Folgen des Ukraine Krieges: Weniger Jagd - mehr Wolfsangriffe

Über freilebende Wölfe in Europa.
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Erklärbär
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Folgen des Ukraine Krieges: Weniger Jagd - mehr Wolfsangriffe

Beitrag von Erklärbär » 20. Mär 2019, 21:41

Interessanter Bericht der New York Times über die Auswirkungen des Krieges.

https://www.nytimes.com/2018/08/15/spor ... nting.html

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SammysHP
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Re: Folgen des Ukraine Krieg: Weniger Jagd - mehr Wolfsangriffe

Beitrag von SammysHP » 20. Mär 2019, 22:04

Die Überschrift trifft es nicht ganz. Das Problem ist - so I'm Artikel beschrieben - vielmehr die sich ausbreitende Tollwut ohne wirklich etwas dagegen unternehmen zu können, da die Jagd in den Grenzregionen untersagt ist. Und das betrifft nicht nur Wölfe, sondern auch andere Arten wie beispielsweise Füchse. Auch wird betont, dass frei lebende Hunde ein deutlich größeres Risiko darstellen.

Die wohl wichtigste Aussage im Artikel:
“The war didn’t bring anything good,” he said.

Erklärbär
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Re: Folgen des Ukraine Krieges: Weniger Jagd - mehr Wolfsangriffe

Beitrag von Erklärbär » 20. Mär 2019, 23:22

Ich frage mich auch, warum die NYT diese Überschrift gewählt hat.

Aber erinnert eben auch fatal daran, dass es häufig zu Kriegszeiten zu Problemen mit Wölfen kommt.

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Redux
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Re: Folgen des Ukraine Krieges: Weniger Jagd - mehr Wolfsangriffe

Beitrag von Redux » 22. Mär 2019, 11:58

Ja da sollte die Überschrift wohl geändert werden
NO DOGS NO MASTERS !

Nina
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Re: Folgen des Ukraine Krieges: Weniger Jagd - mehr Wolfsangriffe

Beitrag von Nina » 25. Mär 2019, 14:07

Ich lese aus dem Artikel vor allem wieder die typischen Unkenrufe der Vertreter der Jagd, dass der Krieg ihr Hobby behindert und die angeblich mangelnde Bejagung der großen Beutegreifer angeblich zu einer "Überpopulation" führen würde. Blablabla.

In sämtlichen (hobby-)jagdfreien Gebieten, wie zum Beispiel dem Kanton Genf oder die Füchse betreffend das Land Luxemburg, beweist die Praxis, dass die angebliche Populationsexplosion aufgrund fehlender Bejagung nichts weiter als stumpfes Jägerlatein ist.
In Luxemburg ist der Fuchs seit 2015 keine jagdbare Art mehr. [...] Ausufernde Fuchsbestände, die Übertragung von Wildkrankheiten - nichts von dem, was der örtliche Jagdverband FSHCL prophezeit hat, ist eingetreten. Auch nicht die Befürchtungen deutscher Jagdlobby-Organisationen, das Fuchsjagdverbot würde mit einem Anstieg der Zahl der Füchse im benachbarten Rheinland-Pfalz einhergehen. [...] Wie etliche wissenschaftliche Forschungsarbeiten belegen, kann selbst durch sehr intensive jagdliche Maßnahmen die Zahl der Füchse mittelfristig nicht reduziert werden. Die Tiere bekommen mehr Nachwuchs und leer geschossene Fuchsreviere finden durch Zuwanderung schnell neue Revierinhaber.

Natur- und Forstverwaltung im Großherzogtum Luxemburg haben keine Probleme durch das Fuchsjagdverbot festgestellt; es gibt keine Indizien für eine Zunahme der Fuchspopulation, und die Befallsrate der Füchse mit dem Fuchsbandwurm hat sich seit dem Jagdverbot verringert.

Presseportal, 11.02.2019: In Luxemburg funktioniert die Natur auch ohne Fuchsjagd- Jagdverbot geht in das fünfte Jahr
https://www.presseportal.de/pm/133267/4189362
Die Erfahrungen mit der Bekämpfung der Tollwut belegen, dass eine Bejagung keinen Einfluss auf ihre Ausbreitung hat, sondern dass sie nur über eine flächendeckende Ausbringung von Impfködern per Flugzeug wirksam einzudämmen ist.
Die Impfköder wurden per Flugzeug über gefährdeten Gebieten abgeworfen und in Städten per Hand ausgelegt. [...] Seit Beginn der flächendeckenden Impfung sank die Zahl der gemeldeten Tollwutfälle von 10.484 im Jahr 1983 auf 56 Fälle im Jahr 1999.

