Bärenjagd in Schweden

Themen über frei lebende Bären und Luchse in Europa (keine Gehegetiere).
Antworten
Benutzeravatar
Nina
Beiträge: 1550
Registriert: 10. Feb 2016, 13:25

Bärenjagd in Schweden

Beitrag von Nina »

Die Abschussquoten für Bären wurden für 2021 drastisch erhöht - per Lizenzjagd wird ab dem 21. August 2021 das Feuer auf insgesamt 501 Bären eröffnet - gegenüber 291 im Vorjahr.

Norrbotten: 20
Västerbotten: 85
Jämtland: 200
Västernorrland: 75
Gävleborg: 70
Dalarna: 48
Värmland: 3

Vgl. Svensk Jakt, 02.07.2021: Så blir björnjakten 2021 – här finns besluten län för län https://svenskjakt.se/start/nyhet/sa-bl ... n-for-lan/
Benutzeravatar
Nina
Beiträge: 1550
Registriert: 10. Feb 2016, 13:25

Re: Bärenjagd in Schweden

Beitrag von Nina »

Die getöteten Bären dürften dann wohl unter die Kategorie "Sondermüll" fallen:
In einer aktuellen Studie haben Wissenschaftler außerordentlich hohe Bleigehalte in skandinavischen Bären nachweisen können. Während die Werte des Umweltgifts bei Menschen seit den 70er Jahren deutlich gesunken sind, ist das Niveau bei den Bären seit rund 10 Jahren nahezu unverändert. Aus Sicht der Forscher weisen die Zahlen auf ein umfassendes Umweltproblem in Skandinaviens Wäldern hin. "Wir sind außerordentlich überrascht. Die nahezu sensationellen Zahlen belegen eine große Umweltbelastung hinsichtlich Blei in Skandinavien", sagt Forschungsleiter Jon Arnemo von der Høgskolen i Innlandet gegenüber dem Nachrichtensender TV4 Nyheterna.

Die Wissenschaftler der norwegischen Høgskolen i Innlandet, Schwedens Lantbruksuniversitet SLU und dem skandinavischen Bärenprojekt haben über einen Zeitraum von 10 Jahren Daten der Bleiwerte in Bären in Mittelschweden erhoben, indem sie die Tiere aus dem Helikopter heraus betäubt und dann Proben von rund 100 Individuen entnommen haben. Die Ergebnisse der Studie, welche nun in der Zeitschrift Environmental Pollution veröffentlicht wurden, belegen hohe bis sehr hohe Bleiwerte bei sämtlichen getesteten Bären.


TV4 Nyheterna, 18.06.2021: Blychocken i sövda svenska björnarna: ”Sensationella siffror” https://www.tv4.se/
Schwedens Bären haben rund 10 Mal höhere Blei-Werte als der in der EU festgesetzte Schwellenwert für Schäden am Nervensystem von Menschen. Das belegt eine Studie, die eine skandinavische Forschergruppe in dem Wissenschaftsmagazin Frontiers in Veterinary Science veröffentlicht hat. "Wir hatten zwar erhöhte Werte bei einzelnen Bären erwartet, aber unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass sämtliche in Mittelschweden untersuchten Bären Blei ausgesetzt waren", sagt Jon M. Arnemo, Professor am Institut für Wild, Fisch und Umwelt an der Sveriges Lantbruksuniversitet. Er vermutet, dass die Bären das Blei aufnehmen, wenn sie zurückgelassene, mit Bleimunition geschossene Kadaverreste von Elchen und anderem Wild fressen. Die Bleigehalte befänden sich auf einem ähnlichen Niveau wie bei den Seeadlern, bei denen eine Bleivergiftung durch den Verzehr von mit Bleimunition erelgten Tieren seit Jahrzehnten zu den häufigsten Todesursachen zähle. [...] In den untersuchten schwedischen Bären wurden im Durchschnitt 94 Mikrogramm Blei pro Liter Blut festgestellt. Der EU-weite Schwellenwert für Nervenschädigungen bei Menschen wurde bei einem Wert von 12 Mikrogramm je Liter festgesetzt.

