"Wolf tötet nicht waidgerecht"

Nachrichten in Zeitung, Fernsehen, Radio usw. Wenn möglich, bitte spezifischeres Forum wählen.
Antworten
Benutzeravatar
Nina
Beiträge: 1766
Registriert: 10. Feb 2016, 13:25

"Wolf tötet nicht waidgerecht"

Beitrag von Nina »

In der NDR-Sendereihe "DAS!" durfte am 22.06.2022 der Jäger und Anwalt Christian Teppe im Interview mit Hinnerk Baumgarten seine Sicht auf die Jagd und den Wolf darlegen. Denkt man doch immer, dass man schon sämtliche Argumente gehört hätte, um den Wolf zu bejagen, so kannte ich dieses bislang noch nicht:

Bejagungsgrund: Die Wölfe töten nicht waidgerecht!
Die Wölfe sollen so bejagt werden, wie wir auch anderes Raubwild bejagen. Wir bejagen ja auch Füchse. Wir bejagen Waschbären. Oder Marderhunde. Und auch das kann man mit den Wölfen machen. Da muss man jetzt nicht komplett alles unter Schutz stellen. Wenn etwas so privilegiert wird, dann leidet das andere darunter. Und das sehen wir ja jetzt nicht nur bei der Weidewirtschaft, das sehen wir auch in den Revieren! Und wenn man sich das mal so angehört hat, wie so Tiere schreien, wenn sie von den Wölfen gerissen werden, oder, wir haben bei uns im Revier auch so Aufnahmen gemacht, wie dann so'n Wolf mit 'nem Rehkitz im Fang dann durch den Wald läuft - das ist wirklich nicht schön, da leidet man mit. Und es ist ja auch nicht so, dass das, was wir Jäger machen, was als Anspruch an uns gestellt wird: Dass ein Stück Wild sofort tot sein muss - so tötet ja kein Wolf! Sondern, da gibt's 'nen Kehlbiss und sobald das Stück Wild eben wehrlos ist, nicht tot, sondern wehrlos ist, wird angefangen zu fressen.

NDR, DAS!, 22.06.2022: Anwalt und Jäger Christian Teppe im Interview mit Hinnerk Baumgarten https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... 28642.html
Darauf wirft Moderator Hinnerk Baumgarten ein:
Aber das ist natürlich auch natürlich. Also der Wolf könnte da ja auch als natürlicher Regulator der Wildbestände miteingreifen.

NDR, DAS!, 22.06.2022: Anwalt und Jäger Christian Teppe im Interview mit Hinnerk Baumgarten https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... 28642.html
Das aber lässt der Herr Teppe nicht gelten:
Ja, aber - es ist ja immer die Frage, wer steht an der Spitze der Nahrungskette? Und wir haben inzwischen ja Jagdrechte, wo wir den Tierschutzgedanken auch ins Feld führen. Und wo wir uns alle daran als Konsenz verständigt haben, dass Jagd tierschutzgerecht erfolgen soll. Wir Jäger sagen waidgerecht. Also die Grundzüge der Waidgerechtigkeit, der § 3 des Bundesjagdgesetzes hat uns das so richtig eingepflanzt in's Herz. Und das, wie die Wölfe töten, das ist nicht waidgerecht.

NDR, DAS!, 22.06.2022: Anwalt und Jäger Christian Teppe im Interview mit Hinnerk Baumgarten https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... 28642.html
Na dann erzähle ich beizeiten mal dem Igel bei seiner nächsten Käfermahlzeit, der Blindschleiche, der Kröte und der Amsel beim Schneckenverdrücken, dem Eichhörnchen beim Nesterplündern, dem Sperber beim Vogelrupfen, dem Sonnentau beim Verdauen lebender Insekten usw. usw. usw., dass sie sich alle demnächst besser an § 3 des Bundesjagdgesetzes halten. Nicht, dass ihnen noch die Aufnahme ins Jagdrecht droht... Manche menschlichen Jäger scheinen sich für unverzichtbar für die Natur zu halten. Wir hat es die Natur nur über Hunderte Millionen Jahre geschafft, sich so phantastisch und vielfältig zu entwickeln, so ganz ohne den modernen Waidmenschen... :roll:
Benutzeravatar
Nina
Beiträge: 1766
Registriert: 10. Feb 2016, 13:25

