Der NDR legt nach

Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein
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Nina
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Der NDR legt nach

Beitrag von Nina » 14. Jul 2016, 19:05

Nach Kurtis Tod ist eigentlich Ruhe eingekehrt in Niedersachsen. Keine Wolfsbilder mehr, keine Filmchen und auch sonst ist wenig von den Wölfen zu hören und zu sehen.

Wäre da nicht der NDR - der das Thema lang und genüsslich journalistisch auspresst wie eine Zitrone, obwohl die Frucht an sich längst schon verdorrt ist.

Für NDR-Autorin Ulrike Kressel ist das aber offenbar noch längst kein Grund, nicht noch einmal nachzulegen. Im Gegenteil:

Heute fragt sie: "Haben Menschen "Kurti" zum Problem-Wolf gemacht"?

Als Leser ihrer übrigen Wolfsartikel erahne ich schon - hier soll bestimmt gleich wieder das grüne Umweltministerium in Niedersachsen der Unfähigkeit überführt werden... - und meine diesbezüglichen Erwartungen an Frau Kressel werden selbstverständlich nicht enttäuscht:

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... fe518.html

Die Story liest sich erwartungsgemäss wie ein Skandal - das Umweltministerium habe Fotos und Filmaufnahmen von Menschen, Wölfen und Hunden auf dem Truppenübungsplatz der Öffentlichkeit und der Landesjägerschaft vorenthalten. Als "Zeugen" kommen jene Personen zu Wort, die wir bereits aus anderen Berichten von gleicher Stelle kennen: Britta Habbe, Theo Grüntjens und Klaus Bullerjahn, allesamt von der Landesjägerschaft. Und auch wenn Frau Habbe beruflich inzwischen die Wölfe gegen Otter getauscht hat, steht sie der NDR-Autorin offensichtlich weiterhin bereitwillig im Sinne der Landesjägerschaft für Auskünfte zur Verfügung.
Mit dem Wissen um die Ereignisse auf dem Truppenübungsplatz wäre eine ganz andere Beurteilung des Verhaltens der Munsteraner Wölfe möglich gewesen, ist sich Habbe sicher.

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... fe518.html
Wie jetzt - die Landesjägerschaft hat von den Filmaufnahmen auf dem Truppenübungsplatz nichts gewusst? Das Rudel wurde ja erst im Frühjahr 2014 geboren; die Aufnahmen sollen aus dem Herbst 2014 stammen. Da schreibt Frau Kressel aber:
Gezeigt wurden die Bilder von einem Mitarbeiter der Bundesforstbetriebe auf einer Sitzung mit Naturschutzverbänden, Wolfsberatern und der Landesjägerschaft in Oerrel im Heidekreis. Das war bereits im Februar 2015. Dazu eingeladen hatte der damalige Artenschutzreferent des niedersächsischen Umweltministeriums, Konstantin Knorr, der auch selbst an der Sitzung teilnahm.

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... fe518.html
Die Landesjägerschaft bekam die Foto- und Filmaufnahmen also auf einer Informationsveranstaltung des Umweltministeriums bereits im Februar 2015 zu Gesicht. Und beschwert sich jetzt ... worüber?

Der kalte Kaffee, den uns Frau Kressel vom NDR in dem heutigen Artikel als brühwarme Sensationsmeldung einzuschenken versucht, hat uns zuvor ihr Kollege Tim Berendonk doch schon - gut recherchiert - serviert: In der NDR Reportage "Wölfe und Luchse in Norddeutschland - Rückkehr der Raubtiere (Expeditionen ins Tierreich XXL, Ausstrahlung am 15.05.2016) wird eine der beschriebenen Filmaufnahmen gezeigt. Da sagt ein Soldat mit Blick auf einen Wolf: "Mann, die kannst' ja füttern, ey!" In der nächsten Szene wird aber auch gezeigt, wie das Wolfsbüro auf einer Informationsveranstaltung 2015 die allgemeine Problematik öffentlich thematisiert und mit deutlichen Worten auf die Fütterung eingeht.

