Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Alles rund um die wölfischen Vierbeiner zu Hause.
balin
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Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von balin » 13. Apr 2014, 08:11

Die brauchen eben Pferde mit robuster Psyche! ;-)
Bin ja zur Zeit am suchen, wie denn die Herdenschutzhundezucht bei uns aussieht oder aussehen könnte. Wie bei den Hütehunden geht es ja vor allem um den Praxisbezug und nicht um Lifestyle. Da braucht man ehrliche Züchter, denen es um die Sache geht und die mit der Problematik vertraut sind. Effekthascherei und Promotion auf Teufel komm raus haben da kurze Beine. Sowas ähnliches mache ich ja mit meinen Freilandrindern mit. Um zu überleben brauchen die eine Menge Eigenschaften, die sich eben nur unter Praxisbedingungen zuverlässig entwickeln(müssen).
Den Ansatz hier finde ich gut:
http://www.ag-herdenschutzhunde.de/
Wichtig finde ich eine offene Arbeit bei sowas. Unsereins will ja keinen Verein betreiben, sondern seine Probleme lösen. Das voneinander Lernen schafft Vertrauen
und der Herdenschutz muß ja hierzulande neu gelernt werden. Die Zucht ist das eine und das produktiv zu kommunizieren das andere.
Für mich halte ich mal fest....man sollte das mit Hunden bei der Herde machen! Das muß die Basis sein.

kangal2
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Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von kangal2 » 14. Apr 2014, 08:36

In diesem Verein sind die Züchter alle selbst Schafhalter, wird also "an der Herde gemacht".

balin
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Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von balin » 8. Jul 2014, 04:07

Mein Projekt sind ja Herdenschutzhunde bei den Rindern. Als Hinderungsgrund sehe ich bis jetzt die Erbfeindschaft zwischen Kühen und Hunden rund um den Zeitpunkt der Geburt. Zur Zeit habe ich günstige Bedingungen um näheres beobachten zu können.
Die Herde lebt auf einer Standweide und organisiert ihren Tagesablauf selber.
Die Hunde müssen nicht umtreiben und sind trotzdem oft bei der Herde.
Die Hunde sind mit den Kühen und den Kälbern vertraut und in einem Alter, wo sie den gewünschten Burgfrieden zuverlässig einhalten.
In der Herde haben die meißten Kühe kleine Kälber bei Fuß.
Ich nehme mir die Zeit um zuzuschauen....was macht die Herde?....was machen die Hunde?
Für den Tag der Geburt kann ich wohl nichts ändern. Der Krieg ist genetisch verankert und deswegen nehme ich die Hunde an diesem Tag nicht mit. Kuh und Kalb sollen den ersten Tag gemeinsam verbringen und das machen sie unter meinen Bedingungen meißtens abseits der Herde.
Danach können aber die Hunde recht schnell wieder den gewohnten Tagesablauf annehmen. Wenn die Kälber und die Kühe nicht getrieben werden,
entsteht schnell eine Vertrautheit und die Kälber schließen neugierige Bekanntschaft mit den Hunden und die Kühe fangen keinen Krieg an, wenn die Hunde Kälberscheisse fressen und deswegen die Nähe der Kleinen suchen.
Das sind ungefähr Bedingungen, wie man sie mit Herdenschutzhunden vorfinden würde.
Die Frage ist allerdings, ob sich das Verhältnis nicht distanziert, wenn die Hunde wieder öfters treiben, oder, ob die Kühe und Kälber bei Anwesenheit von verschieden gearteten Hunden zwischen den eigenen Schutzhunden und den eigenen Treibhunden unterscheiden können?
Es könnte ja sein, daß sie dann beschließen "alle Hunde sind Mistkerle!".
Von der Tendenz her glaube ich aber, Rinder sind schlau genug. Man muß sie nur nachdenken lassen. Das nötige Selbstbewusstsin zum nachdenken haben sie sicherlich, jedenfalls bei mir. ;-)
Andere Frage ist, wie sich die Erfahrungen der Rinder mit den Hunden dann auf eventuell auftauchende Wölfe auswirken würden? Zu vertrauensselig sollten sie da ja auch nicht sein.

kangal2
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Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von kangal2 » 1. Aug 2014, 16:59

