Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Über freilebende Wölfe in Deutschland.
zaino
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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von zaino » 18. Nov 2017, 01:23

Wie dicht bevölkert ist Ostpolen, bitte?

Und wie viele Ostpolen regen sich auf, wenn sie mal irgendwo ein Wölfchen sehen, und melden das?

Wie relevant wäre das dann statistisch gesehen?

Welchen statistischen Wert haben solche Bemerkungen bitte?

Twizzle.... muahahaha...

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SammysHP
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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von SammysHP » 18. Nov 2017, 08:51

Vor ein paar Tagen wurde von der Pressestelle der Polizei hier in der Nähe eine Meldung rausgegeben, dass ein verängstigter Wolf am Ortsrand gesehen wurde, der weggelaufen ist. Ein normales Verhalten, aber immer noch Wert, von der Polizei bekannt gegeben zu werden. Wolfssichtungen sind halt noch nicht zur Normalität geworden.

Nina
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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von Nina » 19. Nov 2017, 12:49

Benjamin 2015 hat geschrieben:
Redux hat geschrieben: So so und nocheinmal wer behauptet daß die Wölfe im Baltikum scheu und nachtaktiv sind ?
Das haben z.B. die Wolfsexperten Gesa Kluth und Ilka Reinhardt gesagt und geschrieben. Sie haben dies vor allem im Bezug auf die Lausitzer Wölfe gesagt.
LG
Benjamin
Benjamin2015 hat offensichtlichen Nachholbedarf in Sachen Faktensicherheit. Aber wir helfen ihm ja gern. ;)

Gesa Kluth und Ilka Reinhardt schrieben im Skript 201 für das Bundesamt für Naturschutz wörtlich:
Wölfe, wie auch andere Tiere, haben keine "arttypische" Scheu vor menschlichen Siedlungen oder Strukturen. Auch die Scheu vor dem Menschen ist nicht angeboren, sondern individuell erworben. Davon kann sich ein jeder in den Nationalparken dieser Welt überzeugen. Dort, wo Tiere den Menschen nicht als Feind kennen gelernt haben, ignorieren sie ihn in aller Regel. Um in der Kulturlandschaft leben zu können, müssen Wildtiere menschliche Strukturen und auch die Anwesenheit von Menschen bis zu einem gewissen Grade tolerieren."

(S. 111) BfN-Skript 201 (2007):"Leben mit Wölfen Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland Ilka Reinhardt/Gesa Kluth https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/docume ... ipt201.pdf
In Bezug auf die Lausitzer Wölfe schrieben Kluth/Reinhardt:
Selbst in einem so dünn besiedelten Gebiet wie der Oberlausitz, ist ein fast tägliches Zusammentreffen von Mensch und Wolf nahezu unvermeidbar. Wölfe werden gesehen, wenn sie Straßen oder Felder überqueren. Anfangs sind die Leute überrascht oder auch beunruhigt, wie nahe sich Wölfe an die Siedlungen "trauen". In der Dunkelheit laufen die Tiere häufig an den Dörfern entlang und kürzen den Weg auch schon mal durch nicht eingezäunte Gärten ab. Die Menschen brauchen einige Zeit, um das für sie zunächst ungewöhnlich wirkende Verhalten zu verstehen und in den richtigen Kontext zu stellen. [...] Durch die Vermittlung möglichst detaillierter Kenntnisse über die "eigenen Wölfe", kann es sogar gelingen, eine Art Vertrautheit im Zusammenleben mit dem Neubürger zu erreichen.

BfN-Skript 201 (2007):"Leben mit Wölfen Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland Ilka Reinhardt/Gesa Kluth(S. 80) https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/docume ... ipt201.pdf
In Niedersachsen, wo Jagd- und Agrarlobby besonders gut vernetzt sind in Politik und Medien, sind die Wölfe angeblich "auffälliger".
Warum wohl? Da hat Benajmin2015 jetzt doch mal 'ne anspruchsvolle Denkaufgabe.

