Kormorane

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Lutra
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Re: Kormorane

Beitrag von Lutra » 10. Nov 2019, 18:02

Nina hat geschrieben:
10. Nov 2019, 17:23

Was würde es im Endeffekt bringen, wenn man von heute auf morgen die Jagd auf Kormorane und Wölfe freigeben würde, die Lebensbedingungen für Fische aber trotzdem gleichbleibend lebensfeindlich blieben und die Schäfer auch nicht besser bezahlt würden?

Diese Frage konnte mir noch niemand beantworten.
Die Jagd auf diese Arten bringt in der Beziehung was, dass man sagen kann, man tut was für bedrohte Arten und Berufsstände, ohne wirklich was tun zu müssen. Gleichzeitig haben noch Leute ihren speziellen Spaß dabei. Herz, was willst du mehr?

Erklärbär
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Re: Kormorane

Beitrag von Erklärbär » 10. Nov 2019, 22:13

Lutra hat geschrieben:
10. Nov 2019, 16:51
Erklärbär hat geschrieben:
10. Nov 2019, 13:50
Das habe ich mir auch schon überlegt, hat aber sehr weitreichende Konsequenzen. Da muss man länger drüber nachdenken...
Da sind wir uns mal einig. Klar hat die unkontrollierte Ausbreitung von Homo Sapiens Konsequenzen, schon seit langem und immer stärker. Ich meine da nicht vorrangig die flächenhafte und zahlenmäßige Ausbreitung. Viel gravierender ist unsere unersättliche Vernutzung jeglicher Ressourcen. Ich bin der Meinung, dass dieses Verhalten unweigerlich eher früher als später auf uns zurückschlägt. Was wir bis dahin nicht total ausgerottet haben, wird dann unsere Ruinen wieder besiedeln.
Du bist hier der einzige der letztbeiträgigen Foristen, der noch nicht komplett in der eigenen Blase der Wahrheit gefangen scheint.

Das ewige Runterbeten von subjektiv polarisierenden und weitgehend nicht belegbaren Behauptungen von NABU und Vogelkomitteegruppen sowie die Resistenz gegenüber den von mir angeführten Studien (soagar extra für Euch rausgesucht unter Beteiligung von Ornithologen, die doch wohl über jeden Zweifel erhaben sein sollten) zeigen doch die Unfähigkeit, sich mit einem Thema sachlich und objektiv auseinanderzusetzen.

Deine Meinung kann ich nachvollziehen und sogar unterschreiben. Dennoch ist sie für mich persönlich zu fatalistisch.

Zurück zur Frage, was wäre, wenn? Der "Natur" ihren Lauf lassen...

Also, das erste, was sich sehr bald einstellen würde, ist der flächendeckende Zusammenbruch der Fischereiwirtschaft, v.a. Binnenfischer, Fischzüchter (vgl.
https://www.nzz.ch/schweiz/fangmenge-an ... ld.1490337 ).
Fische bekämen wir aber dann aus Ländern, in denen der Natur nicht freier Lauf gelassen wird. Genau wie der NABU für seine Showteiche Besatzfische aus komoranbefreiten Fischzuchtanlagen in Tschechien holen muss (https://www.zeit.de/2010/20/Kormoran/seite-2).

Die Binnenfischereiwirtschaft ist eh am Zusammenbruch. Ähnlich Schäfer. Eine anstrengende Arbeit, schlecht entlohnt und nicht respektiert. Die Forellen in der Kühltheke stammen überwiegend aus Dänemark und der Türkei. Ohne Kormoranvergrämungserlaubnis wäre die Teichwirtschaft längst tot.