Forskning och Framsteg, 16.10.2019: Björnar kan vara naturligt skyddade mot bly https://fof.se/tidning/2019/11/artikel/ ... de-mot-bly
Benutzeravatar
Nina
Beiträge: 1550
Registriert: 10. Feb 2016, 13:25

Re: Bärenjagd in Schweden

Beitrag von Nina »

Wildtierschutzverein Svenska Rovjursföreningen will Bärenjagd in Jämtland gerichtlich stoppen lassen

Wie das schwedische Nachrichtenmagazin SVT berichtet, hat die schwedische Wildtierschutzorganisation Svenska Rovdjursföreningen Klage gegen den Beschluss der Bezirksregierung Jämtlands eingereicht, Jägern ab 21. August 2021 per Lizenzjagd den Abschuss von 200 Bären zu genehmigen. Im Vorjahr wurden im selben Bezirk 100 Bären zum Abschuss freigegben. Svenska Rovdjursförening beantragt die Aufhebung des Beschlusses. Gleichzeitig beantragt der Wildtierschutzverein die aufschiebende Wirkung für den Fall, dass ein Urteil des Verwaltungsgerichts nicht vor dem offiziellen Beginn der Lizenzjagd am 21.08.2021 ergeht. Die Bärenjagd soll auf diesem Wege so lange ausgesetzt werden, bis ein Urteil in der Hauptsache gesprochen wurde.

Vgl. SVT, 20.07.2021: Licensjakten på björn i Jämtlands län överklagas https://www.svt.se/nyheter/lokalt/jamtl ... overklagas
Benutzeravatar
Nina
Beiträge: 1550
Registriert: 10. Feb 2016, 13:25

Re: Bärenjagd in Schweden

Beitrag von Nina »

Das Abschlachten der zugeteilten Bären ist vielerorts vollendet - jetzt wollen die Jäger noch mehr Bären töten
Ein einziger Jagdtag plus ein paar Stunden. Lediglich so kurze Zeit dauerte es, 55 Bären in einem Jagdgebiet im Bezirk Gävleborg abzuschießen.
Die Quoten wurden ebenfalls in Teilen Dalarnas und im gesamten Bezirk Värmland erreicht.
[...] Der Sprecher des Jagdverbands "Dalarnas Jägareförbundet", Ulf Berg, kritisiert die aus seiner Sicht zu niedrigen Abschussquoten durch die zuständigen Behörden. [...] "Die Bezirksverwaltung in Dalarna sollte endlich von den Kollegen im Norden lernen und anfangen, uns Jägern zu vertrauen. Wir müssen dieselben Ziele verfolgen. Unser Jagdverband besteht darauf, dass die Bärenpopulation nach der festgelegten Zielgröße reguliert wird, das ist alles! Wir erwarten, dass die staatlichen Insitutionen dasselbe tun", schreibt Ulf Berg in einem Eintrag auf Facebook.

Svensk Jakt, 22.08.2021: Björnjakten avslutad i flera områden https://svenskjakt.se/start/nyhet/bjorn ... a-omraden/
Wenn die Jäger in so kurzer Zeit so viele Bären abschiessen können, kann das nach Jägerlogik ja nur bedeuten, dass es noch viel mehr Bären geben muss als die Berechnungen ergeben haben. Der Sprecher des Jagdverbandes legt nochmal nach:
"Die am 21. August 2021 eröffnete Bärenjagd wurde in weiten Teilen des Bezirks bereits am Folgetag beendet, weil die zugeteilten Quoten in so kurzer Zeit bereits erreicht waren. Das schnelle Ende der Jagd lässt auf eine goße Bärenpopulation und eine diesbezügliche Fehleinschätzung der Bezirksregierung rückschließen. Deshalb fordert der Jagdverband Dalarna eine Wiederaufnahme der Jagd und eine zusätzliche Abschussquote von 15 weiteren Bären."