Um Schafe vor dem Wolf zu schützen, setzt der Bund auf Herdenschutzhunde. Doch viele Schafhalter zögern, weil sie Ärger mit Touristen befürchten. Neu wird den Hunden deshalb beigebracht, dass sie ihre Herde gegen Wanderer nicht verteidigen müssen.

http://www.srf.ch/news/regional/graubue ... eschuetzer

balin
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Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von balin » 6. Aug 2014, 06:23

Jaja, der Schutz der Passanten vor den Hunden. Habe für mich eine kleine Niederlage erlitten, weil es eben so nicht geht. Zur Zeit baue ich Zaun an einem öffentlichen Weg und habe Stacheldraht in15cm Abstand recht straff zwischen Metallpfählen in drei meter Abstand gespannt. Der unterste Draht ist ziemlich dicht am Boden und ich habe geglaubt, so eine Konstruktion würde die Hunde zumindest kurzfristig am Betreten des Weges hindern, wenn sie auf der anderen Seite sind. So schnell habe ich garnicht schauen können, wie die Hunde plötzlich hinter mir gestanden waren. Immerhin beruhigend, daß sie nicht zwischen den Drähten durchgehen. Sie zwängen sich einfach brutal unten durch.
Nun sind die allerdings mit etwas über zwanzig Kilo nur halb so groß wie ein Herdenschutzhund. Insofern mag es für die großen Kerle zumindest psychologisch immer noch einigermaßen zugunsten der Spaziergänger ausgehen. Es geht ja vor allem darum, hysterische Reaktionen zu vermeiden. ;-)

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Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von balin » 22. Sep 2014, 16:25

Das mit den Hunden und vor allem den fremden ist auch eine Frage der Persönlichkeitsstruktur. Dummerweise habe ich bis jetzt die Erfahrung gemacht, daß Frauen gegenüber Hunden ein gewaltiges Defizit haben. Kann es sein, daß sich die nicht eindeutig verhalten? Oder zumindest uneindeutiger als Männer? Ich gehe mal davon aus, daß gerade bei Herdenschutzhunden, die ja ein eigenes Verhaltensmuster haben, genau das der entscheidende Punkt ist. Rückzug ist Rückzug, Gleichgültigkeit ist Gleichgültigkeit, aber was will ein Hund mit hysterischen Reaktionen anfangen? Beissen,Verbellen, Schnüffeln oder Anpinkeln?
Man muß sich immer die potentiellen Begegnungssituationen vorstellen. Herdenschutzhunde schützen Schafe und andere vor Wölfen, wer schützt aber Herdenschutzhunde vor zweideutigen Annäherungen.
Bitte mal drüber nachdenken! Opferrolle auf Zweibeinerbasis zählt nicht. Auch Frauen können nachdenken.
Etwas provokativ, zugegeben. :-D
Aber im Kern richtig!

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Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von kangal2 » 27. Sep 2014, 00:14

Kommt auf die Frau an.
Das ist keineswegs geschlechterbezogen, aber Du hast teilweise Recht, Kangals behandeln im Extremfall Frauen oder Kinder anders als Männer. Von Wölfen ganz zu schweigen. :mrgreen:

Widukind

Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von Widukind » 19. Feb 2015, 09:22

In Eschede, LK Celle, gibt es anscheinend Probleme mit Kangals. Leider ist der komplette Artikel nur mit Abo zu sehen.
Evtl. kann Sven hier mal bei der Celleschen Zeitung was locker machen ...


Autor: Joachim Gries, am 18.02.2015 um 20:47 Uhr

Hundestreit in Eschede: Beißerei oder nur Rangelei?

Übergriffe beißender Hunde in Eschede haben den Verein Hundesportfreunde Südheide (HSF) auf den Plan gerufen. "Wir sind aus der Bevölkerung auf die Vorfälle angesprochen worden", sagt der stellvertretende Vorsitzende Wolfgang Schlomm. Und Karina Tiebe, Übungsleiterin in dem Verein, ergänzt: "Wir haben große Sorge, dass Kinder, die mit Hunden spazieren gehen, von den großen Kangals attackiert werden, ohne dass deren Besitzer eingreift.

http://www.cellesche-zeitung.de/S377815 ... r-Rangelei

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Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von SammysHP » 19. Feb 2015, 10:57

Hatte ich gestern schon gesehen. Wirklich schlau wird man aus dem Artikel leider nicht.