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/e ... 11392.html

Frau Kressel vom NDR beklagt nun, dass das Umweltministerium die Aufnahmen vom Truppenübungsplatz unter Verschluss halten und die Ursachen für das Verhalten der Munsteraner Wölfe nicht benennen würde.

Ich frage mich, wem es nützen sollte, die Aufnahmen zu veröffentlichen. Sollen die "Täter" damit öffentlich angeprangert werden? Spielt es eine Rolle, ob das menschliche Fehlverhalten nun von Soldaten, Feuerwehrleuten oder Forstmitarbeitern ausging? Dass es diese Aufnahmen gibt, wird auch im Bericht des Bundesumweltministeriums vom 28.10.15 erwähnt:
Anfang 2015 häuften sich in den Medien Berichte über Wölfe im Bereich Munster. Das Munster-Rudel schien häufiger tagsüber die B71 zu queren. Da diese gut befahren ist und die Wölfe sich durch Fahrzeuge nicht stören ließen, mehrten sich Sichtungen, auch mit Foto- und Videobelegen. Hinzu kamen Fotos und Videos, zumeist, aber nicht ausschließlich vom Truppenübungsplatz, die zeigten, dass einzelne Welpen tolerierten, dass Menschen aus dem Fahrzeug ausstiegen und sich ihnen bis auf wenige Meter näherten.

Seite 71: http://www.bundestag.de/blob/393542/5e2 ... b-data.pdf
Warum daraus nun eine Sensationsstory konstruiert wird, die mal wieder die Unfähigkeit des Umweltministeriums beweisen soll, ist schon sehr fraglich.

Und prompt erinnere ich mich an die NDR-Reportage "Die Nordstory - Leben mit dem Wolf" vom 24.06.16, in der ebenfalls die drei Akteure Habbe, Grüntjens und Bullerjahn die Bühne hatten, vor allem ihre Sicht darzustellen. Das Umweltministerium wurde dabei mehrfach kritisiert, bekam aber keine Gelegenheit zur Stellungnahme. Dagegen wurde deutlich, wie sehr sich Herr Grüntjens und Herr Bullerjahn als Experten empfehlen möchten - mit dem Bau einer Wolfsfalle (mit der sie nicht beauftragt worden sind und die auch niemand haben will, schon gar nicht das Umweltministerium) oder mit dem Vorschlag, die Wölfe im Jugendalter schon mal vorsorglich zu vergrämen. Dazu heldenhafte Aufnahmen von Herrn Grüntjens in Zeitlupe beim Abfeuern seiner Jagdwaffe. Das Resümee der NDR-Reportage spiegelt sich dann im Schlusswort von Frau Habbe und Herrn Grüntjens:

Frau Habbe:
"Den Wolf ausrotten werden wir in Deutschland nicht mehr. [...] Wichtig ist dann halt, dass man tatsächlich einen Weg findet, den die Bevölkerug gut bereit ist, mitzutragen."

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... 25020.html
Herr Grüntjens:
Ich glaube, wir haben dann ein Stück weit gelernt, mit dem Thema besser umzugehen. Wir haben vielleicht ein Stück weit auch mehr auch das Notwendige getan, was wir heute noch nicht können, nicht dürfen oder teilweise auch nicht wollen - ich glaub', da müssen wir uns noch kräftig bewegen - aber ich glaube, dass das Zusammenleben in Niedersachsen mit dem Wolf hier in dieser Landschaft ohne größere Probleme in Zukunft möglich sein wird. Ich glaube fest daran.

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... 25020.html
Was so nett verpackt daherkommt, hat es in sich: "Einen Weg finden", den die Bevölkerung bereit ist, mitzutragen und das Notwendige tun, "das wir heute nicht können, nicht dürfen und teilweise nicht wollen" - und uns dabei noch "kräftig bewegen" - heißt nichts anderes, als dass der Status Quo in der Wolfsfrage offenbar keine Option für Frau Habbe und Herrn Grüntjens darstellt. Für mich klingt das wie: Wolf, ja gern, aber dann zu den Bedingungen der Landesjägerschaft.

Und mir drängt sich der Gedanke auf: Möglicherweise soll der heutige NDR-Artikel einen weiteren Baustein zur Verwirklichung dieses Ziels liefern.