Ulf Berg, Sprecher Jägareförbundet Dalarna, Svensk Jakt, 25.08.2021: Debatt: ”Återuppta björnjakten i Dalarna” https://svenskjakt.se/opinion/debatt/at ... i-dalarna/
Die ach so mutigen Helden legen bereits ab dem 31. Juli bis zum Beginn der Lizenzjagd Futterköder aus, um die Bären dann treffsicher vor der Nase zu haben.
Die Jagd zeichnet sich durch mehrere Aspekte von Tierquälerei aus. So muss man von unethischen Jagdmethoden sprechen, wenn diese unter dem Einsatz aggressiver Jagdhunde ausgeübt wird. Dabei werden zwei Hunde auf einen Bären losgelassen, und zwar rund um die Uhr, auch nachts. Mit Futterködern werden die Bären bereits ab dem 31. Juli angelockt, und das bis zur Eröffnung der Jagd ab 21. August. Dass Bären auf diese Weise eine leichte Beute sind, versteht sich von selbst. Diese Jagdmethoden führen zu unnötigem Leid und stehen damit im Widerspruch zu § 27 des Jagdgesetzes. Die Gewährung von Ausnahmen zur Verhinderung unnötigen Tierleids führen die Zielsetzung dieses Jagdparagrafens ad absurdum. Er sollte vielmehr regeln, was bei der Jagd erlaubt ist und was nicht. Diese Form der Lizenzjagd birgt reihenweise unnötiges Leid.
Verletzungen durch Fehlschüsse sind unvermeidbar und führen zu unnötigen Qualen. Darüberhinaus führt das sogenannte Hundetraining, das einen Monat vor dem Beginn der Lizenzjagd aufgenommen wird, zu unzulässigen Störungen der Wildtiere, was im Widerspruch zu § 5 des Jagdgesetzes steht. Zudem führt die Jagd zum Kollaps familiärer Sozialstrukturen der Bären: Bärenmüttern werden die Jungen entrissen, und der Nachwuchs verliert die Mütter. Die Zerstörung von Familienstrukturen geschieht Jahr für Jahr, obwohl der Beschluss vorsieht, dass führende Bärenmütter von der Jagd ausgenommen sind.


Jaktkritikerna, 21.07.2021: Jaktkritikerna överklagar licensjakt björn 2021 https://jaktkritikerna.se/jaktkritikern ... jorn-2021/
Mit der zunehmenden Kritik an der Jagd und den Auseinandersetzungen zwischen Jägern und Jagdgegnern rüsten die Jäger offensichtlich weiter auf. In Jämtland gab es in diesem Jahr eine Rekordzahl von Anträgen auf Genehmigung von Köderfütterungen für Bären. 2019 belief sich die Zahl auf etwas mehr als 50 Anträge, 2020 rund 70, und 2021 waren es 107.

Svensk Jakt, 02.08.2021: Rekordmånga ansökningar om att anlägga björnåtel https://svenskjakt.se/start/nyhet/rekor ... bjornatel/

Wer mal einen Blick auf abgeschlachtete Bären werfen will und in die Gesichter von Menschen blicken möchte, die Spaß an solchen Aktionen haben, wird in der Gallerie des Jagdmagazins reichlich fündig.
Insgesamt 501 Bären sind im Rahmen der diesjährigen Lizenzjagd zum Abschuss freigegeben. An dieser Stelle kannst Du Dir die von den Jägern hochgeladenen Bildern während der laufenden Jagd anschauen. Unter #björnjakt2021 hast Du Möglichkeit, selber Bilder beizusteuern.