Kleiner Tipp: Die finanziell gut ausgestattete und daher hervorragend vernetzte PR der Jagd- und Agrarlobby nutzt gezielt das Phänomen, das Kluth und Reinhardt ebenfalls bereits 2006 vorhergesagt haben:
Mit Zunahme und Ausbreitung der Wolfspopulation wird auch mit einem Ansteigen von problematischen Situationen zu rechnen sein, vor allem aber mit einer Zunahme der empfundenen Problematik. Mehr Wölfe verursachen mehr Schäden, unter anderem an ungenügend geschützten Nutztieren. Solche Vorkommnisse verteilen sich dann zwar auf eine größere Fläche, können sich aber möglicher Weise durch entsprechende Berichterstattung der Medien in den Köpfen der Bevölkerung summieren. Die Anzahl der "empfundenen Problemwölfe" nimmt zu.

BfN-Skript 201 (2007):"Leben mit Wölfen Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland Ilka Reinhardt/Gesa Kluth(S. 113) https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/docume ... ipt201.pdf

Wolfs-Theoretiker
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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von Wolfs-Theoretiker » 12. Okt 2019, 20:40

Hallo Benjamin2015.
habe mal diesen Thread aufgegriffen, weil im Beitrag "Normale Wolfssichtung", nach hierhin verlinkt wurde.
Habe alle Beiträge der schon vorhandenen 5 Seiten gelesen und frage mich warum keine der an Dich gerichteten Beiträge,
eine Antwort auf Deine Frage enthält. Es wurden Gegenfragen gestellt etc..
Ach ich werde Dir im Vorfeld keine Antwort in zwei, drei Sätzen geben, aber vielleicht am Ende meines Beitrages
wenn Du sich nicht schon nach dem Lesen des Textes Deine Frage wie von selbst erledigt hat.
Benjamin2015 hat geschrieben:
14. Nov 2017, 20:51
Redux hat geschrieben:
14. Nov 2017, 20:49
So so und nocheinmal wer behauptet daß die Wölfe im Baltikum scheu und nachtaktiv sind ?
Das haben z.B. die Wolfsexperten Gesa Kluth und Ilka Reinhardt gesagt und geschrieben. Sie haben dies vor allem im Bezug auf die Lausitzer Wölfe gesagt.
LG
Benjamin
Das mit dem benennen der Namen der beiden Wolfsexpertinnen war gut gemeint von Dir. Ich selbst halte sehr viel von den beiden
Wolfsforscherinnen der ersten Stunde und das nicht erst ab dem Jahr 2000, denn Ilka Reinhardt sagte unter anderem, daß sich die
Wölfe schon seit 1996 (im Grenzgebiet der BRD nach Polen hin) tummeln. Auch sonst verdient die Arbeit der Beiden höchstes Lob.
Doch auch Wissenschaftler müssen, bei der Beantwortung von heiklen Fragen, genau abwäägen was sie sagen. Auch bei diesen beiden
Frauen ist dies der Fall, denn in vielen Texten von Wissenschaftlern findet man sinngemäß Worte wie: "kann" und "zur Zeit" oder "wenn, dann nicht ausgeschlossen" etc.. , also keine geradeaus gemachte Aussagen, sondern nicht am Thema vorbei, aber nichts Endgültiges.

Doch bevor es zum eigentlichen Thema geht, noch ein kleiner Hinweis, wo was zur Dämmerungs- und Nachtaktivität der Wölfe steht.
https://deutschewildtierstiftung.de/wildtiere/wolf