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Nina
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Re: Der NDR legt nach

Beitrag von Nina » 15. Jul 2016, 14:00

Auch in "Hallo Niedersachsen" vom 14.07.2016 hat NDR den Heidschnuckentag in Müden/Örtze zum Anlass genommen, den Zuschauern erneut eine Wolfsstory zu präsentieren - in gewohnt negativer Richtung: "Heidschnuckentag: Das Problem mit dem Wolf".

Moderatorin Antje Wöhnke leitet den Filmbeitrag ein:
Heidschnuckentag in Müden an der Örtze - normalerweise ist das ein Tag ein voller Idyll. Der beste und tollste Bock wird prämiert, die Schnucken - die ja Symboltiere der Lüneburger Heide sind - tummeln sich vor perfekter Kulisse, so dass den Touristen das Herz aufgeht. Doch siehe da - auch Ministerpräsident Weil ist nach Müden gekommen, hat auch gar nicht lange drum herum geredet um das Thema Wolf - dem Schatten, der von Jahr zu Jahr drückender auf dem Heidschnuckentag liegt - und hat tatsächlich etwas Neues mitgebracht.

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... 33868.html
Um die Schnucken selbst geht es in dem Filmbeitrag interessanterweise nicht. Vielmehr dient der Anlass offenbar nur als willkommener Aufhänger für einen Bericht gegen den Wolf.

Gleich drei Schafhalter bekommen die Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Erwartungsgemäss gibt es keine positiven Wortmeldungen, im Gegenteil. Man fühle sich nicht gehört, dürfe zwar seine Meinung äußern, aber so richtig höre niemand zu. Und dann kommt Ministerpräsident Weil ins Bild, unterlegt vom NDR mit den Worten:
Immerhin: Er hört heute zu - und - hat auch ein paar Versprechen für die Schafhalter dabei. Entschädigungen für gerissene Tiere sollen in Zukunft höher ausfallen. Auch beim Herdenschutz will das Land stärker helfen. Und dann noch diese Aussage: In Niedersachsen gebe es nicht unbegrenzt Platz für Wölfe. Das klingt dann fast schon wie einer der großen Wünsche der Schafzuchtverbände.

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... 33868.html
Ministerpräsident Weil sagt:
Wir müssen sicherlich auch à la longue dafür sorgen, dass die Population der Wölfe nicht unbegrenzt in Niedersachsen wachsen kann.

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... 33868.html
Dann zeigt sich einer der Schäfer verständnisvoll:
Wir haben nichts gegen Wolfsrudel, wir haben nichts gegen Wölfe, wir arbeiten ganz eng mit der Natur zusammen als Schäfer. Wir fordern natürlich eine Regulierung, dass in einigen Landkreisen eben nicht 12-15 Rudel sind.

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... 33868.html
Zwischenbilanz der Moderatorin:
Das ist recht neu, wohlgemerkt, der Ministerpräsident hat da neue Töne angeschlagen: Die Population begrenzen, das war bisher kaum ein Thema.

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... 33868.html
Leider taucht auch in diesem Beitrag wieder kein Experte auf, der darüber aufklärt, dass die höchste Rudeldichte pro Landkreis in Niedersachsen derzeit bei 3 Rudeln im Landkreis Heidekreis liegt - und damit von "12-15 Rudeln" pro Landkreis weit entfernt ist. Niemand klärt darüber auf, dass Wolfspopulationen an einem Ort nicht unbegrenzt wachsen, sondern dass die Tiere abwandern. Niemand erklärt, dass im Fall der meisten Wolfsrisse die Tiere unzureichend geschützt waren, obwohl der Steuerzahler einen Großteil der Kosten für den Herdenschutz übernimmt. Niemand klärt darüber auf, dass eine Begrenzung der Popuation die Schäfer nicht vor Rissen schützen kann, sondern dass die Zerstörung von Rudelstrukturen die Zahl von Nutztierrissen unter Umständen sogar noch erhöht. Niemand erwähnt, dass 80% der Bevölkerung die Rückkehr der Wölfe befürworten (Forsa). Niemand erwähnt, dass den Kosten für Prävention/Entschädigung auch ein Gewinn für die Artenvielfalt und die Gesundheit der Wildtierpopulationen gegenübersteht. Wolfsfreunde und Naturliebhaber scheinen für den NDR leider nicht mehr von Relevanz zu sein, obwohl deren Bevölkerungsanteil weit höher sein dürfte als der der 60.000 Jäger und 12.000 Schafhalter (zusammen unter 1% Bevölkerungsanteil in Niedersachsen).