Svensk Jakt, 21.08.2021: "Nun jagen wir Bären - hier sind die Bilder der Lizenzjagd" Nu jagar vi björn – se bilder från licensjakten https://svenskjakt.se/jakt-prylar/lasar ... ensjakten/
Die Klage der Jaktkritikerna und Svenska Rovdjursföreningen gegen die Lizenzjagd in Norrbotten war indes erfolglos; das Verwaltungsgericht in Luleå folgte den Beschlüssen der Bezirksverwaltung, Genehmigungen für die Jagd auf 20 Bären zu erteilen.

Svensk Jakt, 20.08.2021: Domstol ger grönt ljus för Norrbottens björnjakt https://svenskjakt.se/start/nyhet/domst ... bjornjakt/

Natürlich möchten auch Jäger in Schweden dem nichtjagenden Teil der Gesellschaft grundlegende Bürgerrechte aberkennen, um uneingeschränkt und außerhalb gerichtlicher Kontrolle ungehindert zur Jagd blasen zu können. Die Argumente eines Hegering-Funktionärs kommen einem da doch irgendwie bekannt vor? JÄGER- und BAUERNBASHING, was denn sonst? Her mit der Köttbullar-Polemik:
Schiebt den ständigen Klagen gegen die Raubwildjagd den Riegel vor

Immer wiederkehrende Klagen gegen die von den Bezirksverwaltungen festgelegten Jagdquoten auf Bären, Wölfe und Luchse müssen verhindert werden. Die jagdliche Regulierung von Raubtierpopulationen ist für die Erhaltung eines lebendigen Landlebens unerlässlich.
[...] Aufgabe der Verwaltung ist es, eine ausreichende Bären-Populationsgröße sicherzustellen, um eine Gefährdung der Art zu verhindern. Dabei muss sie auch gewährleisten, dass Rentierwirtschaft, Vieh- und Weidetierhaltung nicht beeinträchtigt werden und die Zahl der Bären niedrig genug bemessen bleibt, damit es die Bären nicht zur Futtersuche in die Siedlungsbereiche zwingt.

Landbewohner wie wir, die im Einklang mit der Natur leben, verstehen und akzeptieren das. Wir wissen, dass eine ausufernde Raubtierpopulation zu Problemen in ihrem Lebensraum führt. Aufgrund der Vielzahl konkurrierender Artgenossen und zusätzlich weiteren Raubtieren kommt es zu einer Knappheit der Nahrungsressourcen, die die Räuber zur Nahrungssuche in die Zivilisation zwingt. Das gilt selbstverständlich auch anderen großen Beutegreifern wie Wölfen, Vielfraßen und Luchsen. Das Problem wird um so prekärer, je mehr dieser Arten im selben Gebiet ansässig werden, und verlangt noch umsichtigere Verwaltungsmaßnahmen.


Bengt Stor, Vorstandsmitglied, im Auftrag des Rättviks Jaktvårdskrets Vorstand, Svensk Jakt, 23.08.2021: Debatt: ”Sätt stopp för ständiga överklaganden av rovdjursjakt” https://svenskjakt.se/opinion/debatt/sa ... djursjakt/
Sind diese Maßnahmen im Hinblick auf ihr Ziel erst einmal beschlossene Sache, gehen sofort die Widersprüche ein wie die Briefe mit der Post. Da klagt dann eine Organisation nach der anderen gegen jede erdenkliche Jagd, die von den Verwaltungen beschlossen wird.
Eine Organisation nach der anderen kommt mit der Behauptung, dass sämtliche Raubtiere am Rande der Ausrottung stünden. Und wenn sie nicht ausgerottet sind, sind sie von Inzucht bedroht oder kurz davor, durch Krankheiten auszusterben, sofern sie nicht im großen Stile illegaler Bejagung zum Opfer gefallen sind. Weil sämtliche Parameter auf stetig wachsende Bestände hinauslaufen, greifen diese Behauptungen ins Leere. Sämtliche Monitoringdaten, die bislang erhoben wurden, belegen diese Richtung.