Ja es gibt Unterschiede im Verhalten der Wölfe in Bezug auf die Scheu. Wobei ich das Wort Scheu eigentlich so nicht akzeptiere,
und auf meine Beiträge verweise und es eigentlich um Fluchtdistanz geht bzw. wäre es angebrachter von einem Abwehrverhalten zu
sprechen, welches sowohl "Rückzug" und "Angriff" also Fliehen oder Kämpfen, wenn das verständlicher ist. Doch hierzu ist immer eine
Distanz zum Gegenüber oder einer Beute ausschlaggebend. Die Distanz und auch das Abwehrverhalten ist bei den Wölfen individuell.
Deine Frage war zielgerichtet, warum sich die baltischen Wölfe anderst verhalten, als die Wölfe in unserem Land.
Da sind als erstes zu erklären, daß sich zwischen irgend einem Punkt in der Mitte Sachsen bis zum ostpolnischem Dreiländereck mit
Litauen und Weißrussland eine Luftlinie von ca. 770 km befindet, welche als Fahrstrecke dann ca. 960 km sind. Außerdem sind ist die
anthropogen Infrastrukturen sehr unterschiedlich, so auch die Wolfsdichte und die Bevölkerungsdichte, was dann zur Folge hat,
daß es zu wesentlich weniger Wolfssichtungen kommt als z.B. in Sachsen oder in den anderen Wolfs-Bundesländern.
In Bezug auf die Beuteverfügbarkeit, da wird es keine großartigen Unterschiede geben, wohl aber durch die reichliche Besiedlung und
den vielen Ruhestörungen bzw. die ständige Anwesenheit von Menschen, so daß es zu erheblich mehr Wolfsichtungen oder Begegnungen kommt. Die Unterschiede Im Abwehrverhalten ergeben sich also daher, wo ist der Wolf aufgewachsen was wurde ihm vererbt und woran ist er gewöhnt(was hat er erlernt). Hier kann man deutlich erkennen, obwohl gleichen Abstammung, es gibt eine unterschiedliche Verhaltens-
entwicklung. Ich bleibe mal bei nur zwei beispielhaften Verhaltensweisen innnerhalb eines Rudels oder einer Population.
Natürlich gibt es noch viele weitere Unterswchiede dem Verhalten betreffend oder andere Merkmale in Größe und Farbe etc ...,
wodurch sich die Wölfe innerhalb einer Population differenzieren. Hierzu kann ich nur sagen: "Mendel läßt grüssen".
Oder wie es jetzt so schön heißt: "Molekularbiologie/Genetik". Naja, dies nur mal kurz eingestreut und zurück zum Thema.
Was ich meine ist, unterschiedliches, durch Gene ererbtes Verhaltensanlagen ermöglichen die Anpassung an verschiedene Lebensräume
und Ökosysteme. Aber auch die vom Menschen ausgehenden, unterschiedlichen Einflüsse bestimmen das Verhalten des Wolfes,
was bis zur Vermischung/Beimischung von Hunde-Gene in ein Rudel/Population führen kann. Doch hierzu komme ich ein anderes Mal.
Wieder zurück zu meinen zwei Beispiele.
1.) Es ist zum Ersten das Verhalten in nicht gestörten oder zumindest in wenig gestörten Landschaften(Ost-Pole/Baltikum oder so).
Hier hat der Wolf kaum Kontakt zum Menschen oder meidet die Nähe zum Menschen, hier lebt der Wolf in schwer zugänglichem Gebiet,
mit ausreichend Beutetieren und wenig Verkehrswegen. Mit diesem Wolf würde es wenig Konflikte geben(auch wenig Sichtungen).
2.) Zum Zweiten in stark anthropogen beeinflusste Landschaften und deren Störeffekten, welche auch teilweise auf die Beutetiere
einwirken, was bis zu einer vorübergehenden, eingeschränkten Verfügbarkeit führen kann(das Damwild-Rudel bestand aus 70 bis 90
Tieren bevor sich hier Rudel ansiedelten, jetzt sind es nur noch 20 Stück Damwild, die Wölfe verlassen den TÜP über den Zaun und
jagen ausserhalb oder so, so stand es jedenfalls in dem von Dir angeführten Bericht). Hier begibt sich der Wolf in die Nähe zum Menschen
und ernährt sich von Abfällen, Aas und allem Fressbarem, was sich in Menschennähe oder auch im Umland finden läßt.
Wovon Haus-und Weidetiere nicht ausgeschlossen sind. Zu den Abfällen und dem Aas muß ich einräumen, daß bei uns in der BRD eine
gute Abfall-/Restmüllentsorgung und Aasbeseitigung gibt und somit fallen diese beiden Arten der Anfütterung flach.
Aber Rumänien, Bulgarie und ich weiß nicht wo. Naja, ist auch egal, jedenfalls das unter 2. beschriebene Verhalten und die Lebensweise
gleicht einer Synanthropie, denn diese Wölfe haben sich zweifelsfrei an den menschlichen Siedlungsbereich angepaßt.
Wahrscheinlich auch an den Lebensrytmus der Menschen auch, denn es ist alles mehr oder weniger die Habituierung,
welche sich durch oft und regelmäßig wiederholte Tätigkeiten aus dem Alltagsleben der Menschen so ergibt.
Irgendwann hat der Wolf geschnallt, man muß vor dem Menschen keine Flucht ergreifen und er wendet sich demonstrativ noch um,
wenn er gemessenen Schrittes das Weite sucht oder im Unterholz eintaucht. Ja so verhalten sich unsere Wölfe in der BRD.