Süddeutsche Zeitung, 17.05.2010: "Die Überwachung wird weitergehen" https://www.sueddeutsche.de/wissen/toll ... n-1.573601
Die Abwurf-Methode hat sich als die effizienteste Variante zur Tollwut-Immunisierung erwiesen. [...] "Einzelaktionen der Länder würden wenig Sinn machen, denn die Füchse kennen diese Grenzen gar nicht und der fliegerische Einsatz ist präziser, wenn man nicht an der Landesgrenze umdrehen muss."

Stimme.de, 28.09.2005: Infektionskette der Fuchs-Tollwut unterbrechen https://www.stimme.de/kraichgau/nachric ... 943,627561
In the eastern Ukraine village Mykolaipillya, residents say that wolves are suspected of killing nine dogs in late February and early March.

New York Times, 15.08.2018: A Consequence of Ukraine’s War: Less Hunting, More Wolf Attacks https://www.nytimes.com/2018/08/15/spor ... nting.html
Der Zusammenhang mit dem Krieg erschließt sich nicht - die Hunde werden dort tierquälerisch an der kurzen Kette gehalten, wie die Bilder eindrucksvoll belegen.
Das Phänomen ist beschrieben und hat mit dem Krieg nichts zu tun, sondern ist allein einer katastrophalen, in keinster Weise artgerechten, Haltungsform von Hunden geschuldet.
In Finnland und Russland haben Übergriffe von Wölfen auf Hunde andere Ursachen. Dort haben einige Wölfe gelernt, dass Hunde - vor allem kleinere Rassen und Kettenhunde - eine leichte Beute sind und töten sie zum Nahrungserwerb (BOLOGOV & MILTNER 2003; KOJOLA et al. 2004). [...]
Auch in Polen gab es 2005 einen Fall, in dem sich ein Wolfsrudel auf das Töten von Hunden spezialisiert hatte. Innerhalb von wenigen Monaten fielen 30 Hunde den Wölfen zum Opfer. Die meisten wurden von der Kette gefressen.

Bundesamt für Naturschutz, Bfn-Skript 201, 2007: I. Reinhardt, G. Kluth: Leben mit Wölfen - Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland, Seite 102 https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/docume ... ipt201.pdf
Der Zusammenhang zwischen Wolfsangriffen auf Menschen und einer angeblich fehlenden Bejagung von Wölfen ist frei erfunden und hat mit der Realität nichts zu tun:
Vergleicht man die Häufigkeit von Wolfsangriffen auf Menschen mit den Angriffen anderer Großraubtiere und von Wildtieren generell, wird offensichtlich, dass Wölfe, zieht man ihre Größe und ihr Raubtierpotential in Betracht, zu den am wenigsten gefährlichen Arten gehören (LINNELL et al. 2002).

Bundesamt für Naturschutz, Bfn-Skript 201, 2007: I. Reinhardt, G. Kluth: Leben mit Wölfen - Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland, Seite 109 https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/docume ... ipt201.pdf
Eine häufig vertretene Meinung ist, dass Wölfe in unbejagten Populationen früher oder später ihre Vorsicht gegenüber dem Menschen verlieren und in Konsequenz für den Menschen gefährlich werden. Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg. [...] Die wenigen nach 1950 aus Europa bekannten Fälle, in denen nicht tollwütige wilde Wölfe Menschen getötet haben, geschahen in einer bejagten Population (Spanien). [...] Tiere, die nicht bejagt werden, fangen nicht per se an, sich für Menschen zu interessieren. Solange sie keine Anreize erfahren, sich dem Menschen zu nähern, werden sie ihn weitgehend ignorieren.

Bundesamt für Naturschutz, BfN-Skript 502, 2018: I. Reinhardt, P. Kaczensky, J. Frank, F. Knauer und G. Kluth: Konzept zum Umgang mit Wölfen, die sich Menschen gegenüber auffällig verhalten - Empfehlungen der DBBW , Seite 14 https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/servic ... ipt502.pdf
Bei den zurückgelassenen Haus- und Nutztieren in der Ukraine verhält es sich nicht anders als wie mit allen ungeschützten Nutztieren hierzulande.
Die Opferzahlen an Menschen- und Tierleben, die der menschgemachte Krieg - nicht der Wolf - fordert, lassen erschrecken:
More than 10,000 people have been killed during the war, and 1.5 million more have been displaced. Animals have also been adversely affected by the shooting and shelling, including many dogs and cats left behind when their owners fled the fighting.

