Rückgang des Wildbestands bis 50%

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maxa67
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Re: Rückgang des Wildbestands bis 50%

Beitrag von maxa67 » 20. Feb 2018, 12:03

Die bekommens nicht gebacken, Wild differenziert zu betrachten. Bei Elli steht ja auch klipp und klar, daß das Muffelwild vor reichlich 100 Jahren importiert wurde. Und es konnte sich nur dank fehlender natürlicher feinde so lange und so stabil halten. Jedoch bei dieser Spezies (und nur bei den Muffels) stimmt aber die These, daß der Wolf die Bestände dezimiert. Rollofi würde dies auch so bestätigen, ich habs die letzten 10 Jahre am drastisch von ca. 600 auf wenige Dutzend zurückgegangenen bestand bei der Population in den Königshainer Bergen/Kämpferberge "erlebt". Sicher haben die Jäger auch ihren großen Anteil daran, aber der Wolf hat nennenswert mit dazu beigetragen.

In der Welt war 2013 ein ganz guter Artikel, inwelchem auch Gesa Kluth zitiert wird
https://www.welt.de/wissenschaft/umwelt ... d-aus.html

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Old Trapper
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Re: Rückgang des Wildbestands bis 50%

Beitrag von Old Trapper » 20. Feb 2018, 12:47

@ maxa
@ nina
Richtig ist, die Schalenwildstrecken der letzten Jahre in Niedersachsen und anderswo belegen eindeutig, dass der Wolf die Bestände von Rotwild, Damwild, Reh- und Schwarzwild nicht dezimiert.
Besonders stichhaltig wird das, wenn man die Streckenentwicklung der o. g. Arten in den Landkreisen mit der größten Wolfsrudeldichte gesondert betrachtet. Wie z. B. im Kreis Celle mit mehreren Wolfsrudeln. Auch hier gibt es bisher keinen Rückgang bei den Strecken!

https://www.ml.niedersachse,n.de/startseite/themen/wald_holz_jagd/jagd_niedersachsen/ue_jagd_und_recht/jagd-in-niedersachsen-5138.html

Meine Erfahrungen vor Ort zeigen, dass eine zunehmende Zahl der Jäger vor Ort das mehr oder weniger langsam auch begreift. Die Landesjagdberichte Niedersachsen entfalten in diesem Zusammenhang bei der Jägerschaft eine mit Sicherheit größere Wirkung als wissenschaftliche Arbeiten. Wenn auch nicht bei jedem Dumm- oder Hitzkopf und wenn dadurch auch nicht die Mehrheit der Jäger zu Wolfsfreunden wird.

Richtig ist allerdings auch, dass Muffelwild in Anwesenheit von Wölfen in ungeeigneten Lebensräumen nicht nur dezimiert, sondern völlig ausgerottet wird. Dies ist allerdings, wie oben bereits dargelegt, die Folge einer ökologisch unsinnigen künstlichen Ansiedlung allein zum Zwecke der Jagd in für Mufflons nicht artgerechten Lebensräumen.
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Nina
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Re: Rückgang des Wildbestands bis 50%

Beitrag von Nina » 20. Feb 2018, 13:21

Eigentlich hatte ich vorausgesetzt, dass wir kaum noch darüber diskutieren müssen, dass ein im norddeutschen Flachland zu reinen Jagdzwecken ausgesetztes Wildschaf, das normalerweise in den felsigen Regionen von Sardinien und Korsika beheimatet ist, gegenüber großen Beutegreifern kein angepasstes Fluchtverhalten entwickeln konnte wie das hier beheimatete Schalenwild. Die Strategie, sich das geschicktere eigene Klettervermögen auf höher gelegene Felsen zunutze zumachen, geht hier nicht auf.
Das vielfache Auftreten der Moderhinke aufgrund unserer feuchten Böden tut sein übriges dazu, solche Aussetzungen für das reine Jagdvergnügen auch ethisch und moralisch in Frage zu stellen. Soviel mal zum bewaffneten "Naturschutz", der sonst auch nicht gerade für einen derartigen tränenreichen Umgang mit anderen Neozoen wie beispielsweise Marderhunden und Waschbären bekannt ist.

Was die Sache lächerlich macht, ist der Pathos, mit dem die Diskussion um das Muffelwild geführt wird.
Old Trapper hat geschrieben:Die von dir genannten "Jagdstrecken" beeinhalten i. Ü. nicht nur geschossene Tiere, sondern auch Fallwild.
Ja und? Die Zahlen setzen sich seit Jahren aus geschossenen Tieren und Fallwild zusammen. Eine ausgerottete Population kann kein Fallwild produzieren - schon gar nicht in dem selben Maße wie zu Zeiten, als die Population noch als weitestgehend gesund und stabil galt.