Es ist wohl so, dass es in Eschede zwei Kangals gibt, die sich gelegentlich mit anderen Hunden anlegen und beißen. Eine betroffene Hundehalterin habe die Kangals beim Veterinäramt angezeigt. "Die Hunde müssten so funktionieren, wie es der Mensch will, nicht umgekehrt." (Dem stimme ich nur eingeschränkt zu. Zwar kann es nicht angehen, dass Hunde unkontrolliert andere Hunde beißen, aber Hunde sollen auch keine willenlosen Sklaven sein.)

Etwas komplexer wird das Thema, seit eine Art Hundeschule mit auf dem Plan ist.
"Seit einigen Jahrzehnten hat sich das früher eher unkomplizierte Verhältnis zwischen Mensch und Hund gewandelt. Hunde dürfen nicht mehr frei im Dorf umherstreifen, Artgenossen treffen (und manchmal vermöbeln, worüber sich einst niemand aufregte) ..." Verfasst wurde der Beitrag vom "Arbeitskreis Mensch und Hund Eschede" (ASF). Der trifft sich auf dem Gelände des "Hundesportzentrums Eschede". Dort vermittelt er keine spezielle Ausbildung, "sondern etwas viel Wichtigeres: Alltagstauglichkeit. Die üben wir mit jeder Teamzeit", so die Selbstdarstellung des Vereins im Mitteilungsblatt. Dort üben auch die beiden Kangals ihre Alltagstauglichkeit.
Auch der Verein "Hundesportfreunde Südheide" mischt sich da jetzt ein.
"Es ist gefährliches Halbwissen, das dort vermittelt wird", lautet ihre [Petra Richers vom HSF] Einschätzung.
Apropos Frau Richers.
Sie hat den Sachkundenachweis erbracht, ist ebenfalls Übungsleiterin, zudem Zuchtwartin beim Deutschen Rassehundeclub (DRC) Soltau und verfügt nach eigenen Angaben über viele Jahre Erfahrung mit Hunden.
Seit diesem Jahr wurden die Anforderungen an Hundetrainer extrem verschärft. Man braucht nun einige Zertifikate, das alles ist kostspielig, man muss nach gewissen Methoden arbeiten usw. Viele Hundetrainer in meiner Gegend müssen deswegen aufhören (weil ihnen die Zertifizierungen zu viel kosten oder weil sie andere Methoden einsetzen wollen). Genaueres kann ich dazu aber auch nicht sagen.
Sachkundenachweis ist jedenfalls ein Witz, "Übungsleiterin" dürfte sie nur noch mit den eben genannten Zertifizierungen sein, eine Zuchtwartsausbildung hat damit absolut nichts zu tun (macht meine Mutter gerade, allerdings beim VDH). Der DRC-Soltau scheint sowieso etwas komisch zu sein. Wenn ich es richtig sehe, ist er keinem Verband angeschlossen. (Sicher ist der VDH nicht der einzige Verband und auch dort gibt es einige Mängel, aber wenn jemand seinen eigenen, unabhängigen Zuchtverein mit mehreren Rassen aufmacht, erscheint mir das wenig vertrauenserweckend.) Wenn man nach dem Verein in Google sucht, findet man gleich auf der ersten Seite auch solche Meldungen oder solche oder solche. Aber ich schweife vom Thema ab.

Das Fazit des Ganzen ist jedenfalls:
Dem Veterinäramt beim Landkreis Celle lagen drei Hinweise auf einen der beiden Kangals vor. Die Überprüfung habe keine gesteigerte Aggressivität bei dem Vierbeiner ergeben, sagte Kreissprecherin Yvonne Jacobi. Auch beim ASF habe es keine Hinweise auf ein tierschutzwidriges Verhalten des Vereins gegeben. Sollte es weitergehende Anzeigen geben, sei die Gemeinde Eschede zuständig.

Widukind

Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von Widukind » 19. Feb 2015, 13:11

Erst einmal vielen Dank Sven für die Informationen.

ich hatte jetzt gedacht, daß dort ein Schäfer erste HSH-Versuche unternimmt, weil ja in Eschede ein Wofsrudel steht.
Aber die sind dann wohl einfach so in Privatbesitz als Haushunde unterwegs, wenn ich das richtig verstehe. Richtig ?

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