Ein Teil dieser Organisationen, denen man Mitspracherecht in Raubtierfragen zubilligt, sind auf Gewinnmaximierung zu Gunsten ihrer Führungsetagen ausgerichtet und bedienen ein System, bei denen Spendengelder der Allgemeinheit durch kommerzielle Werbung und Fotos drolliger Tierkinder in Zeitungen und anderen Werbeplatformen generiert werden.
Andere Organisationen werden dagegen vom Hass angetrieben. Hass gegen Jäger, Hass gegen die Landbevölkerung, die jagdliches Interesse verfolgt oder ihr Einkommen mit Landwirtschaft und Tierhaltung bestreitet.
Da muss man sich doch fragen, ob man diesen Klageorganisationen
[...] überhaupt ein Mitspracherecht in diesen Fragen zugestehen soll.
Man hat keinen Bezug zu den Erwerbszweigen, die durch ausufernde Raubtierpopulationen betroffen sind. Man ist selbst nicht vor Ort und nicht in seinem Besitz betroffen. Alles, was man hat, ist das Spiel mit Gefühlen. Gefühle, die es potentiellem Spendern in Werbekampagnen zu vermitteln gilt, um den Mitarbeitern und Vorgesetzten noch mehr Mittel zufließen zu lassen.
Tausend Dank für das Klagen gegen alles, gegen das man überhaupt klagen kann! Woraus sollte man sonst seine Existenzberechtigung ableiten?
[...]

Bengt Stor, Vorstandsmitglied, im Auftrag des Rättviks Jaktvårdskrets Vorstand, Svensk Jakt, 23.08.2021: Debatt: ”Sätt stopp för ständiga överklaganden av rovdjursjakt” https://svenskjakt.se/opinion/debatt/sa ... djursjakt/
Benutzeravatar
Nina
Beiträge: 1550
Registriert: 10. Feb 2016, 13:25

Re: Bärenjagd in Schweden

Beitrag von Nina »

Gävleborgs Jagdverband: Wir wollen mehr Bären schießen

Die Bärenjagd in Gävleborg wurde am 26.08.2021 beendet, als der letzte der 70 zum Abschuss freigegebenen Bären von Jägern getötet worden ist.

Jetzt will der Jagdverband Jägareförbundet Gävleborg einen Nachschlag von weiteren 40 Bären durch die Bezirksverwaltung erwirken.

Nach Angaben des Jagdverbands gäbe es deutlich mehr Bären als die offiziellen Quellen angeben würden und beruft sich dabei auf "Sichtungen" aus der eigenen Mitgliederschaft, zu deren Meldung der Jagdverband unter dem Titel "Björnobs" (Bärensichtungen) bereits zuvor aufgerufen hatte. Am 16.11.2020 wurden die Jäger noch einmal angemahnt, Sichtungen unbedingt weiterzuleiten, damit eine "gute Statistik" zusammenkomme, mit der man Einfluss auf die kommenden Abschusspläne der Verwaltung nehmen könne.

Svenska Jägareförbundet, 16.11.2020: Björnobs - Påminnelse om att raportera björnobsar ("Bärensichtungen - Erinnerung: Bärensichtungen melden") https://jagareforbundet.se/mitt/gavlebo ... /bjornobs/

Da kommt es wenig überraschend, dass die Anzahl der Bärensichtungen in Gävleborg laut der beeindruckenden Graphik des Jagdverbandes seit 2014 quasi "explodiert" ist - von 0,05546 Bärensichtungen pro 100 Mannstunden im Jahr 2014 auf sage und schreibe 0,086 Mannstunden in 2020.