Stattdessen beachte man einmal die Wortwahl für Schäfer/Schnucken:

- normalerweise ein Tag voller Idyll
- der beste und tollste Bock
- perfekte Kulisse
- Touristen geht das Herz auf

Und dagegen die Wortwahl zum Thema Wolf

- Problem
- Schatten
- liegt drückend auf dem Heidschnuckentag
- nicht unbegrenzt Platz
- soll nicht unbegrenzt wachsen

So wird der Gebührenzahler unter dem Deckmantel eines im Sinne des Programmauftrags "objektiven und umfassenden Überblicks" in die gewünschte politische Richtung geschoben, ohne dass es ihm ohne das nötige Hintergrundwissen überhaupt auffallen würde.

Redux

Re: Der NDR legt nach

Beitrag von Redux » 15. Jul 2016, 14:16

Nina hat geschrieben:So wird der Gebührenzahler unter dem Deckmantel eines im Sinne des Programmauftrags "objektiven und umfassenden Überblicks" in die gewünschte politische Richtung geschoben, ohne dass es ihm ohne das nötige Hintergrundwissen überhaupt auffallen würde.[/b]
Finde deinen Post, abgesehen vom zitierten letzten Satz, gut und richtig. Auch deiner Analyse des Beitrages habe ich nichts Wesentliches hinzu zu fügen. Nur wäre es nicht sinnvoll solches immer wieder direkt an die kritisierten Medien zu richten ?

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Upstalsboom
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Ist denn schon Wahltag?

Beitrag von Upstalsboom » 15. Jul 2016, 14:51

Technokrat Weil war mir schon immer suspekt.

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... 33868.html

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Nina
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Re: Der NDR legt nach

Beitrag von Nina » 15. Jul 2016, 17:56

Upstalsboom hat geschrieben:Ist denn schon Wahltag?
Das habe ich auch gedacht. Weil klang ja so, als ob er persönlich gern sofort handeln würde, und schob dann ein derzeitiges ein Nicht-Handeln-Können auf die EU und die rund 500 Anzeigen, die es für Herrn Wenzel nach dem behördlich angeordneten Abschuss von Kurti gehagelt hatte.

Man hat in solchen Momenten immer das Gefühl, dass die SPD doch sooo gerne eine kleine CDU wäre. Vielleicht hatte Herr Weil aber auch ein paar Männchen im Ohr, die ihm einfach nur ihre Wünsche eingeflüstert haben:

Initiativkreis sozialdemokratischer Jägerinnen und Jäger: Waidgenossen
"Wir haben vor, uns als Fachleute dauerhaft in die jagdpolitische Diskussion einzubringen und wollen versuchen, konstruktiv auf den Minister einzuwirken. Und das werden wir schaffen. [...]"

http://www.waid-genossen.de/cms/website ... ta6118.htm
Ob die Waidgenossen auch konstruktiv in der Wolfsfrage auf den Ministerpräsidenten eingewirkt haben, wäre jetzt aber reine Spekulation. ;-)

Grauer Wolf

Re: Der NDR legt nach

Beitrag von Grauer Wolf » 15. Jul 2016, 17:59

Nina hat geschrieben:Stattdessen beachte man einmal die Wortwahl für Schäfer/Schnucken:

- normalerweise ein Tag voller Idyll
- der beste und tollste Bock
- perfekte Kulisse
- Touristen geht das Herz auf
Ach du grüne neune... Schnulzig, schnulziger... So richtig schöne, heile Welt für Kaffeefahrten. Mir geht beim Anblick von Schafen nicht das Herz auf, ich denke höchstens über Rezepte nach... Mir wäre ein flüchtiger Blick auf einen grauen Schatten unendlich wertvoller, als so eine verlogene Pseudo-Idylle mit vierbeinigen Schecks. Der Ärger ist nämlich nur, daß die Viecherl ggf. im falschen Magen landen. Denn eines ist mal klar: An Altersschwäche stirbt von denen keines! Das wird aber sehr gerne verdrängt, weil's eben nicht in die schöne, heile Welt paßt. Hier geht es einfach um knallharte, wirtschaftliche Interessen!
Nina hat geschrieben:Und dagegen die Wortwahl zum Thema Wolf