New York Times, 15.08.2018: A Consequence of Ukraine’s War: Less Hunting, More Wolf Attacks https://www.nytimes.com/2018/08/15/spor ... nting.html


Krieg ist schlimm - aber diese Projektion schlimmster menschlicher Abgründe auf ein Wildtier erinnert eher an die Anekdoten von Valerius Geist oder misslungene Titel von Berichten aus der "WELT": "Wenn die Wölfe kommen, nahen Kälte, Krieg und Tod" https://www.welt.de/geschichte/article1 ... d-Tod.html :roll:

Erklärbär
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Re: Folgen des Ukraine Krieges: Weniger Jagd - mehr Wolfsangriffe

Beitrag von Erklärbär » 25. Mär 2019, 16:13

Die New York Times ist vermutlich also das Sprachrohr der Jäger! LOL. Cave lobbyismum! Kann man also auch zur Lügenpresse heften :lol:

Bleibt bald nicht mehr viel zu lesen. Wir sind umzingelt von Jägerlobbyisten. Hinter jedem Baum kann einer stecken.

Und was Du nur mit Füchsen hast? Um die geht es doch gar nicht. Und ja, ein tollwütiges Tier gehört "entnommen". Tollwütige Wölfe wären das Letzte, was wir hier brauchen.
Ich weiß auch, an wem der Job kleben bleibt, sicher nicht beim NABU.

Nina
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Re: Folgen des Ukraine Krieges: Weniger Jagd - mehr Wolfsangriffe

Beitrag von Nina » 25. Mär 2019, 17:16

Erklärbär hat geschrieben:Und was Du nur mit Füchsen hast? Um die geht es doch gar nicht.
SammysHP hat geschrieben:Die Überschrift trifft es nicht ganz. Das Problem ist - so I'm Artikel beschrieben - vielmehr die sich ausbreitende Tollwut ohne wirklich etwas dagegen unternehmen zu können, da die Jagd in den Grenzregionen untersagt ist. Und das betrifft nicht nur Wölfe, sondern auch andere Arten wie beispielsweise Füchse.
Nikolai Yatsura was attacked by a rabid fox last year in the eastern Ukraine village of Zvirove. [...]And predators like foxes and wolves are appearing in greater numbers and coming into closer contact with humans, pets and barnyard animals in rural areas. [...] Hunting officials said the population of foxes had increased as much as fourfold in eastern Ukraine since the war there began. Last Nov. 7, Nikolai Yatsura walked to the lake in the village of Zvirove, expecting to see how the fish were biting. Instead, he found out how the foxes were biting. [...] Foxes account for about a third of the rabies cases in Ukraine, according to a report by the European Commission.

New York Times, 15.08.2018: A Consequence of Ukraine’s War: Less Hunting, More Wolf Attacks https://www.nytimes.com/2018/08/15/spor ... nting.html
Erklärbär hat geschrieben:Die New York Times ist vermutlich also das Sprachrohr der Jäger! LOL.
But a number of hunters say [...]
Villagers and hunting officials express concern for [...]
Hunting organizations also say [...]
the head of the hunting and fishing society said [...]
the head of the department of forestry and hunting in the province of Donetsk said [...]
head of the hunting society in the Donetsk region said [...]
local hunting societies made yearly estimates [...]
Ivan Udod, in background, once hunted pheasants, rabbits and foxes [...]
Some hunters theorize [...]
Some [hunters] also believe [...]
Hunting officials said [...]
Igor Savon, the head of the hunting and fishing society in the district of Slovyansk, said [...]
Some hunting officials complain [...]
Nikolai Dikhtenko, the mayor of the village of Andriivka, who is also a hunter, said [...]
Huntsmen, known as jaegers, are certified [...]
But hunting societies often [...]
Pavel Patenko, a part-time taxidermist in Kremenivka, said [...]

New York Times, 15.08.2018: A Consequence of Ukraine’s War: Less Hunting, More Wolf Attacks https://www.nytimes.com/2018/08/15/spor ... nting.html
Wissenschaftler kommen da (bis auf einen Veterinär) nicht zu Wort, auch kaum andere Personen, die nichts mit der Jagd am Hut haben.

Tipp für den Erklärbär: Artikel nicht nur verlinken, sondern auch mal selber lesen. Und verstehen natürlich. :D

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Re: Folgen des Ukraine Krieges: Weniger Jagd - mehr Wolfsangriffe

Beitrag von Erklärbär » 25. Mär 2019, 22:40

Naja, welche Wissenschaftler meinst Du forschen gerne an der Front, zwischen Kugelhagel? LOL. Wie naiv wieder...

Viele Grüße an das Fuchsforum äh Wolfsforum! Oder? :-?

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