Svensk Jakt, 01.09.2021: Vill skjuta ytterligare 40 björnar i höst ("Wir wollen weitere 40 Bären im Herbst schießen") https://svenskjakt.se/start/nyhet/vill- ... 0-bjornar/

Das heißt also, dass pro Jäger und 100 Jagdstunden 0,05546 Bären bzw. 0,086 Bären gesichtet wurden. Bei durchschnittlich 6-8 Stunden auf der Jagd dauert es durchschnittlich zwischen 225 und 301 Tage, bis Jäger mal einen Bären sichtet, bzw. im Jahr 2020 rund 145 bis 193 Tage.

Da es sich bei "Björnobs" aber um bloße Sichtungen, also C3-Nachweise handelt, die zudem noch von einer kleinen Interessengruppe mit Zielsetzung der Bärenbejagung erhoben werden, die eine "gute Statistik" anstrebt, um die eigenen Ziele zu verwirklichen, muss man wohl noch ein paar Bärchen in nicht geringem Umfang abziehen, um zu einem realistischen Ergebnis zu kommen.

Man darf gespannt sein, ob und inwieweit die Verwaltung darauf eingeht bzw. die Gerichte, wenn es zu weiteren gerichtlichen Einwendungen der Jagdkritiker und Schutzvereine für Beutegreifer kommt.
Benutzeravatar
Nina
Beiträge: 1550
Registriert: 10. Feb 2016, 13:25

Re: Bärenjagd in Schweden

Beitrag von Nina »

Absage an die Forderungen des Jagdverbandes - keine weiteren Abschussgenehmigungen im Bezirk Gävleborg

Das zweifelhafte Jagdvergnügen für die Jäger war wohl allzuschnell vorbei, als sie quasi binnen eines Tages bereits 55 der 70 zugteilten Bären abgeschossen hatten. Der Forderung, über die Abschussquote von 70 Bären hinaus weitere 40 Bären zu erschiessen, hat die zuständige Behörde eine klare Absage erteilt.

Die Bezirksverwaltung beruft sich dabei auf eine Entscheidung des Kammergerichts in Sundsvall vom 06.10.2020 (Az: 2300-20), nach der die Entscheidungsgewalt über die Quotierung bei der zuständigen Verwaltung liegt, die den Rahmen auf Basis gesetzlicher Vorgaben und Voraussetzungen festlegt. Sieht die Behörde die Voraussetzungen für eine Lizenzjagd als nicht erfüllt an, kann diese auch nicht von anderer Stelle erzwungen werden.

Vgl. Jaktjournalen, 03.09.2021: Nej till utökad licensjakt på björn i Gävleborg https://www.jaktjournalen.se/nej-till-u ... gavleborg/

In Dalarna wurden Jäger durch die Verwaltung bei der Polizei angezeigt. Werden Bären angeschossen, müssen sie dies binnen zwei Stunden melden. Bei einem um 14:00 als erlegt gemeldeten Bären kam heraus, dass dieser bereits um sechs Uhr morgens das erste Mal beschossen und verwundet worden war.
Ein angeschossener Bär muss der zuständigen Behörde binnen zwei Stunden gemeldet werden. Bärenjäger im Bezirk Dalarna wurden nun bei der Polizei angezeigt, weil sie diese Regelung missachtet haben.

Svensk Jakt, 03.09.2021: Björnjägare polisanmälda av länsstyrelsen https://svenskjakt.se/start/nyhet/bjorn ... styrelsen/
Ein weiterer Beleg für die Aussagen des Vereins Jaktkritikerna:
Die Jagd zeichnet sich durch mehrere Aspekte von Tierquälerei aus. [...] Verletzungen durch Fehlschüsse sind unvermeidbar und führen zu unnötigen Qualen.

