Jagdgesetz und Hund

Alles rund um die wölfischen Vierbeiner zu Hause.
harris
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Re: Jagdgesetz und Hund

Beitrag von harris » 14. Apr 2016, 07:01

Nina hat geschrieben:
harris hat geschrieben:Es beißt doch keine Maus den Faden ab, dass die Katzen die Vögel fangen liegt doch klar auf der Hand.
Stimmt, Katzen fangen Vögel. Menschliche Jäger töten übrigens auch Vögel: In den vergangenen drei Jahren waren es laut Deutschem Jagdverband bundesweit 32.437 Waldschnepfen, 1.172.825 Wildenten, 9.133 Rebhühner, 361.921 Fasane und 1.835.226 Wildtauben.¹

Über andere Vogelarten gibt es leider keine offiziellen bundesweiten Veröffentlichungen, aber ein Blick in die relativ transparente Jagdstatistik von Nordrhein-Westfalen² - gerade einmal eines von 16 Bundesländern - lässt die Dimensionen der Abschüsse für die vergangenen drei Jahre im Bundesgbiet erahnen (Fallwild nicht mitgerechnet). Nicht vergessen- Zahlen bitte mindestens verdreizehnfachen (Stadtstaaten mal außen vor) +X, um den Hauch einer Vorstellung der Dimensionen zu erhalten:

Höckerschwäne: 304
Graugänse: 27.219
Kanadagänse: 14.604
Nilgänse: 22.626
Blässhühner: 6.214
Lachmöwen: 4.267
übrige Möwen: 1.239
Grauheiher: 5
Aaskrähen: 353.361
Elstern: 103.463
Eichelhäher: 7

Und das sind nur die in Deutschland legal geschossenen Vögel - dabei ist die illegale Greifvogelverfolgung zusätzlich ein großes Problem.³
Das Komitee gegen den Vogelmord e.V. beziffert die in Deutschland jährlich geschossenen Zugvögel auf 1,5 Mio.
In Italien werden von Menschen im Namen der Tradition jährlich rund 17 Mio. Wildvögel getötet, darunter Feldlerchen und Singdrosseln.⁵
Malta gilt als größte Vogelfalle Europas.⁶ In Spanien beträgt die Vogelstrecke rund 11 Mio. Tiere jährlich.⁷ Zypern und Frankreich sind weitere Hochburgen der Vogeljagd.

In Europa kommen einer Studie aus 2003 zufolge jährlich zwischen 350.000 und 27 Millionen Vögel durch den Straßenverkehr ums Leben.⁸

Auch Igel fressen Gelege und Jungvögel. Erst im Jahr 1997 und nur aufgrund öffentlicher Proteste zog der Deutsche Jagdverband sein Merkblatt Nr. 2 zur Fasanenhege zurück, in dem zur Tötung der Igel, beispielsweise mit dem Jagdmesser, aufgerufen wurde.⁹

Angesichts dieser Zahlen erscheint mir die Fokussierung auf die Katzen einseitig und rein interessengeleitet, zumal die Problematik bereits auf politischem Wege gelöst wird (z. B. Paderborner Modell), der Katzenabschuss zudem in den ersten Bundesländern bereits gesetzlich verboten und der Hundeabschuss an strengste Auflagen geknüpft worden ist.
Um das zu sehen darf man eben nicht nur aus dem Küchenfenster schauen oder irgendwelche Links von irgendwelchen Profs aus dem Netz (natürlich nur die, die einem selbst nur gefallen) ziehen und seitenweise verlinken :-x , sondern da sollte man schon mal mit offenen Augen durch die Natur laufen. Und nicht nur Sonntags Nachmittag wenn die Sonne schein! Und vielleicht mal die Scheuklappen absetzten und das Ganze sehen und sich nicht immer nur seine "Lieblingsspezies" raussuchen und die speziell als besonders schützenswert darstellen...
Tja, harris, es liegt mir generell fern, deine Kompetenzen in welcher Richtung auch immer zu beurteilen. Aber auf einem Gebiet kann ich dir jegliche Kenntnis guten Gewissens komplett absprechen: Über mein Berufs- und Freizeitverhalten in der Natur und am Küchenfenster bei unterschiedlichem Wetter. Da kannst du dir noch so viel über mich ausdenken und meine Beiträge mit noch so bösen Smileys beantworten: Wenn ich so einen Mumpitz lese, fällt mir dazu nur ein Gesicht ein: :lol:

¹ https://www.jagdverband.de/node/3304
² https://www.umwelt.nrw.de/natur-wald/ja ... statistik/
³ http://www.komitee.de/content/aktionen- ... verfolgung
http://www.komitee.de/content/aktionen- ... eutschland
http://www.komitee.de/content/aktionen- ... te/italien
http://www.komitee.de/content/aktionen- ... /vogelfang
http://www.komitee.de/content/aktionen- ... te/spanien
http://www.landtag-niedersachsen.de/ps/ ... attachment Drucksache 17/5350, Frage 45, S. 92
Bode/Emmert: Jagdwende - Vom Edelhobby zum ökologischen Handwerk, Beck 2000, S. 77
Ich bin echt beeindruckt von Deinen Ausführungen. Hut ab, kannst stolz auf Deine Recherchen sein. Aber mach doch mal einen Schritt vor die Tür, dann sieht die echte Welt etwas anders aus als im WWW. So ab jetzt kannste mit dir alleine diskutieren. Viel Erfolg und vergiss dich nicht dabei mehrmal auf die Schulten zu klopfen!

Timber
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Re: Jagdgesetz und Hund

Beitrag von Timber » 15. Apr 2016, 03:24

Nina hat geschrieben:Selbstverständlich kann man auf Kritik an bewusst herbeigeführten Haustiertötungen durch Freizeitjäger mit "Sarkasmus" (?) reagieren und Zitaten die entscheidenden Kernelemente entnehmen, um im Folgezug die auf diese Weise reduzierten und damit sinnentstellten Aussagen ins Lächerliche zu ziehen.
Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe es in dem Beitrag recht gut auf den Punkt gebracht, denn lächerlich ist nicht meine Zusammenfassung, sondern das was du, möglicherweise mangels Kenntnis, impliziert hast. Andere Mitleser (sofern die hier noch existieren?) mögen diese Interpretation gerne korrigieren, aber dein Text lässt im Kontext mit den anderen eine pauschale Unterstellung der Unwissenschaftlichkeit gegenüber jagdlich-aktiven Wildbiologen* erkennen. Ebendas ist absurd und sollte als das gekennzeichnet werden was es ist: unhaltbar.

Allgemein: Wenn man unwissenschaftliches Arbeiten feststellt, kann man sich immer fragen woher das rühren könnte, umgekehrt aber Autoren allein deswegen zu ignorieren, weil sie nicht im luftleeren Raum forschen und lehren, sondern auch den Austausch mit den unmittelbar von ihrer Fachgebiet berührten Personen pflegen (egal ob aus Landwirtschafts-, Jagd- oder Naturschutzkreisen), ist nicht legitim.

Beispielhaft verweise ich erneut auf den von dir schon zitierten Dipl. Biol. Christof Janko, der jagdlich sehr aktiv ist (jagdliche Ausbildung, Artikel in der Presse, Vorträge, privat, etc.), was ihn aber nicht daran hindert wissenschaftlich einwandfreie, anerkannte Arbeiten abzuliefern und etwa den üblichen jagdlichen Abschuss für gänzlich ungeeignet zu erklären, wenn es um die Zurückdrängung des Fuchsbandwurms geht.

Zur Person selbst sei gesagt, dass Prof. Hackländer sich oft genug die Verbände und deren konkrete Positionen scharf kritisiert hat und neben seinen Aktivitäten im jagdlichen Umfeld, die du scheinbar als kompromittierend empfindest, als wissenschaftlicher Berater und Gutachter für die verschiedensten staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen, wie WWF, IUCN und US Geological Survey, tätig war und auch vom Naturschutzbund Österreich, dem Pendant zum deutschen NABU, als ausgewiesener Experte in dessen Publikationen interviewt wird. (siehe Vita)

Bezogen auf das eigentliche Thema, die Katzen, wirkt eine solche Unterstellung schon weit hergeholt, wenn man die Aussagen beiden zitierten Autoren im einzelnen vergleicht und sich vor Augen hält, dass Dr. Lachmann und Prof. Hackländer in den wesentlichen Grundannahmen übereinstimmen - beide sehen Habitatverbesserungen als primär für den Artenschutz an, beide bejahen, dass Hauskatzen durch Prädation einen negativen Einfluss auf die Fauna haben können, beide führen diesen Einfluss auf deren unnatürlich hohe Dichten zurück. Wo sie differieren ist letztlich "nur" die Stärke dieses negativen Einflusses, dabei stellt sich Prof. Hackländer auf den Standpunkt (konkret belegt mit Quellen), dass es unter entsprechenden Umständen auch abseits von Inseln, nicht nur zu Rückgangen, sondern auch zu lokalen Extinktionen kommen kann.