Die Basis für das Auseinandergehen von 1.) und 2.) ist die Ungleichartigkeit der Population, hinsichtlich genetisch im Voraus bestimmter
Ausprägung der instinktiven Furcht innerhalb des Abwehrverhaltens zum Menschen. Im Allgemeinen auch was der Wolf über den Menschen
in seinem Habitat gelernt hat und an seine Welpen weitergibt.
(Wer Angst hat, hält sich versteckt und läßt sich so wenig wie möglich sehen, deshalb kaum Sichtungen)

Das Abwehrverhalten/Furcht bezieht sich in Ländern, in denen die Wölfe bejagt werden(wie im Baltikum und Weissrussland).
Ich meine, unsere Wölfe aus der ZEP können nicht unterscheiden, ob ein Mensch mit einem Gewehr bewaffnet ist oder nicht.
In den Ländern, wo die Wölfe regelmäßig bejagt werden, da löst ein Gewehrträger eine unterschiedliche Reaktion aus,
denn die können Gewehre erkennen. Die Reaktion der Wölfe ist dem entsprechend, entweder ein sehr seltenes,
aktives Verteidigungsverhalten, aber meistens bleibt es ein passives Abwehrverhalten und der Wolf macht sich davon.
Doch in Zeiten geringer Bestandsregulierung überwiegt hingegen aktives Verteidigungsv erhalten, er demonstriert,
er bleibt stehen und beäugt den Menschen. Das heißt für mich:
"Fehlen Regulierungsmaßnahmen, so werden die aggressiven Anlagen nicht mehr durch die instinktive Furcht kontrolliert".

Ja die vorangegangenen 8 Zeilen hätten nichtz sein müssen, aber Du solltest auch noch diesen Sachverhalt kennenlernen,
denn das ist der Hauptgrund, warum Du auf Deine Frage bis jetzt keine Antwort bekommen hast. Ich bin kein Wolfsgegner,
aber ich versuche noch, so viel es geht über Wölfe zu erfahren und darüber zu schreiben, damit wir das Wissen teilen können.

Der Wolf wird quasi zur SYnanthropie gezwungen,was bleibt ihm auch anderes übrig.
In Sachen Anpassen ist sich der Wolf und der Mensch ziemlich ähnlich. :lol:

In dem Sinn, mache Dich weiter schlau.

Grüsse, WT
"Die Natur betrügt uns nie. Wir sind es immer, die wir uns selbst betrügen." Jean-Jacques Rousseau

zaino
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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von zaino » 12. Okt 2019, 21:29

Hm,
einerseits werden weniger Wölfe gesehen, weil mehr Platz, keine Habituierung an ein Habitat MIT Mensch u.s.w. Also Baltikum und Ostpolen.
Andererseits kommt dann die Behauptung, sie wären dort "scheuer" und mehr nachtaktiv, weil sie bejagt würden.
Wie will man das nachweisen, wenn man sie doch kaum sieht weil Land zu groß, Leute zu wenig, u.s.w. u.s.w.?
Und wo ist da die Logik bitte?

Also warum wird da immer wieder gezerrt und gezuppelt und hintenrum gehetzt, um doch bitte bitte endlich die bösen Isegrims wieder totschießen zu dürfen? Garantiert weder die Sicherheit Rotkäppchens noch der sieben Geißlein...

Und zum drölfundneunzigsten Male: Wir haben durchaus die gestellten Fragen beantwortet. Sie werden nur nie von irgendwelchen Gehirnen aufgenommen, scheints. Will man nicht oder kann man nicht oder beides? Oder darf man keinen Denkprozess voraussetzen? Muss man anders formulieren?

Nur, weil man im dichter besiedelten Land öfter mal ein Wölfchen sieht, heißt das noch lange nicht, dass da jetzt eine gewaltige Verhaltensveränderung sich anbahnt. Zunächst hat man nur die statistisch höhere Sichtungs-Wahrscheinlichkeit UND/oder eine Reaktion auf den Menschen im dichter besiedelten Raum. Nicht mehr, nicht weniger.