- Problem
- Schatten
- liegt drückend auf dem Heidschnuckentag
- nicht unbegrenzt Platz
- soll nicht unbegrenzt wachsen
Auch eine Methode, seine Ahnungslosigkeit öffentlich zu präsentieren und gleichzeitig Stimmung zu machen... Wäre zum Lachen, wenn dahinter nicht ein perfider Plan stände...
Nina hat geschrieben:So wird der Gebührenzahler unter dem Deckmantel eines im Sinne des Programmauftrags "objektiven und umfassenden Überblicks" in die gewünschte politische Richtung geschoben, ohne dass es ihm ohne das nötige Hintergrundwissen überhaupt auffallen würde.
Nina, was erwartest Du denn von einem linientreuen und staatshörigen ÖR-Sender? Wenn Du hier objektive Berichterstattung wolltest, müßte man ein Team vom Discovery-Channel o.ä. engagieren.

Nina hat geschrieben:Ob die Waidgenossen auch konstruktiv in der Wolfsfrage auf den Ministerpräsidenten eingewirkt haben, wäre jetzt aber reine Spekulation. ;-)
Na, ob man da spekulieren muß...? :roll: Die Lodenträger haben ihre Finger überall in der Politik drin.

Gruß
Wolf

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Nina
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Re: Der NDR legt nach

Beitrag von Nina » 15. Jul 2016, 20:50

Also, ich mag die Idylle der Lüneburger Heide, und die Schnucken gehören auf jeden Fall dazu. Insofern kritisiere ich gar nicht das von der NDR-Moderatorin skizzierte Idyll, sondern die Tatsache, dass der Wolf vom Idyll ausgeschlossen und in die Ecke "düster" und "Schatten" verbannt wird.
Wir müssen uns ja nicht zwischen der Schnucke oder dem Wolf entscheiden, wie ein Bericht des NDR über einen Schäfer von der "Schnuckenfront" Amelinghausen aus dem Jahr 2015 verdeutlicht:
Rebre hält eine Heidschnuckenherde in Amelinghausen (Landkreis Lüneburg), seit 2012 in direkter Nachbarschaft zu einem Wolfsrudel. Er schützt seine Herde mit extra hohen Elektrozäunen und nächtlichen Einzäunungen, sogenannten Nachtpferchen. Die Anschaffung solcher Zäune wird teilweise vom niedersächsischen Umweltministerium gefördert. "Etwas mehr Arbeitsaufwand und etwas mehr Aufmerksamkeit" hätten ihn bislang vor Verlusten bewahrt, sagt Rebre, der immerhin 350 Schafe hütet. Im letzten Satz seines Schreibens heißt es: "Das Existenzrecht des Wolfes steht und stand für uns nie zur Debatte."

NDR: Wolfshysterie? Ein Schäfer rechnet ab, 06.03.2015 http://www.ndr.de/nachrichten/niedersac ... f1414.html
Auf Seite 6, Kommentar 28 schreibt der Schäfer dann noch in einem Leserbrief, dass seine Tiere nur 2 Monate im Stall und 10 Monate auf wechselnden, mit Elektronetzen engezäunten Flächen stünden - auch nachts. Auf Herdenschutzhunde habe er bislang wegen der Touristen verzichtet und setze bei Sichtungen oder Berichten Wildkameras ein. Er wünsche sich von allen Beteiligten den Sprung über den ideologischen Schützengraben und die gemeinsame Erarbeitung von Lösungen vor Ort.

Solch konstruktive und versöhnliche Töne hören wir nicht oft - sei es, dass es sie kaum gibt, oder dass sie von den üblichen "Schreihälsen" einfach nur überdeckt werden. Die Medien präferieren offenbar eher die lauten Töne.