Re: "Wolf tötet nicht waidgerecht"

Beitrag von Nina »

Also im Gegensatz zum Wolf tötet der menschliche Jäger waidgerecht... behauptet er jedenfalls.
Brutales Video schockiert das Internet - Jäger ertränkt Hirsch in Gartenteich

BILD, 15.01.2023: Brutales Video schockiert das Internet - Jäger ertränkt Hirsch in Gartenteich https://www.bild.de/news/2023/news/mann ... .bild.html
Mann sticht auf hilflosen Hirsch ein – Video sorgt für Aufsehen

[...] Dann geht ein Mann ins Wasser, packt das Hirschgeweih und sticht mit einem Messer auf das Tier ein. Das Wasser färbt sich blutrot, nach einem minutenlangen Todeskampf stirbt der Hirsch. Diese Szenen sind in einem knapp sechsminütigen Video zu sehen, das in den sozialen Medien kursierte, wie das "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND) berichtet.

t-online, 15.01.2023: Mann sticht auf hilflosen Hirsch ein – Video sorgt für Aufsehen https://www.t-online.de/region/berlin/i ... nter-.html
Das Video geht knapp 6min und zeigt einen jungen Rothirsch, der während einer Drückjagd in befriedetes Gebiet (Wohnsiedlung, jagdfrei) geflüchtet ist und dabei in einem größeren Gartenteich festsitzt. Diesen versucht er wieder zu verlassen. Hinderlich ist dabei der glatte Untergrund (Teichfolie) und zwei Jagdhunde (sog. Schweißhunde), die ihn teils im Wasser und von Landseite aus bedrängen und unter massiven Druck setzen. [...] Als der Nachsucheführer den Teich betritt, steigert sich bei dem Hirsch naturgemäß noch einmal die Todesangst und Panik. Mit aller Kraft versucht er den Teich zu verlassen, was ihm trotz Jagdhund vor ihm am Ufer fast gelingt, doch der Nachsucheführer ist heran und über und neben ihm und setzt den sogenannten Kammerstich. [...] Der Hirsch wehrt sich mit aller Kraft, wendet sich, gerät wieder tiefer in den Teich. Der Nachsucheführer nimmt quasi auf dem Rücken des Tieres eine Reiterstellung ein, hält das Tier, sticht weiter zu, wirft das Messer an den Uferrand, hält das sich verzweifelt wehrende Tier am Geweih fest.
Danach lässt er sich das Messer wieder geben, sticht und schneidet wieder in der offenen Wunde, verliert das Messer. Der Teich verfärbt sich blutrot.
Weiterhin versucht er, das um sein Leben kämpfende Tier zu ertränken, indem er, beide Hände am Geweih, den Kopf des Tieres immer wieder unter Wasser drückt. Das Tier erleidet Höllenqualen, es blutet aus und es ertrinkt. Selbst als der Nachsucheführer das Tier loslässt, windet es sich noch im allerletztem Todeskampf.


Wildtierschutz Deutschland, Sektion Niedersachsen, 13.01.2023: Rothirsch erleidet minutenlange Todesqualen - privates Video sorgt für Entsetzen https://www.facebook.com/people/Wildtie ... 976331333/
Hier sei nochmal kurz an die Aussage des Jägers Christian Teppe erinnert, dass der Wolf nicht waidgerecht töten würde:
Und wenn man sich das mal so angehört hat, wie so Tiere schreien, wenn sie von den Wölfen gerissen werden, oder, wir haben bei uns im Revier auch so Aufnahmen gemacht, wie dann so'n Wolf mit 'nem Rehkitz im Fang dann durch den Wald läuft - das ist wirklich nicht schön, da leidet man mit. Und es ist ja auch nicht so, dass das, was wir Jäger machen, was als Anspruch an uns gestellt wird: Dass ein Stück Wild sofort tot sein muss - so tötet ja kein Wolf! [...] Und wo wir uns alle daran als Konsenz verständigt haben, dass Jagd tierschutzgerecht erfolgen soll. Wir Jäger sagen waidgerecht. Also die Grundzüge der Waidgerechtigkeit, der § 3 des Bundesjagdgesetzes hat uns das so richtig eingepflanzt in's Herz. Und das, wie die Wölfe töten, das ist nicht waidgerecht.