* Sofern dies nicht die Absicht war, brauchst du dich von der Replik selbstverständlich nicht getroffen zu fühlen.
Nina hat geschrieben:Wenn Herr Prof. Dr. Klaus Hackländer "Universitätslehrgänge" zum "akademischen Jagdwirt" anbietet und als eine der Zielsetzungen selbst die Weiterbildung zu "Multiplikatoren und Meinungsbildnern für eine nachhaltige Jagd der Zukunft" benennt, dürfen wir sicher fragen, ob und inwieweit diese jagdlichen Interessen möglicherwiese auch in seinen Arbeiten eine Rolle spielen könnten.
Was du da nennst, ist letztlich Teil des Lehrauftrags, besonders an Fakultäten mit forstlichem Bezug (Göttingen, Freiburg, Wien, München, Tharandt, etc.). Die Erkenntnisse der Forschung sind essentiell, wenn man effektives Wildtiermanagement, zu dessen Maßnahmenkatalog eben die ordentlich ausgeführte Jagd zählt, fördern will.
Und wie anders soll man diese Erkenntnisse unters Volk, genauer gesagt, unter die teilweise recht halsstarrige Jägerschaft bringen, als durch gezielt ausgebildete Leute ("Meinungsbildner"), welche die Konzepte praktisch umsetzen und als Vorbild dienen ("Multiplikatoren").

Wenn durch diese Maßnahme die Jagd effizienter wird, ist das generell begrüßenswert und ein dadurch besseres Bild in der Öffentlichkeit auch nur folgerichtig. Dies ins Zwielicht zu ziehen, würde bedeuten Verbesserungbestrebungen abzustrafen. Das wäre der irrwitzigen Situation mit den "Tierrechtlern" ähnlich, die die Tierschützer dafür angreifen, dass deren Tierschutzmaßnahmen das "Unrecht gegenüber Tieren" nur zementieren.
Nina hat geschrieben:
Viele ahnen es schon längst: Jagdgesellschaften überaltern, der Nachwuchs bleibt aus.
Überall muss sich der Jäger für sein Tun und seine Leidenschaft rechtfertigen. Argumentativ stehen die Jäger oft mit dem Rücken an der Wand. Von allen Seiten wird gegen die Jagd gewettert: Tierschutz, Naturschutz, Politik, Verwaltung.
(Prof. Dr. Klaus Hackländer: Jagd und Jäger im Visier - Perspektiven für die Freizeitjagd in unserer Gesellschaft, a.a.O.)
Hackländer beklagt, dass es für die Jagd in Österreich eigentlich "schon fünf vor zwölf" sei. Als Ursache nennt er u. a. die veränderte Medienlandschaft, in der Informationen nicht mehr lokal durch "Wirtshaus" oder "Kirchgang", sondern global verbreitet würden und "mittlerweile die schlechten Nachrichten", z. B. über Jagdunfälle, "sogar aus den entlegensten Ecken Österreichs bis in die Zeitungsredaktionen in Wien" gelangten. Er spricht sogar von einer "gesellschaftlichen Zeitbombe", die "ohne Gegensteuern schwer zu beherrschen" sei. Hackländer sieht die Jägerschaft in der Rolle einer "gefährdeten Minderheit":
Sie zeigt das typische Verhalten einer Minderheit, die eng zusammengeschweißt ist, weil die Mehrheit sie ignoriert oder gar ablehnt. Wir leben in Demokratien, bei denen Minderheiten wie die Jägerschaft leicht überrollt werden.
Es waren demokratische Entscheidungen, die vor ca. 30 Jahren im Kanton Genf die Jagd abgeschafft und später in den Niederlanden oder im Raum Berlin die Zahl der jagdbaren Wildarten stark eingeschränkt haben. Einst war es normal, mit der Waffe selbstbewusst durch den Ort auf die Jagd zu gehen.
Was erstmal eine recht nüchterne Zustandsbeschreibung ist (es sei denn, dir ist 'wettern' zu wertend). Die Diskussion, die wir hier führen, ist dafür ja wahrscheinlich schon Beweis genug. Viele der Punkte, die er anspricht, haben wir bereits angekratzt. Auch die Schlussfolgerung trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er der Jägerschaft empfiehlt "die Gesellschaft von zwei Richtungen aus von den positiven Seiten der Jagd überzeugen". Man kann seine Gedanken zum Thema auch so formulieren:

