tragen kommt (mein ...), dürfen Lebensmittel nicht zu viel kosten. Denn sonst dauert es ja zu lange, bis ich "mein ..." allen zeigen kann. Womit wir wieder oben angelangt sind. ein Kreislauf.
Und es geht darum, dass wir Deutschen (fast) allen auf der Welt unsere tollen Lebensmittel bringen müssen. Motto: "Ohne uns wird ja sonst die Menschheit zugrunde gehen." Darauf basieren ganze Geschäftsmodelle! Nur es wird verschämt umschrieben .....
Wir müssen (fast) alle lernen, dass es nicht auf Quanität ankommt, nicht darauf ankommt, jedes neue Handy zu haben, jede neue Modewelle (es kommen zum Teil über 14 Kollektionen pro Jahr auf den markt, was für ein Irrsinn!) mitzumachen, sondern dass es auf Qualität ankommt. Qualität darf gern mehr kosten, damit dann der Anbieter bei weniger Konsum trotzdem noch leben kann. Also eine Marge oder einen Gewinn erwirtschaftet, der ihm erlaubt, notwendige Investitionen, Entwicklungen etc. zu tätigen.
Das bedeutet aber auch, dass wir dem anderen auch mal etwas gönnen! Also auch keine "Maximierung des Gewinns" mehr. Das bedeutet aber auch, dass wir unser Denken verändern. Kein "mein ..." mehr, sondern mal zufrieden sein mit dem, was man hat.
Mit anderen Worten: Der Wolf zeigt uns viele Defizite in unserer Gesellschaft auf, die wir oder besser viele schlicht nicht wahr haben wollen.

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Re: Es ist immer das Gleiche....

Beitrag von Wolfs-Theoretiker » 6. Jul 2019, 22:38

Hallo wolfsam,
guten Abend, irgendwie verstehe ich ja was Du sagen willst, aber der Sinn des Unternehmens/Unternehmers sollte doch eigentlich der sein,
daß auch andere Menschen in Arbeit und Brot kommen, denn nicht jeder kann ein Unternehmer sein.
Meistens riskieren Unternehmer auch Einiges um ein Unternehmen am Laufen zu halten, deshalb bin ich auch der Meinung,
daß ein Unternehmer schwarze Zahlen erwirtschaften muß um das Unternehmen und die damit verbundenen Arbeitsplätze zu erhalten.
Natürlich soll so ein Unternehmer mehr verdienen als ein Mitarbeiter, aber sich nicht nur bereichern, sondern sich sozial geben.
Doch all dem stehen wohl der Egoismus im Wege, denn ohne diesen persönlichen Antrieb, welcher sich zu regelrechte Gier erweitern kann,
da würde es natürlich hapern im Räderwerk der Wirtschaft. Da sind nur Zuwachs, wenn möglich ohne Verlust gefragt und echter Unternehmer
sind da oft nicht darunter, sondern es sind Manager, welche sich da bereichern. Alles anscheinen legal und ohne Einsatz ihrer eigenen Mittel,
denn die Banken finazieren jedes gewinnversprechende Geschäft, denn auch sie müssen Umsatz/Gewinn machen.
Mein Geschreibe könnte endlos so weiter gehen, deshalb nur noch kurz, ein Geschäft unter Brüdern, wie es so schön heißt, das führt zu nichts.
Der andere Geschäftspartner muß schon ordentlich übers Ohr gehauen werden oder seine Situation ausgenutzt werden, damit es ein super
Geschäft wird, Also auch bei den Kaufleuten gibt es Gewinner und Verlierer, es ist ein Kampf ums überleben, so wie beim Wolf,
damit wir bei den von Dir angesprochenen Defizite angekommen sind.
Obwohl der Wolf ein Ökonom ist, was aber nur ihm selbst und die Abläufe in seinem Rudel(seiner Familie) betrifft,
ich meine wie er mit seinen körperlichen Resourcen umgeht, genauso verschwenderisch ist er beim Töten, denn es werden oft mehr Beute-
tiere gerissen, als verzehrt werden können.
Vielleicht denkt er, wenn das hier liegen bleibt, dann brauche ich zur nächsten Mahlzeit nicht erst jagen. Naja, egal andere Tiere brauchen
auch was zu Futtern. Nur von einer Weide müssen die Beutetiere schnellstmöglich abtransportiert werden, weil Anfüttern oder so.
Doch nun erstmal Schluß mit Lustig oder Listig. Der Wolf zeigt uns nur, daß es ein harter Überlebenskampf ist, wenn man in der Natur
(oder in unserer Kulturlandschaft) überleben will.