Die Jagdstrecke in der Göhrde müsste völlig unabhängig vom Fallwildanteil den dramtischen Rückgang von angeblich 200-250 Muffel im Jahr 2014 auf den aktuellen Status "nahezu ausgelöscht" abbilden. Tut sie aber nicht:

Muffelwild-Strecke Landkreis Lüchow-Dannenberg:

2016/17: 17
2015/16: 24
2014/15: 11
2013/14: 26
2012/13: 28
2011/12: 22
2010/11: 12
2009/10: 24

Das Zitat von Gesa Kluth im WELT-Artikel lautet übrigens vollständig:
„Dort sind die Mufflons tatsächlich vollkommen verschwunden“, bestätigt Gesa Kluth vom Wildbiologischen Büro Lupus. Dazu hätten aber die sächsischen Jäger beigetragen, betont die Zoologin.

WELT, 27.05.2013: Wölfe löschen Mufflons in Deutschland aus https://www.welt.de/wissenschaft/umwelt ... d-aus.html
Und letztlich gäbe es für die Muffel ja Lösungen:
Das Dilemma lösen könne möglicherweise die Haltung in einem geschützten Bereich wie einem Gehege oder die Wiederansiedlung im Mittelmeerraum.

WELT, 27.05.2013: Wölfe löschen Mufflons in Deutschland aus https://www.welt.de/wissenschaft/umwelt ... d-aus.html
Also, dort wo es auch hingehört und Bedingungen vorfindet, an die es angepasst ist. Dann müssen Deutschlands Jäger halt mal eine Jagdreise mehr buchen.

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Old Trapper
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Re: Rückgang des Wildbestands bis 50%

Beitrag von Old Trapper » 20. Feb 2018, 16:05

@ Nina

Nina schreibt:
Die Jagdstrecke in der Göhrde müsste völlig unabhängig vom Fallwildanteil den dramtischen Rückgang von angeblich 200-250 Muffel im Jahr 2014 auf den aktuellen Status "nahezu ausgelöscht" abbilden. Tut sie aber nicht:

Muffelwild-Strecke Landkreis Lüchow-Dannenberg:

2016/17: 17
2015/16: 24
2014/15: 11
2013/14: 26
2012/13: 28
2011/12: 22
2010/11: 12
2009/10: 24

Hallo Nina,

ich habe einmal versucht, hier etwas Licht ins Dunkle zu bringen.
Nach Auskunft von Frau Schüssler vom Hochwildring Göhrde findet schon seit 2014 praktisch keine Bejagung des Muffelwilds mehr statt. Ursache war der starke Bestandsrückgang.
Inzwischen ist in der Göhrde der Bestand an Mufflons bis auf wenige Tiere erloschen.
Die von dir zitierten Muffelwildstrecken der letzten Jahre beinhalten bis auf wenige Ausnahmen kein erlegtes Wild, sondern fast nur noch Fallwild. Darunter Risse, Verkehrsopfer und ungeklärte Totfunde (worunter mglw. auch weitere Risse).
Eigentlich kann hier gar nicht von Jagdstrecken gesprochen werden.
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Re: Rückgang des Wildbestands bis 50%

Beitrag von Nina » 20. Feb 2018, 17:30

Dann versuche ich auch nochmal, etwas Licht ins Dunkle zu bringen.

Schau doch einfach nochmal in den Landesjagdbericht 2016/17, nach welchem im Landkreis Lüchow-Dannenberg 17 Tiere in der Jagdstrecke aufgeführt werden - von einer Population, die laut az-online gerade einmal 10-20 Tiere betragen haben soll. Auch in der Lüneburger Landeszeitung war von den Verantwortlichen von nur "maximal noch 20 Tieren" die Rede, und auch dieses sei allenfalls "eine vorsichtige Schätzung“.*

Wie erklärst Du Dir die konstant gleichbleibenden Streckenzahlen - egal ob Fallwild oder per Jagdwaffe erlegt - unabhängig davon, ob die Population 250 Tiere oder 10-20 Tiere beträgt? Eine Population, die erloschen ist, generiert keine Toten mehr, auch kein Fallwild.