Außendarstellung ist wichtig, aber ohne Substanz dahinter unglaubwürdig - umgekehrt ist gutes Weidwerk vor Ort zwar von zentraler Bedeutung, findet aber nur mit entsprechender Kommunikation, welche die Mauer zwischen den Gruppen überwindet, öffentliche Zustimmung.
Nina hat geschrieben:Hackländer beklagt, dass die Jäger es versäumt hätten, eine Nutzung der Medien im Wandel der Zeit mit ihren eigenen Traditionen und Werten zu verknüpfen und schreibt wörtlich: "„Wenn ich meinen „Feind“ (Medien) nicht besiegen kann, dann muss ich mich mit ihm verbünden.“"

Als Lösung des Problems nennt Hackländer neben des "guten Beispiels" des lokalen Jägers direkt vor Ort, der "wiederholt
mit notwendigen Argumenten pro Jagd geschult" werden sollte: "Zusätzlich bedarf es einer gezielten und langfristigen Medienkampagne
seitens der Jagdverbände mit professioneller Unterstützung" und resümiert, dass "Lobbyisten, Wahlkampfmanager und Markenproduzenten ein Lied davon singen" könnten, wie "steinig und teuer" der Weg zu einem "guten Image" sei.
Man braucht kein PR-Berater zu sein um festzustellen, dass der Umgang der jagdlichen Interessensverbände mit der Öffentlichkeit mit dem Wort "unprofessionell" noch beschönigend umschrieben ist. Zwar sind in den letzten Jahren gewisse Modernisierungstendenzen zu erkennen, aber ihre Struktur und Öffentlichkeitswirkung liegt immer noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, hinter dem zurück, was Greenpeace und PETA , aber auch der NABU, wie selbstverständlich zustandebringen, freilich, ohne das zu werten, unter fleißiger Mithilfe von guten Beratern und PR-Agenturen.
Nina hat geschrieben:Aus Jägersicht mögen diese Argumente allesamt begründet und nachvollziehbar klingen, jedoch vernachlässigen sie aus meiner Sicht die nicht schön zu redenden Mängel des "Produkts" Freizeitjagd, mit dem die Bevölkerung so unzufrieden ist - und das nun ausgerechnet durch professionell gestützte Werbe- und Medienkampagnen eine Imagepolitur erhalten soll.
"Auf einem guten Image darf man sich nicht ausruhen. Permanente Selbstbewertung und Selbstkritik ist überlebenswichtig. Wer sie betreibt, ist alles andere als ein Nestbeschmutzer, sondern jemand mit Vision, der die Jagd für zukünftige Generationen erhalten möchte." - Das war ein Auszug seines von dir zitierten Traktats. Wo man da ein "weiter so" oder ähnliches herauslesen kann, ist ehrlich gesagt schleierhaft.

Zum Punkt mit der Unzufriedenheit ließe noch eine ganze Menge zu den allbekannten Meinungsumfragen, speziell bezüglich Aussagekraft und Interpretation, sagen, zwecks Übersichtlichkeit lasse ich es an dieser Stelle darauf beruhen.
Nina hat geschrieben:Es zeichnet unsere demokratische Gesellschaft aus, dass jeder Einzelne von uns die größtmöglichen Freiheiten genießt. Dabei bleibt es aber auch nicht aus, dass die Freiheit des Einzelnen dort endet, wo die Beeinträchtigung anderer beginnt. In diesen Grenzbereichen muss die Gesellschaft abwägen, welches der Güter jeweils höher zu bewerten ist.
Lehrbuchhaft formuliert, klingt wie aus einer Rede von Norbert Lammert.
Nina hat geschrieben:Als Vergleich könnte man auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau blicken, [...]
Das kann man. Man kann die Gleichberechtigung von Mann und Frau ebenso als Beispiel heranführen, wenn es darum geht zu zeigen, dass eine Mehrheit nicht automatisch deswegen Recht hat, weil sie Mehrheit ist. Unrecht ist auch in durch und durch demokratischen Systemen zu finden.

