Wölfe und Interspezies-Interaktionen

Themen, die den Wolf im Allgemeinen betreffen.
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Dr_R.Goatcabin
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Wölfe und Interspezies-Interaktionen

Beitrag von Dr_R.Goatcabin »

Es gehört zum Allgemeinwissen für jeden Wolfsbegeisterten, dass Wölfe und Raben zusammenarbeiten. Dazu gibt es auch Artikel von Stahler, Vucetich, Kaczensky und anderen. Kleinere Caniden sind weder direkt Feind, aber Freunde eben auch nicht, und werden entweder nur verjagt oder nach Situation auch gezielt getötet.

Weniger scheint darüber bekannt zu sein, wie Wölfe andere Spezies wahrnehmen, die hinsichtlich Größe und Grad der Wehrhaftigkeit nicht primär nur als nächstes Frühstück gelten. Generell ist es ein hoch spannendes Thema, wie Tiere ihre artfremden Genossen im Lebensraum erkennen und akzeptieren, die entweder diesselbe ökologische Nische beanspruchen, oder auf dem Baum nur Nüsschen fressen. Gibt es zum Wolf dahingehend Erkenntisse, die in der Literaturliste noch nicht erfasst sind? Diverse Arbeiten wie jene von Wikenros(*) beschäftigen sich beispielsweise zwar mit der Revieraufteilung und Kleptoparasitismus (mein neues Lieblingswort :mrgreen: ) zwischen Wolf und Luchs, weniger aber mit Details bei Konfrontationen (das vermutlich deutlich längere Beobachtungszeiten erforderte).

(*) Wikenros et al. (2010): Competition between recolonizing wolves and resident lynx in Sweden. DOI: 10.1139/Z09-143.

Ich hatte mir kürzlich noch zwei Bücher zugelegt (Safina, 2016: Beyond Words: What Animals Think and Feel; Godfrey-Smith, 2018: Other Minds: The Octopus And The Evolution Of Intelligent Life), aber da geht es wohl weniger um Wölfe, und der Schwerpunkt liegt eher bei Emotionen und Geisteszuständen der Tiere generell. Trotzdem sicher empfehlenswert.
"Though this be madness, yet there is method in 't ..."
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Dr_R.Goatcabin
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Re: Wölfe und Interspezies-Interaktionen

Beitrag von Dr_R.Goatcabin »

Ordiz et al. (2020): Individual Variation in Predatory Behavior, Scavenging and Seasonal Prey Availability as Potential Drivers of Coexistence between Wolves and Bears. DOI: 10.3390/d12090356. Google Translate Volltext

Abstract
Mehrere große Carnivorenpopulationen erholen sich von früheren Bereichen, und es ist wichtig, die interspezifischen Wechselwirkungen zwischen überlappenden Arten zu verstehen. In Skandinavien haben neuere Forschungen berichtet, dass die Anwesenheit von Braunbären die Auswahl des Lebensraums von Grauwölfe und die Tötungsraten beeinflusst. Hier haben wir die zeitliche Nutzung einer gemeinsamen Beuteressource durch sympatrische Wölfe und Bären charakterisiert und individuelle und saisonale Unterschiede in ihren direkten und / oder indirekten Wechselwirkungen beschrieben. Die meisten Bären-Wolf-Interaktionen erfolgten indirekt über das Abfangen von Wolfstötungen durch Bären. Bären verwendeten> 50% der Wolfstötungen, während wir keinen Wolfsbesuch bei Bärentötungen verzeichneten. Erwachsene und subadulte Bären besuchten Wolfstötungen, weibliche Bären mit Jungen des Jahres, die für Artgenossen und andere Raubtiere am anfälligsten sind, jedoch nicht. Die Tötungsraten von Wolf und Bär erreichten im Frühsommer ihren Höhepunkt, wenn beide auf neugeborene Elchkälber abzielten, was mit einer Verringerung der Bärenfangrate zusammenfiel. Einige Bären waren sehr räuberisch und andere töteten kein Kalb. Individuelle und Altersklassenvariationen (in Bezug auf Bärenjagd und Aufräummuster) und Saisonalität (in Bezug auf Bärenauffangmuster und Verfügbarkeit der Hauptbeute von Wölfen und Bären) könnten die Koexistenz dieser Apex-Raubtiere vermitteln. Ähnliche Prozesse treten wahrscheinlich in anderen Ökosystemen mit unterschiedlichen Fleischfresser-Ansammlungen auf.Individuelle und Altersklassenvariationen (in Bezug auf Bärenjagd und [Nahrungs-]Suchmuster) und Saisonalität (in Bezug auf Bärensuchmuster und Verfügbarkeit der Hauptbeute von Wölfen und Bären) könnten die Koexistenz dieser Apex-Raubtiere vermitteln. Ähnliche Prozesse treten wahrscheinlich in anderen Ökosystemen mit unterschiedlichen Carnivoren-Ansammlungen auf. Individuelle und Altersklassenvariationen (in Bezug auf Bärenjagd und Suchmuster) und Saisonalität (in Bezug auf Bärensuchmuster und Verfügbarkeit der Hauptbeute von Wölfen und Bären) könnten die Koexistenz dieser Apex-Raubtiere vermitteln. Ähnliche Prozesse treten wahrscheinlich in anderen Ökosystemen mit unterschiedlichen Carnivoren-Ansammlungen auf.
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