Auf jeden Fall habe ich das Gefühl, dass der NDR Anfang - Mitte letzten Jahres noch eine größere Streubreite an unterschiedlichen Sichtweisen in seinen Artikeln eingesetzt hat. Das ist aber irgendwann gekippt, und seitdem sehe ich beim Norddeutschen Rundfunkdampfer auf dem Meer der Informationsgebung und Meinungsbildung irgendwie eine ziemliche Schlagseite... Ahoi! :roll:

Widukind

Re: Der NDR legt nach

Beitrag von Widukind » 16. Jul 2016, 09:31

Nina hat geschrieben:... sehe ich [...] auf dem Meer der Informationsgebung und Meinungsbildung irgendwie eine ziemliche Schlagseite... Ahoi! :roll:
Nicht nur in diesem Fall. Der Philosoph Peter Sloterdijk hatte die Medien auch bereits schonungslos entlarvt:
Kritik übt der Philosoph auch am Zustand der Medien wie der Politik im allgemeinen: „Der Lügenäther ist so dicht wie seit den Tagen des Kalten Kriegs nicht mehr.“ Im Journalismus trete die „Verwahrlosung“ und die „zügellose Parteinahme allzu deutlich hervor“. Das Bemühen um Neutralität sei gering, „die angestellten Meinungsäußerer werden für Sich-Gehen-Lassen bezahlt, und sie nehmen den Job an.“
Quelle ... am Ende des Artikels.

Irgend etwas stimmt hier nicht mehr in diesem Land. Wo man auch hinschaut .. Schlagseite allenthalben ... :roll:

Redux

Re: Der NDR legt nach

Beitrag von Redux » 16. Jul 2016, 14:58

Nina hat geschrieben:Auf jeden Fall habe ich das Gefühl, dass der NDR Anfang - Mitte letzten Jahres noch eine größere Streubreite an unterschiedlichen Sichtweisen in seinen Artikeln eingesetzt hat. Das ist aber irgendwann gekippt, und seitdem sehe ich beim Norddeutschen Rundfunkdampfer auf dem Meer der Informationsgebung und Meinungsbildung irgendwie eine ziemliche Schlagseite... Ahoi! :roll:
Die Berichterstattung ist einseitiger geworden,bzw. gekippt als die Stimmung gegenüber dem Wolf gekippt ist (ob sie das tatsächlich überall ist, ist allerdings fraglich) , bzw. dessen Feinde erfolgreich sämtliche Trommeln und Tröten bedient haben. Bis zu einem gewissen Grad nimmt der NDR diese ebenso auf wie alle anderen Medien, die sich gerne gegenseitig den Ball zuspielen. Gibt eben auch kaum noch Journalisten die Draußen selbst recherchieren bzw. Geld und Zeit zu eigener Recherche und sei es im Netz mitbringen. Abschreiben ist einfacher und vor allem schneller. Die Pro-Wolf Fraktion ist da gegenüber den anderen Interessengruppen deutlich im Nachteil, weswegen es eigentlich wichtig wäre die vielen Dinge die hier gesagt werden auch anderswo im Netz zu posten und nicht nur auf Naturschutzseiten o.ä.

@Widukind Die allenthalben Schlagseite sehe ich nicht und eine derartige Rhetorik kenne ich nur von den Radikalen sämtlicher Lager. Man kann sagen was man will, es gibt gute Umwelt/Lebenssinn/Tradition usw. betreffende Gründe zu jammern, aber noch nie ist es dem Land so gut gegangen Rechstsicherheit/Wohlstand/ relative Freiheit/ soziale Sicherheit und es tut mir leid wenn der Zustand wirklich so grausig ist sollte man halt anfangen selbst Politik zu machen und es selbstverständlich besser machen. Brauchen wir allerdings nicht zu vertiefen ist ja ein Wolfsforum. Aber auch da sehe ich trotz aller Bedrohungen lediglich daß es jetzt welche gibt wo es die lezten 150-200 Jahre keine gab.

Widukind

Re: Der NDR legt nach

Beitrag von Widukind » 16. Jul 2016, 19:20

@ Redux ... Du bist nicht zufällig pensionierter Beamter, oder ... :mrgreen:

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