Der Schweizer Kanton mit dem wohlklingenden Namen Appenzell Innerrhoden war, nach einem Bundesgerichtsentscheid vom 27. November 1990, der letzte Schweizer Kanton, der das 1971 auf eidgenössischer Ebene beschlossene Frauenstimmrecht gegen den Willen der Mehrheit der - männlichen - Stimmbürger auch auf kantonaler Ebene einführen musste.
SammysHP hat geschrieben:Wenn Hunde nicht wildern dürfen, sollten Katzen es auch sein lassen. Man kann seiner Katze beibringen, das Grundstück nicht zu verlassen. Alternativ schafft man sich keine Katze an. Hunde laufen in Deutschland ja meistens auch nicht alleine durch die Gegend.
War mir nicht bewusst, dass das funktioniert (vlt. hat das unseren bloß noch niemand gesagt).


Gruß
Timber

Nina
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Re: Jagdgesetz und Hund

Beitrag von Nina » 15. Apr 2016, 19:58

Anhand eines konkreten Beispiels wird meine Aussage sicherlich etwas deutlicher:

Der Hegering Wattenscheid als Teil des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen e.V. möchte auf seiner Website nach eigenen Angaben unter der Rubrik "Wir über uns" Vorurteile abbauen:

"Vorurteil" Nr. 1: Jäger erschießen Hunde
“Ich habe ja Angst, dass mein Hund erschossen wird, wenn ich mit ihm ohne Leine durch den Wald spaziere...”

In Kurzform: Nein, wir schießen nicht auf Hunde,

aber:

jeder Hund, gleich welcher Größe oder Rasse ist zunächst einmal Raubtier mit angewölftem Jagd- und Beutetrieb.[...]

Natürlich darf ein Jäger einen wildernden Hund erschießen. Dass dies aber hier jemals geschehen wäre, ist uns nicht bekannt. Meist kann ein Jäger einen “scheinbar” herrenlos jagenden Hund von einem “Wilderer” unterscheiden. Im Zweifel auch mal den Tierschutz oder die Polizei verständigen, wenn sich kein Besitzer findet, aber wohl kaum den Hund erschießen.

Die Angst um den Hund ist also unberechtigt. Jäger mögen Tiere, haben zumeist selber Hunde und wissen um die Bindung zum vierbeinigen Freund. Dass es aber im Einzelfall auch mal einen deutlichen Hinweis an den Halter gibt, wenn Bello das ganze Revier aufmischt, ist sicher verständlich.

http://www.ljv-nrw.de/inhalt/hegering-w ... _4249.html
Die offizielle Jagdstrecke¹ geschossener Hunde allein in Nordrhein-Westfalen beträgt allerdings tatsächlich:

2012/2013 -- 68 Hunde
2011/2012 -- 55 Hunde
2010/2011 -- 77 Hunde
2009/2010 -- 69 Hunde
2008/2009 -- 128 Hunde
2007/2008 -- 158 Hunde


Aber dem Hegering Wattenscheid ist kein Fall bekannt? Liest man dort keine Jagdstatistiken des eigenen Landesjagdverbandes?

"Vorurteil" Nr. 2: Jäger töten Katzen
“Jäger schießen ja selbst auf unsere Hauskatzen...”

In Kurzform: Nein, wir schießen nicht auf Katzen,

aber:

viel schädlicher noch als jagende Hunde sind streunende und wildernde Katzen, weil die, im Gegensatz zu den Hunden, sehr erfolgreiche Jäger sind! [...]

Übrigens, auch hier ist uns kein Fall bekannt, in dem eine Katze in unseren Revieren eines ihrer neun Leben durch die Hand eines Jägers eingebüßt hätte.

http://www.ljv-nrw.de/inhalt/hegering-w ... _4249.html
Die offizielle Jagdstrecke¹ getöteter Katzen allein in Nordrhein-Westfalen beträgt allerdings tatsächlich:

2012/2013 -- 9.000 Katzen
2011/2012 -- 9.842 Katzen
2010/2011 -- 10.255 Katzen
2009/2010 -- 11.121 Katzen
2008/2009 -- 11.385 Katzen
2007/2008 -- 13.348 Katzen


Frage: Was stimmt hier nicht? Finde den Fehler! :roll:

¹ https://www.umwelt.nrw.de/natur-wald/ja ... statistik/

Lutra
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Re: Jagdgesetz und Hund

Beitrag von Lutra » 15. Apr 2016, 20:17

Timber hat geschrieben: Andere Mitleser (sofern die hier noch existieren?) mögen diese Interpretation gerne korrigieren
Doch, die existieren! :p

Ich z.B. kann da nur nicht viel dazu sagen. :oops:

Wir haben zwei Katzen. Der Kater ist im Vollbesitz seiner Männlichkeit. Er ist aber wildernmäßig recht doof. Dem fressen die Mäuse das Katzenfutter weg. Er ist noch nie mit einer Maus oder einem Vogel heimgekommen, nur mal mit einer schwangeren Mieze, die dann bei uns im Schuppen gejungt hat. War auch eine schöne Erfahrung, die kleinen Katzen. Sind alle drei in gute Hände gegangen und die Mutter wurde von uns adoptiert und gemeinerweise sterilisieren gelassen. Die bringt aber Mäuse bis zur Schermaus, auch ab und zu mal einen Vogel, aber eher selten. Beide haben Freigang, ist bei uns eingeborenen Dorfbewohnern das Normale. Katzen, die nicht raus dürfen oder gar an der Leine geführt werden, sind irgendwann mal aufgekommen und wurden anfangs belächelt.
Das die Freigänger Gefahren ausgesetzt sind ist klar. Am gefährlichsten ist da sicher der Straßenverkehr. Unsere Jäger hier eher nicht. Die sind aus dem Ort und kennen die Dorfkatzen. Hunde dürfen in Sachsen nicht so einfach geschossen werden, nur mit ausdrücklicher fallbezogener Genehmigung.

Die ganzen wissenschaftlichen Diskussionen zum Einfluß von Katzen auf die Fauna nehme ich zur Kenntnis, sage dazu, es haben alle recht, und wenn jemand sagt, ich könnte doch nicht jedem recht geben, kann ich ihm nur sagen, dass er auch recht hat. ;-)

Timber
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Re: Jagdgesetz und Hund

Beitrag von Timber » 15. Apr 2016, 23:22

Lutra hat geschrieben:Die ganzen wissenschaftlichen Diskussionen zum Einfluß von Katzen auf die Fauna nehme ich zur Kenntnis, sage dazu, es haben alle recht, und wenn jemand sagt, ich könnte doch nicht jedem recht geben, kann ich ihm nur sagen, dass er auch recht hat. ;-)
+ Gäbs hier ein 'Gefällt mir' würde ich es drücken.

@Nina
Naja, was soll man da sagen. Man merkt den Rechtfertigungsdruck. Das mit den Katzen nehm ich denen nicht ab, das mit den Hunden schon eher.


Gruß
Timber

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Re: Jagdgesetz und Hund

Beitrag von harris » 15. Apr 2016, 23:59

Laut Gesetz darf ein wildernder Hund oder eine Katze in Niedersachsen außerhalb von 200m Entfernung vom letzten Wohngebäude geschossen werden.
Wenn es denn eine Hauskatze ist, warum ist sie dann 200m vom Haus weg und scheißt und wildert sie nicht im eigenen Garten?

So, Nina, jetzt kommst Du wieder :roll: :roll: :roll: :roll:
Es hat aber keinen Zweck bei Dir, denn: "Deine Meinung steht fest, irritiert sie jetzt bitte nicht mit Fakten!"

Nacht

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Re: Jagdgesetz und Hund

Beitrag von Timber » 16. Apr 2016, 02:11

harris hat geschrieben:Wenn es denn eine Hauskatze ist, warum ist sie dann 200m vom Haus weg und scheißt und wildert sie nicht im eigenen Garten?

So, Nina, jetzt kommst Du wieder :roll: :roll: :roll: :roll:
Es hat aber keinen Zweck bei Dir, denn: "Deine Meinung steht fest, irritiert sie jetzt bitte nicht mit Fakten!
Weil Katzen nunmal sehr eigensinnige Wesen sind, die, wenn man sie in den Garten lässt, nicht immer dort bleiben, sondern umherstreifen und u.a. auch jagen.

Nun, es geht, wenn ich an der Stelle antworten darf, darum, dass Nina (und damit ist sie nicht allein) den Tod von (Haus-)Tieren, verglichen mit den erzielten Effekten für Niederwildhege und den Schutz lokaler Populationen, für unverhältnismäßig hält.

Man kann über die dieser Einschätzung zugrunde liegenden Fakten streiten, aber letztlich ist es ein Werturteil. Mir selbst käme es auch nicht in den Sinn, diese umfassende gesetzliche Ermächtigung des Jagdschutzes ohne weiteres auszunutzen, außer ich hätte mit wirklich außergewöhnlichen Umständen zu kämpfen und wüsste mir nicht anders zu helfen.

