Wie kann ich meine Mutterkühe schützen?

Die Beziehung zwischen Mensch und Wolf, Zusammenleben, Herdenschutz, Konflikte und Lösungen.
Schafwächter
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Re: Wie kann ich meine Mutterkühe schützen?

Beitrag von Schafwächter » 5. Apr 2017, 22:47

An den gräben ist doch die wahrscheinlichste durchbruch oder durchschlüpfstelle. Da solltest du jetzt schon eine lösung finden die sich mit den gewässerverbänden verträgt. Bei uns werden die gräben von subunternehmen des gewässerverbands ausgebaggert deswegen haben wir uns für die beschriebene mobile lösung entschieden. Die kombination strom über dem Wasser und wasser als erdung hat ganz gut gewirkt sowohl bei schafen als auch bei rindern als auch bei wölfen von denen wir hier viele haben. Für wölfe kann man gut hürden aussen einbauen indem man einen zaun nicht gerade zieht sondern ausläufer lässt z.b. an den ecken denn Panik bei weidetieren entsteht besonders dort wo die wölfe in der lage sind um den ganzen zaun herumzulaufen. In jedem fall sollten immer alle vorhandenen auch nicht genutzten zäune unter spannung stehen. Am besten sucht man sich von den Situationen die man woanders sieht immer das beste heraus.

balin
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Re: Wie kann ich meine Mutterkühe schützen?

Beitrag von balin » 6. Apr 2017, 08:20

Mit meinen fünf Kilometern Wildzaun bin ich noch lange nicht fertig und es deprimiert mich, wenn ich sehe, wie schnell die Hunde sich da unten durchwühlen.
Für die Kälber ist das aber schonmal dicht und das ist die halbe Miete. Bei mir gibt es noch keine Wölfe, aber ich habe sehr zupackende Treibhunde.
Wenn die Giftzwergr auftauchen schließt sich die Herde sofort zusammen. Bei mir sind jetzt die meißten Kälber schon da, da haben die Hunde einen schweren Stand. Die Kühe machen dann auch gezielt Jagd auf die Hunde, wenn die Kälber in der Herde sind.
So arg viel Sorgen mache ich mir deswegen noch nicht, wegen der Wölfe.
Wenn die Zäune fertig sind und wenn ab nächstem Jahr die Fläche vollständig arrondiert ist, werde ich aber das Experiment mit den Herdenschutzhunden starten. Mir ist schon klar, daß die auch durch die Zäune könnten, aber wenn die territorial genug sind um drin zu bleiben, dann müßte zumindest theoretisch das Problem gelöst sein, weil Wölfe und HSH sich dann gegenseitig an den Zäunen neutralisieren.
Zusätzlich habe ich auch noch zwei starke Netzgeräte, wenn es nötig ist. Die werden aber hier gerne geklaut, der Blitz macht sie kaputt und ausserdem habe ich starken Bewuchs, wegen dem Gestrüpp aussenrum. Hecken und Elektrozaun ist nicht die optimale Kombination.
Bei mir ist im Prinzip Standweide und die Landschaft ist sehr strukturiert. Ich muß mir am Bach also durchaus anderes überlegen als am Sumpf, am Waldrand oder neben Nachbars Acker. Und die Bahn direkt nebenan macht es auch nicht leichter.
Ich habe da schon eine Aufgabe vor mir, aber noch keine endgültigen Antworten. ;-)

Schafwächter
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Re: Wie kann ich meine Mutterkühe schützen?

Beitrag von Schafwächter » 6. Apr 2017, 13:35

SammysHP hat geschrieben:
4. Apr 2017, 22:40
Der Wolfsberater konnte die absolut nichts sagen? Komisch. Bei WikiWolves ziehen wir i.d.R einen Knotengeflechtzaun, rund 120 cm hoch, 30-40 cm tief im Boden eingegraben. Das ist dann eine richtige Festung (die natürlich ins Geld geht, oft aber auch übertrieben ist). Wer will, kann (zum Schutz des Zauns vor den Kühen) auch noch einen Elektrozaun ziehen. Wie effektiv der Untergrabeschutz ist, hängt natürlich auch von der Bodenbeschaffenheit ab. Die Gräben sind ein zusätzliches Problem, denn auch die müssen bis zum Grund eingezäunt werden. Dann bleibt natürlich alles mögliche im Zaun hängen.

