Kormorane

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zaino
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Re: Kormorane

Beitrag von zaino » 18. Mai 2019, 21:41

Danke, Lutra.
Wenn viele Dinge nur mit Subventionen funktionieren, sollte man evt. mal aufhören, fix oberflächlich einen bösen Feind zu definieren (Wolf, Kormoran etc.), sondern diese Dinge selbst mal zu hinterfragen. Das setzt halt Denkprozesse voraus, zu denen viele weder fähig noch willens sind.

Genau wie bei den Almen im Alpenraum: Seit zig Jahren werden viele nicht mehr benutzt - JETZT kreischen viele, der Wolf sei schuld. Der ist aber erst vor sehr sehr kurzer Zeit auf der Bildfläche erschienen, während die Almwirtschaft schon lange darniederliegt. Finde den Fehler....

Erklärbär
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Re: Kormorane

Beitrag von Erklärbär » 19. Mai 2019, 00:24

Hallo Lutra!

Natürlich haben wir hier eine Kultur- und Naturlandschaft, die es durch Dezimierung von Nahrungskonkurrenten den Menschen erst ermöglicht hat, auskömmliche Nahrungsgrundlagen herzustellen.

Dreht man das alles wieder um, da man ja Lammfleisch aus Neuseeland und Pangasiusfilet aus Südostasien bekommen kann. Die massenhafte Rückkehr von Wolf, Bär oder Kormoran sind grüne Träumereien, die vollständig an der sozioökologischen Realität scheitern.

Du hast es ja selbst erwähnt, Fischteiche lassen sich schlecht schützen. Aber nach Deiner Logik bedeutet das, gebt den Teichwirten (Schafhaltern) Geld, damit diese nicht verhungern. Das ist aber Quatsch, ihre Arbeit hat keinen Sinn mehr. Die gehen elendig zugrunde, nicht nur an Geldmangel, sondern an fehlender Empathie und Solidarität aus der Bevölkerung. Der Erfolg bezüglich Kormoranwiederansiedlung ist also nur ein scheinbarer, denn die Probleme werden lediglich örtlich verlagert. Fisch gibt es dann aus Kormoran-befreiten Ländern. Aber das neudeutsche Ökogewissen ist zufrieden! Na toll. Was ein Irrsinn!

Der NABU holt sich seine Satzfische für Vorzeigeprojektteiche aus tschechischen Fischzuchten, wo Kormorane getötet werden, weil die NABU-Teiche selbst eben durch die Vorzeigekormorane leergeplündert wurde! Eine trügerische und nicht nachhaltige Idylle, vielemehr nur Kulisse für grüne Hirngespinste. Oder???

https://www.zeit.de/2010/20/Kormoran/seite-2

zaino
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Re: Kormorane

Beitrag von zaino » 19. Mai 2019, 01:02

Genau, und wenn wir nicht alle möglichen Konkurrenten platt machen, verhungern wir bzw. werden von diesem Planeten verdrängt. Jawollja.
*stöhn*
Das Ausmaß Deiner Natur-Paranoia ist grenzenlos.

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Re: Kormorane

Beitrag von Lutra » 19. Mai 2019, 13:38

Erklärbär, unsere Teichwirte haben schon ihre liebe Not, ihre Karpfen zu vermarkten, genau so wie Schäfer ihr Lammfleisch. Der internationale Markt ist nun mal Realität und läßt sich nicht wegreden. Da liegen die eigentlichen Probleme.
Früher hat bei uns in der DDR hier Schaf und Fisch noch richtig Geld gebracht, auch für Hobbyhalter. Das ist Geschichte. Dabei ist es egal, ob wir das gut oder schlecht finden, es ist so.
Die Prädatoren geben dann nur noch einen willkommenen Sündenbock ab, um gegen "grüne Träumereien" zu wettern, also politisches Kalkül.

Erklärbär
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Re: Kormorane

Beitrag von Erklärbär » 19. Mai 2019, 23:36

Lutra, zwei Thesen möchte ich Dir gerne noch mitgeben:

1. Kormorane unterscheiden sich von Wölfen hinsichtlich der Selbstregulierung, das ist auch die Ursache ihres plagenhaften Auftretens. Wölfe treten vornehmlich in kleinen Rudeln auf. Kormorane können in sagenhaften Massen auftreten und kerngesunde Gewässer in Nullkommanichts in öde Unterwasserwüsten verwandeln.
https://youtu.be/FZuLRA2TqAY
Deswegen, eben weil die Kormorane keine natürlichen Feinde mehr haben, muss der Mensch in seiner Verantwortung regulierend eingreifen. Ansonsten sind irgendwann die Gewässer leer und die Kormorane sterben vor Hunger. Muss es so weit kommen?