Okay. Sportfischerei: Für dieses Hobby gibt es kaum noch Nachwuchs. Macht keinen Sinn, wenn man nur am Wasser sitzt und den Kororanen zusehen muss, wie sie den letzten Fisch rausziehen und selber nichts fängt. Aber egal. Nur, wer kümmert sich dann noch darum, die Gewässer vom Wohlstandsmüll zu befreien, die Einleitung von gewässerschädigenden Stoffen anzuzeigen, wer geht gegen Querverbauungen etc. vor? Vom NABU und Co. merkt man diesbezüglich zumindest bei uns nichts. Was unter der Wasseroberfäche passiert, interessiert keine Sau.

Natürlich ist der Vergrämungsabschuss nur ein Notbehelf, der am gesamteuropäischen Grundproblem der Überpopulation an Kormoranen nichts ändert, aber lokal durchaus die Restbestände an Fischen schützen hilft. Deswegen sagte ich bereits, das Problem muss europäisch gelöst werden. In einigen Ländern ist man ja auch dran. Die Politik hat teilweise kapiert, dass man auf der einen Seite nicht Millionen Steuergelder zur Rettung aussterbender Fischbestände ausgeben kann und auf der anderen Seite zulässt, dass diese Fische dann von unregulierten Kormoranbeständen weggefuttert werden.

Man kann sagen, lasst der Natur ihren Lauf.

Ich meine, wir haben keine reine Natur mehr, sondern wir müssen unsere Habitate möglichst für Menschen und Tiere organisieren. Damit meine ich nicht Ausrotten von Kormoranen (oder hier Wölfen), sondern eine Art "Geburtenplanung", also Management. Deswegen ist für mich die tolerabelste Art, wenn die Brutgelege von Kormoranen gestört werden (Eier einölen). Vergrämung durch Schießen kann nur ein vorläufiger, aber notwendiger Notbehelf sein (ist zudem aufwendig, unschön und teuer).

Was "der Natur ihren Lauf lassen" sonst noch bewirkt, k.A. Bin kein Limnologe. Aber ich weiß, dass es Kausalketten gibt, z. B. Muschelarten, die bestimmte Fischarten zur Reproduktion benötigen. Usw. usf.
Was man noch beachten sollte: Es gibt bei vielen Fischarten, gerade in der Salmonidenregion, unterschiedliche Stämme. Das heißt z.B. bei uns, dass wir lokale Äschenstämme nicht einfach mit Importäschen aus Dänemark besetzen können. Lokale Stämme sind perfekt an die jeweiligen Gewässertypen angepasst. Das sieht man dann auch an Form und Farbe.

Also, ist nicht wie bei Wölfen, dass man einfach den Kofferraum aufmacht und Fische freilässt. ;-)

Gruß Erklärbär
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maxa67
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Re: Kormorane

Beitrag von maxa67 » 10. Nov 2019, 23:11

Also wir haben ja hier hinten das (Unesco) Biosphärenreservat Oberlausitzer Teich- und Heidelandschaft. Da wird seit dem 13. Jahrhundert bis heute Teichwirtschaft betrieben. In den 60ern wurde das so intensiviert, daß die Fauna bezüglich Insekten, Lurchen, Kriechtieren und Vögeln fast vor die Hunde ging. Das wurde korrigiert. Schon in den späten 80ern, vor allem aber nach dem Mauerfall wurde gegengesteuert und vieles wieder der Natur überlassen, zurückgebaut, ohne daß die Fischzucht eingestampft wurde. Mit Riesenerfolg, wir beherbergen mittlerweile 80 % aller Libellenarten, Mantiden, Schrecken, Falter in praller Vielfalt, über 200 Vogelarten, Lurche, Kriechtiere und natürlich alles an Säugern, voran unser Lieblingspredator aber auch Biber und gelegentlich mal Elch und Schakal. Nur der Luchs ist noch nicht (wieder) da. Der Kormoran spielt hier von der Präsenz her eine Rolle unter vielen. See- und Fischadler, sehr viele Milane und Bussarde, Grau- und Silberreiher, Störche und größere Populationen Kraniche und eine stattliche Anzahl an Schwänen dominieren. Mit der wahrnehmbaren Präsenz und Anzahl an Kranichen und Schwänen kann der Kormoran hier hinten nicht mithalten.
Und hier hat man auch die Empfehlungen von Woitschi aus den 90ern versucht umzusetzen und auf eine eher naturnahe Jagd gesetzt. Mit Erfolg. Die übermäßige Ausbreitung des Kormorans (ja, die Teichwirte jammern genauso wie die vorderlausitzer Schäfer) wird trotzdem reguliert. Letztes Jahr sind sachsenweit 2.500 der nimmersatten Schwarzen geschossen worden. Der Nabu hatte zwar allerorten gegen die Kormoranverordnungen in den Ländern geklagt - und verloren. Zu Recht, wie ich finde, wenn man es so anwendet wie jetzt.
An Brisanz gewinnt das Ganze jedoch, weil man nun versucht, diese Regulierungsmöglichkeiten (Schutz der Teichwirtschaften) als Blaupause für den Wolf zu nehmen. Sollte der Wolf ins Jagdrecht kommen, wäre das der Türöffner für die Enthemmung bei den Jägern. Schon weil der Wolf ein attraktiveres und vor allem Standes-Ziel ist, als der Kormoran. Und da hört bei mir die Toleranz dann auf...