Die Frage ist eher, wie nötig so ein Schutz ist. Erwachsene Rinder sind nicht wirklich im Beutespektrum der Wölfe. Viel zu groß und wehrhaft. Die Kälber sind nur dann gefährdet, wenn sie durch die Mutter nicht beschützt werden (können). Das kann zum einen ein fehlender Instinkt sein, zum anderen aber auch Überforderung. Ich habe ehrlich gesagt wenig Verständnis dafür, wenn sich eine Kuh um mehr als ein bis zwei Kälber kümmern muss. Klar, das gehört zum Geschäft, ist aber nicht natürlich. Probleme sind sozusagen selbstgemacht.
Jetzt muss ich auch mal nach einer Quelle fragen. Woher kommt die theorie das sich eine mutterkuh um drei oder mehr eigene kälber kümmert ausser daher dass sie hier so oft zu hören ist? Wenn es so ist dann ist das ja auch ohne wolf allenfalls im stall zu gewährleisten. Zwillingsgeburten sind bei unseren rindern schon selten. Drillinge hatten wir nie bei einem bestand von 100 kühen.

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Re: Wie kann ich meine Mutterkühe schützen?

Beitrag von SammysHP » 6. Apr 2017, 15:23

Ich weiß nicht, wie verbreitet die Ammenkuhhaltung ist. Ich habe es bislang aber schon ein paar Mal gesehen.

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Re: Wie kann ich meine Mutterkühe schützen?

Beitrag von zaino » 6. Apr 2017, 15:43

naja, aber bei so einem "Problemfall" - 1 Kuh päppelt 2 oder 3 Kälber - muss man doch eh ein Auge drauf haben, oder? Trinken alle gut, muss ich zufüttern, muss ich eins rausnehmen, weils nur rumgeschubst wird u.s.w. Denn in der Natur käme so eine Konstellation, glaube ich, nicht so oft vor. Ich werde solche Gespanne auch kaum auf die entfernteste Weide werfen und nur alle 3 Wochen danach sehen.
Wer das doch tut, der hat kein Recht, über Schwund zu maulen. Denn den kriegt er dann GANZ OHNE Wolf.

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Re: Wie kann ich meine Mutterkühe schützen?

Beitrag von Widukind » 6. Apr 2017, 19:59

SammysHP hat geschrieben:
5. Apr 2017, 15:51
Möchtest du noch etwas Produktives dazu beitragen? Dann wäre jetzt die Gelegenheit. ;)
Du, ich habe keine Probleme damit, wenn hier Leute, die betroffen sind, wie u. a. udo, Schafwächter, oder balin aus dem Nähkästchen plaudern.
Auch nicht, wenn Leute, die Ahnung von der Materie haben, wie Grauer Wolf, Lone Wolf, oder Kangal2 sich zum Thema äußern. Das ist alles sehr interessant.
Aber daß man dazwischen immer die in den Wind gespuckten Wichtigtuer-Postings rausfummeln muß, kann einem schon auf den Senkel gehen ;)

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Re: Wie kann ich meine Mutterkühe schützen?

Beitrag von Lutra » 6. Apr 2017, 20:25

Bei mir hier sind ringsum Wolfsrudel, also "viele" wie bei Schafswächter. Es gibt auch Mutterkuhhalter. Unser örtlicher Landwirt hat Angus, also hornlose. Ich hab noch bei keinem hier andere Zäunungen gesehen als die üblichen zwei Litzen. Ob das immer und auch zukünftig ausreichend ist gegen Wölfe kann ich nicht einschätzen. Bis jetzt rüstet aber noch niemand auf.

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Re: Wie kann ich meine Mutterkühe schützen?

Beitrag von balin » 6. Apr 2017, 21:19

Schwer zu sagen, gegen was ich aufrüsten muß, aber definitiv reichen da zwei Litzen sicherlich nicht aus Ich lebe schon sehr exponiert
Man empfiehlt mir Selbstschußanlage.. Ganz soweit bin ich noch nicht, aber ich registreiere schon einigen Respekt mehr vor den Zäunen.
ich glaube, das ist durchaus mit den Wölfen vergleichbar. Je komplizierter ein Einbruch ist, desto unwahrscheinlicher wird er.
Ich lerne da für die Wölfe. Sparringspartner sind da die anderen Deppen. ;-)
Für die Wölfe orientiere ich mich an meinen Hunden. Ich habe schon prophylaktisch graue Haare. :-D

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Re: Wie kann ich meine Mutterkühe schützen?