Definiere doch bitte, was "praktisch keine Bejagung" in Zahlen bedeuten soll. Wie hoch sind denn die genauen Zahlen der per Jagdwaffe erlegten Tiere, wenn "bis auf wenige Ausnahmen" letztlich "fast nur noch Fallwild" zu beklagen ist? Wie genau ist die Aufteilung bei den 11 Tieren von 2014/15, bei den 12 Tieren von 2010/11 oder den aktuell 17 Tieren? Und selbst, wenn nur eines geschossen wurde - warum macht man das, wenn man gleichzeitig in der Presse herzergreifend und medienwirksam den Verlust der Population durch Wölfe beklagt?

Die Differenz zwischen Abschüssen und Fallwild liefert am Ende der Landesjagdbericht selbst. Auf Seite 26 findest Du die Grafik "Entwicklung der Muffelwildstrecke" seit 1958 (als noch weit weniger Mufflons in Niedersachsen gestreckt wurden als heute). Die rote Linie markiert die Gesamtstrecke, während die grüne Linie (die gaaanz weit unten) den Anteil an Fallwild beziffert.

Der Fallwildanteil ist seit 1958 übrigens auf weitestgehend niedrigem Niveau. 2016/17 wird die Gesamtstrecke auf 421 Tiere beziffert, während der Fallwildanteil bei rund 20 Tieren liegt (10 mm = 100 Tiere; die grüne Linie liegt in 2 mm Höhe).

Wenn jetzt im Landkreis Lüchow-Dannenberg "fast nur Fallwild" beklagt wird, wäre das schon nahezu der komplette Fallwildanteil für ganz Niedersachsen.
Verunfallen/verenden Muffel also nur im Landkreis Lüchow-Dannenberg und sonst nicht?

* https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/635631-635631

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Re: Rückgang des Wildbestands bis 50%

Beitrag von Old Trapper » 20. Feb 2018, 18:19

Nina schreibt:
Schau doch einfach nochmal in den Landesjagdbericht 2016/17, nach welchem im Landkreis Lüchow-Dannenberg 17 Tiere in der Jagdstrecke aufgeführt werden - von einer Population, die laut az-online gerade einmal 10-20 Tiere betragen haben soll. Auch in der Lüneburger Landeszeitung war von den Verantwortlichen von nur "maximal noch 20 Tieren" die Rede, und auch dieses sei allenfalls "eine vorsichtige Schätzung“.*

Wie erklärst Du Dir die konstant gleichbleibenden Streckenzahlen - egal ob Fallwild oder per Jagdwaffe erlegt - unabhängig davon, ob die Population 250 Tiere oder 10-20 Tiere beträgt? Eine Population, die erloschen ist, generiert keine Toten mehr, auch kein Fallwild.

Hallo Nina

Ob 2016 nun nur noch 10, 20 oder mehr als 20 Tiere im Bestand verblieben waren, das ist doch wenig relevant. Und Mitteilungen aus den Medien gegenüber muss man immer vorsichtig sein.
Die Population ist auch jetzt nach Aussagen des Hochwildrings Göhrde noch nicht ganz erloschen. Einige wenige Mufflons irren wohl noch herum.
Würde man allerdings nun z.B. 3 Risse finden, so könnten die im nächsten Streckenbericht auftauchen. Ohne, dass ein einziges Stück geschossen würde.
Die Streckenzahlen geben jedenfalls nicht durchgehend Aufschluß über die jeweilge Bestandsstärke.
Weshalb man in welchem Jagdjahr in der Göhrde jeweils wie viele Mufflons erlegt hat, das frage doch einfach mal vor Ort nach.
Mir hat man freundlich auf alle Fragen geantwortet.
Sehr freundlich und kompetent.
Lassen wir doch die Mufflons aus dem Spiel! Was die Entwicklung der übrigen Schalenwildarten angeht, da gebe ich dir bisher vorbehaltlos recht, hier gibt es keine ableitbaren Bestandsrückgänge. Und hier von 50%igen Rückgängen zu faseln kann niemand auch nur ansatzweise ernst nehmen.
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Re: Rückgang des Wildbestands bis 50%

Beitrag von Nina » 25. Feb 2018, 13:19

Old Trapper hat geschrieben:Die von dir zitierten Muffelwildstrecken der letzten Jahre beinhalten bis auf wenige Ausnahmen kein erlegtes Wild, sondern fast nur noch Fallwild. Darunter Risse, Verkehrsopfer und ungeklärte Totfunde (worunter mglw. auch weitere Risse).
Eigentlich kann hier gar nicht von Jagdstrecken gesprochen werden.
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was Du hier schönzureden versuchst. Die belegten Zahlen sind doch eindeutig:

Schau einfach in den aktuellen Landesjagdbericht und vergleiche den Fallwildanteil an der Gesamtstrecke: Von 421 toten Mufflons im Jagdjahr 2016/17 liegt der Fallwildanteil bei gerade einmal rund 20 Tieren, also bei 4,8%.