Erklärbär
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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von Erklärbär » 13. Okt 2019, 00:19

Wo wurden hier Fragen beantwortet? LOL. :lol:

Lutra
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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von Lutra » 16. Okt 2019, 14:09

Erklärbär hat geschrieben:
13. Okt 2019, 00:19
Wo wurden hier Fragen beantwortet? LOL. :lol:
Immer wieder die gleiche Antwort:
Du kapierst es nicht!
LOLLOLOOoo

Nina
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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von Nina » 16. Okt 2019, 17:56

Wolfs-Theoretiker hat geschrieben:Doch auch Wissenschaftler müssen, bei der Beantwortung von heiklen Fragen, genau abwägen was sie sagen. Auch bei diesen beiden Frauen ist dies der Fall, denn in vielen Texten von Wissenschaftlern findet man sinngemäß Worte wie: "kann" und "zur Zeit" oder "wenn, dann nicht ausgeschlossen" etc.. , also keine geradeaus gemachte Aussagen, sondern nicht am Thema vorbei, aber nichts Endgültiges.
Das unterscheidet sie von Populisten, Rattenfängern, Angst- und Stimmungsmachern, die komplexe Themen auf einfache Schwarz-Weiß-Malerei herunterbrechen und mit simplen vermeintlichen Lösungen aufwarten, die bei genauer Betrachtung allerdings nur ihrem Eigeninteresse dienen.

Kein seriöser Wissenschaftler wird sich festlegen, wann datumsgenau welcher Krebs heilbar sein wird, um wieviel auf den Millimeter genau der Meeresspiegel bis 2056 angestiegen sein wird, ob wir 2032 weiße Weihnachten bekommen oder in welchem Monat in welchem Jahr das erste Flugtaxi den Fahrgastbetrieb aufgenommen haben wird. Unglaublich, was für naive Vorstellungen in manchen Köpfen umherschwirren. Das sind offenbar genau die Menschen, die für die simplen Versprechen der Populisten empfänglich sind, weil sie die komplexe Welt nicht begreifen können oder wollen.

Das eröffnet natürlich auch Raum für krude Theorien, gespeist allein aus Phantasie und unendlichem Vorstellungsvermögen, leider nur fernab der Realitäten.

Frage 1: Wenn Wölfe durch Bejagung "Scheu vor dem Menschen" erlernen würden - warum fanden dann sämtliche der seltenen tödlichen Wolfsangriffe auf Menschen in bejagten Populationen statt?
Häufig wird behauptet, dass Wölfe in unbejagten Populationen früher oder später ihre Vorsicht gegenüber dem Menschen verlieren und gefährlich für den Menschen werden können. Dafür gibt es in der wissenschaftlichen Literatur keinen Beleg. [...] Die wenigen aus Europa bekannten Fälle nach 1950, in denen nicht tollwütige wilde Wölfe Menschen getötet haben, geschahen in bejagten Populationen.

Bericht des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zur Lebensweise, zum Status und zum Management des Wolfes (Canis lupus) in Deutschland vom 28.10.2015, S. 65-66 https://www.bundestag.de/resource/blob/ ... b-data.pdf
Zudem zeigen die regelmäßigen Jagdunfälle nicht nur in Deutschland, dass von der Hobbyjagd selbst ein weitaus größeres Risiko für Menschen und die meisten Haustiere ausgeht, als die bislang herbeigeredete und aktuell nur theoretisch existierende Gefahr durch wildlebende Wölfe.

Frage 2: Wenn Wölfe durch Jagd erlernen würden, dass durch den Menschen Gefahr droht, warum lernen sie dann nicht analog, dass die lauten Blechkisten mit Scheinwerfern und Reifen eine Gefahr darstellen? Oder die illegale Jagd? Bei mittlerweile 394 verkehrstoten Wölfen und 49 größtenteils illegalen Abschüssen (Dunkelziffer höher) scheint die "Lernfähigkeit" dieser Tiere in Bezug auf die anthropogenen Risiken doch etwas überschätzt.
Es ist weiterhin bisher nicht wissenschaftlich belegt, dass eine Bejagung die Scheu der Wölfe dem Menschen gegenüber erhöhen würde.[...] Eine Verknüpfung schlechter Erfahrungen (hier Bejagung) kann nur dann zum Menschen geschehen, wenn sich dieser bei den einwirkenden aversiven Reizen nahe genug am Wolf befindet. Der so bejagte Wolf muss zudem noch überleben, um seine Erfahrungen weitergeben zu können. Die Methoden vergangener Jahrhunderte sind heute nicht mehr akzeptabel und – anders als beim Schalenwild – werden vermutlich selbst Treib- Bewegungsjagden auf den Wolf auch zukünftig keine Option sein. Bei der Ansitzjagd ist eine Verknüpfung des aversiven Reizes zum Menschen jedoch schwer herzustellen. Viel wahrscheinlicher könnte es hingegen eine Verknüpfung zum Ort des Geschehens geben, da menschlicher Geruch in unserer dichtbesiedelten Gesellschaft allgegenwärtig ist.
Überspitzt ausgedrückt könnte ein bejagter Wolf heute vielmehr lernen, den jagdintensiven Ort „Wald / Feld“ zu meiden und stattdessen die jagdberuhigte Nähe von Siedlungen zu suchen.


