Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Alles rund um die wölfischen Vierbeiner zu Hause.
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SammysHP
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Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von SammysHP » 4. Mär 2014, 17:02

Klettern die Leute bei euch über die Zäune? Würde ich nie machen, erst recht nicht mit Hund. Zaun in der Nähe = Hund an die Leine. Der Hund kann sich am Zaun verletzen (vor allem am Stacheldraht, den man bei uns fast überall sieht) und er soll auch nicht mit den Tieren auf der anderen Seite spielen. Fertig.

balin
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Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von balin » 4. Mär 2014, 21:01

Wenn es immer so einfach wäre?
Bei mir ist sehr unterschiedliches Publikum unterwegs. Die einen wollen nicht gesehen werden, die anderen verlaufen sich in der Sackgasse und die dritten habe ich ausbezahlt, so daß ich theoretisch der einzige Benutzer des Weges ins Dornrößchenschloß bin.
In Sichtweite ist aber das Grand Casino, der Straßenstrich und der Vietnamesenmarkt ist auch fast in Rufnähe. Dazu kommen die krassen sozialen Unterschiede, die es hier auf kleinstem Raum gibt, so daß mir manchmal einfach die Spucke wegbleibt.
Um ehrlich zu sein, ich kann auf das ganze mitsamt den uniformierten Begleiterscheinungen gut verzichten und die Aufpasser hinter dem Zaun wären das Mittel der Wahl. Für alle die und zusätzlich für Hunde, Jäger und Wölfe hätte dann der Raum ein Loch.
Da geht es mir wie jedem Bergschäfer...ich verteidige meine Idylle. Aus der Sicht sind Kangals liebenswerte Zeitgenossen und sie entsprechen auch meiner Einstellung. Freie Kühe und freie Hunde passen gut zu mir. Ich mag selbstbewußte Tiere. ;-)
Nur muß ich das ganze relativ konfliktfrei in die Wirklichkeit einpassen. Ich denke, man sieht, daß ich darüber nachdenke. :-D

balin
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Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von balin » 5. Mär 2014, 21:37

So wie ich es gerade gelesen habe, ist die rechtliche Stellung von Herdenschutzhunden in Frankreich eine recht beschissene. Ein Hund gilt als streunend, wenn er sich mehr als hundert Meter von seiner Aufsichtsperson befindet und sich der Einwirkung durch diese vollständig entzogen hat. Als Ausnahme werden im Code Rural Artikel 213 lediglich Jagdhunde und Hunde zum Hüten von Tierherden aufgeführt. Da der Begriff recht weit gefasst ist, dürften die HSH auch mit dazugehören.
Die berufliche Nutzung ist hier das entscheidende Kriterium.
Nichtsdestotrotz sind die Verantwortlichkeiten an die Aufsichtsperson gebunden und diese ist in vielen Fällen schon von vorneherein im Schadensfall sowohl straf- als auch zivilrechtlich schuld. Die Nachweispflicht für nichtschuldhaftes Handeln liegt im wesentlichen beim Hundeführer. Etwas besser sieht es bei Hunden innerhalb einer Einfriedung aus. Passiert etwas innerhalb der Umzäunung, kann man von Fehlverhalten des entwaigen Opfers ausgehen. Das entlastet dann den Hundeführer Höhere Gewalt gäbe es noch, um den Hundeführer zu entlasten, solche unvorhersehbaren und unausweichlichen Naturereignisse werden in den meißten Schadensfällen allerdings nicht zur Verfügung stehen.
Man sieht, die Rechtsprechung ist nicht im Sinne der Tierhalter geregelt. Er bekommt einseitig die Verantwortlichkeiten zugeschoben und ist von lauter Unschuldslämmern umgeben. Wenn man mich fragt, da sollte man etwas dran ändern. Andere sollen auch auf sich selbst aufpassen müssen!
Man müßte zu den HSH mal die Gerichtsurteile sammeln. Es könnte leicht sein, daß hier durch das Recht das Schäferhandwerk ad absurdum geführt wird und nicht durch den Wolf. Die Herdenschutzhunde sind in dem Zusammenhang nur Mittel zum Zweck.

balin
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Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von balin » 7. Mär 2014, 07:09

Die Diskussion zu den Herdenschutzhunden und den Wölfen wird ja in Frankreich umfassender geführt und die Jeunes Agriculteurs sehen durch den Wolf ja die Existenz der Schafhaltung als ganzes gefährdet.
Hier ihre letzten Wahrheiten zum Wolf:
http://idele.fr/fileadmin/medias/Docume ... tablir.pdf
Im Punkt sechs werden die Patous angesprochen. Meine bescheidene Anmerkung...Touristen und Schafe gemeinsam hüten ist vor dem rechtlichen Hintergrund in der Tat schwierig.
Es gibt auf dieses Thesenpapier eine recht differenzierte Antwort bei Le Monde:
http://ecologie.blog.lemonde.fr/2014/03 ... r-le-loup/
Darin wird zu den Patous bestätigt, daß sie zu einer Gefahr werden können. Die Aufgabe des Halters der Patous und auch des Hirten sei aber, den Patous neben der Sozialisation bei den Schafen auch ein angemessenes Grundwissen über die realistische Gefahreneinschätzung für die Herde zu vermitteln.
Auch das ist leicht gesagt. Hund ist Wolf und umgekehrt, für die Zweibeiner mag das noch einfacher sein. Etwas erschwerend kommt noch hinzu, daß im Innenverhältnis der Halter des HSH die rechtliche Verantwortung für den Hund trägt, wenn der Hirte sein Angestellter ist. Für anderes sollte man einen Vertrag machen, vorsichtshalber, dummerweise habe ich nachgelesen und bin nicht mehr naiv. ;-)
Es gibt also eine Menge Fallstricke und nach meiner Meinung kommt es vor allem darauf an, ob man die Herausforderung "Wolf" annimmt Dann kommt auch was für die Tierhalter bei heraus, man muß nur verschiedenen Gruppen in den Hintern treten.
Die Schäfer und die anderen Weidehalter brauchen neben den guten Hunden auch ein gutes Regelwerk als Rahmenbedingung.
Und die scheinbar unbeteiligten Spaziergänger sollten sich hinter die Ohren schreiben, daß es mit dem Wolf auch Typen im Schafspelz gibt, die kräftige Zähne haben. Die harmlosen Schafe gibt es nicht mehr!
Übrigens, bei Le Monde stehen ein paar wichtige Zahlen mit Links, die man vielleich mal braucht, zb Schafsbestand, Verluste, Verluste durch Wölfe....Hunde

