Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

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Grauer Wolf
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Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von Grauer Wolf » 2. Jun 2015, 18:30

Ich reiche das einfach mal so weiter...
Mit Grossraubtieren in der Nachbarschaft ist die Alpwirtschaft anspruchsvoller geworden. Einigen Schafhaltern wird das zu viel. Im Weisstannental und im Unterengadin werden erste Schafalpen nicht mehr bestossen.
http://www.suedostschweiz.ch/vermischte ... f-und-baer

Ich sag, gut so. Dann entstehen wieder die wilden Bergwälder, die für diese Regionen typisch sind. Almen sind schließlich ein künstliches Konstrukt aus Menschenhand...

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Caronna
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Re: Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von Caronna » 2. Jun 2015, 20:56

Gehören die Alpen nicht zu den Gebieten wo die Schafe einfach hochgetrieben werden und dort allein gelassen bis zum Winter? Wo sich Schäfer weigern verstiegene Tiere zur retten - weil es sich nicht lohnt?
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Grauer Wolf
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Re: Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von Grauer Wolf » 2. Jun 2015, 21:53

Caronna hat geschrieben:Gehören die Alpen nicht zu den Gebieten wo die Schafe einfach hochgetrieben werden und dort allein gelassen bis zum Winter? Wo sich Schäfer weigern verstiegene Tiere zur retten - weil es sich nicht lohnt?
Du hast es erfaßt. Die verlieren entschieden mehr Tiere durch schiere Vernachlässigung als durch sämtliche Wölfe der Region zusammen.

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zaino
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Re: Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von zaino » 3. Jun 2015, 10:05

So what, aufgelassene Almen wachsen halt einfach wieder zu, Ende. Der Wald holt sie sich zurück, gewissermaßen.
Und ja richtig, bei ausgeprägt extensiver Haltung KANN man sich gar nimmer um jedes Tier kümmern. Zudem, war mag heute noch monatelang "Almer" oder Senn sein, ganz oben, wo niemand sonst hinkommt. Täglich Melken, Tiere suchen, einfachen, verarzten, wieder suchen, v. a. nach Unwettern,
das ist nicht sooo romantisch, aber bestimmt eine essentielle Erfahrung, und anspruchsvoll.
Übrigens: Wenn der Almabtrieb ohne geschmückte Kranzkuh stattfindet, gabs oben Unfälle und Verluste. Und das passiert immer wieder, auch ohne Wolf und Bär. So ein Berg ist für sich genommen schon eine Naturgewalt, und den kann man schlecht abmontieren, ausradieren, wegschaufeln etc.

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Re: Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von balin » 3. Jun 2015, 12:23

Mache es mal! Mit zwanzig einigermaßen ausgewachsenen Rindern ist so eine Alpe auch für Wölfe akzeptabe und auch für den Betreiber. Die Wölfe gehen da nämlich aussenrum.
Schafe sind schon etwas sonderbar, deswegen hält man ja zusätzlich auch Ziegen dazu. zumindest der Ziegenbock ist ein ernstzunehmender Gegner für jeden Wolf. Jaja, die sind aber vor allem wegen der Büsche mit dabei. In den Kantabrischen Bergen gibt es noch Rinderrassen, die den Wölfen gewachsen sind und das ist auch Gegenstand des dortigen Herdenschutzprojektes.. Kann man den Schweizern bei ihrer Ausländerphobie fast nicht zumuten, aber, wenn sie ehrlich wären.... da haben andere in ihren Verhältnissen mal mehr geleistet, nämlich Rassen zu erhalten, die nicht nur den Standortverhältnissen angepasst leistungsfähig sind, sondern auch der Umwelt inklusive Wölfe standhalten.
Logisch, daß die Schweizer sich auf ihre Schätze auch erst rückbesinnen müssen.
Bei den Tschechen bezeichnen sie die Rasse Fleckvieh mit "Simmenthal". Große schwere Kühe und wenn die am Mont Blanc grasen würden, ist der bald nur noch dreitausend Meter hoch. Geht vielleicht noch für die Wölfe, aber für die Berge nicht mehr.
Berge mit Wolf brauchen spezielle Weidetiere und unzweifelhaft geht das zugunsten ders Waldes in Steillagen aus.
Wenn der Wald anstatt des Frostes die Berge zusammenhalten muß, ist das doch nur positiv.

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friloo
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Re: Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von friloo » 3. Jun 2015, 15:21

Hi,

es ist leider nicht zu erfahren wieviele Alpen (bairisch Almen) es im Weißtannental (St. Gallen, CH) gibt, 3 kleinere werden nun erstmals nicht genutzt. Dann macht man ein großes Geschrei drumrum, es sei wegen der Beutegreifer. Imho eine willkommene Ausrede, im vergangenen Jahr wurden auf den aufgelassenen Alpen 6 Tiere durch Wölfe gerissen. Bei einer Tiermenge von ca. 350 Schafen pro Alp (bei den 3 also ca. 1000 Tiere), muß man sich schon fragen dürfen wieviele denn an anderen Ursachen gestorben sind. Denn das von 1000 Tieren nach 4-5 Monaten, in einer ansich unwägbaren und gefährlichen Umgebung (vor allem wegen des Wetters), noch 1000 übrig sind ist eine Milchmädchenrechnung.