Diese Wertungen haben es allgemein auch an sich, dass sie für andere nicht immer nachvollziehbar sind. Ich persönlich kann etwa ein Grundrecht zur Jagd, wie es in einigen US-Bundestaaten in der Verfassung verankert ist, besser rechtfertigen, als Autobahnen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung ...


Gruß
Timber

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Re: Jagdgesetz und Hund

Beitrag von SammysHP » 16. Apr 2016, 09:30

Wenn Katzen das zwingende Bedürfnis haben, durch die Nachbarschaft zu streifen und zu jagen, sollte man sich überlegen, ob sie wirklich ein Haustier sind. Das Geschrei wäre riesig, würden Hunderudel durch die Gegend ziehen (zumindest in Deutschland).

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Re: Jagdgesetz und Hund

Beitrag von Nina » 18. Apr 2016, 14:49

Naja, so einfach ist es dann doch nicht. Wir würden ja auch nicht bei Luchs und Wolf dieselben Bedürfnisse und Verhaltensmuster unterstellen.

Die Sonderstellung der Katze ist nicht zuletzt ihrer autonomen Lebensweise geschuldet, während für die Hunde das Leben im Rudel ein elementares Bedürfnis darstellt.

Den Stellenwert der Katze hat z. B. das Amtsgericht Rheinberg mit Urteil 10 C 415 91 entsprechend der ständigen Rechtsprechung wie folgt beurteilt:
In Wohngegenden, die - wie hier - aus Häusern mit Gärten bestehen, gehört die Katzenhaltung mit freiem Auslauf zur Lebensführung vieler Familien. Da es unmöglich ist, Katzen innerhalb des Grundstückes des Halters so sicher zu verwahren, dass diese nicht auf das Grundstück des Nachbarn entlaufen können, würde ein Unterlassungsanspruch des Klägers bedeuten, dass dieser seiner gesamten Nachbarschaft die Katzenhaltung untersagen könnte. Eine derartige Rechtsposition kann auch unter Berücksichtigung des sich aus dem Grundbesitz des Klägers ergebenden Verbietungsrecht nicht schützenswert sein.

Amtsgericht Rheinberg, 10. Zivilabteilung, 10 C 415 91 vom 28.11.1991
Das Recht des einzelnen Nachbarn wird also eingeschränkt, und die ortsübliche Lebensführung vieler Familien stattdessen als höheres Gut bewertet.
Insofern beißt sich diese Rechtsauffassung mit dem Katzenabschuss aus Jagdschutzgründen.

Ein weitere Begründung, warum die generelle Forderung nach einem Freilaufverbot für Hauskatzen unverhältnismäßig erscheint, sind ihre Vorteile gerade im Bereich der Landwirtschaft. Proplanta titelte am 13.08.2013: "Katzen - Helfer in der Landwirtschaft":
Katzen spielen bei der Schädlingsbekämpfung im landwirtschaftlichen Betrieb eine wichtige Rolle. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat jüngst ein Merkblatt zum Thema herausgegeben, um über den richtigen Umgang mit Katzen in der Landwirtschaft zu informieren. Denn nur gesunde Katzen fangen Schädlinge.

http://www.proplanta.de/Agrar-Nachricht ... 00900.html
Der Gifteinsatz gegen Mäuse bedroht dagagen auch u. a. Hunde, Katzen und Feldhamster sowie heimische Greife und Eulen, die Mäuse als Nahrung an ihre Jungen verfüttern.¹ Im vergangenen Herbst fielen zudem gleich 150 Wildgänse auf dem Salzhaff bei Rerik in Mecklenburg-Vorpommern dem Mäusegift Zinkphosphid zum Opfer.²

Persönlich kann ich die Rivalität unter Hunde- und Katzenhaltern nicht nachvollziehen, wie sie z. B. am 03.12.2013 in der Süddeutschen Zeitung skizziert wurde:
Sie stehen sich unversöhnlich gegenüber, ohne jede Chance auf Kompromiss. Es gibt Hundemenschen und Katzenmenschen. Punkt. Dazwischen ist: nichts.

http://www.sueddeutsche.de/leben/katzen ... -1.1833483
Als Hundebesitzer kann ich mich mit den Nachbarskatzen, die uns einen Besuch abstatten, auch schon mal einem Vogel nachstellen und unseren Sandauslauf als Katzenklo missbrauchen, gut arrangieren. Tagsüber wird jeder samtpfotige Eindringling zügig von meinem Hund wieder zu seinem Grundstück zurückbegleitet und nachts habe ich nichts dagegen, wenn die wilde Mäusebande im Pferdestall einer vierbeingen Aufsicht unterstellt ist, die ehrenamtlich dafür sorgt, dass es die Nager nicht zu bunt treiben und sich dabei allzu sicher fühlen. ;-)