95,2% der Mufflons wurden von menschlichen Jägern gestreckt. Und da soll "nicht von Jagdstrecken gesprochen werden"? :?:

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Re: Rückgang des Wildbestands bis 50%

Beitrag von Old Trapper » 25. Feb 2018, 17:59

Nina hat geschrieben:
25. Feb 2018, 13:19
Old Trapper hat geschrieben:Die von dir zitierten Muffelwildstrecken der letzten Jahre beinhalten bis auf wenige Ausnahmen kein erlegtes Wild, sondern fast nur noch Fallwild. Darunter Risse, Verkehrsopfer und ungeklärte Totfunde (worunter mglw. auch weitere Risse).
Eigentlich kann hier gar nicht von Jagdstrecken gesprochen werden.
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was Du hier schönzureden versuchst. Die belegten Zahlen sind doch eindeutig:

Schau einfach in den aktuellen Landesjagdbericht und vergleiche den Fallwildanteil an der Gesamtstrecke: Von 421 toten Mufflons im Jagdjahr 2016/17 liegt der Fallwildanteil bei gerade einmal rund 20 Tieren, also bei 4,8%.

95,2% der Mufflons wurden von menschlichen Jägern gestreckt. Und da soll "nicht von Jagdstrecken gesprochen werden"? :?:

Hallo Nina,

Deine Replik verstehe ich leider nicht.
Du musst allerdings schon richtig lesen. Ich habe geschrieben, dass man bei der Strecke in der Göhrde (nur dort!) zuletzt nicht mehr von einer echten Jagdstrecke sprechen kann. Es wurden dort zuletzt keine Muffel mehr geschossen!
Die größten Muffelbestände befinden sich außerhalb von Wolfsgebieten. Selbstverständlich werden dort von Jägern weiterhin Mufflons zur Strecke gebracht. Noch.
Schönreden will ich gar nichts. Ich sehe auch nicht, was ich schöngeredet haben soll.

Old Trapper
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Re: Rückgang des Wildbestands bis 50%

Beitrag von Nina » 26. Feb 2018, 13:43

Sorry Old Trapper, aber Du redest Dich wirklich um Kopf und Kragen.

Wurden in der Göhrde laut Deinem letzten Post plötzlich zuletzt also gar keine Muffel mehr geschossen, fand noch in einem der Beiträge zuvor "praktisch keine Bejagung mehr" statt, wobei Du leider die Antwort schuldig geblieben bist, was "praktisch keine Bejagung" in Zahlen bedeutet. Gleichzeitig schriebst Du, dass die von mir zitierten Muffelwildstrecken "bis auf wenige Ausnahmen" aus Fallwild bestünden, wobei diese "wenigen Ausnahmen" ebenfalls quantitativ ungenannt blieben. Am Ende rietst Du mir sogar, dass ich die genauen Zahlen doch selbst beim Hochwildring erfragen sollte. Sind Dir die Zahlen tatsächlich nicht bekannt oder möchstest Du uns an Deinem Wissen nicht teilhaben lassen?

Wieviele Muffel sind denn jetzt Fallwild in der Göhrde und wieviele wurden geschossen? Keine, praktisch keine oder bis auf ein paar Ausnahmen keine?

Wie Du siehst, habe ich sehr genau gelesen, allein eine konkrete Antwort von Dir fehlt.

Der Landesjagdbericht liefert konkrete Zahlen, und zwar einen Fallwildanteil von rund 20 Mufflons bei einer Gesamtjagdstrecke von 421 Tieren - das sind unter 5% Fallwild und mehr als 95% geschossene Muffel für ganz Niedersachsen.

Da aber allein die aktuelle Jagdstrecke im Landkreis Lüchow-Dannenberg 17 Tiere beträgt, betrüge Deiner Theorie nach der Fallwildanteil dort rund 100%, während er im kompletten Rest von Niedersachsen gegen 0 ginge.

Sterben im Rest von Niedersachsen keine Muffel an Krankheiten, Altersschwäche, Unfälle oder eines sonstigen natürlichen Todes? Schwer vorstellbar und äußerst unwahrscheinlich.