balin
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Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von balin » 9. Mär 2014, 06:06

In der Schweiz beschäftigt man sich doch recht gründlich mit Herdenschutzhunden, obwohl es nur ein paar Wölfe gibt. Vorausschauend gibt es vernünftigerweise deswegen auch ein umfassendes Gutachten zur rechtlichen Stellung der Herdenschutzhunde.
Hier der Link:
http://www.bafu.admin.ch/recht/01748/in ... bNoKSn6A--
Würde mich interessieren, ob das im neuen Handbuch Alp schon mit eingearbeietet ist. Ich habe leider nur die alte Ausgabe und damals gab es noch keine Wölfe in der Schweiz.
Jedenfalls ist das Gutachten toller Lesestoff, auch für Touristen. ;-) ....im Sinne der Konfliktvermeidung.

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Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von balin » 16. Mär 2014, 07:22

Für Deutschland habe ich speziell für Herdenschutzhunde bis jetzt nichts gefunden. Eine Übersicht über die grundlegenden Fragen gibt es hier:
http://www.hunderecht.eu/component/cont ... m-den-hund
Aus der Sicht eines Praktikers ist das ziemlich unbefriedigend und zeigt ziemlich deutlich, daß "Recht" im Verhältnis zu den tatsächlichen Problemen des Lebens eine recht unbeholfene Konstruktion ist.
Den mit so einem Regelkonstrukt fast unbearbeitbaren Fall der Herdenschutzhunde sollte man mal genauer durchdenken und den Vorschriftenmachern mal ein paar
erfolgversprechende Auswege aufzeigen. Wenn man die Wölfe schützt, muß man den Tierhaltern auch verläßliche Perspektiven beim Herdenschutz bieten.
Das gebietet schon alleine die Fürsorgepflicht. Weidehalter sind nicht Bürger dritter Klasse und wenn man von Tierrechten spricht, dann bitte auch in so einem Zusammenhang.
Hunderecht ist hierzulande in vielen Belangen Ländersache und wird ja auch von Gemeinden betrieben.
Das darf aber nicht zur Schikane für Hüte- und Herdenschutzhunde ausarten.
Viele der kritischen Punkte sind ja bei den Schweizern schon angesprochen.
Ich warte mal auf den fleissigen Menschen, der sich für Uns auch mal die Mühe an dieser Aufgabenstellung macht. ;-)

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Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von kangal2 » 16. Mär 2014, 13:49

Eigentlich ist es kein Problem:

https://fbcdn-sphotos-g-a.akamaihd.net/ ... 4528_o.jpg

Bleibt man stehen, ist es ok, geht man weiter, wird man sehen, was passiert.
Ich bin stehengeblieben. :-D

Hat man einen eigenen Hund dabei, sollte man es auf diese Distanz nicht ankommen lassen.

Klappt, wie hier in der Steppe und auch anderswo schon seit Ewigkeiten.
In einem Land mit Hundeverordnungen, "Kampfhunden", die keine sind und Herdenschutzhunden, die teilweise als "gefährliche Hunde" gelistet werden, ist es eben schwierig.
Deutschland ist hundemäßig inzwischen total verblödet.

balin
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Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von balin » 16. Mär 2014, 19:11

Du beschreibst es genau... das ist Galgenhumor. ;-)
Es gibt da aber nichts auszuweichen und wenn die Legislative solche Phänomene wie den Wolf positiv begleitet, dann muß sie es mit der Antwort, nämlich den Herdenschutzhunden auch machen. Wie du sagst, ist das nur das Nachvollziehen von althergebrachten Kräfteverhältnissen. In Natura ist das von altersher vollzogen, die Hamurabis von heutzutage haben aber bis jetzt offensichtlich nicht die Potenz um das praktikabel in die Neuzeit zu übersetzen.
Muß man Beine machen, und ich bin schon einigermaßen erstaunt, daß sie Tiere und Natur noch nicht als dritten Rechtsträger akzeptiert haben.
Ist auch ein Kulturkampf, aber hierzulande haben es ja schon Ausländer schwer. Kulturell hat Deutschland noch einiges Entwicklungspotenzial vor sich.

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SammysHP
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Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von SammysHP » 16. Mär 2014, 19:55

Hat zwar nichts mit dem Thema zu tun, muss ich aber unbedingt loswerden: Sehr schönes Foto!

Widukind

Re: Konfliktstrategie bei Hüte- und Herdenschutzhunden u.a.

Beitrag von Widukind » 16. Mär 2014, 22:42

kangal2 hat geschrieben:In einem Land mit Hundeverordnungen, "Kampfhunden", die keine sind und Herdenschutzhunden, die teilweise als "gefährliche Hunde" gelistet werden, ist es eben schwierig.
Deutschland ist hundemäßig inzwischen total verblödet.
Allerdings !!!

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