NDR, DAS!, 22.06.2022: Anwalt und Jäger Christian Teppe im Interview mit Hinnerk Baumgarten https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... 58314.html
Nun ist der Hirsch ist nicht so einfach ohne Grund im Gartenteich gelandet, sondern wurde während einer Jagd angeschossen und befand sich panisch auf der Flucht.
Wie der Anwalt des Jägers [...] gegenüber der "Märkischen Zeitung" angibt, sei der Rothirsch bei einer Jagd am Hinterlauf getroffen worden und daraufhin in den nahegelegenen Gartenteich eines Revierpächters geraten.

t-online, 15.01.2023: Mann sticht auf hilflosen Hirsch ein – Video sorgt für Aufsehen https://www.t-online.de/region/berlin/i ... nter-.html
Der Rechtsanwalt räumt ein, dass die Bilder auf dem Handy-Video auf „jagdlich und wildbiologisch unerfahrene Personen erschreckend“ wirken können. Das sei aber unvermeidbar, denn das Tier habe sich hier nicht mehr aus dem mit Folie ausgelegten Teich selbst befreien können. [...] Dazu habe er – wie im Video und auf den Bildern zu sehen – ein „Abfangmesser“ eingesetzt. Wörtlich ließ Anwalt Granzin mitteilen: „Unser Mandant erlöste den schwer verletzten Hirsch sodann weidgerecht und legal durch Einstechen in das Schulterblatt.“

Berliner Zeitung, 15.01.2023: Tier-Drama in Brandenburg - Verletzter Hirsch im Gartenteich mit Messer getötet https://www.bz-berlin.de/brandenburg/ve ... r-getoetet
So ein "sodann" kann aber verdammt lang sein. DAS also verstehen Jäger unter "waidgerechtem Töten". Und was macht den Tod jetzt besser als der Ris durch einen Wolf? Stimmt - der Wolf lässt sich nicht von anderen Wölfen dabei filmen. Warum eigentlich hat der Jäger die blutige Szene filmen lassen? War doch bestimmt nur ein bedauerlicher Einzelfall, das unschöne Geschehen?
Das Video sei eigens von einer Jägerin aufgenommen worden, um den Nachsuchgespann-Führer vor Anfeindungen und Tierquälerei-Vorwürfen zu schützen.

Berliner Zeitung, 15.01.2023: Tier-Drama in Brandenburg - Verletzter Hirsch im Gartenteich mit Messer getötet https://www.bz-berlin.de/brandenburg/ve ... r-getoetet
Laut einem Anwalt hatte der Jäger im Vorhinein eine anwesende Jägerin gebeten, den gesamten Vorgang mit dem Mobiltelefon zu filmen: „Dies hatte den Hintergrund, dass sich der Mandant in der Vergangenheit mehrfach unbegründeter Anzeigen betreffend innerhalb von Ortslagen durchgeführter Nachsuchen ausgesetzt sah.

BILD, 15.01.2023: Brutales Video schockiert das Internet - Jäger ertränkt Hirsch in Gartenteich https://www.bild.de/news/2023/news/mann ... .bild.html
Unschöne Szenen passieren also doch öfter bei der Jagd? Nicht schön. Aber endlich hat uns jetzt mal jemand das Wort "Waidgerechtigkeit" anhand eines Videos erklärt. Jetzt können wir uns den Begriff sozusagen sprichwörtlich bildlich vorstellen.
Antworten