Zudem halte ich es für eine tollkühne Theorie, den Süden und zum Teil den Osten Niedersachsens oder etwa den Landkreis Harburg, in denen das Muffelwild vorkommt, als "wolfsfreie Gebiete" zu erklären - gerade in der Nachbarschaft zu Sachsen-Anhalt und dem Grenzzipfel zu Brandenburg. Die aktuellen Wolfs-Verbreitungskarten zeigen Wolfsvorkommen in nahezu ganz Niedersachsen, auch wenn nicht überall Wolfsterritorien oder Repoduktionsnachweise belegt sind. Auf Seite 25 des aktuellen Landesjagdberichts findet der interessierte Leser eine Karte über die Verteilung der Muffelwildreviere mit Vorkommen in Prozent. Lüchow-Dannenberg ist auch vertreten, und zwar mit einem ziemlich prominentem Anteil...

Und letztlich stellt sich die Frage, warum sich die Natur dem deutschen Revierjagdsystem und dem Freizeitverhalten und den -gewohnheiten von wenigen Hobbyjägern unterwerfen soll oder ob man das Jagdsystem nicht an die veränderten Bedingungen - z. B. die Rückkehr der großen Beutegreifer und ein verändertes Bewusstsein der breiten Gesellschaft für die Natur - anpassen müsste.

Nina
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Re: Rückgang des Wildbestands bis 50%

Beitrag von Nina » 12. Mär 2018, 15:46

Hatte die neue Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast von der CDU nicht gerade noch öffentlich die Sorge um die Ausrottung u. a. der Rehe durch den Wolf geäußert? In der Celleschen Zeitung schrieb der Autor zudem noch von "schrumpfende Wildbeständen, der Wolf in allen Revieren"¹ usw. Jammer und Wehklagen, soweit das Auge reicht... :roll:

Bei der Hegeschau der Jägerschaften Fallingbostel und Soltau im Nachbarlandkreis bejubelt man allerdings offenbar auch gerade den zweitgrößten Streckenrekord aller Zeiten.

Die Jäger schießen so viel Schalenwild, dass sie bei der letzten Hegeschau schon vom Kreisjägermeister dazu angehalten wurden, dass es "gerne künftig auch etwas weniger sein dürfte". Laut Walsroder Zeitung legen sie deshalb auch "diesmal „nur“ den Bericht über die zweitgrößte Strecke aller Zeiten vor."

Walsroder Zeitung, 11.03.2018: Ordentlich Strecke gemacht: http://www.wz-net.de/wz_10_111483427-21 ... macht.html

Erfolgreich waren sie offenbar bei der Gelegenheit auch dabei, den SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil vom bösen, bösen Wolf zu überzeugen. Da treibt der sich also rum und pusht die Wünsche der Jäger zu diesem offenbar dringensten Thema unserer Republik in die Berliner Politik.

Die Jäger liebkost Herr Klingbeil mit verbalen Streicheleinheiten: "Der Bundestagsabgeordnete bemerkte, dass er vielen Menschen, die den ländlichen Raum nicht kennen würden, die Zusammenhänge erläutere."² Im Sinne der Jäger, versteht sich. Für uns als das Gros der Bürger und die tatsächlichen Nöte im ländlichen Raum wie den Breitbandausbau, den Ärztemangel und den spärlichen ÖPNV interessiert sich Herr Klingbeil dagegen ganz offensichtlich nicht.

Laut NDR haben wir folgenden Satz auf Seite 88 des Koalitionsvertrages unserem neuen niedersächsischen Umweltminister der SPD, Olaf Lies, zu verdanken:

""Wir wollen, dass Wölfe, die Weidezäune überwunden haben oder für den Menschen gefährlich werden, entnommen werden." Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) hatte sich für diesen Satz stark gemacht."³

Irgendwie wäre es ja nett gewesen, wenn sich Lies als VW-Aufsichtsratsmitglied mal für die Gesundheit aller Bürger und die Millionen betrogener Dieselfahrer stark gemacht hätte.

Noch im Oktober hatte Ministerpräsident Weil gesagt, dass das Versprechen, eine Bejagung von Wölfen könne auch nur ein einziges Problem lösen, "eine Verdummung der Bürgerinnen und Bürger" sei. Jetzt ist die Verdummung der Bürgerinnen und Bürger gleich in zwei Koalitionsverträgen durch die SPD festgeschrieben worden.

Hat die Jagdlobby jetzt endgültig die SPD-Parteizentrale gekapert und denen den Verstand mit Jägerkleister weggespült? :roll:

¹ http://www.cellesche-zeitung.de/S537240 ... e-Kuh-sein
² https://www.kreiszeitung.de/lokales/hei ... 83771.html
³ https://www.ndr.de/nachrichten/Auch-der ... fe546.html

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