Jaktkritikerna, 21.07.2021: Jaktkritikerna överklagar licensjakt björn 2021 https://jaktkritikerna.se/jaktkritikern ... jorn-2021/
Insbesondere, wenn man entweder zu feige ist, zu seinen Fehlern zu stehen und die Sache ordnungsgemäss zu melden oder aber die gesetzlichen Bestimmungen ganz einfach missachtet - was auch immer in diesem Fall der Grund gewesen sein mag.
Benutzeravatar
Nina
Beiträge: 1550
Registriert: 10. Feb 2016, 13:25

Re: Bärenjagd in Schweden

Beitrag von Nina »

Getötet für die Tonne - Schwedens Jäger bleiben auf Bärenfleisch sitzen

Und wieder empören sich Schwedens Jäger - niemand schätzt das Fleisch der von ihnen getöteten Bären. Selbst zu Ramschpreisen ist da nichts mehr zu machen. Nicht mal geschenkt will man es noch haben.

Die Wildfleischhändler nehmen keinerlei Bärenfleisch mehr an. Die Pandemie-Beschränkungen in der Gastronomie treffen auf eine Verdopplung der Abschusszahlen bei ohnehin sinkender Nachfrage. Dabei werden die Händler nicht einmal die Altbestände in ihren Kühlräumen vom Vorjahr los. Nur wenige Resturants würden überhaupt noch Bärenfleisch anbieten. Der Preis war zuletzt von 50 auf 35 Schwedische Kronen gefallen, nun will man das Fleisch nicht mal mehr geschenkt haben. Den Jägern bliebe derzeit nur, die geschossenen Bären zu entsorgen, folglich ungenutzt zu verbuddeln. Mit Umweltfolgen.

Als letzte Möglichkeit wird in dem Artikel noch diskutiert, das Bärenfleisch an andere Jäger, die beim Bärenabschuss nicht zum Zuge kamen, zu verschenken - oder mal wieder eine Kampagne durch den Jagdverband zu starten, bei der den schwedischen Verbrauchern gezeigt werden soll, was für "tolle Gerichte" man aus Bärenfleisch doch zaubern kann.

Vgl. Jaktjournalen, 09.09.2021: Larm om dålig efterfrågan på björnkött - "de får gräva ned det" https://www.jaktjournalen.se/larm-om-da ... a-ned-det/

Wenn die Schweden auch nur ansatzweise gesundheitsbewusst sind, dürften nicht viele auf so eine Kampagne reinfallen. Das Bärenfleisch wäre vielleicht eher eine Option für Recyclinghöfe, Abteilung bleibelastete Risikoabfälle:
Die Ergebnisse der Studie, welche nun in der Zeitschrift Environmental Pollution veröffentlicht wurden, belegen hohe bis sehr hohe Bleiwerte bei sämtlichen getesteten Bären.

TV4 Nyheterna, 18.06.2021: Blychocken i sövda svenska björnarna: ”Sensationella siffror” https://www.tv4.se/artikel/757yCAyaZO1Z ... nella-data
Schwedens Bären haben rund 10 Mal höhere Blei-Werte als der in der EU festgesetzte Schwellenwert für Schäden am Nervensystem von Menschen. [...] In den untersuchten schwedischen Bären wurden im Durchschnitt 94 Mikrogramm Blei pro Liter Blut festgestellt. Der EU-weite Schwellenwert für Nervenschädigungen bei Menschen wurde bei einem Wert von 12 Mikrogramm je Liter festgesetzt.

Forskning och Framsteg, 16.10.2019: Björnar kan vara naturligt skyddade mot bly https://fof.se/tidning/2019/11/artikel/ ... de-mot-bly
Und dabei sind die genannten Grenzwerte bereits wieder obsolet - Blei ist noch viel schädlicher als angenommen:
Neue Erkenntnisse zu gesundheitlichen Folgen von Blei

Hintergrund der neuen Grenzwerte für das Schwermetall Blei sind Erkenntnisse, nach denen es keine Schwelle gibt, unterhalb derer gesundheitliche Schädigungen für den Menschen sicher ausgeschlossen werden können. Zudem äußerte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit zuletzt Besorgnis darüber, dass die derzeitige ernährungsbedingte Exposition gegenüber Blei die neurologische Entwicklung von Föten, Kleinkindern und Kindern beeinträchtigen könnte.