Das veraltete Recht auf Haustierabschüsse aus Jagdschutzgründen - egal, ob es sich nun um Hund oder Katze handelt - verträgt sich nicht mit dem Stellenwert der vierbeinigen Familienmitglieder, den Haustiere in der Gegenwart eingenommen haben. Die Rechtsprechung hat sich im Siedlunsgbereich darauf eingerichtet, der Tierschutz ist im Grundgesetz und im Tierschutzgesetz verankert, und es wäre nun auch an der Zeit, überholte Jagdgesetze zu entrümpeln und einer modernen Gesellschaft anzupassen. Der Akzeptanz der Jagd käme das nur zugute, und der Hegering Wattenscheid könnte seinen Kampf gegen die "Vorurteile" mit Zahlen belegen, die nicht im Widerspruch zu seinen Imagepflege-Botschaften stehen. ;-)

¹ http://www.br.de/nachrichten/maeusegift ... g-100.html
² http://www.svz.de/regionales/newsticker ... 41046.html

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Lone Wolf
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Re: Jagdgesetz und Hund

Beitrag von Lone Wolf » 18. Apr 2016, 18:00

Hauskatzen, also domestizierte Katzen leben in urbanen Gebieten in bestimmten Revieren die zum Teil extrem klein sind, sich überlappen. Gerade in urbanen Gebieten sind aber vielfältige Vorteile für Vogelpopulationen zu beobachten ,die von diesen auch weidlich genutzt werden. Wie so oft in der Natur, dort wo gutes und reichliches Futter, dort wo gute Nistmöglichkeiten existieren, gibt es auch mehr Nachwuchs.
Katzen dezimieren massiv oder rotten nur dort aus, bzw. bedrohen eine Art, wo Katzen-artige und andere Prädatoren nicht vorkamen sondern, Achtung, von Menschen eingeschleppt worden sind und damit die einheimische Vogelwelt vor Probleme gestellt wurden, die innerhalb weniger Generationen nicht gelöst werden können. Wie Grauer Wolf so oft richtigerweise feststellt: Dort wo der Mensch rumpfuscht ohne ökologische Zusammenhänge zu kennen und zu beachten... Mittlerweile drei mal weilte ich selbst auf Inseln im Indischen Ozean, wo genau dies passierte. Wobei, auch dies sei aus den dortigen Erfahrungen erwähnt, eingeschleppte Ratten spielten in der Invasionsbiologie die deutlich gefährlichere Rolle, waren das Hauptproblem der Vogelwelt und deren einzigen Feinde wiederum waren die durch Siedler mitgebrachten Katzen...
Im Grunde sind Katzen daher auf einer Seite mitverantwortlich, dass bodenbrütende Arten wie der Seychellendajal oder der Weißschwanz Tropikvogel nahe der Extinktion waren, auf der anderen Seite konnten sich vielleicht durch die stete Bejagung von Ratten zumindest eine Anzahl dieser Vögel retten, die sich durch die Wiederherstellung ihrer ursprünglichen Lebensräume, diesmal strikt ohne Ratten und Katzen, auf kleineren Inseln wie Aride, welche ich zur Seevögelbeobachtung kürzlich selbst besuchen konnte und anderen, erfreulicherweise wieder vermehren.
Lange Rede, kurzer Sinn, wer sich die Liste der wirklich ausgerotteten Vögel anschaut, dem fällt schnell auf, dass nahezu alle auf Inseln ausstarben, auf denen sie häufig genug endemisch waren. Für die extrem kleine Anzahl an Arten wo dies nicht zutrifft, waren auch keine Katzen schuld, sondern die gründliche Vernichtung des Lebensraumes durch den Menschen. Mir erscheint der Fingerzeig auf Katzen, gerade in Gebieten mit jahrtausendealter Koexistenz der verschiedensten Vogeljäger, wie eben Katzen, Marderartige, Hörnchenartige und nicht zuletzt räuberischer Vögel eher als Ablenkungsmanöver und Alibi, denn als belastbarer Beweis.

Grüße
LW
In der ganzen Natur ist kein Lehrplatz, lauter Meisterstücke
Johann Peter Hebel

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