2. Es stimmt natürlich, dass der Mensch ein schlimmer Frevler ist und durch Verunreinigungen und Querverbauungen es den Fischen total schwer macht, sich selbst zu reproduzieren und die Art zu erhalten. Es gibt zig Projekte der Fischfreunde, Arten zu erhalten wie Aal, Lachs, Äsche oder Maifisch. Nicht nur durch Besatzmassnahmen, sondern durch Kampf gegen besagte Freveleien. Das ist sehr arbeitsintensiv und verschlingt Unmengen von Geld. Mein Fischereiverband in Hessen hatte allein 40 000 Euro Anwaltskosten zur leider nicht erfolgten Verhinderung eines Kleinkraftwerks bezahlt.

Diese Bestrebungen entbinden uns nicht der Pflicht, auch gegen den größten natürlichen Fischschädling vorzugehen. Kormorane sind dabei, z.B. die natürlich lebenden Äschenbestände nachweislich vollständig auszurotten.

Solange ich lebe, werde ich gegen diese Missstände ankämpfen auf allen Ebenen.

TheOnikra

Re: Kormorane

Beitrag von TheOnikra » 20. Mai 2019, 00:57

Erklärbär hat geschrieben:
19. Mai 2019, 23:36
Diese Bestrebungen entbinden uns nicht der Pflicht, auch gegen den größten natürlichen Fischschädling vorzugehen. Kormorane sind dabei, z.B. die natürlich lebenden Äschenbestände nachweislich vollständig auszurotten.
In der Roten Liste der IUCN ist die Äsche als nicht gefährdet („least concern“) eingestuft.
Komorane verletzen auch keine Menschen. Warum sollte man jetzt noch mal handeln?

Nicht falsch verstehen, aber das sind genau die Punkte welche du beim Wolf angeführt hast.
Vielleicht begreift du dadurch wie unsinnig diese Ansicht doch ist.

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Re: Kormorane

Beitrag von Erklärbär » 20. Mai 2019, 07:21

Gefährdungsgrad und Bestandsentwicklung In Deutschland gilt der Bestand der Äsche derzeit als stark gefährdet. Auch in den meisten Bundesländern der atlantischen Region wird die Art als stark gefährdet eingestuft. In Nordrhein-Westfalen ist die Art nur auf der Vorwarnliste geführt. Der Bestand hat in den letzten Jahren sehr stark abgenommen
Das ist BfN. Stand 2013.

Seitdem ist es nur noch trauriger geworden mit der Äsche.


https://www.google.de/url?sa=t&source=w ... 6rAVez3Pb2

Es geht nicht nur um den internationalen Stand. Lokal sind die Äschenbestände vernichtet.

TheOnikra

Re: Kormorane

Beitrag von TheOnikra » 20. Mai 2019, 12:15

Ach was und das trifft auf den Wolf etwa nicht zu. Lokal? weißt du was Lokal für Wölfe wäre. Das wäre ein Rudel oder weniger.
Nur auf Grund seiner Biologie wird er nicht in lokale Populationen gerechnet.
Nach deiner Auffassung würde ja auch ein Aquarium reichen und ich betone das ist nicht meine Ansicht sondern deine übertragen auf eine andere Tierart.

Aber sage mir doch den Bestand den du für Äschen und den einzelnen Bundesländern für günstig hälst ... und dann schreibe Wölfe dahinter.
Da wird immer gefordert der Wolf sollte wie alle anderen Tiere Behandelt werden, warum nicht in diesen Punkt!

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Re: Kormorane

Beitrag von Lutra » 20. Mai 2019, 12:37

Danke für den Link! Da Fische nicht gerade mein Gebiet sind, ist das sehr interessant zu lesen und bestätigt eigentlich voll und ganz meine Ansichten, selbst der eine Satz, wo der Kormoran vorkommt:
Als Folge der Strukturarmut der Gewässer (geringe Versteckmöglichkeiten) kann zumindest lokal auch eine hohe Prädation (v. a. durch Kormorane) eine Gefährdung darstellen.
Erster Teil des Satzes: Folge menschlicher Tätigkeit. Der Kormoran ist dann der Vollstrecker, aber natürlich der Hauptschuldige.

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Re: Kormorane

Beitrag von Erklärbär » 20. Mai 2019, 14:27

Nein, ich habe die Schuld des Menschen ja nicht ausgeblendet. Wir setzen uns an allen Fronten ein. Das entbindet uns nicht von der Aufgabe, die letzten Fische vor den Kormoranen zu schützen. Die nun wirklich dermaßen überhandnehmen. Verschließe die Augen nicht davor!

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