Birgit Mennerich-Bunge: Eine amtstierärztliche Sicht auf die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland, Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle, 23. Jahrgang – 4 / 2016, Seite 226 ff. https://www.vetimpulse.de/fileadmin/use ... Wolfes.pdf
Der Umkehrschluss, dann müsse den Wölfen eben mittels Bejagung Respekt beigebracht werden, läuft ins Leere. Habituierung geschieht ständig und läuft unbewusst ab. Sie ist daher kaum zu beeinflussen. Mit anderen Worten: Wenige negative Erfahrungen mit einzelnen Menschen in einzelnen Situationen und an einzelnen Orten löschen nicht die vielfältigen neutralen menschlichen Reize in der Umwelt des Wolfes. Eine Bejagung kann bereits aus diesem Grund nicht die Scheu des Wolfes allgemein gegenüber Menschen erhöhen, allenfalls punktuell gegenüber bestimmten Situationen an einzelnen Orten zu bestimmten Zeiten. Daneben kann ein Wolf schwerlich einen aus größerer Entfernung abgegebenen Schuss mit dem Menschen verknüpfen, so er denn überhaupt überlebt, um die Erfahrung weiter zu geben. Hingegen lernen Wölfe schnell, dass im Zuge größerer Jagden auch für sie leichte Beute (angeschossene Tiere, Aufbrüche) anfällt und Schüsse somit etwas Vielversprechendes sind. Tatsächlich werden Wölfe in Deutschland bereits (illegal) bejagt: von 135 seit 2012 bis zum 10.4.2018 im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) untersuchten Wolfstotfunden waren 29 Tiere illegal durch Schuss getötet worden, weitere 8 Wölfe mit anderer Todesursache enthielten Geschosspartikel. Die Dunkelziffer wird um ein Vielfaches höher liegen. Einen Effekt auf die Scheu hatte das bisher nicht.

Birgit Mennerich-Bunge: Muss der Wolf Respekt lernen? Erfahrungen aus Niedersachsen, Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle 25. Jahrgang – 2 / 2018, Seite 3 https://www.elli-radinger.de/wp-content ... lernen.pdf

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Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von zaino » 16. Okt 2019, 18:03

Negative Habituierung: z. B. starker Stromschlag am Zaun, lautes Hupen, Anschreien, Gummigeschosse, oder irgendwas fällt mit Krawumm um während sie wo durchschleichen - Aber wenn ich die TOTschieße, können sie in der Tat nix "Gelerntes" weitergeben.
OK, wenn ich ins Rudel 'reinballere und sie checken irgendwie, dass ein Familienmitglied tot ist - merken sie sich sowas? Oder vermenschlicht man sie nicht, wenn man das voraussetzt?

Auf alle Fälle: Unbeweisbarer Schwachsinn so insgesamt gesehen, nichts, worauf man wirklich bauen kann.

Es ist viel wahrscheinlicher, dass ein Wolf, der entsprechend angeschossen wurde, einen Teil seiner Jagdfähigkeit verliert und sich auf Ziegenklau statt auf Rehwildjagd verlegt, weil er da nicht so rennen muss... Wieder ein Grund mehr gegen die Jagd.

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Redux
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Wohnort: Herzkammer der Rheinischen BRD

Re: Verlieren die Wölfe in Deutschland die große Scheu vor Menschen?

Beitrag von Redux » 16. Okt 2019, 19:19

Wir brauchen diesen blöden Threat nicht vorne auf der Liste
Nichts hat auf Dauer bestand !

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