Grüsse, WT
"Die Natur betrügt uns nie. Wir sind es immer, die wir uns selbst betrügen." Jean-Jacques Rousseau

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Re: Es ist immer das Gleiche....

Beitrag von Redux » 7. Jul 2019, 01:34

Natürlich glauben nur die Liberalen bzw. Neoliberalen, daß der alleinige Sinn eines Unternehmens in Gewinnerzielung besteht, nur kann man dann auch nicht jammern wenn man den Bedingungen auf dem Weltmarkt nicht mehr gewachsen ist und kostentechnisch nicht mehr mithalten kann. Für mich heißt das, keine Wölfe und Wildtiere aus ökonomischen Gründen, keine Subventionen, die von Nichtlandwirten bezahlt werden, die mehrheitlich eine intaktere Umwelt wünschen. Landwirte und andere hängen schon lange an unserem Tropf, möchten dies aber nicht wahrhaben und trotzdem die Regeln bestimmen. Ich sage nein. Ich liebe neuseeländisches Lammfleisch. Wer zu faul, zu dumm, zu geizig ist einen anständigen Herdenschutz zu betreiben, muß als lernresistent und verhaltensauffällig zu machen.
Geh mir aus der Sonne, Alexander

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Re: Es ist immer das Gleiche....

Beitrag von Erklärbär » 7. Jul 2019, 06:39

"Ich liebe neuseeländisches Lammfleisch."

Das ist es, was ich mit Doppelmoral bezeichne. Hier ist es offensichtlich egal, ob die dummen Schäfer "vor die Wölfe gehen", weil das Lammfleisch ja aus Neeseeland kommt. Klimatechnisch der helle Wahnsinn! Hast Du das von Theonikra eingestellte Video von Rezo überhaupt angeschaut?
Will you walk out of the air, my lord?

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Re: Es ist immer das Gleiche....

Beitrag von Redux » 7. Jul 2019, 08:18

Wo soll denn da die Doppelmoral sein ? Ich finde das absolut konsequent und eindeutig ! Und ob die heimische Produktion tatsächlich so viel klimafreundlicher ist muß erst ausgerechnet werden. Offensichtlich denkst du auch nicht an die armen Reeder.
Geh mir aus der Sonne, Alexander

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Re: Es ist immer das Gleiche....

Beitrag von zaino » 7. Jul 2019, 10:41

Das wird mir allmählich zu verschwurbelt hier.
Fakt ist es, dass es in vielen wichtigen Fragen, Naturschutz betreffend, fast nicht mehr möglich ist, die Tatsachen von den politisch ausschlachtbaren Argumenten zu trennen. Gestalten wie Seehofer oder dieser Lies und andere dieser Sorte beweisen das immer wieder n. Gib dem dummen Volk ein paar kleine Happen, wirf ihnen beispielsweise ein paar abgeknallte Tiere vor, deportiere Flüchtlinge schockweise in gefährliche Länder zurück, gewähre ihnen den einfachsten Weg (Weiterbenutzung hochgiftiger Agrarpestizide) - und sie wählen einen weiter. Man hat ja was getan.

Und viele nutzen jedes Argument, um nicht über tiefergehende, strukturelle Probleme oder Änderungsbedarf nachgrübeln zu müssen. Ein schönes Feindbild außerhalb, das das eigene System stören könnte, ist da viel viel leichter und griffiger zu handhaben.

Nein, ich kann leider niemanden überzeugen, der dauerhaft auf "Null-Risiko" in Wald und Flur beharrt. Solche Leute finden, jeder Baum über 60 Jahre gehört umgesägt, er könnte ja jemandem sonst einen morschen Ast aufs HIrn fallen lassen... und diese Leute wollen keinen Wolf - er könnte ja ein Tier reißen oder einen Menschen bedrohen. Da ist dann nichts zu machen. Könnte....

Aber das mit dem totalen Null-Risiko ist nun mal eine komplette Illusion. I.m.O.

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