t-online, 29.08.2021: Neue Grenzwerte - Diese Stoffe in Lebensmitteln können krebserregend sein https://www.t-online.de/gesundheit/kran ... egend.html
Na denn, smaklig måltid, wie der Schwede zu sagen pflegt...
Benutzeravatar
Nina
Beiträge: 1550
Registriert: 10. Feb 2016, 13:25

Re: Bärenjagd in Schweden

Beitrag von Nina »

Neue Gerichtsstreitigkeiten um die Bärenjagd in Jämtland

Nachdem der Jagd auf 200 Bären im Bezirk Jämtland doch gerichtlich stattgegeben wurde, hat sich die Verwaltung unter Applaus der Jagdverbände etwas Neues ausgedacht: Die Quoten für die Bären, die in den zuvor abgesteckten Zonen nicht geschossen werden konnten, sollen einfach auf andere Zonen verteilt werden. Feuer frei im gesamten Bezirk, sozusagen.
Jetzt hat die Bezirksverwaltung in Jämtland beschlossen, dass die Quote noch nicht getöteter Bären auf den kompletten Bezirk erweitert werden soll. Gegen diesen Beschluss haben wir vor Gericht Klage eingereicht, so dass die Rechtssache jetzt vor dem Kammergericht in Sundsvall liegt. Das Verwaltungsgericht in Luleå hat die Bärenjagd in Jämtland daher vorerst gestoppt.

Die ursprüngliche Absicht der Zonierung von Bärenjagdgebieten ist die Fokussierung der Bejagung auf besonders schadensanfällige Hot Spots der Rentierhaltung. Nachdem es offensichtlich nicht gelungen ist, die genehmigte Anzahl von Bären in den westlichen Zonen Jämtlands zu töten, ist es naheliegend, dass dort gar nicht mehr so viele Bären existent sind, die man noch erlegen könnte. Es ist nicht zweckdienlich, die dort nicht erfüllten Quoten auf andere Gebiete zu verteilen, in denen bereits alle genehmigten Abschusszahlen erfüllt worden sind. Das Verwaltungsgericht befindet den Ausgang unserer Klage vor dem Kammergericht als derzeit ungewiss und verfügt eine Aussetzung der Jagd, da das Kammergericht keine Entscheidung zu bereits getöteten Bären fällen könne.


Svenska Rovdjursföreningen, 23.09.2021: Inhibition av licensjakt på björn i Jämtland https://www.rovdjur.se/press/aktuellt/i ... tland_7772
Der Jagdverband dagegen macht die Weite und die unzureichende Infrastruktur der westlichen und nordwestlichen Teile Jämtlands für den mangelnden Jagderfolg verantwortlich und begrüßt die Umverteilung der Quoten. Weil die Jäger oft von weit her kämen, Übernachtungen gebucht hätten und extra Urlaub für die Jagd genommen hätten, sei das Klagerecht für die Umweltschutzorganisationen nicht in Ordnung. Die Jagd würde so unterbrochen, die Jäger reisten wieder ab und ein paar Tage später würde die Jagd doch wieder erlaubt.
Genehmige das Kammergericht die Umverteilung der Quoten bei Jagderfolglosigkeit in den genemigten Gebieten, kann sich der Jagdverbandsvertreter dieses System auch gut für zukünftige Wolfslizenzjagden vorstellen.

Vgl. Jaktjournalen, 23.09.2021: Glöersen: "Omfördelad kvot intressant i både björn- och vargjakt" https://www.jaktjournalen.se/gloersen-o ... -vargjakt/

Ein Vorgeschmack, was auf uns zukommt, wenn sich die Jagdlobby mit der Wolfsjagd auch in Deutschland durchsetzt. Da haben die Gerichte dann viel zu tun.
Antworten