Jagdverband:Gemeinnützigkeit gefährdet?

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Nina
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Jagdverband:Gemeinnützigkeit gefährdet?

Beitrag von Nina »

Wie die Süddeutsche am 19.09.2019 berichtet hat, hat das Präsidium des Bayerischen Jagdverbandes einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer zur Überprüfung der Verbandsfinanzen eingesetzt, der ein "vernichtendes Urteil" gefällt hat:
Nach Überzeugung des Wirtschaftsprüfers haben alle diese Unregelmäßigkeiten und Gesetzesverstöße ein solches Gewicht, dass die Gemeinnützigkeit des Jagdverbands gefährdet ist.

Süddeutsche, 19.09.2019: Umstrittenes Finanzgebaren: Druck auf Vocke wächst. Prüfbericht sieht Gesetzesverstöße durch Jagdverbandschef https://www.sueddeutsche.de/bayern/umst ... -1.4607268
Worum geht es?
Es geht um die knapp 5000 Euro Aufwandsentschädigung, die Vocke bisher pro Monat steuerfrei und ohne Sozialabgaben für sein Ehrenamt bezogen hat, die Nutzung seines Dienstwagens, die Beschäftigung von Vockes Tochter bei einer Tochtergesellschaft des Jagdverbands, Spesenabrechnungen und dergleichen mehr. Außerdem soll Vocke dem BJV regelmäßig private Kosten in Rechnung gestellt haben, etwa für die Unterbringung seines Dackels in einer Hundepension oder für seine Lieblingskekse. Es geht aber auch um die Abwicklung des Druckauftrags für die Verbandszeitschrift Jagd in Bayern, der ein Volumen von 450 000 Euro im Jahr hat.

Süddeutsche, 19.09.2019: Umstrittenes Finanzgebaren: Druck auf Vocke wächst. Prüfbericht sieht Gesetzesverstöße durch Jagdverbandschef https://www.sueddeutsche.de/bayern/umst ... -1.4607268
Der Jagdverbandspräsident hat sich häufig negativ zu den Wölfen geäußert, wie z. B.
"Weidehaltung ist mit dem Wolf kaum mehr möglich. Wie sollen die Tiere geschützt werden? Alles zäunen, das ist unmöglich. Denn wer will nur gegatterte Landschaften? [...] Der größte Verlierer ist natürlich unser Wild. Nicht Schafe und Kälber sind die natürliche und die wichtigste Nahrungsquelle des Wolfes, sondern Rehe, Hirschkälber und Damwild. Das Wild traut sich nicht mehr aus dem sicheren Schutz der Wälder heraus, so sind immense Schäden programmiert. [...] Es mag Regionen geben, wo der Wolf hinpasst, aber in Deutschland kenne ich kaum eine."

Jagdverbandschef Jürgen Vocke in der Passauer Neue Presse, 05.04.2019: Jagdverbandschef: "Wir werden den Wolf nicht verhindern können" https://www.pnp.de/lokales/stadt_und_la ... ennen.html
[Passauer Neue Presse:] Wie ist die Stimmung in der Jägerschaft dem Wolf gegenüber?

Vocke: Die weit dominierende Mehrheit der Jägerschaft sieht das genauso wie ich. Vielen Menschen wird auch von den Medien leider ein falsches Bild vom Wolf vermittelt. Wölfe sind Raubtiere und keine Kuscheltiere. Wenn die Wölfe in den Wäldern sind, braucht niemand mehr mit seinem Hund im Wald spazieren zu gehen.[...]

[Passauer Neue Presse:] Also am besten keine Wölfe?

Vocke: Meine ehrliche Meinung: Sie passen nicht in dieses dichtest besiedelte Land mit 83 Millionen Menschen und vielen Millionen Urlaubern. Die nämlich wollen die Natur zu jeder Tag- und Nachtzeit unbeschwert genießen. Die Konflikte sind programmiert. Aber für Wolfsfreiheit brauche ich die Akzeptanz von allen. Da liege auch ich mit den Naturschützern im Clinch.

Jagdverbandschef Jürgen Vocke in der Passauer Neue Presse, 28.04.2018: Bayerns Jägerpräsident Vocke: "Wölfe passen nicht in dieses Land"
https://www.pnp.de/nachrichten/bayern/2 ... -Land.html
Bei der Veranstaltung in Kulmbach sagte Vocke über Luchse, Wölfe und Bären: „Sie passen einfach nicht in eine derart übernutzte Landschaft mit beispielsweise 144.000 Straßenkilometern.“ Schon jetzt sei die Zahl der Wildunfälle enorm. Mit Luchsen, Wölfen und Bären werde es „so richtig gefährlich“, nicht nur für Schafherden, auch für Menschen. In der „Frankenpost“ und im „Nordbayerischen Kurier“ wird Vocke mit den Worten zitiert: „Wir müssen uns die Frage stellen, ob ein Tier wie der Wolf noch in unsere übernutzte Natur passt,“ und weiter: „Wenn der Wolf in unseren Wäldern wieder heimisch wird, haben wir schlagartig keine Jogger, keine Geocacher und keine Mütter mit Kindern mehr im Wald. Darauf gebe ich Ihnen mein Wort.“

Bund Naturschutz, 24.11.2015: Jagdverbandspräsident Vocke stellt sich gegen Luchs, Wolf und Bär https://www.bund-naturschutz.de/pressem ... -baer.html


Update: Am 15.10.2019 meldet die Süddeutsche, dass sich der Jagdverbandspräsident zurückzieht und sein Amt ruhen lässt.
Vocke, der den Verband ein Vierteljahrhundert geführt hat, werden zahlreiche finanzielle Unregelmäßigkeiten vorgeworfen. So soll er beträchtliche Aufwandsentschädigungen kassiert sowie hohe Spesensummen abgerechnet haben. Ein im Frühjahr zur Klärung der Unregelmäßigkeiten eingesetzter Wirtschaftsprüfer sieht deswegen sogar die Gemeinnützigkeit des Jagdverbands in Gefahr. Vocke hatte zuletzt versucht, diesen Wirtschaftsprüfer durch eine andere Kanzlei ablösen zu lassen. Doch nachdem Vocke am Montagnachmittag seinen Rückzug erklärt und die Präsidiumssitzung nach vier Stunden gegen 15 Uhr verlassen hatte, beschlossen die verbliebenen Mitglieder nach Teilnehmerangaben, den Prüfer von seiner Schweigepflicht zu entbinden. Damit kann er bei strafrechtlichen Ermittlungen gegen Vocke als Zeuge auftreten.

Süddeutsche, 15.10.2019: Jägerpräsident Vocke zieht sich zurück https://www.sueddeutsche.de/bayern/jagd ... -1.4640567
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