Beitrag von Nina » 7. Apr 2017, 15:38

udo hat geschrieben:Ein fehlender Schutz der Weidetiere kann mich Teile meiner Flächenprämie kosten (Cross-Complience-Verstoß),es drohen ordnungs- oder strafrechtliche Konsequenzen, dazu würden Tierverluste nicht entschädigt.
Wo bitte steht denn sowas geschrieben? :?: :roll:

1. Das Niedersäschische Umweltministerium empfiehlt derzeit allgemein keinen speziellen Schutz von Rindern vor Wolfsrissen:
Für ausgewachsene Rinder wird aktuell kein spezieller Schutz empfohlen. Kälber sollten in Wolfsgebieten im Freiland immer in der Mutterkuhherde gehalten werden. Rinder sind sehr wehrhaft, wobei der Herdenverband in der Regel einen guten Schutz vor dem Wolf darstellt.

Landtagsantwort/Drucksache 17/5003 vom 14.01.2016 "Gibt es konkrete Maßnahmen der Landesregierung zum Schutz von Rindern und Kälbern vor dem Wolf?" Frage 6, Seite 2 http://www.landtag-niedersachsen.de/ps/ ... attachment

2. Auch für die Gewährung von Billigkeitsleistungen im Schadensfall wird bezüglich der Haltung von Rindern allgemein kein besonderer Schutz vorausgesetzt:
Die Wahrscheinlichkeit eines Wolfsangriffs auf Rinder ist sehr viel geringer als auf Schafe, daher wird gemäß der Richtlinie Wolf für Rinderhalterinnen und Rinderhalter kein wolfsabweisender Grundschutz als Voraussetzung für die Auszahlung von Billigkeitsleistungen vorgeschrieben.

Landtagsantwort/Drucksache 17/5003 vom 14.01.2016 "Gibt es konkrete Maßnahmen der Landesregierung zum Schutz von Rindern und Kälbern vor dem Wolf?" Frage 6, Seite 2 http://www.landtag-niedersachsen.de/ps/ ... attachment

3. Lediglich für Kälber und Jungtiere, die nicht im Herdenverband gehalten werden können, gilt ein wolfsabweisender Schutz als angezeigt:
Sollte sich die Haltung im Herdenverband nicht umsetzen lassen, ist für Kälber und Jungrinder der Schutz durch einen wolfsabweisenden Zaun angezeigt, sodass Wölfe nicht auf die Weide gelangen können.

Landtagsantwort/Drucksache 17/5003 vom 14.01.2016 "Gibt es konkrete Maßnahmen der Landesregierung zum Schutz von Rindern und Kälbern vor dem Wolf?" Frage 6, Seite 2 http://www.landtag-niedersachsen.de/ps/ ... attachment

4. Für Gebiete, in denen 3 amtlich bestätigte Rinderverluste in einem Umkreis von 30 km innerhalb von 12 Monaten festgestellt worden sind, sind auch Präventionsleistungen förderfähig. Aktuell betrifft dies für ganz Niedersachsen nur den 30 km-Radius um Wietzendorf (Landkreis Heidekreis) und einen 30 km-Radius zwischen Cuxhaven und Stade.¹


5. Hinsichtlich der Cross-Compliance-relevanten Verstösse ist die stark vereinfachte Formel "unzureichender Herdenschutz = CC-relevanter Verstoß" unzutreffend und unseriös, denn letztlich sind dafür verschiedene Faktoren maßgeblich:

a)
Die Formulierungen in der EG-Richtlinie, ebenso wie die in der TierSchNutztV, verdeutlichen, dass ein absoluter Schutz vor Raubtieren oder Beutegreifern nicht möglich und insofern auch nicht gefordert ist.

Tierschutz und Cross Compliance: Schutz von Nutztieren vor Raubtieren, Rd.Erl. d. ML vom 09.01.2017, 204.3-0122-94-1 VORIS 78530, Nds. MBl Nr. 3/2017 Seite 114 http://www.niedersachsen.de/download/11 ... 77-120.pdf
b) Die Beurteilung erfolgt einzelfallbezogen und unter Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Die dabei eine Rolle spielenden Faktoren sind u.a.