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Re: Kormorane

Beitrag von Erklärbär » 11. Nov 2019, 07:22

Hallo Maxa,

Danke für die interessante Darstellung.

Vermutlich wäre Euer Kormoranproblem viel größer, hättet Ihr die Adler nicht. Vor denen haben die Kormorane einen riesigen Respekt. Zurecht, denn diese gehen an die Brut und schlagen ihre Konkurrenz auch im Flug ... Wir haben hier leider keine ... die Kormorane brüten überwiegend auf Inseln, dorthin kommen auch kein Fuchs, Marder und Waschbär. Keine natürlichen Feinde in Sicht. Sie können sich hier nach Lust und Laune ausbreiten. Vergrämt werden dürfen nur Wenige und auch nur in den Salmonidenregionen (Äschen/Forellen-), wenn man denn einen Antrag gestellt hat.

Meine Meinung: Ohne Eingriffe in die Population in den Brutkolonien geht es nicht. Dazu bedarf es eines gesamteuropäischen Paradigmenwechsels. Wenn wir warten, bis der letzte Verantwortliche begriffen hat, dass Kormorane mittlerweile eine Plage sind, ist es zu spät.

Das bedeutet ja nicht, dass man nicht zugleich die Wasserrahmenrichtlinie umsetzen muss. Weil ja immer kolportiert wird, dass die Kormorane "den Braten auch nicht fett machen". Gewässerschutz hört nicht an nur einem Punkt auf, darüber sind sich wohl alle einig, die von dem Thema eine Ahnung haben.

Gruß Erklärbär
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Re: Kormorane

Beitrag von Redux » 11. Nov 2019, 09:24

Blödsinn hier geht es doch wieder nur um die Finanzinteressen bestimmter Leute mit der Äsche als Greenwashing Orden.
Geh mir aus der Sonne, Alexander