Wieviele Alpen/Almen wurden denn in den vergangenen 5 Jahrzehnten aufgegeben, aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, weil man keinen geeigneten Senn oder weil es Subventionen für kleine Betriebe nicht gibt? Im gesamten Alpenraum sind das bestimmt mehrere tausend Alpen/Almen.

Auch im Flachland ging die Weidewirtschaft stark zurück, so stark das heutzutage Schäfer als Landschaftspfleger eingesetzt und bezahlt werden, damit zB. die Wachholderheiden auf der Schwäbischen Alb nicht verbuschen.

Die Almwirtschaft erfordert vor allem bei Rindern spezielle (leichte) Rassen, die halt dann in der Milch- und Fleischleistung auch nur "leicht" sind. Das heutige, schwere Vieh (größerer Milch- und Fleischertrag) fördert mit seinen tiefen Tritten die Bodenerosion.

Von daher ist eine Wiederbewaldung zu begrüßen. Die Bodenerosion wird aufgehalten, Murenabgänge werden seltener und Bäume sind auch ein guter Lawinenschutz.

Insgesamt wäre das eine positive Entwicklung, die leider dem Tourismus schadet (der ja heute die wahre Milchkuh des Alpenraums ist).
Je älter ich werde, um so mehr nervt mich Dummheit.

mfg Hans

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Re: Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von chienloup » 3. Jun 2015, 18:19

Stimme vollumfänglich zu, aber warum soll das denn dem Tourismus schaden? Die Leute fahren doch in die Berge, weil es ein bisschen wilder ist, und nicht um gepflegte Almen oder sonstige "Kulturlandschaften" der Agrarindustrie anzuschauen. Meinetwegen kann es verwalden, verbuschen oder sonstwie wachsen, je mehr, desto besser. Außerdem tritt man seltener in gewisse Hinterlassenschaften.
Wir zerstören Millionen Blüten, um Schlösser zu errichten, dabei ist eine einzige Distelblüte wertvoller als tausend Schlösser.

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Grauer Wolf
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Re: Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von Grauer Wolf » 3. Jun 2015, 19:25

chienloup hat geschrieben:Stimme vollumfänglich zu, aber warum soll das denn dem Tourismus schaden? Die Leute fahren doch in die Berge, weil es ein bisschen wilder ist, und nicht um gepflegte Almen oder sonstige "Kulturlandschaften" der Agrarindustrie anzuschauen. Meinetwegen kann es verwalden, verbuschen oder sonstwie wachsen, je mehr, desto besser. Außerdem tritt man seltener in gewisse Hinterlassenschaften.
Ich finde diese ach so romantischen Almen, bei denen die Neckermänner feuchte Augen kriegen, nicht mal schön. Ich mag keine Postkartenidyllen. Ich liebe Bergwälder, je wilder, urtümlicher, ungezähmter, desto besser. Und dazu gehört eben auch mindestens der Wolf, je nach Gegend sogar der Bär...

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Re: Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von zaino » 4. Jun 2015, 09:32

Da spricht friloo was an: Auch in Österreich und Bayern gibts inzwischen viele nicht mehr bewirtschaftete Almen, so dass ich mich schon seit langem immer wieder gefragt hab, nanu, wo sind denn die KÜHE hin, die in meiner Kinderzeit da immer rumliefen?
Man findets "unwirtschaftlich", sie aufzutreiben, in manchen Gegenden treibt man wenn dann nur das Jungvieh und die "Bummerln" hoch, dann kann man die laufen lassen und muss nicht melken. Aber dann, Jahrzehnte später, ist der Wolf schuld.
Ich reg mich immer wieder über diese hinterhältige oder inkonsequente Argumentation auf.
Und nein, dem Tourismus dürft es nur in sofern schaden, als dann halt keine "Sennerin" mehr oben Bier serviert, sondern man seine Brotzeit halt selber hochkarren muss und bittschön den Müll wieder mit einpackt. Muren und Sturmschäden dürften bei Mehrbewaldung u. U. mit den Jahren zurückgehen. Und wie gesagt, der Almen-Verfalls-Prozess fing lange, lange VOR der Aera "Wolf" an.

balin
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Re: Erste Schafalpen verwaisen wegen Wolf und Bär

Beitrag von balin » 4. Jun 2015, 11:19

Der Mensch ist eben ein Savannentier und ich merke es an mir...mir gefällt meine Almlandschaft mächtig gut. Die Menschen haben ihren großen Entwicklungssprung in solcher Umgebung vollzogen. Man darf ihnen nicht übelnehmen, wenn sie sich in offenen Landschaften wohl fühlen.
Zu den Alpen/Almen gibt es einen tollen Link zur etwas hintergründigeren Information:
http://www.argealp.org/meldungen/arge-alp-almatlas
Die Bedingungen auf den Almen sind sehr unterschiedlich und man kann sich anhand der gelieferten Informationen ein Bild von den Herausforderungen machen, vor die sich die Almbetreiber gestellt sehen.
Das ist Lesestoff vor dem Bergurlaub. ;-)

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