- die tatsächlich vorhandene Gefährdungslage - z. B. Vorkommen von Wölfen, Rissen etc.
- Möglichkeiten und Beschränkungen von Schutzmaßnahmen, z. B. Baurecht, örtliche Besonderheiten, Möglichkeit von Herdenschutztieren etc.
- Art der Nutztierhaltung (Stall-/Weidehaltung)
- Nutztierart (z. B. unterschiedliche Schutz-Anforderungen für Schaf- und Rinderherden)
- Cross Compliance Sanktionierungen setzen eine unmittelbare Anlastung an den betreffenden Betriebsinhaber oder dessen fahrlässiges oder vorsätzliches Handeln voraus²
Beispiel 1: Für Milch- oder Fleischrinder stellt die gängige Form der Weidehaltung (Herdenhaltung - bei der Fleischrinderhaltung auch einschließlich Kälbern - unter Einzäunung mit ein bis zwei Reihen Stacheldraht oder einem eindrahtigen Elektrozaun) in der Regel auch in Wolfsgebieten einen ausreichenden Schutz dar, der tierschutzrechtlichen Vorgaben nicht widerspricht und daher auch nicht als Cross Compliance-relavanter Verstoss zu ahnden ist.

Tierschutz und Cross Compliance: Schutz von Nutztieren vor Raubtieren, Rd.Erl. d. ML vom 09.01.2017, 204.3-0122-94-1 VORIS 78530, Nds. MBl Nr. 3/2017 Seite 114 http://www.niedersachsen.de/download/11 ... 77-120.pdf

Mehr Informationen zum Thema "Cross-Compliance-Zahlungen, Tierschutz und der Wolf" finden sich auch in der Landtagsantwort/Drucksache 17/7585 vom 13.03.2017.³


Die Gräben als Rinder-Tränken zu benutzen, ist allgemein übrigens nicht unumstritten. Ich habe selbst leidvolle Erfahrungen mit einem in einen Graben gerutschtes Pferd machen müssen, das aber glücklicherweise gerettet werden konnte.
Bei Oberflächengewässern ist ein direkter Zugang der Rinder zum Gewässer zu vermeiden, um einer Verbreitung von Parasiten und sonstigen Krankheitserregern infolge von Wasserverschmutzung und einer Verschlammung vorzubeugen. [...]
Tränkung aus natürlichen Gewässern darf nur erfolgen, wenn die Uferränder einen festen Untergrund haben und so Morastbildung verhindert wird. Gelingt dies nicht, wird das Auftreten von Parasitosen und Klauenerkrankungen begünstigt.


Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz, Merkblatt Nr. 85: Ganzjährige Freilandhaltung von Rindern, S. 13-14

Selbst bei Nutzung von Pumpen würde ich mir in der Wesermarsch eher ernsthafte Gedanken um die zukünftige Wasserversorgung meiner Tiere machen - weil mit der von der Politik angepeilten Weservertiefung auch eine Versalzung der Gräben zu erwarten ist - als dass mir als Rinder- oder Pferdehalter ausgerechnet ein paar Wölfe Kopfzerbrechen bereiten würden.



¹ Präventionsanträge zum Schutz von Rindern vor Wolfsangriffen im Rahmen der Richtlinie Wolf
– Sonderfall für Rinder im Gebiet zwischen Cuxhaven und Stade und im Raum Wietzendorf (Landkreis Heidekreis)

http://www.nlwkn.niedersachsen.de/start ... 45869.html

² vgl. Tierschutz und Cross Compliance: Schutz von Nutztieren vor Raubtieren, Rd.Erl. d. ML vom 09.01.2017, 204.3-0122-94-1 VORIS 78530, Nds. MBl Nr. 3/2017 Seite 114 http://www.niedersachsen.de/download/11 ... 77-120.pdf [/quote]

³ "Cross-Compliance-Zahlungen, Tierschutz und der Wolf" finden sich auch in der Landtagsantwort/Drucksache 17/7585 vom 13.03.2017 http://www.landtag-niedersachsen.de/ps/ ... attachment

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Re: Wie kann ich meine Mutterkühe schützen?

Beitrag von Schafwächter » 7. Apr 2017, 18:33

Es wird ja nur kein spezieller Schutz empfohlen weil der Standard allgemein ausreichend sein soll und stelt keinen Verstoß dar. Das heisst wenn Wölfe das nicht wissen und der "Fall" tritt ein ist es ein Verstoss weil es die wölfe nicht abgehalten hat. Das hat dann mit ausgleichszahlungen nichts zu tun die werden schliesslich mit den cc Sanktionen verrechnet. Das wort billigkeit ist doch sehr zweideutig. Die Politik in Niedersachsen wenn es um den wolf geht erinnert doch sehr an die Diskussionen um djie Kernenergie. Lügen, beschwichtigen, verharmlosen und relativieren mit unpassenden Vergleichen; Parteien und Rollen sind vertauscht.

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