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Re: Kormorane

Beitrag von Lutra » 11. Nov 2019, 11:08

Erklärbär hat geschrieben:
10. Nov 2019, 22:13

Ich meine, wir haben keine reine Natur mehr, sondern wir müssen unsere Habitate möglichst für Menschen und Tiere organisieren.
Langer Rede kurzer Sinn, genau das haben wir oder unsere Vorfahren getan, aber nur für Menschen. Tiere sind nur insoweit interessant, wie sie genutzt werden können oder uns erfreuen durch Gesang oder schönes, niedliches Aussehen. Die Erkenntnis, das Natur als solche einen Wert hat und unseren Schutz verdient, kommt erst ganz langsam zum Tragen und ruft sogleich massive Widerstände hervor von den reinen Naturnutzern. Leider wird sich das rächen, da wir selbst Teil der Natur sind. Die Erkenntnis ist simpel, wird aber trotzdem geflissentlich verdrängt.
Zurück zum Kormoran. Ja, in Sachsen gibt es die Vergrämungsabschüsse und mancher Fischwirt verbringt ein Drittel seiner Arbeitszeit damit, die im Winter bis aus dem Baltikum einstreichenden Kormoranschwärme von einem Fischteich zum anderen zu treiben, wobei sie immer hungriger werden. Und es ist auch so, dass professionelle Fischwirte ohne verschiedene Förderungen gar nicht mehr um die Runden kämen. So nutzen sie das Programm "Naturgemäße Teichwirtschaft", kassieren Ausgleich für Otterschäden, haben vor der Kormoranverordnung auch große Summen Entschädigung für diesen Vogel bekommen. Gleichzeitig klappt es nicht so recht mit der Vermarktung der Karpfen. Die werden jetzt teilweise über den ganzen Winter gehältert, finden keine Kundschaft, um dann unter Aufwandspreis notgedrungen losgeschlagen zu werden. Alles nicht so einfach. Vor allem gibts keine einfachen Lösungen.

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Re: Kormorane

Beitrag von Erklärbär » 11. Nov 2019, 13:38

Es gibt keine einfachen Lösungen.

Aber es gibt effektive Lösungen. Wenn man z.B. an der Stelle ansetzt, wo die höchsten Schädigungen eintreten.
Im Hinblick auf Schäden an den fischereilich bewirtschafteten Beständen wird von den Bundesländern seit 20 Jahren der Fischfraß durch Kormorane an erster Stelle genannt.
(Quelle: Jahresfischereibericht zur Deutschen Binnenfischerei 2017)

Mein Fazit: Kormoranbestände europaweit regulieren!

Vermarktung ist ein ganz anderes Thema. Karpfen haben nicht den höchsten Anteil an der Vermarktung von Süsswasserfischen. Regenbogenforellen sind z.B. ungleich bedeutsamer. Und von denen wird unnötigerweise 5 Mal mehr importiert als selber produziert.
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Re: Kormorane

Beitrag von Nina » 11. Nov 2019, 15:38

Lutra hat geschrieben:Die Jagd auf diese Arten bringt in der Beziehung was, dass man sagen kann, man tut was für bedrohte Arten und Berufsstände, ohne wirklich was tun zu müssen. Gleichzeitig haben noch Leute ihren speziellen Spaß dabei. Herz, was willst du mehr?
Genauso ist es, Lutra.

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Re: Kormorane

Beitrag von Erklärbär » 11. Nov 2019, 23:25

War eigentlich klar, dass von den Foristen hier keine pragmatischen Vorschläge kommen, wie mit der Kormoranproblematik umzugehen ist.

Ein "der Natur ihren Lauf lassen" konnte fachlich nicht begründet werden. Stattdessen werden Nebelkerzen gestreut, es ginge nur um Profit und um den Spass am Ballern.

Dass das Ganze dermaßen realitätsfremd und oberflächlich zerfleddert wird, hätte ich dann doch nicht gedacht, wird doch beim Thema Wolf stets Diskussionsbereitschaft eingefordert.

Den Thread kannst Du ab hier sperren, Lutra. Mehr kommt da wohl nicht mehr, über das sich zu reden lohnt.
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Re: Kormorane

Beitrag von Lutra » 12. Nov 2019, 06:48

Erklärbär, Deine Variante, den Brutpaarbestand in ganz Europa zu reduzieren auf einen Stand, wo der Einfluß auf die Fischfauna minimal wäre, ist wohl illusorisch. Wer sollte das durchsetzen und dann auch praktizieren/finanzieren, wo wir doch schon wieder beim Geld wären?
Du schriebst selbst weiter oben bzw. verlinktest entsprechende Seiten, wie der Bestand gestiegen ist von einer minimalen Ausgangszahl her.

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